{"id":1132705,"date":"2026-06-30T12:12:20","date_gmt":"2026-06-30T12:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1132705\/"},"modified":"2026-06-30T12:12:20","modified_gmt":"2026-06-30T12:12:20","slug":"kirche-kann-nur-oekumenisch-sein-stadtsuperintendent-bernhard-seiger-zieht-bilanz-bei-sommergespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1132705\/","title":{"rendered":"\u201eKirche kann nur \u00f6kumenisch sein\u201c: Stadtsuperintendent Bernhard Seiger zieht Bilanz bei Sommergespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p>Der Stadtsuperintendent zieht um. Klingt banal, hat aber weitreichende Folgen f\u00fcr den Evangelischen Kirchenverband K\u00f6ln (EKV) und Region. Bernhard Seiger verlagert seinen Lebensmittelpunkt nach Solingen und gibt seine \u00c4mter als Stadtsuperintendent, Mitglied des Bevollm\u00e4chtigtenausschusses f\u00fcr den Kirchenkreis K\u00f6ln-Linksrheinisch und Pfarrer in Bayenthal\/Marienburg Ende des Jahres auf. 30 Jahre war er Pfarrer in den beiden Veedeln, 2008 wurde er zum Superintendenten des damaligen Kirchenkreises K\u00f6ln-S\u00fcd gew\u00e4hlt, 2019 zum Stadtsuperintendenten. \u201eEs ist genug\u201c, sagte er beim Sommergespr\u00e4ch mit K\u00f6lner Journalisten im Garten hinter dem Refektorium im Haus der Evangelischen Kirche. \u201eIch habe sehr oft \u00a0den Dienst vor das Private gestellt. H\u00e4ufig zum Leidwesen meiner Frau. Das wird sich \u00e4ndern.\u201c Die Seigers ziehen nach Solingen. Der Stadtsuperintendent hat dort famili\u00e4re Wurzeln. Er freut sich darauf, in der Schreinerei seiner Vorfahren ein wenig zu werkeln. Zum Beispiel an einer uralten Bands\u00e4ge, die immer noch funktioniert. Wandern und Radfahren steht nach dem Jahreswechsel verst\u00e4rkt auf dem Programm. Und Joggen mit Zielvorgabe: \u201eF\u00fcnf Kilo leichter.\u201c Weiterhin interessieren werden ihn die Iona-Bewegung und kirchengeschichtliche Themen. Chorgesang steht auf der Liste der Hobbys, die wieder aufleben. Seine Frau Christine hat Seiger im Chor kennengelernt. \u201eSie sehen, ich gebe Solingen eine echte Chance.\u201c<\/p>\n<p>Wirken in K\u00f6ln<\/p>\n<p>Seiger wurde am 26. September 1963 in Vorst bei Krefeld geboren und machte 1982 in Leverkusen sein Abitur. In jenen Jahren entdeckte er seine Liebe zum Fu\u00dfball und wurde leidenschaftlicher Anh\u00e4nger von Bayer Leverkusen. Als der Club 2024 die Meisterschaft gewann, erschien der Stadtsuperintendent am Tag darauf im Trikot im B\u00fcro. Seiger studierte in Bonn, T\u00fcbingen und Durham in den USA. Die zwei theologischen Examina legte er ab bei der Evangelischen Kirche im Rheinland. 1995 promovierte er an der Universit\u00e4t Bonn zu dem Thema \u201eVers\u00f6hnung \u2013 Gabe und Aufgabe\u201c.<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick auf sein Wirken in K\u00f6ln steht nat\u00fcrlich der Campus Kartause an erster Stelle. Den Bau des imposanten Geb\u00e4ude-Ensemble am Kart\u00e4userwall hat der Stadtsuperintendent ma\u00dfgeblich unterst\u00fctzt. Im n\u00e4chsten Jahr ziehen dort die Bildungseinrichtungen des Kirchenverbands ein. Zudem werden \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter und frei finanzierter Wohnraum sowie Studierendenwohnungen bereitgehalten. Ein Veranstaltungssaal wird auch der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stehen. \u201eDer Campus Kartause ist ein Leuchtturm in einer Zeit, in der wir schrumpfen\u201c, sagt Seiger und verweist auf weitere evangelische Orte, die Strahlkraft haben, etwa die neue Erl\u00f6serkirche in Weidenpesch, die Christuskirche im Belgischen Viertel und die sanierte Stadtkirche in Chorweiler.<\/p>\n<p>Zur Er\u00f6ffnung des Campus Kartause haben Pr\u00e4ses Torsten Latzel und Stadtdechant Robert Kleine ihr Kommen zugesagt. Mit dem ist Seiger per Du. Kein Wunder, liegt ihm die geschwisterliche N\u00e4he zu den Katholikinnen und Katholiken sehr am Herzen. \u201eKirche kann nur \u00f6kumenisch sein\u201c, stellt er fest. Gemeinsam mit den Katholikinnen und Katholiken habe man eine \u00f6kumenische Karte entwickelt, auf der die Kirchorte eingetragen wurden. \u201eUnser gemeinsames Ziel ist, dass in Zukunft in jedem Veedel mindestens eine christliche Kirche steht\u201c, sagt Seiger. In Erinnerung geblieben ist auch der \u00f6kumenische Schweigegang, zu dem er und Robert Kleine nach dem \u00dcberfall der Hamas auf Israel aufgerufen hatten. \u201eDie evangelische Kirche steht immer auf der Seite ihrer j\u00fcdischen Geschwister.\u201c<\/p>\n<p>Unvergesslich f\u00fcr den Stadtsuperintendenten ist das Reformationsjubil\u00e4um 2017 mit dem wunderbaren Konzert in der Philharmonie, bei dem Mendelssohns \u201eLobgesang\u201c aufgef\u00fchrt wurde, und der Gottesdienst mit Pr\u00e4ses Rekowski und Kardinal Rainer Maria Woelki im Altenberger Dom. Die Abgrenzung zu den Katholikinnen und Katholiken bei den allj\u00e4hrlichen Reformationsfeiern geh\u00f6re schon lange der Vergangenheit. Katholische G\u00e4ste seien immer willkommen und in gro\u00dfer Zahl vertreten. Seiger lobte die interreligi\u00f6s verbindende Kraft, die von dem Rat der Religionen in K\u00f6ln ausgehe. \u201eWir haben dort ein festes Format, in dem wir sehr konstruktive Gespr\u00e4che f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Vor 20 Jahren wurde in K\u00f6ln auf Initiative des damaligen Oberb\u00fcrgermeisters die K\u00f6lner Friedensverpflichtung der Religionen unterschrieben. Darin hei\u00dft es: \u201eAls j\u00fcdische, christliche und muslimische Frauen und M\u00e4nner erkl\u00e4ren wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein d\u00fcrfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen. Unsere Religionen zielen auf ein friedliches und konstruktives Zusammenleben aller Menschen gleich welcher Religionszugeh\u00f6rigkeit. F\u00fcr uns gilt unverr\u00fcckbar: Die W\u00fcrde eines jeden Menschen ist unantastbar.\u201c Nun, 20 Jahre sp\u00e4ter, wird die Verpflichtung wieder unterschrieben. \u201eUnd es sind viel mehr Religionen dabei als damals\u201c, verwies Seiger auf die Erfolgsgeschichte der Initiative.<\/p>\n<p>Untrennbar mit der \u00d6kumene verbunden sind die Gottesdienste im Dom, die der Stadtsuperintendent und der Stadtdechant zusammen feiern. Der eine ist im Januar f\u00fcr die Karnevalisten bestimmt, der andere zum Bundesliga-Saisonauftakt vor dem ersten Heimspiel f\u00fcr den 1. FC K\u00f6ln. Dann schwenkt sogar der bekennende Bayer-Leverkusen-Fan einen bunten Schal inmitten der FC-Anh\u00e4nger. Da muss man durch. Wenn sich Fans verschiedener Vereine zu einer gemeinsamen Sache zusammenschlie\u00dfen, gilt das Motto \u201eIn den Farben getrennt, in der Sache vereint\u201c. K\u00f6nnte auch f\u00fcr die \u00d6kumene gelten.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe St\u00fccke h\u00e4lt der Stadtsuperintendent auf die jungen Theologinnen und Theologen, die in den Gemeinden des EKV ihren Dienst aufgenommen haben. \u201eDie brennen f\u00fcr die Sache, die haben alle ihre eigene spirituelle Mitte. Die begleiten andere in deren Spiritualit\u00e4t und bezeugen, dass die evangelische Kirche Orientierung bietet, Heimat ist und am Puls der Zeit ihren Weg geht.\u201c Die Fusion der linksrheinischen Kirchenkreise ist vollzogen und entwickelt sich sehr gut. Auch da sei der Nachwuchs im Pfarramt eine Zukunft.<\/p>\n<p>Die Zahl derer, die evangelische Theologie studieren, gehe zur\u00fcck. Das war mal anders. \u201eAls ich 1996 meine Pfarrstelle antrat, hatte ich vorher 90 Konkurrentinnen und Konkurrenten\u201c, erinnert sich Seiger. Heute werde allen, die ihr Studium abschlie\u00dfen, eine Stelle garantiert.<\/p>\n<p>Soziale Ausgewogenheit<\/p>\n<p>Seiger mahnte, die soziale Ausgewogenheit im Blick zu behalten. Die Kirche m\u00fcsse darauf achten, dass soziale Aufgaben, die sie etwa durch die Diakonie wahrnehme, ausk\u00f6mmlich finanziert w\u00fcrden. \u201eIch mache den Politikern ausdr\u00fccklich keine Vorw\u00fcrfe. Aber wenn Angebote nicht refinanziert werden, k\u00f6nnen sie auf Dauer nicht aufrecht erhalten werden.\u201c Die Diakonie stehe ganz praktisch f\u00fcr das christliche Menschenbild: \u201eJeder Einzelne z\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n<p>Seiger hat in den vergangenen Jahren viele Gespr\u00e4che mit Missbrauchsbetroffenen gef\u00fchrt. \u201eAuch in der evangelischen Kirche haben Kinder und Jugendliche gelitten. Das hat uns die FORUM-Studie unmissverst\u00e4ndlich vor Augen gef\u00fchrt. Mich haben die Ergebnisse ersch\u00fcttert.\u201c Es habe eine Verantwortungsdiffusion gegeben, vieles sei unter den Teppich gekehrt worden. \u201eEs ist Aufgabe unserer Generation, Strukturen zu schaffen, die Missbrauch verhindern.\u201c Seit dem 1. Juni ist auf der Ebene des EKV ein Schutzkonzept in Kraft, das mit den Begriffen der Kinderschutzgesetze arbeitet. Ehemalige Polizisten und Staatsanw\u00e4lte haben Akten durchgesehen und auf Hinweise f\u00fcr Missbrauch untersucht. \u201eIm ehemaligen Kirchenkreis K\u00f6ln-S\u00fcd ist das Aktenscreening beendet, in Mitte so gut wie, Nord und Rechtsrheinisch l\u00e4uft es gerade.\u201c In 350 F\u00e4llen habe es einen hinreichenden Verdacht gegeben, dem man jetzt nachgehe.<\/p>\n<p>Die Mitgliederbindung ist f\u00fcr Bernhard Seiger ein wichtiges Thema. In dem Zusammenhang ist f\u00fcr 2027 wieder ein Tauffest geplant. Bei der ersten Auflage wurden \u00fcber 200 Menschen im Rheinpark getauft. Die Geschichte der k\u00f6lschen Protestanten kann man auf der VIA REFORMATA erleben. An zw\u00f6lf Stationen wird an bedeutende evangelische Ereignisse und\/oder Orte erinnert. Das Segensb\u00fcro \u201eH\u00e4tzjef\u00f6hl\u201c in einem ehemaligen Ladenlokal an der Severinstra\u00dfe vermittelt einen niedrigschwelligen Zugang zur evangelischen Kirche und ihren Angeboten. Das gilt auch f\u00fcr den Deutschen Evangelischen Kirchentag im kommenden Jahr in D\u00fcsseldorf. Auf den freut sich Seiger sehr. Und wird garantiert teilnehmen. Vielleicht mit einem Chor aus Solingen?<\/p>\n<p><a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-icon-lg.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"width: 25px;height: 25px;\"\/>Drucken<\/a><\/p>\n<p>Text: Stefan Rahmann<br \/>Foto(s): Archiv-Collage<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Stadtsuperintendent zieht um. 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