{"id":1121790,"date":"2026-06-25T22:29:35","date_gmt":"2026-06-25T22:29:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1121790\/"},"modified":"2026-06-25T22:29:35","modified_gmt":"2026-06-25T22:29:35","slug":"aerosmith-comeback-vom-drogensumpf-zur-uk-nr-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1121790\/","title":{"rendered":"Aerosmith Comeback: Vom Drogensumpf zur UK-Nr.-1"},"content":{"rendered":"<p class=\"asmb-article-excerpt headline-single-article weight-500\">Die legend\u00e4ren Hardrocker hier in unserem Zentralorgan des Popnerdtums? Wir lassen es heute mal krachen.<\/p>\n<p>Totgesagte leben l\u00e4nger \u2013 die Hardrocker von <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/artists\/aerosmith\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Aerosmith<\/a> sogar schon seit 55 Jahren, obwohl sie mehrfach angez\u00e4hlt waren: Ende der 70er-Jahre ertranken sie fast im Drogensumpf, in den 90ern setzten sie ihre Credibility mit Power-Balladen von externen Songwriter:innen aufs Spiel, 2012 landeten sie einen Megaflop mit ihrem letzten Album. 2023 mussten sie ihre Abschiedstour wegen einer Stimmbandverletzung ihres S\u00e4ngers <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/steven-tylers-tochter-brachte-ihn-mit-einem-slipknot-album-zum-weinen-2468503\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Steven Tyler<\/a> canceln. Doch immer wieder haben sie es zur\u00fcck an die Spitze geschafft. Mit Unterst\u00fctzung von <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/bilder-vom-samstag-beim-southside-2026-kraftklub-yungblud-und-mehr-3210965\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Yungblud<\/a> standen sie vor kurzem zum ersten Mal auf Platz 1 der UK-Albumcharts.<\/p>\n<p>Rise, Fall und wieder Rise: Die Aerosmith-Saga<\/p>\n<p>Die Sage von Aerosmith pendelt zwischen den Polen einer ausgewachsenen, leuchtenden US-Flagge. Die USA lieben das Erz\u00e4hlschema vom Rise and Fall, gefolgt von der zweiten Chance. Keine Band verk\u00f6rpert dieses Auf und Ab und Auf so exemplarisch wie diese f\u00fcnf Typen aus Boston, die 1970 mit Schlaghosen, im Falle ihres S\u00e4ngers Steven \u201eDemon of Screamin\u2019\u201c Tyler noch breiterem Grinsen, und einem Sound zwischen Blues-basiertem Hard- und theatralischem Glam-Rock angetreten waren, \u201eAmerica\u2019s Greatest Rock and Roll Band\u201c zu werden. Tyler, eine bunt schillernde, androgyne Mischung aus Schlangenbeschw\u00f6rer, Zirkusfloh und Rampensau, verschluckte die Mikrofone. Seinen Gegenpol bildete Gitarrist Joe Perry, cool bis zur Eisgrenze, keine Miene zu viel verzogen. Zusammen traten sie, vergiftet von Ruhm und Rausch, als Toxic Twins das fr\u00fche Erbe der Glimmer Twins aus Mick Jagger und Keith Richards an. Wie ihre britischen Vorbilder vereint sie eine lebenslange Hassliebe. Nach einigen personellen Tumulten von Juli 1979 bis April 1984 besteht die Band bis heute aus dem klassischen Personal von 1971: Tyler (als Sohn eines deutsch- und italienischst\u00e4mmigen Vaters b\u00fcrgerlich: Tallarico), Perry, der zweite Gitarrist Brad Whitford, Bassist Tom Hamilton und Drummer Joey Kramer. Als Aerosmith gerieren sie sich als der American Dream, den der Wecker nie platzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Anf\u00e4nge in Boston: Drogen, Tr\u00e4ume und ein Bandname<\/p>\n<p>Ihre Geschichte beginnt 1970 in New Hampshire. Tyler, Drummer und Backgrounds\u00e4nger von Chain Reaction sowie gl\u00fchender Fan von Perrys Jam Band, der auch Hamilton und Kramer angeh\u00f6ren, empfiehlt die Fusion der beiden Gruppen \u2013 unter der Pr\u00e4misse, dass er als S\u00e4nger vorr\u00fccken d\u00fcrfe. Zusammen beziehen sie ein Domizil in der Bostoner Commonwealth Avenue Nr. 1325, wo sie die Tage mit bekifften Bandproben und Wiederholungen der TV-Comedyserie \u201eThe Three Stooges\u201c verbringen; die Komikertruppe hatte davor schon Iggy Pops Band Pate f\u00fcr deren Namen gestanden. Die Idee zu \u201eAerosmith\u201c speist sich aus Harry Nilssons 1968er-Album AERIAL BALLET und der Schullekt\u00fcre \u201eArrowsmith\u201c, Sinclair Lewis\u2018 parodistischem Roman aus dem Jahr 1925. Kramer kritzelte noch zu Highschool-Zeiten seine \u00dcbungshefte mit dem Portmanteau Aerosmith voll. \u00c4hnlich wie zw\u00f6lf Jahre darauf sich drei Berliner zu Die \u00c4rzte zusammenschlie\u00dfen sollten, um mit dem Anfangs-Umlaut ein Alleinstellungsmerkmal im Plattenladen zu haben, ist Kramer von dem beginnenden Doppelvokal fasziniert und \u00fcberzeugt seine Bandkollegen, die anderen Namenskandidaten The Hookers, Spike Jones und Fox Chase zu verwerfen.<\/p>\n<p>Neuzugang und Tylers Jugendfreund Ray Tabano wird als Rhythmusgitarrist schnell von Whitford ersetzt. Tabano k\u00fcmmert sich fortan als Manager um die Belange der Band. 1971 lanciert er den Fanclub \u201eAero Force One\u201c, betitelt in Anspielung auf den US-Pr\u00e4sidenten bef\u00f6rdernde Luftfahrzeuge \u201eAir Force One\u201c. Tabano bleibt im Tross der Band, bis ihn 1979 David Krebs und Steve Leber hinauswerfen, die 1972 das Management \u00fcbernommen haben. Die Newsletter und Merch-Artikel verschickt Tabano aus dem neuen Hauptquartier der Band, einer alten Lagerhalle, die man mit einem Wortspiel aus der englischen Entsprechung \u201ewarehouse\u201c und dem Umstand, dass der meist zugedr\u00f6hnten Gruppe nicht immer klar ist, wo ihr der Kopf steht, \u201eWherehouse\u201c benennt. Die klangliche N\u00e4he zu \u201ewhorehouse\u201c, also einem vulg\u00e4r bezeichneten Bordell, hat f\u00fcr die regelm\u00e4\u00dfig Groupies beherbergende Band einen Extrareiz.<\/p>\n<p>Nicht unwahrscheinlich ist es, allerdings noch nicht rechtsgem\u00e4\u00df erwiesen, dass es damals wie bei so vielen ihrer Zunftskollegen (der etymologische Ursprung des Terminus \u201eRock\u2019n\u2019Roll\u201c geht auf eine Analogie f\u00fcr Geschlechtsverkehr zur\u00fcck) zu Grenz\u00fcberschreitungen kommt; im Falle von Tyler zu einer besonders haarstr\u00e4ubenden: 1973 beginnt er im Alter von 25 Jahren eine Beziehung mit der damals 16-j\u00e4hrigen, vom Leben gebeutelten Julia Holcomb. Mit dem Einverst\u00e4ndnis von deren Mutter bekommt er die Vormundschaft f\u00fcr das M\u00e4dchen zugesprochen, damit sie bei ihm in Boston leben darf. \u00dcber drei Jahre verbindet sie eine von Drogen dominierte Beziehung, die in einen f\u00fcr Holcomb und Tyler traumatisierenden Schwangerschaftsabbruch m\u00fcndet. Jahrzehnte danach erhebt Holcomb, inzwischen unter dem Namen Misley, in einer Klage schwere Vorw\u00fcrfe: Tyler habe sie manipuliert, sexuell ausgenutzt und zur Abtreibung gedr\u00e4ngt. Tyler weist die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck und bezeichnet die Beziehung als einvernehmlich. Das letzte Wort ist hier gewiss noch nicht gesprochen.<\/p>\n<p>Durchbruch mit Columbia und der Produzent Jack Douglas<\/p>\n<p>Mitte 1972 \u00fcberzeugen Tyler und seine Truppe Columbia-Chef Clive Davis im legend\u00e4ren New Yorker Club \u201eMax\u2019s Kansas City\u201c von ihren Live-F\u00e4higkeiten und bekommen einen Major-Deal. Dessen erste Frucht, das 1973er-Deb\u00fctalbum AEROSMITH, hebt allerdings noch nicht in die auf dem Cover dargestellten luftigen H\u00f6hen ab und versackt auf Platz 166 in den US-Charts. Der Opener \u201eMake It\u201c kann sein Versprechen nicht erf\u00fcllen, der sp\u00e4tere Classic-Rock-Klassiker \u201eMama Kin\u201c \u2013 laut Tyler das Herzst\u00fcck im Schaffen der Band \u2013 ist durch seine blutleere Produktion als solcher nicht zu erkennen. In den Band-Memoiren von 1997 \u201eWalk This Way\u201c blickt Perry auf die ausgebliebenen Reaktionen zur\u00fcck: \u201eEs gab \u00fcberhaupt nichts: keine Presse, kein Radio, keine Airplay, keine Kritiken, keine Interviews, keine Party. Das Album wurde ignoriert und es gab viel \u00c4rger.\u201c Ganz so stimmt das allerdings nicht. Denn zun\u00e4chst zwar noch in \u00fcberschaubarem Ausma\u00df, sorgt die einzige ausgekoppelte Single \u201eDream On\u201c f\u00fcr Aufsehen \u2013 im Sinne von Aufh\u00f6ren und, ja, h\u00e4lt die Band so vom Aufh\u00f6ren ab.<\/p>\n<p>Die Akkordfolge der epischen Rockballade geisterte Tyler schon seit dem Alter von drei Jahren im Kopf herum, nachdem er, unter dem Familienpiano liegend, seinem Vater \u2013 einem am Konservatorium der renommierten Juilliard School ausgebildeten Musiker \u2013 beim Klimpern zugeh\u00f6rt hatte. Mit 14 Jahren verpasste er seinem Song einen tiefsch\u00fcrfenden Text, wie ihn wohl nur mit Tagtr\u00e4umen und erster Sinnsuche besch\u00e4ftigte 14-J\u00e4hrige erschaffen k\u00f6nnen: \u201eDream on, dream until your dreams come true\u201c. Lange sollte es nicht mehr dauern.<\/p>\n<p>In den landesweiten Charts erreicht das Lied zwar nur Platz 59, im Lokalradio wird es aber zu einem der meistgespielten des Jahres. An dessen Ende steht die Wende in Form von Jack Douglas, der nach seiner Funktion als Tontechniker auf John Lennons IMAGINE-Album zum lebenslangen Intimus der Beatles-Legende wurde. Zuf\u00e4llig hatten die beiden sich davor schon indirekt gekannt: Von der Beatlemania gepackt, hatte Douglas sich 1965 mit einem Freund auf den Weg nach Liverpool gemacht, wo ihnen mangels eines Visums die Einreise verwehrt wurde. Lennon nahm von der britischen Presse Kenntnis, die \u00fcber das verhinderte Abenteuer der \u201eTwo crazy Yanks\u201c berichtete. In einer aktuellen Folge von Billy Corgans Video-Podcast \u201eThe Magnificent Others\u201c spricht der heute 80-j\u00e4hrige Douglas dar\u00fcber, dass er das Potenzial von Aerosmith sofort erkannte, nachdem er den Job f\u00fcr die Aufnahme von deren zweitem Album erhalten hatte: Es sei schnell ersichtlich gewesen, dass Tyler eine \u201ewahrhafte Naturgewalt\u201c ist. \u201eIch wusste, dass er die Band an die Spitze bef\u00f6rdern k\u00f6nnte. Er war der Sache so verschrieben, so loyal. Er liebte diese Typen, ganz besonders Joe, von dem er diese Art Liebe aber nie erwidert bekam, was oft zu Problemen f\u00fchren sollte.\u201c<\/p>\n<p>Mit Douglas kommt der Erfolg: Nach dem 1974 erschienenen GET YOUR WINGS produziert er das Opus magnum der Band, TOYS IN THE ATTIC, mit dem Aerosmith dank der Hits \u201eWalk This Way\u201c und \u201eSweet Emotion\u201c nur kurz vor den Top Ten der USA Halt machen m\u00fcssen, bevor sie 1976 mit ROCKS auf Platz drei vorsto\u00dfen. Diese beiden Alben werden Meilensteine des Hardrock; ganze Generationen sollten sich auf die hedonistischen Rockhymnen berufen. Wo andere damals Bedeutung suchen, macht Aerosmith es sich zwischen den Vision\u00e4ren des Progressive Rock und der sich gegen\u00fcber in Stellung bringenden Abrissbirne des Punk gem\u00fctlich: Bei Aerosmith geht es weder um das Vor- noch das R\u00fcckw\u00e4rts, ihr Anliegen ist die Intensivierung des Jetzt mit den \u00fcblichen Tools des Rock: Sex, Drugs, and Violence. Keine Tolkien-Themen, keine Sci-Fi-Sph\u00e4ren, lieber druff bumsen und abrocken. Mit dieser Ausrichtung laufen sie parallel zur anderen gro\u00dfen US-Rockshow aus der Nachbarschaft: Kiss. In den New Yorker Record-Plant-Studios gibt man sich die Klinke in die Hand. Im Dauerrausch schleudern Douglas und Aerosmith die Alben heraus. 1976 wird das wiederver\u00f6ffentlichte \u201eDream On\u201c endlich ein Top-Ten-Erfolg.<\/p>\n<p>Erster Abstieg: Drogen, Zerfall und Wiedervereinigung<\/p>\n<p>Nach dem H\u00f6hepunkt mit ROCKS beginnt der erste lange Abstieg. DRAW THE LINE verkauft 1977 deutlich weniger Einheiten, die Plattenfirma macht Druck, der n\u00e4chste Hit muss her. Doch ein solcher gelingt ihnen nur noch mit einem Cover: \u201eCome Together\u201c aus dem bizarren Beatles-Musicalfilm \u201eSgt. Pepper\u2019s Lonely Hearts Club Band\u201c \u2013 ein Desaster an den Kinokassen und in den Rezensionen. Aerosmith lodern auf Sparflamme. Die Band trennt sich von Douglas, der mit seiner Scheidung besch\u00e4ftigt ist. Der Zerfall hat begonnen. Tylers Mikrofonst\u00e4nder ist l\u00e4ngst mehr Kr\u00fccke als Accessoire, in Schals gewickelt wie ein Totem gegen den Zusammenbruch. Die Band erliegt internen Rivalit\u00e4ten, Managementstreitigkeiten und kann die Unmengen an Drogen nicht mehr in kreative Energie \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Ende Juli 1979 schleudert Perrys Frau Elissa backstage in Cleveland ein Glas Milch auf Hamiltons Gattin Terry; Tyler konfrontiert Perry, der daraufhin aussteigt \u2013 oder, wenn man Tyler Glauben schenkt, gefeuert wird. Nach dem gefloppten NIGHT IN THE RUTS (vertauscht man das Initial des ersten Worts mit dem des letzten, kassiert man einen Tritt in die Weichteile) und einem Kollaps Tylers auf der B\u00fchne in Portland, Maine, tut das Label, was Labels in ausweglosen Situationen so tun, und bringt eine eigenartige GREATEST HITS auf den Markt, die nur acht Eigenkompositionen enth\u00e4lt, \u00fcber die Jahre hinweg aber doch verbl\u00fcffende zw\u00f6lf Millionen Exemplare in den USA absetzt. Eilig wird Douglas f\u00fcr ROCK IN A HARD PLACE zur\u00fcckgeholt, der in der Zwischenzeit das Solodeb\u00fct des Joe Perry Projects betreut hatte. Aber auch Douglas kann nichts retten \u2013 im Gegenteil. W\u00e4hrend der Aufnahmen quittiert auch Whitford den Dienst.<\/p>\n<p>Die Wiedervereinigung 1984 kommt fast beil\u00e4ufig: eine Mischung aus Resignation und Berechnung. Langhaariger Partyrock ist dank Aerosmith-(A)Epigonen wie Van Halen, Bon Jovi und M\u00f6tley Cr\u00fce wieder en vogue, und die \u201eBack In The Saddle\u201c-Reuniontour der Originale ist ebenfalls ein Erfolg. Doch die Band ist immer noch so von Drogen zerfressen, dass sie nicht imstande ist, die Chance songschreiberisch zu nutzen. F\u00fcr die Leadsingle des Comebackalbums DONE WITH MIRRORS greifen sie auf eine Solonummer Perrys zur\u00fcck: \u201eLet The Music Do The Talking\u201c. Allerdings wollen nur wenige dem zuh\u00f6ren, was die Musik so zu sagen hat. Aerosmith sind Mitte der 80er trotz der zahlreichen Spandex-Schreih\u00e4lse auf MTV wie aus der Zeit gefallen; wollen sie wieder mit der Zeit gehen, m\u00fcssen sie sich neu erfinden lassen.<\/p>\n<p>Run-D.M.C., Rick Rubin und die zweite Chance<\/p>\n<p>Rick Rubin soll sie in die Gegenwart zerren. Als Co-Produzent des 1986er-Albums von Run-D.M.C., RAISING HELL, schl\u00e4gt er vor, dass das HipHop-Trio sein Live-Experiment mit Freestyle-Raps \u00fcber die ersten Beats von \u201eWalk This Way\u201c ausweitet und ein Remake aufnimmt. Die Rap-Pioniere hatten davor weder den kompletten Song noch je von Aerosmith geh\u00f6rt und verwerfen die Lyrics als \u201eHinterw\u00e4ldler-Nonsens\u201c. Nur ihr DJ Jam Master Jay ist offen f\u00fcr die Idee. Schlie\u00dflich bringt Rubin Tyler und Perry ins Studio, um deren Parts neu einzuspielen \u2013 das Ergebnis schreibt Musikgeschichte und installiert HipHop endg\u00fcltig auch in den Kinderzimmern wei\u00dfer Teens. Das schnell auf Heavy Rotation laufende Video zeigt symbolisch eine Rockband und Run-D.M.C. im Lautst\u00e4rken-Duell in benachbarten Studios, bevor Tyler buchst\u00e4blich die Wand durchbricht, die sie trennt. Rock und Rap finden zusammen; Aerosmith sind schlagartig wieder cool \u2013 und Crossover und dessen weitgehend missratener Sohn NuMetal als Idee geboren.<\/p>\n<p>Balladen-Boom, Blockbuster und kommerzieller Zenit<\/p>\n<p>Nun gilt es nachzulegen. Profi-Songwriter:innen, allen voran Desmond Child, der schon ma\u00dfgeblich an Kiss\u2018 \u201eI Was Made For Lovin\u2018 You\u201c und Bon Jovis \u201eLivin\u2018 On A Prayer\u201c mitgeschrieben hatte, verpassen PERMANENT VACATION einen dicken Pop-Anstrich und setzen vermehrt auf gro\u00dfe Emotionen \u2013 mit Erfolg: Mit dem pathetischen \u201eAngel\u201c stehen Aerosmith hoch wie nie zuvor in den Single-Charts der USA, auf Platz drei. MTV kann gar nicht genug kriegen von den klamaukigen Hochglanz-Videos zum Gender-Bending \u201eDude (Looks Like A Lady)\u201c und dem schl\u00fcpfrigen \u201eRag Doll\u201c. Mittlerweile sind die Bandmitglieder um die 40, machen aber \u2013 insbesondere der auf einmal gest\u00e4hlte Perry \u2013 eine gute Figur neben den jungen Kollegen von Poison, Twisted Sister, Def Leppard und Guns N\u2018 Roses, die auf ihrer Deb\u00fct-EP \u201eLive ?!*@ Like A Suicide\u201c mit einem \u201eMama Kin\u201c-Cover ihren Helden huldigen.<\/p>\n<p>PUMP setzt 1989 auf das bew\u00e4hrte Prinzip: David Fincher (sp\u00e4ter \u201eSieben\u201c, \u201eFight Club\u201c) dreht das Sozialdrama \u201eJanie\u2019s Got A Gun\u201c, \u201eLove In An Elevator\u201c avanciert trotz einer fast zweimin\u00fctigen Instrumentalpassage zum Top-5-Hit. Der 20-Millionenseller GET A GRIP ger\u00e4t 1993 zum H\u00f6he- und Endpunkt dieser Erfolgsserie: Die Clips zur Balladen-Trilogie aus \u201eCryin\u2019\u201c, \u201eAmazing\u201c (mit der autobiografischen Zeile \u201eThat one last shot\u2019s a permanent vacation\u201c) und \u201eCrazy\u201c machen Hauptdarstellerin Alicia Silverstone f\u00fcr eine Saison zum It-Girl. Nirvanas \u201eSmells Like Teen Spirit\u201c mag mit seiner ungez\u00fcgelten Wucht und weltumst\u00fcrzenden Dringlichkeit das definitive Musikvideo der 90er sein \u2013 \u201eCryin\u2019\u201c kommt an n\u00e4chster Stelle: Einen Suizid vort\u00e4uschend, st\u00fcrzt Silverstone sich vor den Augen ihres Freundes \u2013 gespielt von 90er-Herzensbrecher Stephen Dorff, den sie zuvor beim Fremdgehen erwischt hat \u2013 von einer Autobahnbr\u00fccke, nur um im Fallen eine Bungee-Vorrichtung \u00fcber ihrem soeben gepiercten Bauchnabel zu offenbaren und ihrem schockierten Boyfriend per Mittelfinger den Laufpass zu geben. Female Empowerment \u2013 dazu in Levi\u2019s-zeitgem\u00e4\u00dfen Blue Jeans und einem Hemd mit grungigem Flanellmuster. Das folgende \u201eCrazy\u201c-Video f\u00fchrt Tylers Tochter Liv ein, die 1998 an der Seite von Bruce Willis f\u00fcr den Weltuntergangs-Blockbuster \u201eArmageddon\u201c vor der Kamera steht. Mit ihrem von Diane Warren komponierten Beitrag zum Soundtrack, der Ultraschnulze \u201eI Don\u2019t Want To Miss A Thing\u201c, erzielen Aerosmith ihren einzigen Nr.-1-Hit.<\/p>\n<p>Zweiter Abstieg, Las Vegas und das Abschieds-Debakel<\/p>\n<p>Was darauf folgt, ist ein kommerziell nachvollziehbarer, aber k\u00fcnstlerisch unn\u00f6tiger Appendix \u2013 der zweite lange Abstieg: das Hit-lose Album JUST PUSH PLAY, eine Blues-Coverplatte namens HONKIN\u2018 ON BOBO, f\u00fcr die Douglas zur\u00fcckkehrt, und 2012 mit MUSIC FOR ANOTHER DIMENSION! ein bislang letztes, komplett Hit-loses Album. Unz\u00e4hlige, teils arg quatschi\u00adge Best-ofs (darunter eine Balladensammlung voller Banger und ein zweites Album mit dem Titel GREATEST HITS), Tylers Job als Juror bei der Castingshow \u201eAmerican Idol\u201c, die unabwendbare Residenz in Las Vegas \u2013 das Abstellgleis ehemaliger Gr\u00f6\u00dfen. Ihre 2022 angek\u00fcndigte Abschiedstour \u201ePeace Out\u201c h\u00e4tte ein Triumph werden sollen. Noch einmal mit Gef\u00fchl, in Leder und mit Lametta. Doch dann das bittere Ende: Tyler verliert die Stimme. Stimmbandverletzungen zwingen die Band, die Konzertreihe nach nur drei Dates abzubrechen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/me-badge-recommendation.png\" alt=\"Musikexpress Badge\"\/><\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter teilt der Freizeitpark Disney World mit, die Indoor-Achterbahn \u201eRock\u2019n\u2019Roller Coaster Starring Aerosmith\u201c nach 26 Jahren zu schlie\u00dfen \u2013 sie soll bald als Muppets-Attraktion neuer\u00f6ffnet werden, was nach den Cartoon-haften Rockern ganz stimmig w\u00e4re. Doch kaum meint man, die Band h\u00e4tte den letzten Looping ihrer Karriere endg\u00fcltig hinter sich, schnellen Aerosmith wieder nach oben und regieren erstmals die UK-Hitliste von Platz 1 aus \u2013 dank einer gemeinsamen EP mit Yungblud.<\/p>\n<p>Ein weiteres Comeback with a little help from a friend, ein trotziges Aufb\u00e4umen zur Endrunde? Eine \u201eNaturgewalt\u201c, wie Jack Douglas Tyler genannt hat, besteht in ihrem Kern aus \u00fcberlebensgro\u00dfem \u00dcberlebenswillen. M\u00f6glicherweise haben Aerosmith ihre \u201eNine Lives\u201c doch noch nicht aufgebraucht.<\/p>\n<p class=\"p1\">Warum wird Iggy Pop nach Dekaden mit einigen H\u00f6hen und tiefsten T\u00e4lern jetzt verehrt und geliebt wie nie zuvor? Antwort liefert unsere Titelgeschichte \u00fcber den \u201eGodfather of Punk\u201c. Dem Heft liegt exklusiv eine Vinyl-Single mit Live-Versionen von \u201eThe Passenger\u201c und \u201eLust For Life\u201c bei, festgehalten w\u00e4hrend des 2023er Konzerts beim Montreux Jazz Festival. <a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/musikexpress-01-26-07\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Die MUSIKEXPRESS-Ausgabe gibt es hier bequem zum Bestellen.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die legend\u00e4ren Hardrocker hier in unserem Zentralorgan des Popnerdtums? 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