{"id":1125313,"date":"2026-06-27T08:48:14","date_gmt":"2026-06-27T08:48:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1125313\/"},"modified":"2026-06-27T08:48:14","modified_gmt":"2026-06-27T08:48:14","slug":"will-ich-meinem-kind-diese-welt-zumuten-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1125313\/","title":{"rendered":"\u00bbWill ich meinem Kind diese Welt zumuten?\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Die Deutschen bekommen immer weniger Kinder. Waren es 2021 durchschnittlich noch 1,58 Kinder pro Frau, waren es 2024 nur noch 1,35. Auch in Leipzig gibt es einen starken Geburtenr\u00fcckgang. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind unter anderem Zukunfts\u00e4ngste und wirtschaftliche Unsicherheit. Auch die Klimakrise besch\u00e4ftigt viele, sagt Autorin Marisa Becker. Auf Instagram erkl\u00e4rt sie Klimapolitik und k\u00e4mpft f\u00fcr den Klimaschutz \u2013 52.000 Menschen folgen ihr dabei. In ihrem neuesten Buch \u00bbLiebe Wilhelmine oder Pl\u00e4doyer f\u00fcrs Kinderkriegen in der Klimakrise\u00ab will die 29-J\u00e4hrige \u2013 die fr\u00fcher auch mal f\u00fcr den kreuzer schrieb \u2013 mit der Behauptung aufr\u00e4umen, dass Kinder eine Klimas\u00fcnde seien.\u200b<\/p>\n<p><strong>Gleich zu Beginn Ihres Briefes schreiben Sie von einem enormen Rechtfertigungsdruck, ein Kind in diese Welt gesetzt zu haben. <\/strong><\/p>\n<p>Als Person, die in der \u00d6ko-Blase unterwegs ist, gibt es da schon echt krasse Hardliner, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Der eindr\u00fccklichste Kommentar vor Kurzem war f\u00fcr mich: Jetzt noch ein Kind zu kriegen, das w\u00e4re, als w\u00fcrde man mit einem Auto auf eine Schlucht zufahren, aufs Gaspedal dr\u00fccken und sein Kind auf den Beifahrersitz holen. \u2013 Klar, sowas ist schneller in die Tastatur getippt, als es jemandem ins Gesicht zu sagen. Diese Antinatalistische Bubble kenne ich in meinem \u00bbechten\u00ab Leben \u00fcberhaupt nicht. Das ist etwas, was ich wirklich nur im Internet kennengelernt habe. Ich teile deswegen auch nicht viel \u00fcber meine Kinder, weil ich sie sch\u00fctzen will.<\/p>\n<p><strong>Die Was-Bubble? <\/strong><\/p>\n<p>Antinatalist:innen lehnen das Kinderkriegen per se ab. Sie sagen: Wer Leid verhindern will, darf keine empfindungsf\u00e4higen Lebewesen in die Welt setzen. F\u00fcr klimapolitische Antinatalist:innen sind Kinder nicht Motor der Ver\u00e4nderung, sondern Treiber der Krise. Sie denken, Kinder selbst sind eine Klimas\u00fcnde und dass man deswegen keine kriegen sollte. <\/p>\n<p><strong>Wie war das bei Ihnen? <\/strong><\/p>\n<p>Damit habe ich mich nat\u00fcrlich auch besch\u00e4ftigt: Was hei\u00dft denn \u00fcberhaupt ein gutes Leben? Ich habe festgestellt, dass unsere Anspruchshaltung, was zu einem guten Leben geh\u00f6rt, Luxus ist. Es kommt auf ganz andere Dinge an, als mit einer vollen T\u00fcte aus dem H&amp;M zu gehen. Es geht darum, meine Grundbed\u00fcrfnisse zu decken, soziale Beziehungen, die mich st\u00e4rken, Selbstwirksamkeit zu sp\u00fcren. Das sind Dinge, die ein Leben lebenswert machen. Ich kann mich nicht gl\u00fccklich konsumieren. <\/p>\n<p><strong>Krieg, Rechtsruck, Inflation: Krisen gibt es momentan viele.<\/strong><\/p>\n<p>Ob man trotzdem Kinder kriegen sollte? Ich finde es wichtig, dass es jede und jeder f\u00fcr sich entscheidet. Kinder durch Krisenzeiten zu begleiten ist eine Herausforderung. Man kann das vor Kindern nicht immer verbergen oder fernhalten. Was die Klimakrise angeht, will ich das auch gar nicht, sondern sie daf\u00fcr sensibilisieren.<\/p>\n<p><strong>Wie begleiten Sie Ihre Kinder durch die Klimakrise?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Tochter ist sechs Jahre alt. Mit ihr spreche ich sehr viel dar\u00fcber. Sie wei\u00df, dass wir ein Problem haben, dass sich die Welt erw\u00e4rmt, und sie wei\u00df, dass wir Menschen mit unserer Umwelt sehr schlecht umgegangen sind und dass wir das ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Wir erkl\u00e4ren, warum wir Bio-Lebensmittel kaufen: Weil wir nicht wollen, dass so viele Pestizide gespr\u00fcht werden, weil das Insekten t\u00f6tet, die wir brauchen. 2024 blieb in Sachsen die Obsternte aus \u2013 wir haben auch einen Apfel- und Quittenbaum im Garten \u2013 damals haben wir erkl\u00e4rt, dass das am Klimawandel liegt. Sie ist ein kleines Kind, ich m\u00f6chte sie damit nicht \u00fcberfordern. Ich beantworte prim\u00e4r ihre Fragen, bis sie keine Lust mehr hat. Es gibt auch viele tolle Kinderb\u00fccher dazu. <\/p>\n<p><strong>Wie ist also Ihre Antwort darauf, ob es sich trotz Klimakrise lohnt, Kinder zu kriegen?<\/strong><\/p>\n<p>Kinder stellen immer eine Verbindung in die Zukunft her. Sie geben uns den Willen f\u00fcr Ver\u00e4nderung, weil man etwas hat, wof\u00fcr es sich lohnt, dass ich mir den Arsch aufrei\u00dfe und daf\u00fcr k\u00e4mpfe, dass es eine bessere Welt gibt.<\/p>\n<p>&gt; Marisa Becker: Liebe Wilhelmine oder Pl\u00e4doyer f\u00fcrs Kinderkriegen in der Klimakrise. M\u00fcnchen: Kjona 2026. 96 S., 20 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Deutschen bekommen immer weniger Kinder. 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