{"id":1120505,"date":"2026-06-25T10:07:16","date_gmt":"2026-06-25T10:07:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1120505\/"},"modified":"2026-06-25T10:07:16","modified_gmt":"2026-06-25T10:07:16","slug":"leipziger-jugendstudie-ist-die-lebenszufriedenheit-bei-maedchen-gesunken-oder-truegen-die-zahlen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1120505\/","title":{"rendered":"Leipziger Jugendstudie: Ist die Lebenszufriedenheit bei M\u00e4dchen gesunken oder tr\u00fcgen die Zahlen? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Die Lebenszufriedenheit junger M\u00e4dchen in Leipzig hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen \u2013 mehr als bei ihren m\u00e4nnlichen Altersgenossen. Das scheint aus einer Studie von Forschenden der Universit\u00e4t Leipzig, des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Evolution\u00e4re Anthropologie und der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg hervorzugehen, die gerade im \u201eJournal of Happiness Studies\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde. Doch ganz so einfach scheint die Sache nicht zu sein. Auch weil zwischendurch die Befragungsmethode ge\u00e4ndert wurde.<\/p>\n<p>Die Studie entstand auf Grundlage von Daten aus der Leipziger Jugendstudie, f\u00fcr die zwischen 2010 und 2023 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu ihren Lebensumst\u00e4nden befragt wurden.<\/p>\n<p>\u201eDie sogenannte Gender Gap in der Lebenszufriedenheit ist stark angestiegen \u2013 alle Jugendlichen sind 2023 gegen\u00fcber 2015 unzufriedener, aber die Abnahme ist bei den M\u00e4dchen doppelt so stark wie bei den Jungen, sodass die Gender Gap entsprechend w\u00e4chst\u201c, sagt Psychologin Dr. Julia Rohrer von der Universit\u00e4t Leipzig, unter deren Federf\u00fchrung die Studie entstand. W\u00e4hrend die 12- bis 17-J\u00e4hrigen im Jahr 2015 im Schnitt eine Lebenszufriedenheit von 3,9 Punkten auf einer Skala von 1 bis 5 angaben, sank dieser Wert in der gleichen Altersgruppe im Jahr 2023 auf 3,7 Punkte.<\/p>\n<p>\u201eDiese generelle leichte Abnahme ist an sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie erst einmal nicht \u00fcberraschend. Die zahlreichen Einschr\u00e4nkungen haben nat\u00fcrlich auch Jugendliche getroffen. Was aber besonders auff\u00e4llt ist, dass in dieser Zeit die Gender Gap doch deutlich angewachsen ist\u201c, erkl\u00e4rt die Forscherin. 2015 seien M\u00e4dchen nur leicht unzufriedener gewesen als Jungen. 2023 habe die Geschlechter allerdings fast ein halber Skalenpunkt getrennt. \u201eEs sind also gerade die M\u00e4dchen, die \u00fcber die Zeit unzufriedener geworden sind\u201c, fasst Rohrer ein wichtiges Ergebnis der Studie zusammen.<\/p>\n<p>Wenn sie denn nicht schon vorher unzufriedener waren, es die Befragung aber jetzt erst sichtbar macht.<\/p>\n<p>Der Einfluss der Migration<\/p>\n<p>Den Trend hin zu einer gr\u00f6\u00dferen Lebensunzufriedenheit vor allem bei M\u00e4dchen erkl\u00e4ren die Forschenden n\u00e4mlich mit einer Mischung verschiedener Faktoren. Zun\u00e4chst einmal sei die wachsende Gender Gap sehr viel deutlicher zu sehen bei Sch\u00fcler\/-innen mit Migrationshintergrund, so Rohrer. Gerade dieser Teil der Bev\u00f6lkerung sei aber \u00fcber die Zeit schlecht zu vergleichen: W\u00e4hrend in der ersten Datenwelle im Jahr 2010 Sch\u00fcler\/-innen mit vietnamesischem Migrationshintergrund einen gro\u00dfen Teil der Gruppe ausmachten, seien es in der letzten Datenwelle im Jahr 2023 relativ mehr M\u00e4dchen und Jungen mit Fluchterfahrung und muslimischem Hintergrund gewesen.<\/p>\n<p>\u201eEin Teil der wachsenden Gender Gap spiegelt also einfach wider, dass sich die Population in Leipzig \u00fcber die Zeit gewandelt hat\u201c, betont die Forscherin.<\/p>\n<p>Unterschiede in der Erhebungsmethode<\/p>\n<p>Unterschiede gibt es auch in der Erhebungsmethode: 2023 kamen bei der Jugendstudie erstmals Tablets als Erhebungsinstrument zum Einsatz. In den Daten konnten die Forschenden sehen, dass M\u00e4dchen auf dem Tablet \u00fcber eine niedrigere Zufriedenheit berichteten als Jahre zuvor auf Papierfrageb\u00f6gen.<\/p>\n<p>\u201eDa die Befragung im Klassenzimmer stattfand, k\u00f6nnte dies beispielsweise ein Effekt der erh\u00f6hten Anonymit\u00e4t sein: Vielleicht besch\u00f6nigen manche M\u00e4dchen auf Papier ihre Antworten, sodass erst auf dem Tablet die volle Gender Gap sichtbar wird\u201c, erl\u00e4utert Rohrer.<\/p>\n<p>Zuletzt beobachten die Wissenschaftler\/-innen \u00fcber diese beiden Faktoren hinaus \u2013 auch bei Sch\u00fcler\/-innen ohne Migrationshintergrund und auch bei Antworten auf Papier \u2013 dass sich Gender Gaps durch die Zufriedenheit mit Freizeitaktivit\u00e4ten und die Zufriedenheit mit den Beziehungen zu Freund\/-innen \u00f6ffnen oder leicht vergr\u00f6\u00dfern. \u201eHier k\u00f6nnte es sein, dass die Corona-Pandemie M\u00e4dchen st\u00e4rker getroffen hat als Jungen\u201c, so die Psychologin.<\/p>\n<p>Datengrundlage der Forschenden war die Jugendstudie der Stadt Leipzig, die in einer Zusammenarbeit von Mitarbeitenden des Amtes f\u00fcr Jugend und Familie und des Amtes f\u00fcr Statistik und Wahlen entstand. Hierf\u00fcr wurden 2010, 2015 und 2023 jeweils zwischen 2.000 und 3.000 Jugendliche im Schulkontext befragt. Insgesamt flossen in die Analysen der Forschenden Antworten von 4.800 Jugendlichen ein.<\/p>\n<p>Eine nicht ganz eindeutige Datenlage<\/p>\n<p>Bislang gibt es zu dieser Thematik nach den Worten Rohrers keine belastbaren Daten oder publizierte Analysen f\u00fcr generelle Trends in Deutschland. Aktuell werde aber bundesweit und auch international dar\u00fcber debattiert, dass die psychische Gesundheit bei M\u00e4dchen und jungen Frauen abgenommen haben k\u00f6nnte. In diesem Diskurs werde oft die Dominanz sozialer Medien als Ursache angef\u00fchrt, die gerade M\u00e4dchen ungl\u00fccklich mache.<\/p>\n<p>\u201eDie Datenlage hierzu ist aber nicht so eindeutig, wie man aufgrund der steilen Thesen in den Medien vermuten k\u00f6nnte. Viele der Trends sind anscheinend auf die englischsprachige Welt beschr\u00e4nkt. Dabei sind soziale Medien nat\u00fcrlich auch anderswo relevanter geworden\u201c, sagt sie. Viele der Datenquellen, die herangezogen werden, seien \u00fcber die Zeit nicht voll vergleichbar. Beispielsweise haben sich in den USA zum Teil die Screeningkriterien ge\u00e4ndert, sodass bei M\u00e4dchen verst\u00e4rkt auf bestimmte psychische Probleme getestet wird. Wenn mehr getestet wird, sei zu erwarten, dass die Zahlen steigen, weil zuvor unentdeckte F\u00e4lle pl\u00f6tzlich sichtbar werden.<\/p>\n<p><strong>Originaltitel<\/strong> der Publikation im Journal of Happiness Studies: <a href=\"http:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10902-026-01068-6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201cWhy Did the Gender Gap in Adolescent Life Satisfaction Grow? Evaluating Methodological and Demographic Explanations\u201d<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Lebenszufriedenheit junger M\u00e4dchen in Leipzig hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen \u2013 mehr als bei ihren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1120506,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,1722,59370,71,859,22082],"class_list":["post-1120505","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-jugendliche","tag-lebenszufriedenheit","tag-leipzig","tag-sachsen","tag-uni-leipzig"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116810196392632420","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1120505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120505\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1120506"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1120505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1120505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1120505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}