{"id":1118011,"date":"2026-06-24T10:36:17","date_gmt":"2026-06-24T10:36:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1118011\/"},"modified":"2026-06-24T10:36:17","modified_gmt":"2026-06-24T10:36:17","slug":"lesetipps-von-lothar-schroeder-im-heine-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1118011\/","title":{"rendered":"Lesetipps von Lothar Schr\u00f6der im Heine Haus"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der unvergessene Marcel-Reich-Ranicki wusste, wie man mit B\u00fcchern umgeht. Es gen\u00fcgt nicht, sie auf Papier zu besprechen und darauf zu hoffen, dass m\u00f6glichst viele die klugen Einsch\u00e4tzungen beherzigen. Mindestens ebenso geht es darum, Wind zu machen und im besten Falle Menschen \u00fcberhaupt erst zum Lesen zu bewegen. Das gelingt durch Anekdoten, durch Witz, \u00dcbertreibung und das Verbreiten guter Laune, ohne dass die Ernsthaftigkeit auf der Strecke bleibt. Kurz: im Stil des einstigen \u201eLiterarischen Quartetts\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Kulturjournalist Lothar Schr\u00f6der, der sich in Jahrzehnten im Feuilleton der Rheinischen Post einen Namen gemacht hat, nahm jetzt das 80-j\u00e4hrige Bestehen der Zeitung zum Anlass, einem kenntnisreichen Publikum in der D\u00fcsseldorfer Buchhandlung M\u00fcller und B\u00f6hm, also im Heine Haus, in etwas mehr als 80 Minuten 80 B\u00fccher zu empfehlen, manche ausf\u00fchrlich, andere zeitgedrungen en passant.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gleich die erste Empfehlung war eine Zumutung: 1200 Seiten \u201eDon Quichotte\u201c von Miguel de Cervantes. Darin verliert ein Landadeliger durch die unentwegte Lekt\u00fcre von Ritterromanen den Verstand, ernennt sich selbst zum fahrenden Ritter und zieht mit seinem Knappen Sancho Pansa durch Spanien, um das B\u00f6se zu bek\u00e4mpfen und Abenteuer zu bestehen. In der gebotenen Eile erl\u00e4uterte Schr\u00f6der die literarhistorische Bedeutung des Mammutwerks und warum es Freude bereiten kann, sich davon in eine l\u00e4ngst vergangene Zeit entf\u00fchren zu lassen, ohne die Gegenwart aus den Augen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wer Lothar Schr\u00f6der kennt, wusste, dass auf seiner Empfehlungsliste Albert Vigoleis Thelen einen der vorderen Pl\u00e4tze belegen w\u00fcrde, ein Autor vom Niederrhein, der vor allem durch seinen Schelmenroman \u201eDie Insel des zweiten Gesichts\u201c von 1953 Ruhm erlangte. Aus diesem wie auch aus einigen der anderen vorgestellten B\u00fccher las Schr\u00f6der eine Textpassage.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Immer wieder erheiterte er sein Publikum mit Erinnerungen an Schriftsteller, denen er beruflich begegnet ist. An <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/guenter-grass\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">G\u00fcnter Grass<\/a> zum Beispiel, der an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie studiert hatte und in dessen Buch \u201eBeim H\u00e4uten der Zwiebel\u201c viel D\u00fcsseldorfer Kolorit eingeflossen sei.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine der weiteren Empfehlungen ist an D\u00fcsternis kaum zu \u00fcbertreffen, \u201edas Dunkelste, das ich jemals gelesen habe\u201c, wie Schr\u00f6der gestand: \u201eVom Nachteil geboren zu sein\u201c, ein B\u00fcchlein des rum\u00e4nischen Philosophen und Essayisten Emil Cioran. Ein anderes dunkles Buch empfahl Schr\u00f6der ausf\u00fchrlich anhand von Textpassagen: \u201eEntzug\u201c des aus <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kalkar\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kalkar<\/a> stammenden, heute in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/berlin\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> wohnenden Schriftstellers Christoph Peters. Es ist, in diesem Jahr erschienen, eine bewegende Selbstbeobachtung eines Menschen, der alkoholabh\u00e4ngig geworden ist, bis die Sucht sein Leben fast ruiniert h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eMit 80 B\u00fcchern um die Welt\u201c, so lautete das Motto des B\u00fccherabends. Geben wir zumindest noch einige Empfehlungen weiter, die ebenfalls auf der Liste stehen, die man mit nach Hause nehmen durfte: Georg B\u00fcchner, \u201eLenz\u201c, Ernesto Cardenal, \u201eDie Jahre in Solentiname\u201c, Maarten t&#8216; Hart, \u201eBach und ich\u201c, William Faulkner, \u201eLicht im August\u201c, David Grossman, \u201eStichwort: Liebe\u201c, Robert Menasse, \u201eDie Hauptstadt\u201c, Leo Perutz, \u201eNachts unter der steinernen Br\u00fccke\u201c, Olga Tokarczuk, \u201eUnrast\u201c, Kurt Vonnegut, \u201eSchlachthof Nr. 5\u201c und Liao Yiwu, \u201eF\u00fcr ein Lied und hundert Lieder\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zum Schluss trug Lothar Schr\u00f6der eine Passage aus Italo Calvinos Roman \u201eWenn ein Reisender in einer Winternacht\u201c vor. Der fordert zun\u00e4chst seine Leserinnen und Leser auf: \u201eEntspanne dich. Sammle dich. Schieb jeden anderen Gedanken beiseite.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch dies ist eine gute Empfehlung, ob im Sommer oder im Winter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der unvergessene Marcel-Reich-Ranicki wusste, wie man mit B\u00fcchern umgeht. 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