{"id":1124055,"date":"2026-06-26T20:34:47","date_gmt":"2026-06-26T20:34:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1124055\/"},"modified":"2026-06-26T20:34:47","modified_gmt":"2026-06-26T20:34:47","slug":"genomsequenzierung-deckt-verborgene-resistenzen-bei-tuberkulose-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1124055\/","title":{"rendered":"Genomsequenzierung deckt verborgene Resistenzen bei Tuberkulose auf"},"content":{"rendered":"<p>In der Studie wurde der Einsatz der sogenannten \u201eTargeted Next-Generation-Sequenzierung\u201c (tNGS) als Bestandteil der routinem\u00e4\u00dfigen Tuberkuloseversorgung in Eswatini untersucht, einem Land mit hoher Belastung durch multiresistente Tuberkulose (MDR-TB). Das Verfahren erm\u00f6glicht eine detaillierte Analyse der genetischen Eigenschaften von Erregern direkt aus Patientenmaterial und liefert dadurch deutlich umfassendere Informationen zu Arzneimittelresistenzen als Standardtests.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere eine problematische Form der Rifampicin-resistenten Tuberkulose, verursacht durch die Mutation rpoB I491F, von routinem\u00e4\u00dfigen Diagnosetests h\u00e4ufig nicht erkannt wird. Dies f\u00fchrt zu einer erheblichen Untersch\u00e4tzung von Medikamentenresistenzen und birgt ein gro\u00dfes Risiko einer nicht ad\u00e4quaten Therapie.<\/p>\n<p>\u201eEine genaue Resistenzdiagnostik ist die Grundlage jeder erfolgreichen TB-Behandlung\u201c, sagt Prof. Stefan Niemann, Programmdirektor des Programmbereichs Infektionen am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum und Koordinator des Projekts \u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass viele Patientinnen und Patienten, die zun\u00e4chst als weniger stark resistent eingestuft wurden, tats\u00e4chlich multiresistente St\u00e4mme aufwiesen, die mit konventionellen Diagnoseverfahren nicht erkannt wurden.\u201c<\/p>\n<p>Verborgene Resistenzen aufgedeckt<\/p>\n<p>Zwischen Juni 2021 und Dezember 2024 analysierten Forschende 234 Patientenproben von Personen mit Verdacht auf arzneimittelresistente Tuberkulose oder Therapieversagen. Mithilfe von tNGS identifizierte das Team in 159 Tuberkulose-St\u00e4mmen eine Rifampicin-Resistenz. Bemerkenswert ist, dass nahezu zwei Drittel dieser St\u00e4mme die Rifampicin Resistenzmutation rpoB I491F trugen, eine bekannte \u201ediagnostic escape\u201c-Mutation, die von mehreren weit verbreiteten Testverfahren nur unzureichend erfasst wird.<\/p>\n<p>Noch besorgniserregender sind die Ergebnisse zur Resistenz gegen\u00fcber Bedaquilin, einem der wichtigsten Medikamente in modernen MDR-TB-Behandlungsregimen. Genetische Marker f\u00fcr Bedaquilin-Resistenz wurden in mehr als der H\u00e4lfte aller Rifampicin-resistenten St\u00e4mme sowie in 85 % der St\u00e4mme mit der rpoB I491F-Mutation nachgewiesen.<\/p>\n<p>\u201eDiese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der Patientinnen und Patienten m\u00f6glicherweise Behandlungsregime erh\u00e4lt, die Medikamente enthalten, gegen die ihre Erreger bereits resistent sind\u201c, so Debrah Vambe, Erstautorin der Studie und Studien PI in Eswatini.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung von tNGS hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgung: In mehr als der H\u00e4lfte der F\u00e4lle mit verf\u00fcgbaren klinischen Daten f\u00fchrte die Sequenzierung zu einer Anpassung der Therapie. Trotz komplexer Resistenzmuster wurde bei 88 Prozent dieser Patientinnen und Patienten ein erfolgreicher Behandlungsabschluss erreicht.<\/p>\n<p>Bedeutung f\u00fcr die globale Tuberkulosekontrolle<\/p>\n<p>Die Ergebnisse werfen grundlegende Fragen zur Aussagekraft routinem\u00e4\u00dfiger Diagnostik bei arzneimittelresistenter Tuberkulose auf. Da insbesondere I491F-assoziierte Rifampicin Resistenzen h\u00e4ufig \u00fcbersehen werden, besteht das Risiko fehlerhafter Resistenzdiagnostik und unzureichender Behandlung. Zudem stellt die gleichzeitige Resistenz gegen\u00fcber Rifampicin und Bedaquilin die Wirksamkeit standardisierter Regime wie BPaLM in betroffenen Regionen infrage.<\/p>\n<p>Die Forschenden betonen, dass eine breitere Anwendung sequenzierungsbasierter Diagnostik entscheidend sein k\u00f6nnte, um Resistenzl\u00fccken zu schlie\u00dfen, Therapieversagen zu reduzieren und die weitere Ausbreitung resistenter Erreger einzud\u00e4mmen. Die Erfahrungen aus Eswatini zeigen, wie die Genomsequenzierung zentrale diagnostische L\u00fccken schlie\u00dfen und eine pr\u00e4zisere, personalisierte Tuberkuloseversorgung unterst\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Beteiligte Institutionen: An der Studie waren Forschende der Baylor College of Medicine Children\u2019s Foundation Eswatini (Mbabane), des Baylor College of Medicine (Houston, USA), des Global TB Program des Baylor College of Medicine (Houston, USA), des National Tuberculosis Reference Laboratory, Eswatini Health Laboratory Services, Ministry of Health (Mbabane, Eswatini), des National TB Control Program (Manzini, Eswatini) sowie des Forschungszentrums Borstel, Leibniz-Lungenzentrums beteiligt. Die Arbeiten wurden zudem durch ein internationales Konsortium von Partnerinstitutionen aus Eswatini, Europa und den USA unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.fz-borstel.de\/de\/aktuelles\/news\/news-2026\/neuer-genomtest-deckt-unerkannte-arzneimittelresistente-tuberkulose-in-eswatini-auf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Lungenzentrum<\/a><\/p>\n<p><strong>Publikation:<\/strong> Vambe, D., Kay, A., Ziyane, M. et al.; Targeted next-generation sequencing implementation in Eswatini identifies rifampicin and bedaquiline resistance undetected by routine diagnostic testing; Nat Commun, 2026; doi: 10.1038\/s41467-026-73551-w<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Studie wurde der Einsatz der sogenannten \u201eTargeted Next-Generation-Sequenzierung\u201c (tNGS) als Bestandteil der routinem\u00e4\u00dfigen Tuberkuloseversorgung in Eswatini&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1124056,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[137],"tags":[29,30,141,232],"class_list":["post-1124055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-deutschland","tag-germany","tag-gesundheit","tag-health"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116818324142321907","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1124055"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1124055\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1124056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1124055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1124055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1124055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}