{"id":1121397,"date":"2026-06-25T18:38:32","date_gmt":"2026-06-25T18:38:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1121397\/"},"modified":"2026-06-25T18:38:32","modified_gmt":"2026-06-25T18:38:32","slug":"vom-16-jahrhundert-bis-in-die-gegenwart-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1121397\/","title":{"rendered":"\u00bbVom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Die mehr als 100 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger des Leipziger Universit\u00e4tschores versammeln sich zweimal pro Woche, um gemeinsam zu musizieren. Seit nunmehr 100 Jahren schreibt der Chor die Geschichte der Musikgemeinschaft weiter. Wir haben anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums mit David Timm gesprochen, der den Leipziger Universit\u00e4tschor seit 2005 und aktuell dessen Proben zum anstehenden Festkonzert leitet. Wobei er nicht vergisst, sich zu erinnern und zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Welche Konstante sehen Sie \u00fcber die 100 Jahre, die der Universit\u00e4tschor nun besteht?<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem: sich zweimal pro Woche zu begegnen und miteinander zu musizieren. Der Chor besteht aus \u00fcberwiegend studentischen Mitwirkenden und die Verbindung untereinander ist sehr stark. Von Anfang an bis heute zeichnete den Leipziger Universit\u00e4tschor ein breitgef\u00e4chertes und eigenst\u00e4ndig profiliertes Repertoire vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart aus.<\/p>\n<p><strong><br \/>Und was ertr\u00e4umen Sie sich f\u00fcr die n\u00e4chsten 100 Jahre?<\/strong><\/p>\n<p>Frieden und Demokratie.<\/p>\n<p><strong><br \/>Um die Gr\u00fcndung des Chores ranken sich einige Mythen \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Da der Name \u00bbLeipziger Universit\u00e4tschor\u00ab erst sp\u00e4ter verliehen wurde, gab und gibt es hin und wieder Fragen, ob der Chor nicht erst sp\u00e4ter gegr\u00fcndet wurde. Mit gro\u00dfer Sicherheit k\u00f6nnen wir sagen, dass am Abend des 17. Juni 1926 die erste Probe des \u00bbMadrigalkreises Leipziger Studenten\u00ab unter Leitung des damals 23-j\u00e4hrigen Friedrich Rabenschlag stattfand. Seit diesem Abend l\u00e4sst sich das musikalische Wirken unseres Chores durchg\u00e4ngig nachvollziehen. Mit den \u00bbGr\u00fcndungsmythen\u00ab hat sich jetzt zum Jubil\u00e4um der Vortrag \u00bb100 Jahre Leipziger Universit\u00e4tschor? Gr\u00fcndungsmythen zwischen 1926 und 1938\u00ab von Prof. Dr. B\u00e4rwald besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><strong><br \/>Unter welchen Bedingungen konnte der Chor beispielsweise im Krieg und in der Nachkriegszeit musizieren?<\/strong><\/p>\n<p>Das Leben unter Kriegsbedingungen, in einer stark zerst\u00f6rten Stadt, war mit gro\u00dfen Belastungen verbunden. Ten\u00f6re und B\u00e4sse wurden zum Kriegsdienst einberufen. Einem Bombardement im Jahre 1943 fiel auch das Chorarchiv zum Opfer. Die Proben und Auftritte konnte Friedrich Rabenschlag weiterhin leiten, weil er als kriegsuntauglich gemustert worden war. Im Dezember 1945 wurde aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft ein Auftrittsverbot gegen den Chor verh\u00e4ngt, das nach der Entnazifizierung wieder aufgehoben wurde.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie steht es um die Aufarbeitung dieser Zeit des Chores?<\/strong><\/p>\n<p>Hier stehen wir noch am Anfang. Das vorliegende Material zur NS-Zeit und der Nachkriegszeit ist immer wieder gesichtet und auch in musikwissenschaftlichen Beitr\u00e4gen aufgegriffen worden. Eine Aufarbeitung dieses Zeitraumes wie auch der sehr umfangreichen <\/p>\n<p>Thematik SED und Staatssicherheit durch spezialisierte Historiker:innen steht aber noch aus und wird uns einige Jahre besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Der Universit\u00e4tschor ist auch mit geistlicher Musik verbunden. In der DDR war das nicht unbedingt die Vorstellung von Kunst, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Von der ersten Probe an wurden weltliche und geistliche St\u00fccke gesungen, die Oratorien Johann Sebastian Bachs wurden zum Teil erstmalig seit Jahrhunderten vom Universit\u00e4tschor in Leipzig aufgef\u00fchrt \u2013 auch diese Tradition h\u00e4lt bis heute an. In der DDR-Zeit war die Musik Bachs sp\u00e4testens seit seinem 200. Todestag im Jahre 1950 zur Hebung des Ansehens des Staatsgebildes sehr willkommen; bis zur friedlichen Revolution wurden Bachinterpretinnen und \u2013interpreten, Ch\u00f6re und Orchester gerne auf Konzerttourneen ins westliche Ausland geschickt \u2013 auch, um dem Staat Devisen einzuspielen. Allgemein galt geistliche Musik der Vergangenheit offiziell als \u00bbkulturelles Erbe\u00ab, das gepflegt werden sollte, daher war die Fortf\u00fchrung dieser \u00bbRepertoirekonstanten\u00ab auch zu diesen Zeiten m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong><br \/>Es gab aber sicher auch Einschr\u00e4nkungen?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr viele! Welche Unterwerfung der Staat vom Chor und seiner Leitung forderte, sehe ich beispielsweise im Reiseverbot ins westliche Ausland ab 1961: nur weil am Auftrittsort keine DDR-Flagge sichtbar war, als der Leipziger Universit\u00e4tschor 1961 bei einem Festival in Passau konzertierte. Die Sprengung der Universit\u00e4tskirche am 30. Mai 1968, durch die der Chor seine musikalische Heimat verlor, sowie die \u00dcberwachung und Infiltrierung durch das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit zeigen ebenso, dass staatliche Stellen sehr viel unternahmen, um ihre Ideologie auch im Bereich der Kultur massiv durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Zur\u00fcck in die Gegenwart: Was war das aufregendste Konzert der letzten Jahre?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich: die Auff\u00fchrung der Matth\u00e4uspassion von Johann Sebastian Bach am 28. M\u00e4rz dieses Jahres, weil da die ergreifendste Musik gesungen wurde.<\/p>\n<p><strong><br \/>Und was war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, die sie w\u00e4hrend eines Konzertes des Universit\u00e4tschores bew\u00e4ltigen mussten?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort darauf f\u00e4llt mir schwer &#8211; vielleicht liegt diese Herausforderung noch vor mir?<\/p>\n<p><strong><br \/>Apropos: Am Wochenende steht ein Konzert anl\u00e4sslich des 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums an. Welche St\u00fccke haben Sie sich f\u00fcr das Fest ausgesucht?<\/strong> <\/p>\n<p>Am 27. Juni werden wir in der Thomaskirche das Werk \u00bbBurst\u00ab der Leipziger Professorin f\u00fcr Komposition Meike Senker urauff\u00fchren. Au\u00dferdem spielen wir meine \u00bbJazzmesse\u00ab f\u00fcr Chor, Orchester und Jazzband. \u00bbDer 100. Psalm\u00ab f\u00fcr Chor und Orchester von Max Reger (Leipziger Universit\u00e4tsmusikdirektor 1907\/08, Anm. d. Red.) steht am Schluss des Konzertes.<\/p>\n<p> &gt; Festkonzert: 27.6, 19 Uhr, Thomaskirche <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die mehr als 100 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger des Leipziger Universit\u00e4tschores versammeln sich zweimal pro Woche, um gemeinsam zu&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1121398,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[11621,19701,3364,29,30,3009,1310,30036,71,810,83445,859,34585,5162,236719,3699,33065,20183],"class_list":["post-1121397","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-uni","tag-chor","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-jubilaeum","tag-konzert","tag-konzerttipp","tag-leipzig","tag-musik","tag-musikveranstaltung","tag-sachsen","tag-singen","tag-universitaet","tag-universitaetschor","tag-veranstaltung","tag-veranstaltung-leipzig","tag-veranstaltungshinweis"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116812206117355114","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1121397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1121397"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1121397\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1121398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1121397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1121397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1121397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}