{"id":1124071,"date":"2026-06-26T20:43:27","date_gmt":"2026-06-26T20:43:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1124071\/"},"modified":"2026-06-26T20:43:27","modified_gmt":"2026-06-26T20:43:27","slug":"aachen-berlin-psychopharmaka-und-hitze-so-gehen-sie-gut-mit-dem-risiko-um-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1124071\/","title":{"rendered":"Aachen\/Berlin | Psychopharmaka und Hitze: So gehen Sie gut mit dem Risiko um"},"content":{"rendered":"<p>Aachen\/Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Schwitzen, schlecht schlafen, der Kreislauf wackelt: Hitze kann den K\u00f6rper stark belasten. Wer Psychopharmaka nimmt, sollte an hei\u00dfen Tagen besonders aufmerksam sein. Denn \u00abHitze kann die Wirkung von Medikamenten ver\u00e4ndern. Das verunsichert viele\u00bb, sagt Apothekerin Stephanie Tiede aus dem Vorstand der Bundesapothekerkammer.<\/p>\n<p>Warum Hitze bei Psychopharmaka relevant bis riskant ist, erkl\u00e4rt Prof. Michael Paulzen, stellvertretender Leiter des Referats Psychopharmakologie bei der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) so: \u00abWenn es so hei\u00df ist, schwitzen Sie mehr, das beeinflusst die K\u00f6rperhom\u00f6ostase, denn wenn Sie vermehrt schwitzen, reduziert sich Ihre Nierenfunktion. Die Niere ist ein ganz zentrales Ausscheidungsorgan, gerade f\u00fcr Psychopharmaka.\u00bb<\/p>\n<p>Wird der Fl\u00fcssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, \u00abdann akkumulieren, also h\u00e4ufen sich wasserl\u00f6sliche Arzneistoffmetaboliten an\u00bb, so Paulzen, der auch \u00c4rztlicher Direktor und Chefarzt des Alexianer Krankenhauses Aachen ist. Einfach gesagt: Kommen K\u00f6rper und Organe durch Hitze und zu wenig Fl\u00fcssigkeit aus dem Gleichgewicht, k\u00f6nnen manche Wirkstoffe oder Abbauprodukte langsamer ausgeschieden werden: Die Konzentration im Blut kann steigen &#8211; mit unangenehmen Folgen.<\/p>\n<p>Hitzefolgen kennen und erkennen<\/p>\n<p>Das kann sich selbst bei Patientinnen und Patienten, die ein Medikament jahrelang gut vertragen haben, anf\u00fchlen wie eine Verschlechterung der Grunderkrankung &#8211; etwa durch Unruhe, Schlafst\u00f6rungen, Zittrigkeit oder Herzrasen, so Paulzen. Auch Verwirrtheit, Schwindel, starke M\u00fcdigkeit oder Benommenheit k\u00f6nnen auftreten. Wichtig ist dann, nicht nur an eine psychische Krise zu denken, sondern auch an eine unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkung als Folge der Hitze.<\/p>\n<p>Besonders hitzekritisch, so der Fachbegriff, k\u00f6nnen laut einer \u00dcbersicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverb\u00e4nde (ABDA) unter anderem Antidepressiva sein, darunter SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva. Sie k\u00f6nnen die Thermoregulation, also die F\u00e4higkeit des K\u00f6rpers, seine Temperatur konstant zu halten, beeintr\u00e4chtigen; Trizyklika k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich das Schwitzen vermindern.\u00a0<\/p>\n<p>Auch Antipsychotika beziehungsweise Neuroleptika k\u00f6nnen die W\u00e4rmeregulation st\u00f6ren sowie m\u00fcde machen. Benzodiazepine und Z-Substanzen k\u00f6nnen die Aufmerksamkeit verringern &#8211; Betroffene nehmen Hitzeersch\u00f6pfung dann wom\u00f6glich sp\u00e4ter wahr.\u00a0<\/p>\n<p>Bei Lithium ist besondere Vorsicht n\u00f6tig: Dehydrierung und eine verminderte Ausscheidung \u00fcber die Nieren k\u00f6nnen das Risiko einer \u00dcberdosierung erh\u00f6hen. Auch zentral wirksame Stimulanzien wie Methylphenidat, das etwa bei ADHS eingesetzt wird, oder Sympathomimetika wie Modafinil k\u00f6nnen die Thermoregulation beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Nicht eigenst\u00e4ndig absetzen, Hitzestress vermeiden, trinken<\/p>\n<p>\u00a0\u00abWichtig ist: Die Dosis nicht eigenst\u00e4ndig verringern oder die Medikamente komplett absetzen. Bei Fragen hilft die Apotheke vor Ort kompetent weiter\u00bb, sagt Tiede und verspricht: \u00abAuch w\u00e4hrend einer Hitzewelle ist es in der Apotheke angenehm k\u00fchl.\u00bb<\/p>\n<p>Was hilft? Regelm\u00e4\u00dfig trinken &#8211; nicht erst, wenn der Durst gro\u00df ist. Die ABDA-\u00dcbersicht nennt als Orientierung 2 bis 3 Liter \u00fcber den Tag verteilt; wer Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen hat, sollte die passende Trinkmenge \u00e4rztlich kl\u00e4ren. Au\u00dferdem: nicht unn\u00f6tig in direkter Sonne und Hitze aufhalten, k\u00f6rperliche Belastung reduzieren, Schatten und k\u00fchle R\u00e4ume suchen, Wege und Sport auf k\u00fchlere Tageszeiten legen. Und mit den Behandlern kl\u00e4ren, ob eine Anpassung der Medikation oder der Dosis stattfinden sollte.<\/p>\n<p>\u00c4rztlichen Rat sollten Betroffene unbedingt einholen, wenn neue oder ungew\u00f6hnlich starke Nebenwirkungen auftreten &#8211; etwa Verwirrtheit, hei\u00dfe trockene Haut, wenig oder dunkel gef\u00e4rbter Urin, Muskelkr\u00e4mpfe, Schwindel, Herzstolpern oder -rasen. Wer zum Bereitschaftsdienst oder in die Notaufnahme muss, sollte unbedingt angeben, welche Medikamente er nimmt &#8211; und dass Hitze und Fl\u00fcssigkeitsverlust eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aachen\/Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Schwitzen, schlecht schlafen, der Kreislauf wackelt: Hitze kann den K\u00f6rper stark belasten. 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