{"id":1128391,"date":"2026-06-28T15:59:33","date_gmt":"2026-06-28T15:59:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1128391\/"},"modified":"2026-06-28T15:59:33","modified_gmt":"2026-06-28T15:59:33","slug":"berlin-braucht-es-neue-regeln-fuer-organspenden-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1128391\/","title":{"rendered":"Berlin | Braucht es neue Regeln f\u00fcr Organspenden?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Im Ringen um mehr lebensrettende Organspenden in Deutschland gibt es einen neuen Anlauf f\u00fcr eine grundlegende \u00c4nderung der Spenderegeln. Der Bundestag debattiert am Donnerstag \u00fcber eine m\u00f6gliche Umstellung auf eine Widerspruchsregelung. Das hie\u00dfe f\u00fcr Erwachsene: Jeder gilt automatisch zun\u00e4chst als Organspender nach dem Tod &#8211; au\u00dfer, man widerspricht dem aktiv. Bisher ist f\u00fcr Entnahmen eine ausdr\u00fcckliche Zustimmung erforderlich. Doch oft sind Haltungen dazu nicht bekannt, so dass Spenden nicht zustande kommen.<\/p>\n<p>Worum geht es im Bundestag?<\/p>\n<p>Die Abgeordneten kommen zu einer Orientierungsdebatte zusammen, f\u00fcr die zwei Stunden f\u00fcr eine allgemeine Aussprache eingeplant sind. Bei solchen ethischen Fragen gelten keine sonst \u00fcblichen Fraktionslinien. Konkrete Antr\u00e4ge liegen dem Parlament auch noch nicht vor. Allerdings haben sich vorab schon zwei Abgeordnetengruppen positioniert und jeweils erste Entw\u00fcrfe vorbereitet: eine f\u00fcr den Wechsel zu einer Widerspruchsregelung, die andere klar dagegen.<\/p>\n<p>Was wollen die Bef\u00fcrworter?<\/p>\n<p>Die Gruppe mit Abgeordneten von CDU, CSU, SPD, Linken und Gr\u00fcnen argumentiert, dass viele Verbesserungen in den vergangenen Jahren keine entscheidende Steigerung der Spendezahlen bewirkt h\u00e4tten. Eine Spende solle daher zum \u00abRegelfall\u00bb werden. Daf\u00fcr sollen Organentnahmen bei vollj\u00e4hrigen und einwilligungsf\u00e4higen Menschen auch dann zul\u00e4ssig werden, wenn man \u00abnicht widersprochen\u00bb hat. Vorgesehen ist eine verst\u00e4rkte Aufkl\u00e4rung. Greifen sollen die neuen Regeln nicht vor 2030. Zu den Unterst\u00fctzern geh\u00f6ren auch die fr\u00fcheren Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD).<\/p>\n<p>Was will die andere Gruppe?<\/p>\n<p>Auch die zweite fraktions\u00fcbergreifende Gruppe will zu mehr Organspenden kommen, aber \u00fcber bessere Aufkl\u00e4rung, eine leichtere Dokumentation des eigenen Willens &#8211; und ohne Grundrechtseingriff. \u00abSchweigen darf nicht als Zustimmung gewertet werden\u00bb, argumentieren die Abgeordneten. Das Recht auf Selbstbestimmung schlie\u00dfe auch ein, keine Entscheidung zu treffen, ohne dass daraus pers\u00f6nliche Konsequenzen erwachsen. Konkret vorgeschlagen wird, \u00abanaloge Eintragungsm\u00f6glichkeiten\u00bb in ein bestehendes Online-Register zur generellen Organspendebereitschaft in Ausweisstellen aufzubauen.<\/p>\n<p>Wie sind die Aussichten?<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bef\u00fcrworterinnen und Bef\u00fcrworter der Widerspruchsregelung ist es schon der dritte Anlauf &#8211; nachdem eine erste Initiative 2020 im Bundestag scheiterte und eine zweite wegen der vorgezogenen Wahl 2025 nicht mehr zur Abstimmung kam. Der Bundestag beschloss 2020 stattdessen ein Gesetz, das das geltende Zustimmungsprinzip best\u00e4tigte, aber schon auf mehr Information und eine leichtere Dokumentation von Erkl\u00e4rungen zur Spendebereitschaft zielte. Welche Mehrheitsverh\u00e4ltnisse sich nun herausbilden, ist vorerst offen.<\/p>\n<p>Wie ist \u00fcberhaupt die Lage bei Organspenden?<\/p>\n<p>Organe wie Nieren, Lebern oder Herzen f\u00fcr schwer kranke Patienten werden seit langem dringend ben\u00f6tigt. Im vergangenen Jahr gaben 985 Menschen nach dem Tod ein Organ oder mehrere Organe f\u00fcr andere frei, wie die koordinierende Deutsche Stiftung Organtransplantation ermittelte. Dies war der h\u00f6chste Stand seit 2012. Zugleich standen Ende 2025 aber 8.200 Menschen auf Wartelisten. Generell gilt es als Problem, dass viele &#8211; allgemein gesehen &#8211; positiv zu Organspenden stehen, dann aber keinen Willen dazu festhalten.<\/p>\n<p>Wo kann man seinen Willen hinterlegen?<\/p>\n<p>Dokumentieren kann man ein prinzipielles Ja oder Nein zu einer Organspende nach dem Tod auf einem Organspendeausweis, in einer Patientenverf\u00fcgung oder anders auf Papier. Seit M\u00e4rz 2024 geht es auch online: Auf dem Portal www.organspende-register.de kann man ab dem Alter von 16 Jahren seine Haltung digital dokumentieren. Aktuell gibt es knapp 579.000 Erkl\u00e4rungen, wie das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte als Betreiber mitteilte. Dabei stimmten 82,2 Prozent Organentnahmen uneingeschr\u00e4nkt zu, m\u00f6glich ist es auch nur f\u00fcr bestimmte Organe. Einen Widerspruch hinterlegten 8,6 Prozent.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter?<\/p>\n<p>Die beiden Abgeordnetengruppen haben schon angek\u00fcndigt, ihre jeweiligen Initiativen konkret ins Parlament einzubringen. In der Regel folgen dazu eine erste Lesung im Plenum und Ausschussberatungen, bevor es dann zu einer Abstimmung ohne Fraktionsvorgaben im Bundestag kommt. Wie schnell das Verfahren weitergeht, muss sich zeigen. Ein anderes Organspende-Gesetz wurde im Mai schon beschlossen: Um mehr Nierentransplantationen m\u00f6glich zu machen, wurden zuvor sehr enge Grenzen f\u00fcr Organentnahmen bei lebenden Spenderinnen und Spendern weiter gefasst. Gestrichen wurde auch, dass Lebendspenden nur zul\u00e4ssig sind, wenn es kein Organ eines Gestorbenen gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Im Ringen um mehr lebensrettende Organspenden in Deutschland gibt es einen neuen Anlauf f\u00fcr eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1128392,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,1180,29,30,141,1940,1938,10909],"class_list":["post-1128391","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","tag-aktuelle-news-aus-berlin","tag-berlin","tag-berlin-news","tag-bundestag","tag-deutschland","tag-germany","tag-gesundheit","tag-nachrichten-aus-berlin","tag-news-aus-berlin","tag-organspende"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116828567380421417","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1128391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1128391"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1128391\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1128392"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1128391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1128391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1128391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}