{"id":1126922,"date":"2026-06-28T00:36:00","date_gmt":"2026-06-28T00:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1126922\/"},"modified":"2026-06-28T00:36:00","modified_gmt":"2026-06-28T00:36:00","slug":"doppelter-ausnahmezustand-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1126922\/","title":{"rendered":"Doppelter Ausnahmezustand \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Lores Mutter stirbt an Krebs mit 55 Jahren. Es sind die ersten Tage der Corona-Pandemie. Lore ist zur\u00fcck nach Erkelenz gezogen, um sich um alles zu k\u00fcmmern \u2013 alleingelassen muss sich die junge Frau den leeren Beileidsw\u00fcnschen und b\u00fcrokratischen H\u00fcrden stellen, die mit einem Todesfall einhergehen. Ihre Schwester ist abwesend, ihre Oma hat kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Wunsch der Mutter, einge\u00e4schert zu werden. Zwischen Schmerz und \u00dcberforderung muss Lore Kraft finden und zur Ruhe kommen, um trauern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Authentisch erz\u00e4hlt der einf\u00fchlsame Film \u00bbSechswochenamt\u00ab vom richtigen Weg des Abschiednehmens und der Verlorenheit einer jungen Frau beim Umgang mit dem Gef\u00fchl der Trauer. Es ist der Deb\u00fctfilm von Jacqueline Jansen, die ihre pers\u00f6nlichen Erfahrungen und die von Freunden in den Film einflie\u00dfen lie\u00df, um ein Thema auf die Leinwand zu bringen, das viel zu wenig Beachtung findet.<\/p>\n<p>Getragen wird \u00bbSechswochenamt\u00ab von einer herausragenden schauspielerischen Leistung. F\u00fcr ihr facettenreiches Spiel in ihrer ersten Hauptrolle wurde die Leipzigerin Magdalena Laubisch bereits mehrfach ausgezeichnet. Die 27-J\u00e4hrige entdeckte ihre Leidenschaft f\u00fcrs Schauspiel am Theatrium in Gr\u00fcnau. \u00bbInmitten von Plattenbauten ist das Theatrium irgendwie auch eine Antithese, ein Widerspruch in diesem Betonmeer. Das Theatrium ist jung, irgendwie hip, alle m\u00f6glichen Menschen aus Leipzig kommen dort hin, viele junge Leute aus verschiedensten Schichten. Ich kam da in eine Gemeinschaft, die sich auf die Fahne geschrieben haben, gemeinsam mit Kindern und Erwachsenen zwischen sechs und 28 Jahren. Es war immer eine sehr ausgelassene entspannte, neugierige Stimmung\u00ab, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p>Obwohl Laubisch vorher keinen Bezug zum Theater hatte, sei sie gleich begeistert gewesen von dem kreativen Geist und der gemeinsamen Arbeit in der Theaterwerkstatt. \u00bbDas war auch das Pr\u00e4gende f\u00fcr mich und ist es bis heute. Dass ich dort kennenlernen durfte, wie viel Freude es macht, miteinander kreativ zu sein und zu spielen\u00ab, erinnert sich Laubisch.\u00a0\u00bbDas ist ja ein fundamentaler Bestandteil meines Berufs, dass ich da nicht allein stehe und mir das ausdenke, sondern unfassbar viele Menschen und Gewerke daran beteiligt sind. Und darum spiele ich. Darum mache ich diesen Beruf, weil ich diesen Prozess des gemeinsamen Denkens und Entwickeln einer Geschichte unfassbar liebe. Auch die damit einhergehende Reibung, der Widerstand und all die Kompromisse, die man eingeht. Das ist alles Teil davon.\u00ab<\/p>\n<p>Nach dem Abitur studierte Laubisch Schauspiel in M\u00fcnchen und am Konservatorium in Paris. Zuletzt spielte sie die Hauptrolle im ARD-Thriller \u00bbDie Nichte des Polizisten\u00ab \u00fcber den Terror des NSU. Parallel entstand \u00bbSechswochenamt\u00ab mit Regisseurin Jacqueline Jansen \u2013 komplett ohne F\u00f6rderung. M\u00f6glich wurde der Film durch die ehrenamtliche Mitarbeit aller Beteiligter und vieler Unterst\u00fctzer. Eine besondere Arbeit. \u00bbDieser Film und die Rolle als auch die ganze Arbeit mit Jacqueline hat mir unfassbar viel bedeutet. Eine Arbeit, die mir nochmal gezeigt hat, warum ich diesen Job eigentlich mache und mich vor allem darin best\u00e4tigt hat, dass das Filmemachen mit einem gro\u00dfen Glauben und Qualit\u00e4t auch mit Hindernissen m\u00f6glich ist\u00ab, betont Laubisch im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer. \u00bbNicht zuletzt durch ein Team, das nicht da ist, weil es das muss, sondern weil es da sein m\u00f6chte.\u00a0Dar\u00fcber hinaus waren wir frei von einem Druck seitens einer Produktion oder einem Sender. Das war eine Chance \u2013 die Geschichte und das Drehbuch von Jacqueline Jansen umzusetzen in der Art, wie sie es sich vorgestellt hat und damit vielleicht auch k\u00fcnstlerischen Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen, die andere nicht getroffen h\u00e4tten. Das war schon sehr besonders.\u00ab<\/p>\n<p>Seine Premiere feierte der Film schlie\u00dflich beim M\u00fcnchner Filmfestival und gewann dort den Preis der Internationalen Filmkritik und den Darstellerinnenpreis f\u00fcr Magdalena Laubisch. Beim Neisse Filmfestival wurde \u00bbSechswochenamt\u00ab mit dem Hauptpreis geehrt.\u00a0<\/p>\n<p>&gt; \u00bbSechswochenamt\u00ab: 26.6., 20 Uhr mit Regisseurin Jacqueline Jansen und Haupdarstellerin Magdalena Laubisch,\u00a028.6.-1.7., 16 Uhr, Passage-Kinos<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lores Mutter stirbt an Krebs mit 55 Jahren. Es sind die ersten Tage der Corona-Pandemie. 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