{"id":1125825,"date":"2026-06-27T13:40:16","date_gmt":"2026-06-27T13:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1125825\/"},"modified":"2026-06-27T13:40:16","modified_gmt":"2026-06-27T13:40:16","slug":"a3kultur-position-kampf-um-augsburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1125825\/","title":{"rendered":"a3kultur Position | Kampf um Augsburg"},"content":{"rendered":"<p>Der ehemalige Kulturreferent J\u00fcrgen Enninger entdeckt den K\u00e4mpfer in sich und legt die Augsburger Kulturpolitik erst einmal auf die Matte. Ein Kommentar von J\u00fcrgen Kannler<\/p>\n<p>Am 4. Mai wurde Tatjana D\u00f6rfler vom Augsburger Stadtrat zur Referentin f\u00fcr Bildung, Wissenschaft, Kultur und Welterbe gew\u00e4hlt. Am 1. Juli soll sie ihr Amt antreten. Sie w\u00e4re die einzige Frau in einer von M\u00e4nnern gepr\u00e4gten Stadtregierung. Ob es dazu aber kommen wird, ist gegenw\u00e4rtig zumindest noch v\u00f6llig offen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Kulturreferat sagte zuletzt bereits vor Wochen best\u00e4tigte Termine mit D\u00f6rfler ab. Die Verwaltung verwies dabei auf eine Klage, die vor dem Verwaltungsgericht Augsburg gegen ihre Berufung anh\u00e4ngig ist.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Zum Hintergrund:<\/strong> Bei den Kommunalwahlen im M\u00e4rz wurden die bisherigen Regierungsparteien CSU und Gr\u00fcne von den W\u00e4hler*innen deutlich abgestraft. Die CSU-OB Eva Weber verlor \u00fcberraschend deutlich ihren Chefinnenposten an den SPD-Mann Florian Freund. W\u00e4hrend die Union ihre Chance auf eine weitere Regierungsbeteiligung nutzte, w\u00e4hlten die Gr\u00fcnen die Opposition und votierten damit auch gegen eine Weiterf\u00fchrung des Kulturreferats durch einen ihrer Vertreter*innen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Zur Erinnerung:<\/strong> Tatjana D\u00f6rflers Vorg\u00e4nger als Kulturreferent war der Gr\u00fcnen-Politiker J\u00fcrgen Enninger. Als solcher konnte er auf ein beachtliches Netzwerk von Macher*innen aus allen Kulturbereichen der Stadt z\u00e4hlen. Viele von ihnen unterzeichneten einen Aufruf an den neuen OB, Enninger im Amt zu belassen. Die \u00bbWeiter-so\u00ab-Rhetorik des Schreibens war jedoch f\u00fcr die deutliche Best\u00e4tigung D\u00f6rflers durch den Stadtrat ohne Bedeutung. Vielleicht hat das Papier jedoch J\u00fcrgen Enningers Kampfgeist geweckt. Eine Qualit\u00e4t, die er laut einem Kommentar in der Augsburger Allgemeinen gerne schon zu Amtszeiten \u00f6fter h\u00e4tte zeigen d\u00fcrfen. In der Tat: Nicht nur einmal wurde dem Kulturreferenten aus der eigenen Regierung \u00fcbel mitgespielt, ohne dass dieser dazu \u00f6ffentlich Stellung bezog und den gebotenen Respekt f\u00fcr sein Amt und die von ihm vertretene Kultur der Stadt laut und deutlich einforderte. Nun m\u00f6chte J\u00fcrgen Enninger im Eilverfahren die Neubesetzung des Kultur- und Bildungsreferats durch die SPD-Politikerin verhindern. Er vertritt die Position, dass es durch die Zusammenlegung von Bildung und Kultur zu einer Stellenausschreibung h\u00e4tte kommen m\u00fcssen. Enninger fischt hier im Tr\u00fcben, jedoch nicht schwarz und mit berechtigter Aussicht auf Beute. Ob diese jedoch f\u00fcr die Kulturstadt genie\u00dfbar ist, bleibt abzuwarten. Sollte seine Klage Wirkung zeigen, w\u00e4ren nicht nur in Augsburg zahlreiche Referate unter Umgehung einer Ausschreibung besetzt worden. F\u00fcr diese F\u00e4lle gilt wohl jedoch: Wo kein Kl\u00e4ger, da kein Richter.\u00a0<\/p>\n<p>Sah sich J\u00fcrgen Enninger vor wenigen Wochen noch auf einer Welle der Sympathie getragen, ger\u00e4t er nun zusehends ins Abseits. Die unverzeihlichen Vers\u00e4umnisse der schwarz-gr\u00fcnen Vorg\u00e4ngerregierung in Sachen Pflege und Erhalt st\u00e4dtischer kultureller Infrastruktur werden ihm nun ma\u00dfgeblich angelastet. Die unter seiner \u00c4gide zuletzt erfolgte Schlie\u00dfung der Freilichtb\u00fchne setzte in der Liste maroder Kulturorte in Augsburg nur den markanten Schlusspunkt.<\/p>\n<p><strong>Unfair:<\/strong> Dennoch ist es nicht fair, Enninger die alleinige Schuld f\u00fcr diesen Skandal anzulasten. F\u00fcr einige jedoch bequem, um so vom eigenen Versagen abzulenken. Gerade auch Personen, die sich noch vor Kurzem f\u00fcr eine Weiterf\u00fchrung seiner Arbeit als Kulturreferent starkgemacht haben, werfen ihm nun vor, den erhofften Neustart der Stadtpolitik zu blockieren.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Das ist Unsinn:<\/strong> Nicht J\u00fcrgen Enninger blockiert, sondern die grotesken Untiefen unseres verwaltungsrechtlichen Systems, das wohl nicht klar definiert, ob und wann ein Referat ausgeschrieben werden muss. Der gegenw\u00e4rtige Status dieser Geschichte kennt nur Verlierer*innen. Da w\u00e4ren zuerst die Zukunftsthemen Bildung und Kultur, die bis auf Weiteres in Augsburg f\u00fchrungslos umherirren. Ein Zustand, der auch das Personal der betroffenen Referate schwer belastet. Die Rede ist von qu\u00e4lender Unsicherheit bis hin zu schlaflosen N\u00e4chten, die diese Situation bereitet. Der ehemalige Kulturreferent gilt nun vielen als schlechter Verlierer und Blockierer. Seine Chancen, sein altes Amt jemals zur\u00fcckzugewinnen, gehen gegen null.<\/p>\n<p>Auch die neu gew\u00e4hlte Referentin wei\u00df wohl noch nicht, ob sie das Amt antreten wird. Sollte es tats\u00e4chlich zu einer verpflichtenden Ausschreibung kommen, ist es nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass Tatjana D\u00f6rfler sich daran beteiligen w\u00fcrde. Auch wenn ihre erneute Berufung als mehr als chancenreich zu bezeichnen w\u00e4re. Die Juristin D\u00f6rfler hat seit mehr als 20 Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Augsburg und arbeitet f\u00fcr das Bayerische Staatsministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst. Eine Qualifikation wie geschaffen f\u00fcr das Portfolio des umk\u00e4mpften Referats mit den Aufgaben Bildung, Schulen, Kindertagesbetreuung, kommunale Bildungsplanung, Ausbildung, Erwachsenenbildung, Stadtb\u00fccherei, kulturelle Bildung, Kultur, Jugendkultur, kulturelle Festivals, B\u00fchnen, Kunstsammlungen und Museen, Arch\u00e4ologie sowie Welterbe. Vor ihrer Zeit beim Ministerium war D\u00f6rfler Kanzlerin an der Hochschule Augsburg. Vor f\u00fcnf Jahren eskalierte jedoch ein hausinterner Streit. Professor*innen und Dekan*innen des Hauses warfen D\u00f6rfler \u00bbgravierendes Missmanagement\u00ab vor. Sie forderten ihren R\u00fccktritt. Tatjana D\u00f6rfler verwies auf die Spitzenbewertungen durch ihre Vorgesetzten,<br \/>zeigte sich jedoch offen f\u00fcr einen Stellenwechsel und beendete damit die Eskalationsspirale.\u00a0<\/p>\n<p>Dass dieser auch \u00fcberregional sehr wohl wahrgenommene Vorfall in der Diskussion um ihre Wahl zur Referentin in Augsburg keine erkennbare Rolle spielte, bleibt zumindest beachtenswert.\u00a0<\/p>\n<p>Wer den Kampf um das Kulturreferat in Augsburg letztendlich gewinnen wird, ist ungewiss. Nur so viel ist sicher: <strong>Es wird kein Sieg f\u00fcr die Kulturstadt Augsburg.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der ehemalige Kulturreferent J\u00fcrgen Enninger entdeckt den K\u00e4mpfer in sich und legt die Augsburger Kulturpolitik erst einmal auf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1125826,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,34749,12],"class_list":["post-1125825","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-augsburg","tag-augsburg","tag-bayern","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-germany","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-position","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116822358657348274","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1125825","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1125825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1125825\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1125826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1125825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1125825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1125825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}