{"id":1120848,"date":"2026-06-25T13:25:20","date_gmt":"2026-06-25T13:25:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1120848\/"},"modified":"2026-06-25T13:25:20","modified_gmt":"2026-06-25T13:25:20","slug":"architekturikone-von-berlin-gerettet-ist-das-icc-noch-lange-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1120848\/","title":{"rendered":"Architekturikone von Berlin: Gerettet ist das ICC noch lange nicht"},"content":{"rendered":"<p>Seit zw\u00f6lf Jahren ein Lost Place. Dank eines Nutzungskonzepts k\u00f6nnte der ehemalige Hightech-Bau wieder sein eigentliches Versprechen einl\u00f6sen. Zur Rettung ben\u00f6tigt es eine tragf\u00e4hige Finanzierung \u2013 und die konsequente Anwendung des Denkmalschutzes.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es hat in Berlin eine gewisse Tradition, gro\u00dfe \u00f6ffentliche, polarisierende Geb\u00e4ude, die aus der Nutzung fallen, so lange in eine Warteschleife zu schicken, bis der Abriss als Rettung verstanden wird. Die Ruinen werden zuvor noch pittoresk von Kultur und Kunst \u201ebespielt\u201c. Lange sah es so aus, als k\u00f6nnte dem 1979 er\u00f6ffneten ICC ein \u00e4hnliches Schicksal bl\u00fchen wie dem Palast der Republik \u2013 nur ohne jene Entlastungsfantasie, am Ende werde ein Schloss errichtet.<\/p>\n<p>Das Internationale Congress Centrum Berlin ist noch nicht gerettet. Aber es hat erstmals seit Jahren eine ernsthafte Rettungsperspektive. Das hat auch mit dem Denkmalschutz zu tun, unter den das ICC im Jahr 2019 gl\u00fccklicherweise gestellt wurde. Da war es schon seit f\u00fcnf Jahren geschlossen, und es gab nicht wenige Stimmen, die den Abriss dieses zwischen Autobahndreieck, Messedamm und Messegel\u00e4nde gestrandeten Aluminium-Raumschiffs herbeisehnten.<\/p>\n<p>Andere, vor allem jene, die das \u00fcber dreihundert Meter lange Haus von innen kannten \u2013 vom Europ\u00e4ischen Kardiologenkongress, von der Internationalen Tourismusb\u00f6rse, von \u201eWetten, dass\u00a0\u2026?\u201c oder Gespr\u00e4chen an poppigen Bars \u2013, hofften auf die Rettung. Die Landesdenkmalbeh\u00f6rde war \u00e4sthetisch so weitsichtig, nicht nur die technoide Sci-Fi-Space-Age-Fassade f\u00fcr schutzw\u00fcrdig zu befinden, sondern auch das Innenleben. Da w\u00e4ren die 80 S\u00e4le und R\u00e4ume, die Treppen und Rolltreppen, die Pullman Lounge, die verwinkelten Aufenthaltsfl\u00e4chen, der magistrale Erschlie\u00dfungskorridor und das Informations- und Leitsystem, ein neonleuchtendes Gesamtkunstwerk von Frank Oehring und Helge Sypereck.<\/p>\n<p>Der Stillstand des Geb\u00e4udes kostet das Land Berlin rund zwei Millionen Euro j\u00e4hrlich an Sicherung und Unterhalt. Um das ICC als Standort f\u00fcr Kultur und Kreativwirtschaft zu entwickeln, war im November 2024 ein europaweites Konzeptverfahren gestartet worden. Am 24. Juni 2026 pr\u00e4sentierte Berlin nun eine offizielle Vergabeempfehlung f\u00fcr die \u201eProjektpartnerschaft Quartier ICC\u201c. Beteiligt sind unter anderem Arup, Hochtief, die Architekturb\u00fcros Max Dudler, GRAFT und schneider+schumacher, verschiedene Projekt- und Immobilienentwickler sowie die ICCA-Projektgruppe\/Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank. Letztere geh\u00f6rte zu den fr\u00fchen Verfechtern einer kulturellen Wiederbelebung.<\/p>\n<p>Das alles klingt nach Entscheidung, ist aber nur ein Zwischenschritt. Zun\u00e4chst soll eine \u201eExklusivit\u00e4tsvereinbarung\u201c folgen, danach eine zweij\u00e4hrige \u201eAnhandgabephase\u201c, in der Baurecht, Finanzierung, Denkmalschutzfragen und das Nutzungs- und Betriebskonzept erst verbindlich gekl\u00e4rt werden. <\/p>\n<p>F\u00fcnf zentrale Nutzungsbereiche wurden skizziert: Im gro\u00dfen Saal sollen Konzerte und Gro\u00dfveranstaltungen stattfinden, der Saal 2 zu einem \u201eeigenst\u00e4ndigen, offenen Ausstellungs- und Erlebnisraum\u201c werden. Das Mittelfoyer und andere Bereiche sind f\u00fcr \u201eGastronomie, Bars, Studios, Galerien und kulturelle Nutzungen\u201c vorgesehen. Das Geb\u00e4ude soll eine \u00f6ffentliche Nord-S\u00fcd-Passage bekommen und von zwei <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/berlin\/article6a3ba0f203b2c4af36275f56\/an-die-ikone-icc-sollen-hohe-hotels-gebaut-werden.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/berlin\/article6a3ba0f203b2c4af36275f56\/an-die-ikone-icc-sollen-hohe-hotels-gebaut-werden.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hochh\u00e4usern mit Hotels<\/a> und B\u00fcrofl\u00e4chen flankiert werden. Die Kosten f\u00fcr die beiden Hotelneubauten werden laut Deutscher Presseagentur auf jeweils 150 bis 200 Millionen Euro gesch\u00e4tzt. Die Sanierung des ICC werde nach vorsichtigen Sch\u00e4tzungen der Projektpartner wohl mehr als 400 Millionen Euro kosten.<\/p>\n<p>Belastbare \u00f6ffentliche Kostenzahlen nennt der Senat bislang nicht. Vorab war das Verfahren mit der Erwartung verbunden worden, dass private Investoren Sanierung und Nutzung stemmen. In den neuen Pr\u00e4sentationsunterlagen liest sich das komplizierter: Die Neubauten sollen \u00fcber Eigenkapital, Bankdarlehen und Mieteinnahmen finanziert werden; f\u00fcr das Bestandsgeb\u00e4ude ICC sind zus\u00e4tzlich Baukostenzusch\u00fcsse k\u00fcnftiger Mieter, Projekt\u00fcbersch\u00fcsse und F\u00f6rdermittel von Bund und Land vorgesehen. <\/p>\n<p>Aus dem Versprechen, Berlin bringe kein Geld mit, k\u00f6nnte also ein Mischmodell werden, in dem die Kultur die \u00f6ffentliche Begr\u00fcndung liefert, um den Steuerzahler doch noch zu belasten. Der Regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner, CDU-Spitzenkandidat f\u00fcr die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026, sagte: \u201eWir werden jetzt alle weiteren Fragen angehen, insbesondere zu Finanzierung, Genehmigungen und Umsetzung.\u201c Letztendlich werden diese Fragen dar\u00fcber entscheiden, ob das ICC wirklich gerettet wird \u2013 oder ob es nur eine neue Erz\u00e4hlung bekommt.<\/p>\n<p>In der Nutzungsmischung ist die Kultur nur ein Teil. Das passt zur Struktur des denkmalgesch\u00fctzten Geb\u00e4udes, dessen Offenheit hoffentlich wiederhergestellt wird. Ein paar Ausstellungen, Shows, Konzerte und ein potenzieller Interimsbetrieb f\u00fcr die Philharmonie, die ab 2032 voraussichtlich saniert werden soll, sind noch keine Gesch\u00e4ftsgrundlage. Das ICC muss als Raumkunstwerk gerettet werden, nicht als Kulisse f\u00fcr die n\u00e4chste Berliner Kulturbaustelle. Eine Entkernung k\u00e4me dem Abriss gleich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit zw\u00f6lf Jahren ein Lost Place. 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