{"id":1119969,"date":"2026-06-25T05:12:21","date_gmt":"2026-06-25T05:12:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1119969\/"},"modified":"2026-06-25T05:12:21","modified_gmt":"2026-06-25T05:12:21","slug":"zu-viel-euphorie-am-oelmarkt-warum-der-preissturz-truegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1119969\/","title":{"rendered":"Zu viel Euphorie am \u00d6lmarkt? Warum der Preissturz tr\u00fcgt"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/oel-180.jpg\" alt=\"\u00d6lf\u00f6rderpumpe im Gegenlicht.\" title=\"\u00d6lf\u00f6rderpumpe im Gegenlicht. | picture alliance \/ ALEX HALADA \/\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 25.06.2026 \u2022 06:24 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran sind die \u00d6lpreise massiv gefallen. Doch der R\u00fcckgang k\u00f6nnte \u00fcbertrieben sein: Viele L\u00e4nder m\u00fcssen ihre geleerten \u00d6llager jetzt wieder auff\u00fcllen. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gro\u00df war das Aufatmen am \u00d6lmarkt heute vor einer Woche: Nach mehr als 100 Tagen der schwersten jemals verzeichneten St\u00f6rung der weltweiten Energieversorgung hatten die USA und Iran <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/vereinbarung-usa-iran-unterzeichnet-100.html\" title=\"USA und Iran haben Rahmenabkommen bereits unterzeichnet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein Rahmenabkommen unterzeichnet<\/a>. Die \u00d6lpreise sind seither deutlich zur\u00fcckgefallen, zur Wochenmitte rutschte der Preis f\u00fcr ein Barrel (159 Liter) Roh\u00f6l der weltweiten Referenzsorte Brent zur Lieferung im August erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar unter 75 Dollar &#8211; gegen\u00fcber dem Krisenhoch von 126 Dollar ist das ein Minus von rund 40 Prozent.<\/p>\n<p>    \u00d6lpreis spiegelt viel Hoffnung wider<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch der Preissturz erz\u00e4hlt nur einen Teil der Geschichte, zeigt er doch vor allem die Hoffnungen der Anleger. &#8222;In dem jetzigen \u00d6lpreisr\u00fcckgang steckt eine sehr positive Erwartungshaltung drin&#8220;, sagt Thomas Benedix, Rohstoffanalyst bei Union Investment, im Gespr\u00e4ch mit der ARD-Finanzredaktion. Die Marktteilnehmer gingen davon aus, dass der Produktionsstart im Mittleren Osten reibungslos verlaufe und die Stra\u00dfe von Hormus offen bleibe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mut machen dabei auch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/strasse-von-hormus-verkehr-absichtserklaerung-100.html\" title=\"Schiffsverkehr in der Stra\u00dfe von Hormus nimmt zu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meldungen \u00fcber erste Schiffe, die die Meerenge wieder passieren<\/a>. Der Frachtverkehr durch die Stra\u00dfe von Hormus hat nach Angaben des auf die Analyse von Schifffahrtsdaten spezialisierten Unternehmens Kpler zuletzt den h\u00f6chsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs erreicht.<\/p>\n<p>    \u00d6lpreisr\u00fcckgang \u00fcbertrieben?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Thu Lan Nguyen, Leiterin der Rohstoff- und Devisenanalyse der Commerzbank, geht davon aus, dass nun wieder mehr \u00d6l aus der Region auf den Markt kommt. &#8222;Und dadurch verringert sich nat\u00fcrlich die Angebotsl\u00fccke am \u00d6lmarkt, die die Preise nach oben getrieben hatte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch im Gespr\u00e4ch mit der ARD-Finanzredaktion warnt Nguyen zugleich vor zu viel Euphorie: &#8222;Der R\u00fcckgang der \u00d6lpreise ist zum Teil schon \u00fcbertrieben, weil wir nicht wissen, in welcher Geschwindigkeit der Schiffsverkehr sich jetzt wirklich normalisieren wird.&#8220; Wie schnell die M\u00e4rkte wirklich zu Vorkriegsniveaus zur\u00fcckkehren, bleibe &#8222;sehr, sehr unsicher&#8220;. Sie sei skeptisch, &#8222;dass das so schnell passiert&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gr\u00fcnde liegen auf der Hand: m\u00f6gliche Sch\u00e4den an \u00d6lanlagen und Infrastruktur, die schwierige Wiederinbetriebnahme stillgelegter F\u00f6rderanlagen, Minen in der Stra\u00dfe von Hormus und hohe Versicherungskosten. Hinzu kommt die Logistik: Tanker sind nicht zwangsl\u00e4ufig dort, wo sie gebraucht werden; Routen und Personal m\u00fcssen erst neu geplant werden.<\/p>\n<p>    Leere \u00d6llager st\u00fctzen die Nachfrage<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch selbst in einem Best-Case-Szenario, wonach die \u00d6lproduktion in der Region rasch hochgefahren werden kann und die Passage der Stra\u00dfe von Hormus bald wieder problemlos m\u00f6glich ist, bestehen Aufw\u00e4rtsrisiken f\u00fcr den \u00d6lpreis. Und die liegen auf der Nachfrageseite.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn der Iran-Krieg hat die weltweiten Lagerbest\u00e4nde im Rekordtempo schrumpfen lassen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) sanken sie bis zum 12. Juni um 252 Millionen Barrel; allein in den OECD-Staaten wurden 163 Millionen Barrel entnommen. Regierungen hatten so versucht, fehlende Roh\u00f6llieferungen aus der Golfregion auszugleichen. Nur deshalb waren die Preise nicht noch st\u00e4rker gestiegen.<\/p>\n<p>    Reisesaison erh\u00f6ht \u00d6lbedarf<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch diese Lager m\u00fcssen nun wieder aufgef\u00fcllt werden. Rohstoffexpertin Ngyuen rechnet daher mit einer h\u00f6heren Nachfrage als vor dem Krieg. Zugleich laufe die nachfrageintensive Reisesaison. Benzin, Diesel und Kerosin werden im Sommer besonders stark verbraucht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinzu kommt: Einige L\u00e4nder k\u00f6nnten nun sogar eher h\u00f6here Lagerbest\u00e4nde anstreben als vor dem Iran-Krieg, um f\u00fcr k\u00fcnftige Angebotsschocks besser vorbereitet zu sein. &#8222;Der Lagerbestandsaufbau wird deutlich l\u00e4nger vonstattengehen als der -abbau, den wir in den letzten Monaten gesehen haben&#8220;, ist Rohstoffanalyst Benedix \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>    Banken senken \u00d6lpreis-Prognosen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trotz der anhaltenden Unsicherheiten haben die gro\u00dfen US-Investmentbanken ihre \u00d6lpreis-Prognosen nach dem USA-Iran-Rahmenabkommen <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/livecoverage\/stock-market-today-dow-sp-500-nasdaq-06-16-2026\/card\/wall-street-banks-slash-oil-price-forecasts-ZqVTgMXHHLWuXXrftXXt\" title=\"Banks slash oil price forecasts - WSJ\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">deutlich gesenkt<\/a>. Goldman Sachs geht nun von einem Preis von 80 Dollar pro Fass Brent f\u00fcr das vierte Quartal aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die Experten von Morgan Stanley sehen die Nordseesorte zum Jahresende bei 80 Dollar &#8211; 15 Dollar weniger als zuvor. Sie sch\u00e4tzen, dass bis September erst etwa die H\u00e4lfte der Produktionsausf\u00e4lle wieder aufgeholt werden k\u00f6nnten, bis Dezember seien es rund 80 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Citigroup ist dagegen deutlich optimistischer und rechnet mit 70 Dollar f\u00fcr das Fass Brent im vierten Quartal &#8211; allerdings unter der Annahme, dass die Handelsstr\u00f6me durch Hormus bereits Mitte oder Ende Juli wieder weitgehend normal laufen.<\/p>\n<p>                    Brent-Preisprognosen der Banken f\u00fcr Q4\/2026 (je Barrel)<\/p>\n<tr>\n                        Bank<br \/>\n                        neu<br \/>\n                        alt<br \/>\n                    <\/tr>\n<tr>\n<td>\n                            Goldman Sachs<\/p>\n<\/td>\n<td>\n                            80 $<\/p>\n<\/td>\n<td>\n                            90 $<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n                            Morgan Stanley<\/p>\n<\/td>\n<td>\n                            80 $<\/p>\n<\/td>\n<td>\n                            95 $<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n                            Citigroup<\/p>\n<\/td>\n<td>\n                            70 $<\/p>\n<\/td>\n<td>\n                            80 $<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<p>    2027 k\u00f6nnte ein \u00d6l-\u00dcberangebot entstehen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit Blick auf das kommende Jahr spricht vieles f\u00fcr Entspannung. Die <a href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/oil-market-report-june-2026\" title=\"IEA - oil market report june 2026\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">IEA rechnet f\u00fcr 2027 mit einem deutlichen Angebots\u00fcberschuss<\/a> von knapp f\u00fcnf Millionen Barrel pro Tag. Die weltweite \u00d6lnachfrage d\u00fcrfte demzufolge auf 105,3 Millionen Barrel pro Tag steigen, das Angebot aber auf rund 110 Millionen Barrel pro Tag.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einige Produzenten k\u00f6nnten zudem versuchen, Einnahmeausf\u00e4lle durch h\u00f6here F\u00f6rderung auszugleichen. Commerzbank-Expertin Nguyen verweist dabei besonders auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Iran: &#8222;Das sind so zwei Staaten, die d\u00fcrften ihre Produktion deutlich steigern.&#8220;<\/p>\n<p>    Normalisierung k\u00f6nnte bis Ende 2027 dauern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch aus den USA k\u00f6nnte mehr \u00d6l kommen. Die Zahl aktiver \u00d6lbohrungen ist zuletzt gestiegen: Die US-Produktion liegt bei 13,8 Millionen Barrel pro Tag und damit nur knapp unter dem Rekordhoch.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Rohstoffexperte Benedix mahnt dennoch zur Geduld. Die R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t sei ein mehrstufiger Prozess: &#8222;Es d\u00fcrfte etwa zwei bis drei Monate dauern, bis sich die Logistikketten wieder normalisiert haben, dann weitere zwei bis drei Monate, bis alle Produktionsanlagen im Mittleren Osten ihre Arbeit aufgenommen haben.&#8220; Bis sich alle Lagerbest\u00e4nde normalisiert h\u00e4tten, k\u00f6nnte es sogar Ende 2027 werden.<\/p>\n<p>    \u00d6lpreise d\u00fcrften nicht mehr viel fallen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das weitere Abw\u00e4rtspotenzial f\u00fcr die \u00d6lpreise scheint damit &#8211; jenseits kurzfristiger Ausschl\u00e4ge &#8211; begrenzt. Unterm Strich k\u00f6nnte eine Normalisierung der Angebots- und Nachfragesituation deutlich l\u00e4nger dauern, als es die aktuellen Preise signalisieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kurzfristig verschaffen diese den M\u00e4rkten und Volkswirtschaften weltweit allerdings eine willkommene Atempause. Sie sind zudem f\u00fcr viele Staaten eine Gelegenheit, die leeren Lager wieder aufzuf\u00fcllen &#8211; und vielleicht auch die bisherigen Energiestrategien auf den Pr\u00fcfstand zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Analyse Stand: 25.06.2026 \u2022 06:24 Uhr Nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran sind die \u00d6lpreise massiv&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1119970,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,30,345,5801,171,174,1124,4065,29839,173,172,14572],"class_list":["post-1119969","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-deutschland","tag-germany","tag-iran","tag-kurssturz","tag-markets","tag-maerkte","tag-oelpreis","tag-rohstoffe","tag-strasse-von-hormus","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte","tag-weltwirtschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116809036553955846","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1119969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1119969"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1119969\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1119970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1119969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1119969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1119969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}