{"id":1129824,"date":"2026-06-29T07:38:19","date_gmt":"2026-06-29T07:38:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1129824\/"},"modified":"2026-06-29T07:38:19","modified_gmt":"2026-06-29T07:38:19","slug":"spaeti-streit-in-berlin-jetzt-soll-das-volk-ueber-den-sonntag-entscheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1129824\/","title":{"rendered":"Sp\u00e4ti-Streit in Berlin: Jetzt soll das Volk \u00fcber den Sonntag entscheiden"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Master_rIEG-04a6d5ff972e3562.jpeg\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"Portr\u00e4t Alper Baba vom \" berliner=\"\" sp=\"\" e.v.=\"\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Alper Baba vom &#8222;Berliner Sp\u00e4ti e.V.&#8220;. Foto: Timo Rieg<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Die kleinen Kiezl\u00e4den sehen ihre Existenz bedroht. Im Interview erkl\u00e4rt Sp\u00e4ti-Sprecher Alper Baba, weshalb Berlin das Laden\u00f6ffnungsgesetz \u00e4ndern sollte.<\/p>\n<p>Der urspr\u00fcnglich in der DDR zur Versorgung von Schichtarbeitern entstandene Ladentyp &#8222;Sp\u00e4tkauf&#8220; ist l\u00e4ngst in ganz Berlin etabliert. Was andernorts Kiosk hei\u00dft, ist dort der &#8222;Sp\u00e4ti&#8220;, allerdings meist als kleines, begehbares Gesch\u00e4ft. Die Branche sieht ihre Zukunft jedoch durch die gesetzlichen Laden\u00f6ffnungszeiten bedroht. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Vorsitzenden des &#8222;Berliner Sp\u00e4ti e.V.&#8220;, Alper Baba.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>&#8222;Kein gew\u00f6hnlicher Einzelhandel&#8220;<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Herr Baba, im Jahr 2016 hat sich Ihr Verein mit dem Zweck einer &#8222;<a href=\"https:\/\/www.spaeti-ev.de\/satzung\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">St\u00e4rkung der Rechte von Sp\u00e4tverkaufsstellen<\/a>&#8220; gegr\u00fcndet. Was war der Anlass?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba:<\/strong> Entstanden sind wir aus dem Druck heraus, den Ordnungs\u00e4mter und Polizei auf die Sp\u00e4tis ausge\u00fcbt haben. Ab etwa 2013 wurden Sp\u00e4tis pl\u00f6tzlich als Einzelhandel eingestuft. Nach dem Laden\u00f6ffnungsgesetz d\u00fcrfen wir deshalb \u2013 wie andere Einzelh\u00e4ndler auch \u2013 an Sonn- und Feiertagen nicht \u00f6ffnen. Und seitdem geben immer mehr Sp\u00e4tis auf, ihre Zahl reduziert sich deutlich.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Dagegen haben wir protestiert, weil wir uns nicht als gew\u00f6hnlichen Einzelhandel sehen. Sp\u00e4tis sind Teil der Berliner Kultur. Diese Kultur muss erhalten bleiben.<\/p>\n<p><strong>\u25b6<\/strong> Kultur wie die aussterbende Currywurst?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper <\/strong><strong>Baba: <\/strong>Nein, Sp\u00e4tis sind soziale Treffpunkte \u2013 und zwar ohne \u00f6ffentliche F\u00f6rdergelder. Wir sind f\u00fcr Nachbarschaften, Touristen und Jugendliche da. Oft leisten wir sogar Hilfe f\u00fcr Menschen in schwierigen Situationen. Kinder oder Frauen, die Unterst\u00fctzung brauchen, wenden sich manchmal zuerst an den Sp\u00e4ti in ihrer N\u00e4he.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Sp\u00e4tis sind eine Institution in dieser Stadt. Wenn man Berlin sagt, denkt man sofort auch an Sp\u00e4tis. Sie geh\u00f6ren zu Berlin, wie der Fernsehturm oder der Mauerpark. Deshalb fordern wir, dass wir wenigstens den gleichen Status erhalten wie Tankstellen oder Bahnhofsgesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Wenn man durch die Stadt radelt, sieht man aber doch auch sonntags viele ge\u00f6ffnete Sp\u00e4tis.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper<\/strong><strong> Baba: <\/strong>Die Situation hat sich etwas entspannt. Nach meinem Eindruck wurde die Kontrolle unter der aktuellen Berliner Regierung gelockert. F\u00fcr uns ist das aber keine dauerhafte L\u00f6sung. Heute wird weniger kontrolliert, morgen kann eine andere Regierung kommen und alles wieder versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Rechtssicherheit haben wir dadurch nicht. Au\u00dferdem gibt es nach wie vor Kontrollen. In verschiedenen Bezirken werden Sp\u00e4tis \u00fcberpr\u00fcft, und es werden Bu\u00dfgelder verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&#8222;Gleiche Rechte wie Tankstellen&#8220;<\/p>\n<p><strong>\u25b6<\/strong> Die Politik sagt immer, rechtlich sei eine Sonntags\u00f6ffnung nicht m\u00f6glich, wegen der <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/wrv\/art_139.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Sonntagsruhe<\/a>.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper<\/strong><strong> Baba:<\/strong> Doch, das geht. Es m\u00fcsste nicht einmal das gesamte Laden\u00f6ffnungsgesetz ge\u00e4ndert werden. Es w\u00fcrde reichen, einen zus\u00e4tzlichen Passus aufzunehmen, der Sp\u00e4tis die gleichen Rechte einr\u00e4umt wie etwa Tankstellen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Das Berlin-Gesetz gilt zwar als vergleichsweise liberal, aber aus unserer Sicht reicht das nicht aus. Berlin muss sich weiterentwickeln und sich st\u00e4rker an anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten orientieren.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Was 2006 beschlossen wurde, passt nicht mehr zu den heutigen Zeiten. Man muss zeitgem\u00e4\u00df handeln und schauen, wie andere europ\u00e4ische Metropolen damit umgehen. In vielen L\u00e4ndern gibt es solche Beschr\u00e4nkungen gar nicht. Dort entscheidet jeder Gewerbetreibende selbst, wann er \u00f6ffnet und wann er schlie\u00dft.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Genau das fordern wir auch: Unternehmer sollen selbst entscheiden k\u00f6nnen, wann sie ihr Gesch\u00e4ft betreiben.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/jlr-L%C3%96GBErahmen\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Berliner Laden\u00f6ffnungsgesetz<\/a> von 2006, zuletzt 2010 ge\u00e4ndert, erlaubt wie in den meisten Bundesl\u00e4ndern die Gesch\u00e4fts\u00f6ffnung von Montag bis Samstag ganzt\u00e4gig. Sonntags d\u00fcrfen nur bestimmte L\u00e4den \u00f6ffnen (z.B. f\u00fcr Tourismusartikel oder Backwaren), die erlaubten \u00d6ffnungszeiten sind dabei unterschiedlich.In Bayern hingegen d\u00fcrfen Gesch\u00e4fte an Werktagen nur von 6 bis 20 Uhr \u00f6ffnen, B\u00e4ckereien d\u00fcrfen schon ab 5:30 Uhr verkaufen.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>F\u00fcr den Gesch\u00e4ftsinhaber selbst leuchtet Ihre Forderung ein, denn andere Selbstst\u00e4ndige d\u00fcrfen ja auch sonntags in ihren B\u00fcros arbeiten. Aber bei Angestellten sind vor allem die Gewerkschaften gegen Sonntagsarbeit.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper <\/strong><strong>Baba<\/strong><strong>: <\/strong>Auch in vielen anderen Branchen wird an Sonn- und Feiertagen gearbeitet \u2013 in der Gastronomie, in Hotels oder im Gesundheitswesen. Warum sollte das bei uns anders sein?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Au\u00dferdem sind die meisten Sp\u00e4tis Familienbetriebe. Innerhalb der Familie kann man selbst regeln, wer wann arbeitet.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Formal sind Familienmitglieder aber ebenfalls Arbeitnehmer?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper <\/strong><strong>Baba: <\/strong>Ja, selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssen auch Familienmitglieder angemeldet werden. Rechtlich gelten dieselben Vorschriften.<\/p>\n<p>Arbeitsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ansonsten schwer Vermittelbare<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Das hei\u00dft, solange sich an den bundesgesetzlichen <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/arbzg\/__10.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Arbeitnehmerregelungen<\/a> nichts \u00e4ndert, d\u00fcrften an Sonntagen dann weiterhin eigentlich nur die Inhaber selbst arbeiten?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper <\/strong><strong>Baba: <\/strong>Richtig. Das zeigt aber auch, dass im Vergleich zu vielen anderen L\u00e4ndern hier sehr viel st\u00e4rker reguliert wird. Das bremst aus unserer Sicht die wirtschaftliche Entwicklung.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Au\u00dferdem bieten Sp\u00e4tis Arbeitsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Menschen, die auf dem regul\u00e4ren Arbeitsmarkt oft schwer vermittelbar sind \u2013 etwa Jugendliche ohne Schulabschluss oder Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung. F\u00fcr diese Menschen schaffen wir Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Wenn sie keine Arbeit finden, landen sie beim Jobcenter. Dadurch entstehen Kosten f\u00fcr den Staat. Wir helfen also auch dabei, Menschen in Besch\u00e4ftigung zu bringen.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Wie wollen Sie Ihre Forderung denn konkret durchsetzen?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper <\/strong><strong>Baba: <\/strong>Wir leben zum Gl\u00fcck in einer Demokratie und m\u00f6chten die demokratischen M\u00f6glichkeiten nutzen. Wir sprechen seit Jahren mit Politikern und Parteien. Viele geben uns recht, aber konkrete \u00c4nderungen bleiben aus.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Wenn die Politik keine L\u00f6sung schafft, muss letztlich die Bev\u00f6lkerung entscheiden. Genau daf\u00fcr gibt es das Instrument des <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/sen\/inneres\/buerger-und-staat\/wahlen-und-abstimmungen\/volksinitiative-volksbegehren-volksentscheid\/volksbegehren-und-volksentscheid\/artikel.24015.php\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Volksbegehrens<\/a>, das wir dann nutzen wollen.<\/p>\n<p>Volksbegehren<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Haben Sie schon einen konkreten Entwurf f\u00fcr ein solches Volksbegehren?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba:<\/strong> Wir befinden uns in der Planungsphase. Ein Volksbegehren ist nicht einfach. Es gibt zahlreiche Voraussetzungen, die erf\u00fcllt werden m\u00fcssen. Deshalb arbeiten wir mit Anw\u00e4lten zusammen und erhalten Unterst\u00fctzung von verschiedenen Vereinen und engagierten Menschen. Wir stehen also nicht allein da.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Am 20. September wird in Berlin wieder gew\u00e4hlt. Warten Sie noch auf die neue Regierung?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba:<\/strong> Viele Parteien kommen schon heute auf uns zu. Viele Politiker sagen selbst, dass Sp\u00e4tis ein wichtiger Bestandteil Berlins sind und erhalten bleiben m\u00fcssen. Auch der <a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/rbmskzl\/regierender-buergermeister\/lebenslauf-kai-wegner-1377144.php\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner<\/a> hat uns vor seiner Wahl gesagt, dass Sp\u00e4tis f\u00fcr Berlin wichtig sind und erhalten bleiben sollen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Aber passiert ist bisher wenig. Wir werden auch mit der n\u00e4chsten Regierung sprechen, aber wenn sich dann nichts tut, muss das Volk entscheiden.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Als ein m\u00f6glicher Ausweg wird vorgeschlagen, Sp\u00e4tis als Mischbetrieb mit gastronomischem Angebot zu f\u00fchren. Denn Gastst\u00e4tten d\u00fcrfen ja sonntags \u00f6ffnen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Es gibt dazu eine <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/NJRE001397618\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts<\/a> aus dem Jahr 2020. Danach kann ein Sp\u00e4ti unter bestimmten Voraussetzungen als Gastst\u00e4tte betrieben werden. Allerdings d\u00fcrfen dann die meisten Waren nicht verkauft werden.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Man muss einen echten Gastst\u00e4ttencharakter schaffen, also beispielsweise Sitzpl\u00e4tze anbieten und Speisen bereithalten. F\u00fcr viele Sp\u00e4tis ist das keine praktikable L\u00f6sung, weil die R\u00e4umlichkeiten zu klein sind.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Was bringt einem Sp\u00e4ti denn den gr\u00f6\u00dften Umsatz?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Vor allem Getr\u00e4nke \u2013 sowohl alkoholische als auch alkoholfreie. Tabakwaren werden zwar ebenfalls h\u00e4ufig verkauft, die Gewinnmargen sind dort jedoch deutlich geringer.<\/p>\n<p>B\u00fcrokratie als gro\u00dfes Problem<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Und was bereitet Ihnen die gr\u00f6\u00dften Probleme?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Die B\u00fcrokratie insgesamt. Das betrifft ja nicht nur die \u00d6ffnungszeiten.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">F\u00fcr nahezu jede Ver\u00e4nderung braucht man Genehmigungen. Wenn man etwas umbaut, neue Dienstleistungen anbietet oder Sitzgelegenheiten aufstellen m\u00f6chte, muss vieles beantragt werden.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Geht das denn heute digital?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Zum Gl\u00fcck ja, fr\u00fcher musste man h\u00e4ufiger pers\u00f6nlich zu den \u00c4mtern gehen.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Trotzdem dauern viele Verfahren lange. Wenn Unterlagen fehlen oder ein Formular nicht korrekt ausgef\u00fcllt wurde, beginnt der Prozess oft von vorn. Das kostet Zeit und Nerven.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Besonders schwierig ist das f\u00fcr Menschen, die die deutsche Sprache nicht sicher beherrschen oder wenig Erfahrung mit digitalen Verfahren haben.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Man kann Ihrem Anliegen auch entgegenhalten, dass die<strong> <\/strong>Laden\u00f6ffnungszeiten in Deutschland gegen\u00fcber fr\u00fcher bereits <a href=\"https:\/\/www.fes.de\/news\/kaufabende-stehlen-feierabende-die-entwicklung-des-ladenschlusses-in-deutschland\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">deutlich liberalisiert sind<\/a>.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Das stimmt. Dennoch sehen wir im europ\u00e4ischen Vergleich weiterhin einen gro\u00dfen Unterschied.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Wenn man St\u00e4dte wie London, Madrid oder Paris betrachtet, erlebt man dort auch an Sonn- und Feiertagen ein lebendiges Stadtleben. Aus unserer Sicht sollte Berlin sich st\u00e4rker an solchen Beispielen orientieren.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Wenn Politiker ihnen grunds\u00e4tzlich zustimmen, sich dann aber doch nichts tut \u2013 woran liegt das?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Meiner Meinung nach fehlt vielen Verantwortlichen der Mut, solche Reformen anzugehen.<\/p>\n<p>&#8222;Niemand sollte zur Sonntagsarbeit gezwungen werden&#8220;<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Haben Sie dabei vor allem die Gewerkschaften im Blick?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Gewerkschaften spielen sicherlich eine Rolle. Letztlich trifft aber die Politik die Entscheidungen.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Sprechen Sie direkt mit den Gewerkschaften?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Wir bem\u00fchen uns aktuell um Gespr\u00e4che mit Ver.di, da die Gewerkschaft f\u00fcr den Handelsbereich zust\u00e4ndig ist. Wir m\u00f6chten verstehen, welche Bedenken dort bestehen und ob es M\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen Dialog gibt.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Ver.di wird mit dem<strong> <\/strong>Schutz der Besch\u00e4ftigten argumentieren.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Niemand sollte zur Sonntagsarbeit gezwungen werden. Aber man kann Arbeitnehmer fragen, ob sie an Sonn- und Feiertagen arbeiten m\u00f6chten.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Ein Arbeitnehmer k\u00f6nnte allerdings bef\u00fcrchten, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, wenn er sonntags nicht arbeiten m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>In den meisten Sp\u00e4tis ist das kein gro\u00dfes Problem, weil Familienmitglieder mitarbeiten und der Inhaber selbst einspringen kann.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">F\u00fcr uns w\u00e4re es daher denkbar, Regelungen zu finden, die den Sonntag f\u00fcr Arbeitnehmer besonders sch\u00fctzen und gleichzeitig den Betrieben mehr Flexibilit\u00e4t erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Am Sonntag sind besonders viele Menschen unterwegs<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Der Sonntag f\u00fcr Sie also wirtschaftlich besonders wichtig ist?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Ja, sonntags sind besonders viele Menschen unterwegs. Deshalb geh\u00f6rt der Sonntag zu unseren st\u00e4rksten Verkaufstagen.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Wenn k\u00fcnftig auch Superm\u00e4rkte sonntags \u00f6ffnen d\u00fcrften \u2013 w\u00e4re das f\u00fcr Sie nicht eine Konkurrenz?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Nein. Unsere Kundschaft kommt nicht nur wegen der Produkte zu uns. Wir kennen die Menschen im Kiez pers\u00f6nlich. Viele sind Stammkunden. Man spricht miteinander, hilft sich gegenseitig und kennt die Geschichten der anderen. Das unterscheidet uns von gro\u00dfen Handelsketten.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Wenn jemand gerade knapp bei Kasse ist, bekommt er bei uns manchmal trotzdem seine Zigarette oder sein Getr\u00e4nk und bezahlt sp\u00e4ter. Macht das ein Supermarkt?<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Wie sind Sie selbst denn dazu gekommen, einen Sp\u00e4ti zu betreiben?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Urspr\u00fcnglich bin ich Sozialarbeiter und Erzieher. Viele Jahre habe ich in der Jugendarbeit gearbeitet. Um 2004 herum bemerkte ich, dass viele Jugendliche ihre Freizeit an Sp\u00e4tis verbringen. Gemeinsam mit einem Freund habe ich daraufhin einen eigenen Sp\u00e4ti in Neuk\u00f6lln er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">F\u00fcr mich war das in gewisser Weise eine Fortsetzung meiner sozialen Arbeit. Ich hatte weiterhin mit Jugendlichen zu tun, sp\u00e4ter auch mit \u00e4lteren Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Bis heute macht mir dieser Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen gro\u00dfe Freude.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Au\u00dferdem konnte ich dadurch Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Familienmitglieder schaffen, die auf dem regul\u00e4ren Arbeitsmarkt oft nur schwer eine Besch\u00e4ftigung finden.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Wenn Sie sich mit Ihrer Forderung durchsetzen, d\u00fcrften<strong> <\/strong>Tankstellen und Bahnhofsgesch\u00e4fte \u00fcber eine Gleichstellung der Sp\u00e4tis vermutlich nicht begeistert sein.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba: <\/strong>Ja, wahrscheinlich w\u00e4ren sie das nicht. Wenn ein Bier an der Tankstelle drei Euro kostet und bei uns deutlich g\u00fcnstiger ist, zeigt das bereits den Unterschied.<\/p>\n<p><strong>\u25b6 <\/strong>Sie glauben daher, im Falle eines Volksentscheids wird die Mehrheit hinter Ihnen stehen?<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><strong>Alper Baba:<\/strong> Das Volksbegehren ist f\u00fcr uns keine Drohung, sondern ein demokratisches Instrument, wenn die Politik nicht von sich aus die richtigen Weichen stellt. Wir kennen die rechtlichen M\u00f6glichkeiten und sind \u00fcberzeugt, dass unser Anliegen berechtigt ist.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Am Ende geht es darum, ob die Menschen diese Form von Stadtleben erhalten m\u00f6chten. Nach unseren Erfahrungen w\u00fcnschen sich viele Berlinerinnen und Berliner genau das.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alper Baba vom &#8222;Berliner Sp\u00e4ti e.V.&#8220;. Foto: Timo Rieg Die kleinen Kiezl\u00e4den sehen ihre Existenz bedroht. 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