{"id":1126198,"date":"2026-06-27T17:14:23","date_gmt":"2026-06-27T17:14:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1126198\/"},"modified":"2026-06-27T17:14:23","modified_gmt":"2026-06-27T17:14:23","slug":"helikopter-prototyp-der-airbus-racer-fliegt-allen-davon-auch-dank-stuttgarter-forschern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1126198\/","title":{"rendered":"Helikopter-Prototyp: Der Airbus Racer fliegt allen davon \u2013 auch dank Stuttgarter Forschern"},"content":{"rendered":"<p> Einen Moment lang verharrt der Racer in der Schwebe. Dann zieht Testpilot Herv\u00e9 Jammayrac die Nase des Flugger\u00e4ts nach oben, beschleunigt nach vorn und l\u00e4sst den Racer gleichzeitig an H\u00f6he gewinnen. Schon bald ist der schlanke Helikopter nur noch als kleiner Punkt am Himmel zu erkennen, nur um kurz darauf wieder <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.extrem-selten-experimental-helikopter-rast-ueber-die-region-stuttgart.d39aadb2-8b8f-4806-a849-f08c9cef31cc.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">einen Hochgeschwindigkeits\u00fcberflug<\/a> zu machen. Das Publikum, darunter Presse, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Airbus\" title=\"Airbus\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Airbus<\/a>-Mitarbeiter und andere Fachleute, ist beeindruckt. Das Luftfahrzeug des Herstellers Airbus Helicopter ist etwas ganz Besonderes \u2013 und zwar auch dank eines Beitrags von Stuttgarter Forschern. Neulich hat der Hersteller Airbus Helicopters den Racer am Standort Donauw\u00f6rth in Bayern pr\u00e4sentiert; wir waren dabei und haben uns den Prototypen angesehen.<\/p>\n<p>\u201eDer Name steht f\u00fcr Rapid And Cost-Effective Rotorcraft\u201c\u201c, erkl\u00e4rt Jerome Geneix, der als Chefingenieur f\u00fcr den Racer verantwortlich ist. Der Name \u201eSchneller und kosteneffektiver Drehfl\u00fcgler\u201c ist ziemlich treffend: Der Racer fliegt mit 440 Stundenkilometern mehr als 50 Prozent schneller als normale <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Hubschrauber\" title=\"Hubschrauber\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hubschrauber<\/a> und steigt deutlich rasanter in die H\u00f6he. Dabei ist er laut Airbus um 25 Prozent sparsamer als andere Hubschrauber, verursacht ein Viertel weniger CO2-Emissionen und 20 Prozent weniger L\u00e4rm.<\/p>\n<p>Forscher von der Uni <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> arbeiten am Airbus Racer mit <\/p>\n<p>M\u00f6glich wird all das durch seine Bauart: Der Racer ist eine Art Zwitter aus Hubschrauber und Flugzeug. Zwar besitzt er einen klassischen Hauptrotor, hinzu kommen jedoch V-f\u00f6rmige Tragfl\u00e4chen, sogenannte Box Wings, an den Seiten des Rumpfes. An ihren Enden sitzen seitliche Schubpropeller, die Airbus als Lateral-Rotoren bezeichnet. Sie sorgen f\u00fcr den Vortrieb und machen spektakul\u00e4re Flugman\u00f6ver m\u00f6glich, die mit einem gew\u00f6hnlichen Hubschrauber kaum denkbar w\u00e4ren. Gleichzeitig machen sie einen Heckrotor zum Ausgleich des Drehmoments \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>All diese Eigenschaften machen den Racer aber auch zu einem sehr komplexen Flugger\u00e4t. Bereits lange bevor der Prototyp Ende 2024 zu seinem Erstflug abhob, kamen Stuttgarter Wissenschaftler ins Spiel: Eine Forschungsgruppe aus drei Doktoranden um Professor Manuel Ke\u00dfler vom Institut f\u00fcr Aerodynamik und Gasdynamik (IAG) der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Universit%C3%A4t_Stuttgart\" title=\"Universit\u00e4t Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Universit\u00e4t Stuttgart<\/a> stellte umfangreiche Computersimulationen an. \u201eUnsere Aufgabe war es, aerodynamische und aeroakustische Simulationen f\u00fcr den Racer durchzuf\u00fchren, um bereits im Vorfeld gewisse Risiken auszuschlie\u00dfen\u201c, erkl\u00e4rt Ke\u00dfler. Die Forscher untersuchten, wie der Racer sich in verschiedenen Flugzust\u00e4nden verhalten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.62847520-ee7b-44b5-914b-d3ce248d826b.original1024.media.jpeg\"\/>     Professor Manuel Ke\u00dfler von der Universit\u00e4t Stuttgart hat mit drei Doktoranden am Racer mitgeforscht.    Foto: privat\/Universit\u00e4t Stuttgart    <\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Arbeit nutzten die Forscher die Dienste des H\u00f6chstleistungsrechenzentrums Stuttgart. Dieses betreibt einen der schnellsten Supercomputer in ganz Europa. \u201eSelbst auf 20.000 parallel arbeitenden Rechenkernen ben\u00f6tigt die Simulation eines einzigen Flugzustands rund einen Tag\u201c, erkl\u00e4rt Ke\u00dfler. Trotz des Aufwands betont er, der Stuttgarter Beitrag sei \u201enur ein kleiner Teil\u201c zu dem Mammutprojekt gewesen. Johannes Plaum, der Forschungsleiter von Airbus Helicopters Deutschland, nennt den Racer ein europ\u00e4isches Vorzeigeprojekt. \u201eWir haben es geschafft, mit 40 Partnern aus 13 L\u00e4ndern und Kulturen zusammenzuarbeiten, und am Ende ist dieser beeindruckende Demonstrator entstanden.\u201c<\/p>\n<p>Airbus Helicopters zeigt sich \u00e4u\u00dferst zufrieden mit dem Experimentalhubschrauber. Zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin verlie\u00df er erstmals die franz\u00f6sischen Landesgrenzen und sorgte f\u00fcr jede Menge erstaunte Blicke. \u201eEr fliegt sogar 40 Stundenkilometer schneller als wir vorhergesagt hatten\u201c, sagt Plaum. Nur sein Vorg\u00e4ngermodell, der X3, flog bisher schneller. Seine Geschwindigkeit verdankt der Racer einem weiteren technischen Kniff.<\/p>\n<p>Herk\u00f6mmliche Hubschrauber sto\u00dfen bei hohen Geschwindigkeiten an physikalische Grenzen. W\u00e4hrend die Rotorbl\u00e4tter auf einer Seite des Helikopters immer schneller werden, verlieren sie auf der anderen Seite zunehmend Auftrieb. Die Folge sind starke Vibrationen und Instabilit\u00e4ten. Beim Racer dagegen \u00fcbernehmen die seitlichen Fl\u00fcgel im schnellen Vorw\u00e4rtsflug etwa die H\u00e4lfte des Auftriebs. Dadurch kann sich der Hauptrotor langsamer drehen, ohne dass die Maschine an Leistung verliert &#8211; eines der beiden Triebwerke wird dann sogar in eine Art Standby-Betrieb heruntergefahren.<\/p>\n<p> Wird der Hubschrauber der Zukunft aussehen wie der Racer?   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/media.media.c64c70fb-1cfb-4cba-8466-82202a3c5706.original1024.media.jpeg\"\/>     Von vorne ist die ungew\u00f6hnliche Konstruktion des Airbus Helicopters Racer gut zu erkennen.    Foto: Phillip Weingand    <\/p>\n<p>Mit einem solchen Flugger\u00e4t k\u00f6nnten in der Zukunft Patienten aus unwegsamem Gel\u00e4nde gerettet und schneller transportiert werden. Offshore-Firmen k\u00f6nnten Mitarbeiter zeit- und geldsparend zu Bohrinseln oder Windparks bringen. Beim Milit\u00e4r k\u00f6nnten derartige Helikopter Truppen schneller und leiser absetzen, und auch die Polizei w\u00e4re wohl froh, Einsatzorte rascher zu erreichen und trotzdem im Schwebeflug nach Personen suchen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass in ein paar Jahren alle Helikopter aussehen wie der Racer, ist aber dennoch unwahrscheinlich: \u201eEr ist ein Technologiedemonstrator, mit dem wir zeigen wollen, was technisch m\u00f6glich ist\u201c, erkl\u00e4rt Johannes Plaum. Der Helikopter wird also nie in Serie gehen. Viele seiner Technologien d\u00fcrften sich aber in den Hubschraubern der Zukunft wiederfinden: Mehr als 90 neue Patente stecken im Racer \u2013 und nicht zu vergessen ein kleiner, aber wichtiger Beitrag aus der baden-w\u00fcrttembergischen Landeshauptstadt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einen Moment lang verharrt der Racer in der Schwebe. 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