{"id":1131691,"date":"2026-06-30T02:16:15","date_gmt":"2026-06-30T02:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1131691\/"},"modified":"2026-06-30T02:16:15","modified_gmt":"2026-06-30T02:16:15","slug":"duesseldorf-bodenheim-der-trend-zum-schlanken-wein-mehr-genuss-weniger-alkohol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1131691\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf\/Bodenheim | Der Trend zum schlanken Wein: Mehr Genuss, weniger Alkohol"},"content":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorf\/Bodenheim (dpa\/tmn) &#8211; Auch wenn die tropischen Temperaturen zum Sommerstart etwas anderes vermuten lassen &#8211; weinbautechnisch z\u00e4hlt Deutschland zur \u00abCool Climate\u00bb-Zone. In der gelingt es den Winzern, Weine mit intensiven Aromen, aber dennoch filigraner Eleganz und Leichtigkeit hervorzubringen &#8211; ganz im Sinne des Mottos, mit dem auch das Deutsche Weininstitut (DWI) auf Messen wirbt: \u00abKeep it Light! Enjoy Wines Made in Germany\u00bb.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in w\u00e4rmeren Regionen viele Weine mit h\u00f6herem Zuckergehalt gelesen werden, was zu 13 bis 15 Volumenprozent Alkohol f\u00fchrt, k\u00f6nnen hierzulande Weine qualitativ mithalten, die es nur auf 12 Volumenprozent &#8211; und oft sogar noch niedrigere Alkoholwerte &#8211; bringen. \u00abSolche Weine mit moderaten Alkoholgehalten sind ein Alleinstellungsmerkmal f\u00fcr den deutschen Weinbau\u00bb, sagt Ernst B\u00fcscher, Pressesprecher des DWI.\u00a0<\/p>\n<p>Noch befinden wir uns laut dem Experten am n\u00f6rdlichen Ende des weltweiten Qualit\u00e4tsweinbaus, der vor allem zwischen dem 30. und 50. Breitengrad liegt. Das half uns bei dem Ruf, K\u00f6nner von schlanken Weinen mit frischer S\u00e4ure und moderatem Alkohol zu sein. Denn mit steigenden Temperaturen und mehr Sonnenstunden weiter s\u00fcdlich reifen Trauben schneller und bilden mehr Zucker \u2013 und damit potenziell mehr Alkohol.<\/p>\n<p>Sorgen Hitzewellen nun auch f\u00fcr kr\u00e4ftigere Weine?\u00a0<\/p>\n<p>Drohen angesichts aktueller Hitzewellen auch bei uns kr\u00e4ftigere Weine mit mehr Alkohol? B\u00fcscher, der auch Winzer gelernt und Weinbau studiert hat, sieht daf\u00fcr keine allzu gro\u00dfe Gefahr. Es gebe verschiedene M\u00f6glichkeiten, trotz der zunehmenden Erw\u00e4rmung durch den Klimawandel die Trauben langsamer reifen zu lassen und so weiterhin schlanke Weine herzustellen. Vor\u00fcbergehende extreme Hitzephasen w\u00fcrden erst sp\u00e4ter im Jahr zum Problem, wenn die Trauben reifer werden, dann k\u00f6nnten sie bei Extrem-Temperaturen Sonnenbrand bekommen.<\/p>\n<p>Dabei lagen kr\u00e4ftige Weine lange im Trend, hoher Alkohol galt vielen als Qualit\u00e4tsmerkmal. \u00abAls sich das Klima in Deutschland erw\u00e4rmt hat, versuchten viele Weing\u00fcter, solche Weine zu erzeugen\u00bb, erinnert sich B\u00fcscher. Inzwischen sieht er eine Gegenbewegung: \u00abWinzer achten wieder st\u00e4rker darauf, dass die Trauben nicht zu viel Zucker entwickeln. Die leichteren, f\u00fcr unsere Anbaugebiete typischen Weine sind heute gefragt.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Ein Grund: Vor allem J\u00fcngere achten st\u00e4rker auf Gesundheit. \u00abUnd zur angesagten leichten K\u00fcche passen auch frische Weine mit weniger Alkohol\u00bb, so B\u00fcscher.<\/p>\n<p>Lebendigkeit im Wein<\/p>\n<p>\u00abF\u00fcr mich bringen diese Weine immer eine Leichtigkeit mit, eine Frische und eine Lebendigkeit\u00bb, sagt Christine Pieroth. Die Winzerin von der Nahe, eine eher k\u00fchle deutsche Weinbauregion, produziert dort Naturweine mit etwa 10,5 Volumenprozent Alkohol. \u00abWenn ich wollte, k\u00f6nnte ich gerade in warmen Jahren aber auch Weine mit 14, 15 Prozent machen.\u00bb Doch sie kennt Mittel, das zu verhindern.\u00a0<\/p>\n<p>Schon im Weinberg l\u00e4sst sich der Zuckergehalt der Trauben beeinflussen, etwa durch den Laubschnitt. Die Bl\u00e4tter spenden den Trauben Schatten \u2013 gleichzeitig entsteht dort der Zucker. \u00abMit dem Laubschnitt beeinflussen wir die S\u00e4urestruktur, aber auch die Zuckerproduktion der Traube\u00bb, erkl\u00e4rt Pieroth.<\/p>\n<p>\u00abDer wichtigste Faktor ist aber der Erntezeitpunkt. Je fr\u00fcher man erntet, umso weniger Alkohol haben wir sp\u00e4ter im Wein.\u00bb Werden die Trauben zu fr\u00fch gelesen, fehlt es an reifen Aromen. \u00abWir m\u00fcssen hier den Sweetspot finden. Deshalb gehen wir mehrmals durch den Weinberg und ernten nur das, was gerade richtig sch\u00f6n reif ist.\u00bb<\/p>\n<p>Alkohol als Geschmackstr\u00e4ger<\/p>\n<p>Jan Philipp Bleeke nennt sich selbst einen \u00abWinzer ohne Weingut\u00bb. 2017 hat der geb\u00fcrtige Bielefelder in seiner Wahlheimat an der Mosel seinen ersten eigenen Wein gemacht. Sein Stil: Weine mit wenig Alkohol. Dabei geht es ihm nicht darum, Trends zu bedienen. \u00abDas ist ein Stil, der die Weine aus k\u00fchleren Gegenden wie Mosel und Saar einzigartig macht\u00bb, sagt er. Und erg\u00e4nzt: \u00abEin Wein mit 10 Prozent aus w\u00e4rmeren Regionen schmeckt f\u00fcr mich komisch, das passt nicht zum Terroir.\u00bb<\/p>\n<p>Aber auch mit seinen Moselweinen geht er im Alkohol nicht zu weit nach unten: \u00abIch habe auch mal einen Wein mit 8,5 Prozent Alkohol probiert. Das schmeckt meistens nicht.\u00bb Denn Alkohol ist ein Geschmackstr\u00e4ger \u2013\u00a0genau wie Zucker. Deshalb wird bei entalkoholisiertem Wein zum Ausgleich oft mit S\u00fc\u00dfe gearbeitet.<\/p>\n<p>Junge Leute m\u00f6gen Kabinettsweine\u00a0<\/p>\n<p>\u00abWenn Menschen zu uns kommen, die etwas Leichteres trinken m\u00f6chten, empfehlen wir oft unseren Kabi, der nur neun Prozent Alkohol hat\u00bb, sagt Benjamin Leonberger, Kellermeister auf dem Karth\u00e4userhof. Das Weingut liegt an der Ruwer, einem Nebenfluss der Mosel \u2013 auch bekannt f\u00fcr k\u00fchles Klima.<\/p>\n<p>Kabinettswein, kurz Kabi, erlebt als Weinstil ohnehin eine Renaissance. Kabinett ist die erste Pr\u00e4dikatsstufe im deutschen Weinrecht. Oft wird der Most aus diesen Trauben nicht vollst\u00e4ndig vergoren. Das Ergebnis: ein Wein mit wenig Alkohol (meist unter zehn Prozent) und moderater Rests\u00fc\u00dfe. Im Zusammenspiel mit einer frischen S\u00e4ure ist der Wein gut ausbalanciert. \u00abDamit treffen wir oft den Nerv der j\u00fcngeren Zielgruppe\u00bb, sagt Leonberger.<\/p>\n<p>Aber auch andere Weine auf dem Karth\u00e4userhof sind alkoholmoderat. Das werde auch erstmal so bleiben, sagt Leonberger: \u00abWir k\u00e4mpfen ja heute noch teilweise mit der Reife der Trauben. Ich glaube nicht, dass es absehbar so hei\u00df wird, dass wir pl\u00f6tzlich zu viel Zucker haben.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Leonberger hat entdeckt, dass durchaus auch andere Regionen leicht k\u00f6nnen: \u00abIch war k\u00fcrzlich im Douro-Tal in Portugal. Da haben wir fantastische Weine verkostet, die auch super niedrig im Alkohol waren \u2013 die waren mineralisch, hatten eine tolle Salzigkeit.\u00bb Als Grund sieht er die N\u00e4he zum Atlantik, der immer auch k\u00fchle Luft \u00fcber die Berge br\u00e4chte: \u00abDie Weing\u00fcter dort setzen bewusst darauf, keine schweren Wei\u00dfweine zu machen.\u00bb<\/p>\n<p>Alkohol\u00e4rmere Weine im Rest der Welt<\/p>\n<p>Frederico Falc\u00e3o, Pr\u00e4sident von ViniPortugal, best\u00e4tigt das. Auch Regionen wie Lisboa, Bairrada und Vinho Verde sind vom Atlantik gepr\u00e4gt. \u00abIn diesen Regionen ist es f\u00fcr Weing\u00fcter einfach, Weine mit einem Alkoholgehalt um die elf Prozent zu produzieren\u00bb, erkl\u00e4rt er. Vor allem Vinho Verde, der oft etwas Kohlens\u00e4ure mitbringt, stehe f\u00fcr einen frischen Weinstil. \u00abViele Menschen haben schwere Weine satt und suchen mehr Leichtigkeit\u00bb, sagt Falc\u00e3o.<\/p>\n<p>Auch Prosecco, Exportschlager aus dem Nordosten Italiens, steht f\u00fcr leichten Genuss \u2013 oft um die 11 Volumenprozent Alkohol. Auf der Weinmesse ProWein pr\u00e4sentierte das Prosecco-DOC-Konsortium sogar drei Schaumweine mit etwa 9 Prozent. Sie seien das Ergebnis jahrelanger Forschung &#8211; mit dem Ziel: Schaumweine, die den regionalen Stil auch mit weniger Alkohol bewahren.\u00a0<\/p>\n<p>Die pr\u00e4sentierten Beispiele hatten drei Weing\u00fcter als Prototypen produziert. Bis zur Marktreife wird es aber noch dauern. Derzeit sind daf\u00fcr mindestens elf Volumenprozent vorgeschrieben. \u00dcber eine \u00c4nderung m\u00fcsse erst das Konsortium abstimmen, danach k\u00f6nne die Spezifikation f\u00fcr Prosecco auf nationaler und EU-Ebene ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Auch in der \u00abNeuen Welt\u00bb, wie in der Weinkultur Weinbaul\u00e4nder au\u00dferhalb Europas genannt werden, zeigt sich der Trend zu alkohol\u00e4rmeren Weinen. So ahmt ein Weingut aus S\u00fcdafrika den Vinho Verde-Stil aus Portugal nach.\u00a0<\/p>\n<p>Das Weingut Coppola aus Kalifornien hat eine eigene Produktlinie daf\u00fcr entwickelt: \u00abIn den USA suchen vor allem junge Menschen zunehmend leichtere Weine. Viele achten auf Kalorien\u00bb, sagt Maximilian Grimm, der das Weingut in Europa vertritt. Die Linie wirbt mit \u00abLow Carb\u00bb, \u00ab80 Calories\u00bb und \u00ab8 Prozent Alc\u00bb. Um den Alkohol niedrig zu halten, werden die Trauben fr\u00fch gelesen, dann trocken ausgebaut. Eine Stilistik, die in den USA gut ankommt \u2013 in einem Markt, in dem auch Leichtbiere seit Jahren etabliert sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"D\u00fcsseldorf\/Bodenheim (dpa\/tmn) &#8211; Auch wenn die tropischen Temperaturen zum Sommerstart etwas anderes vermuten lassen &#8211; weinbautechnisch z\u00e4hlt Deutschland&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1131692,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1831],"tags":[238335,2632,3364,29,3405,5763,4974,30,238334,1209,64562,8169,86049],"class_list":["post-1131691","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duesseldorf","tag-alkoholaermer","tag-brcmj","tag-de","tag-deutschland","tag-duesseldorf","tag-ernaehrung","tag-essen-und-trinken","tag-germany","tag-leichte-weine","tag-nordrhein-westfalen","tag-tmn0051","tag-trend","tag-weine"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116836655772885311","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1131691"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131691\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1131692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1131691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1131691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1131691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}