{"id":11287,"date":"2025-04-06T20:17:12","date_gmt":"2025-04-06T20:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/11287\/"},"modified":"2025-04-06T20:17:12","modified_gmt":"2025-04-06T20:17:12","slug":"wieso-der-brandner-kaspar-das-ewige-buehnenleben-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/11287\/","title":{"rendered":"Wieso der &#8222;Brandner Kaspar&#8220; das ewige B\u00fchnenleben hat"},"content":{"rendered":"<p>Am Anfang stand eine Erz\u00e4hlung von 1871: &#8222;Die G&#8217;schicht&#8216; von&#8216; Brander Kaspar&#8220; von Franz von Kobell. Darin haut der schlitzohrige Titelheld den Boandlkramer \u2013 also den Tod, der ihn holen will \u2013 beim Kartenspielen \u00fcbers Ohr und luchst ihm 18 zus\u00e4tzliche Lebensjahre ab. In den 1970er Jahren adaptierte von Kobells Ururgro\u00dfneffe Kurt Wilhelm den Stoff f\u00fcrs M\u00fcnchner Residenztheater. Die Produktion wurde ein Renner, \u00fcber 1.000 Mal gespielt. Doch als Dieter Dorn 2001 das &#8222;Resi&#8220; \u00fcbernahm, setzte er die Inszenierung ab.<\/p>\n<p>Ein Stoff f\u00fcr St\u00fcckl? Der Volkstheater-Intendant winkt erstmal ab!<\/p>\n<p>Dorn konnte mit dem Bayerischen B\u00fchnenklassiker nichts anfangen und erkl\u00e4rte s\u00fcffisant, sowas m\u00f6ge doch bitte der St\u00fcckl am Volkstheater machen, da passe der Stoff hin. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/christian-stueckl-bundesverdienstkreuz-traeger-im-interview,U67sYY0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christian St\u00fcckl<\/a> reagierte reserviert. &#8222;Ich hab\u2018 mir damals gedacht, ich lass mir doch vom Dorn nicht meinen Spielplan machen&#8220;, erinnert sich der Intendant zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Aber wie das Theaterleben so spielt: Die Pl\u00e4ne zu einer anderen Produktion platzten. Auf der Suche nach Ersatz landete St\u00fcckl schlie\u00dflich doch bei &#8222;Der Brandner Kaspar und das ewig&#8216; Leben&#8220;. Die Premiere fand am 7. April 2005 statt. Knapp 400 Vorstellungen gingen seither \u00fcber die B\u00fchne, erst im alten Volkstheater-Domizil an der M\u00fcnchner Brienner Stra\u00dfe, nun im neuen im Schlachthof-Viertel. Zudem gastiert &#8222;der Brandner&#8220;, wie alle das St\u00fcck schlicht nennen, allsommerlich im Oberammergauer Passionstheater. Sogar nach Rio de Janeiro reiste das Ensemble f\u00fcr Gastspiele. Heute (5.4.2025) nun also, fast auf den Tag genau 20 Jahre nach der Premiere: die Jubil\u00e4ums-Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>Popul\u00e4rer Stoff, aber keine Erfolgsgarantie<\/p>\n<p>Das einst verschm\u00e4hte St\u00fcck ist l\u00e4ngst zu einem der Aush\u00e4ngeschilder des <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/volkstheater-muenchen-inszeniert-ottessa-moshfegh,UPmAOZn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchner Volkstheaters<\/a> geworden. Dabei hatte 2005 nicht nur St\u00fcckl Vorbehalte. Auch seinen Hauptdarstellern war die Sache nicht geheuer. Denn der Erfolg war trotz der Popularit\u00e4t des Stoffs keineswegs garantiert. Kurt Wilhelms Inszenierung am Residenztheater lebte von der Beliebtheit seiner Protagonisten. Volksschauspieler-Granden wie Fritz Stra\u00dfner, Toni Berger und Gustl Bayrhammer hatten die Hauptrollen \u00fcber Jahrzehnte gepr\u00e4gt. Dementsprechend mulmig war es St\u00fcckls &#8222;Neuen&#8220; \u2013 Alexander Duda in der Titelrolle und Max Br\u00fcckner als Boandlkramer \u2013 bei den Proben. &#8222;Wir werden verglichen werden, das ist gar keine Frage&#8220;, f\u00fcrchtete Duda damals. Und Br\u00fcckner machte &#8222;die ganze Interviewerei&#8220; vorab nerv\u00f6s, weil sich daran die hohen Erwartungshaltungen ablesen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Premiere begeistert auch Kurt Wilhelm<\/p>\n<p>Doch alle Sorgen sollten sich schnell als unbegr\u00fcndet erweisen. St\u00fcckls Inszenierung eroberte das Publikum vom Fleck weg im Sturm \u2013 den damals 82j\u00e4hrigen Kurt Wilhelm inbegriffen. Der lobte nach dem Premierenbesuch, das St\u00fcck habe &#8222;eine Dimension dazugewonnen durch die Kom\u00f6diantik, die der St\u00fcckl reingebracht hat&#8220; und zog seinen Hut: &#8222;Das hab\u2018 ich nicht geschafft in meiner Inszenierung.&#8220; Trotz umjubelter Premiere: dass der &#8222;Bandner Kaspar&#8220; auch 20 Jahre sp\u00e4ter noch auf dem Spielplan des M\u00fcnchner Volkstheater stehen w\u00fcrde, in nahezu unver\u00e4nderter Besetzung, konnte keiner ahnen, sagt Alexander Duda heute: &#8222;Wir haben gehofft, dass wir es vielleicht so f\u00fcnf, zehn Jahre spielen k\u00f6nnen. Aber 20? Nein!&#8220;<\/p>\n<p>Das &#8222;Brander Kaspar&#8220;-Erfolgsgeheimnis<\/p>\n<p>Im Nachhinein freilich lassen sich viele Gr\u00fcnde f\u00fcr den anhaltenden Erfolg finden. Zuvorderst nat\u00fcrlich die Inszenierung, die dank schmissiger Blasmusik und vor allem der dampfenden Spiellaune des Ensembles das Publikum begeistert. Aber auch der unverw\u00fcstliche Stoff selbst tr\u00e4gt dazu bei, erz\u00e4hlt er doch von einem, der dem Tod erst ein Schnippchen schl\u00e4gt, dann am Ende zwar doch abtritt, aber nur weil er inzwischen festgestellt hat, dass das Paradies ein wei\u00dfblauer Bilderbuch-Himmel der Bayern ist. Christian St\u00fcckl meint: &#8222;Jeder versucht, den Tod so lang wie m\u00f6glich hinauszudr\u00e4ngen. Und irgendwie gelingt\u2019s dem Brandner auf der B\u00fchne. Das gef\u00e4llt den Leuten, dass es gelingen kann, den Tod zu \u00fcberlisten.&#8220; Und Alexander Duda erg\u00e4nzt, &#8222;die kindliche Seele, die wir ja alle noch in uns tragen, w\u00fcnscht sich nat\u00fcrlich ein sch\u00f6nes Leben danach.&#8220;<\/p>\n<p>Das (fast) ewige B\u00fchnenleben<\/p>\n<p>So stillt das St\u00fcck eine tiefsitzende Sehnsucht, die nicht nur beim Publikum Suchtpotential hat \u2013 viele kommen immer wieder in die Vorstellung \u2013, auch die Darsteller sind nach wie vor mit Hingabe bei der Sache. &#8222;Nach fast jeder Vorstellung hocken Alexander und ich in der Maske&#8220;, berichtet Max Br\u00fcckner, &#8222;und schauen uns \u00fcber den Spiegel gegenseitig an. Und dann sag ich: \u201aSchau her, heut haben wir wieder ganz neue T\u00f6ne gefunden.\u2018 Immer und immer wieder. Und das finde ich faszinierend. Man kann eine Szene, glaube ich, in Milliarden Versionen spielen.&#8220; F\u00fcr Br\u00fcckner steht daher fest: &#8222;Ich spiele das, solange wie die Leute kommen!&#8220; Dann also: Auf die n\u00e4chsten 20 Jahre. Oder mehr. So hat der &#8222;Brander&#8220; das (fast) ewige B\u00fchnenleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Anfang stand eine Erz\u00e4hlung von 1871: &#8222;Die G&#8217;schicht&#8216; von&#8216; Brander Kaspar&#8220; von Franz von Kobell. 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