{"id":1117287,"date":"2026-06-24T03:41:14","date_gmt":"2026-06-24T03:41:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1117287\/"},"modified":"2026-06-24T03:41:14","modified_gmt":"2026-06-24T03:41:14","slug":"ns-zwangsarbeit-in-stuttgart-am-schlimmsten-war-es-bei-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1117287\/","title":{"rendered":"NS-Zwangsarbeit in Stuttgart: Am schlimmsten war es bei der Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Schmidts Forschungsergebnisse best\u00e4tigen einmal mehr, wie allgegenw\u00e4rtig Zwangsarbeit w\u00e4hrend des Kriegs im nationalsozialistischen Deutschland war, dass es ein Ph\u00e4nomen war, dass eigentlich niemand \u00fcbersehen konnte. Daraus folgt aber nicht, dass es f\u00fcr Stuttgart grundlegend erforscht ist. W\u00e4hrend es f\u00fcr einige wenige Firmen sehr gute und umfassende Studien gibt, gab es bislang noch keinen Versuch, Zwangsarbeit in der Stadt in allen ihren Facetten darzustellen.<\/p>\n<p>Diese L\u00fccke ist nun kleiner geworden. Mit einem Promotionsstipendium der Stadt Stuttgart hat Kevin Schmidt vier Jahre lang zu dem Thema geforscht, hat verschiedenste Quellen aus Archiven gesichtet \u2013 neben dem Stadtarchiv etwa aus mehreren Standorten des Landesarchivs Baden-W\u00fcrttemberg, aus dem Wirtschaftsarchiv Hohenheim oder dem Milit\u00e4rarchiv Freiburg. Bereits im Mai vergangenen Jahres gab er seine Arbeit ab, im M\u00e4rz 2026 erfolgte die Ver\u00f6ffentlichung im Verlag Regionalkultur, am heutigen Mittwoch, 24. Juni, schlie\u00dflich wird sein Buch &#8222;Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Stuttgart&#8220; im Stadtarchiv Stuttgart \u00f6ffentlich pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Erst sp\u00e4t ein Forschungsthema geworden<\/p>\n<p>Dass es beim Thema NS-Zwangsarbeit riesige L\u00fccken gibt, ist kein exklusives Stuttgart-Problem. Bis Mitte der 1980er-Jahre stand es im Schatten der Holocaustforschung. Erst mit Ulrich Herberts Pionierarbeit &#8222;Fremdarbeit&#8220; von 1985 begann sich dies allm\u00e4hlich zu \u00e4ndern. Was Stuttgart betrifft, so sticht bis heute die sorgf\u00e4ltig recherchierte Arbeit &#8222;Zwangsarbeit bei Daimler-Benz&#8220; von Barbara Hopmann, Mark Spoerer, Birgit Weitz und Beate Br\u00fcninghaus, 1994 erschienen, heraus. Was f\u00fcr diese Studie zutrifft, trifft auch auf viele andere zu: Wenn es um die Erforschung ihrer NS-Geschichte geht, mussten viele Unternehmen erst zum Jagen getragen werden. Etwas Bewegung brachten ab 1998 die Debatten um Entsch\u00e4digungszahlungen f\u00fcr Zwangsarbeiter:innen, manche Firmen traten nun mit selbst beauftragten Studien zu ihrer Unternehmensgeschichte die Flucht nach vorn an, die Mehrheit allerdings betrachtete das Problem mit Zahlungen in den von der rot-gr\u00fcnen Bundesregierung initiierten Stiftungsfonds als erledigt an.<\/p>\n<p>Wie sehr Unternehmen auf ihrer NS-Geschichte den Deckel halten wollten, zeigt sich beispielhaft an Porsche. Die Firma sah sich erst durch einen Aufsatz von Ulrich Viehh\u00f6ver in dem von Hermann G. Abmayr herausgegebenen Band &#8222;Stuttgarter NS-T\u00e4ter&#8220; von 2009 gen\u00f6tigt, eine Aufarbeitung anzuk\u00fcndigen. Und fast ganz im Schatten blieb bislang der Einsatz von Zwangsarbeiter:innen bei der Stadt Stuttgart, Kleinfirmen oder privaten Haushalten.<\/p>\n<p>Druck, dies zu \u00e4ndern, kam immer wieder aus der Zivilgesellschaft, und manchmal kamen aus der auch eigene Ver\u00f6ffentlichung: Etwa die einen guten \u00dcberblick bietende Brosch\u00fcre &#8222;Ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Stuttgart&#8220;, 1997 von der IG Metall und der VVN\/BdA ver\u00f6ffentlicht. Eine umfassende Darstellung, die wissenschaftlichen Kriterien gen\u00fcgte, blieb aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schmidts Forschungsergebnisse best\u00e4tigen einmal mehr, wie allgegenw\u00e4rtig Zwangsarbeit w\u00e4hrend des Kriegs im nationalsozialistischen Deutschland war, dass es ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1117288,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,1797,3364,29,597,30,236075,63060,57,12900,1441,20472],"class_list":["post-1117287","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-buch","tag-de","tag-deutschland","tag-forschung","tag-germany","tag-kevin-schmidt","tag-kriegswirtschaft","tag-nationalsozialismus","tag-ns-zeit","tag-stuttgart","tag-zwangsarbeit"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116803016308538859","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117287","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1117287"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117287\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1117288"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1117287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1117287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1117287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}