{"id":1133853,"date":"2026-06-30T23:19:24","date_gmt":"2026-06-30T23:19:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1133853\/"},"modified":"2026-06-30T23:19:24","modified_gmt":"2026-06-30T23:19:24","slug":"wir-sind-keine-kids-mehr-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1133853\/","title":{"rendered":"\u00bbWir sind keine Kids mehr\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Tja, was soll man zu den Pixies noch gro\u00df sagen? Zwischen den Beatles, den Smiths und Velvet Underground geh\u00f6ren sie so ziemlich zu den einflussreichsten Gitarren-Bands der Musikgeschichte. Der ganze Alternative-Rock-Boom der fr\u00fchen Neunziger w\u00e4re ohne das Quartett aus Boston schwer vorstellbar \u2013 Kurt Cobain machte kein Geheimnis daraus, dass \u00bbSmells like Teen Spirit\u00ab quasi ein schamloser Pixies-Rip-off-Versuch war. Nach der Aufl\u00f6sung aufgrund bandinterner Konflikte 1993 (per Fax!) und der Reunion 2004 tourt und ver\u00f6ffentlicht die Band mittlerweile wieder munter weiter und feiert dieses Jahr ihr 40-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um. Wir haben dazu mit Schlagzeuger David Lovering gesprochen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wo erwischen wir Sie gerade?<\/strong><\/p>\n<p>Ich lebe au\u00dferhalb von Santa Barbara in Kalifornien in einem Ort namens Los Olivos im Santa Ynez Valley. Es gibt hier viele Weinberge und viele Pferde. Es ist eine sehr kleine Stadt, also muss ich mich benehmen. \u2013 Ich habe lange in L.A. gelebt, und ehrlich gesagt ist es eine Erleichterung, nicht mehr dort zu sein. Es ist sehr hektisch. Hier auf dem Land ist es ein v\u00f6llig anderer Lebensstil. Und wenn man \u00e4lter wird \u2013 ich bin jetzt 64 \u2013, ist das gro\u00dfartig. <\/p>\n<p><strong><br \/>Der Rest der Band lebt unter anderem in L.A. und London, macht das das Proben nicht kompliziert?<\/strong><\/p>\n<p>Das Lustige ist: Wir proben so gut wie nie. Oft ist der erste Tag einer Tour gleichzeitig unsere erste \u00bbProbe\u00ab \u2013 etwa beim Soundcheck. Da w\u00e4rmen wir uns quasi auf. Wir machen das schon so lange, wir vertrauen einfach darauf, dass das funktioniert, und ansonsten wird improvisiert. Meist werden die Shows im Laufe der Tour dann aber besser, weil wir uns wieder einspielen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Leipzig ist der vierte Gig der Tour. Dann ist die Band also eingespielt? <\/strong><\/p>\n<p>Bis dahin wissen wir auf jeden Fall wieder, wie man die Songs richtig spielt. <\/p>\n<p><strong><br \/>Wenn Sie nie proben, wie verbringen Sie Ihre Zeit? <\/strong><\/p>\n<p>Vor allem mit der Familie. Ich habe zwei S\u00f6hne und eine Frau. Letztes Jahr waren wir mit den Pixies fast durchgehend auf Tour, deshalb ist es sch\u00f6n, jetzt die Kinder zur Schule zu bringen und etwas zur Ruhe zu kommen. Und ich \u00fcbe jeden Tag mit meinen Drumsticks. Je \u00e4lter ich werde, desto schwieriger ist es, einfach ans Schlagzeug zu gehen und loszulegen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Sie m\u00fcssen sich also in Form halten? <\/strong><\/p>\n<p>Genau. Als ich in meinen Zwanzigern war, musste ich mich nicht aufw\u00e4rmen, ich konnte mich einfach ans Schlagzeug setzen und eine Show spielen. Mittlerweile muss ich meine H\u00e4nde aber erst mal in Gang bringen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Ist das Touren nach so langer Zeit noch aufregend oder einfach Routine? <\/strong><\/p>\n<p>Ich liebe es \u2013 wirklich jeden Schritt davon. Ich durfte in so viele L\u00e4nder reisen, Menschen kennenlernen, Essen probieren. Und wir werden in der Regel gut behandelt. Ich mache das, was ich liebe, ich kann mich also wirklich nicht beschweren. <\/p>\n<p><strong><br \/>Abgesehen vom zus\u00e4tzlichen \u00dcben \u2013 gibt es Dinge, die sich mit dem Alter ver\u00e4ndert haben? <\/strong><\/p>\n<p>Ja \u2013 ich bin besser geworden. Ich habe endlich verstanden, wie man Schlagzeug spielt. Ich habe mit zehn oder zw\u00f6lf angefangen und ich habe wirklich f\u00fcnfzig Jahre daf\u00fcr gebraucht. Wenn ich mir die fr\u00fchen Pixies-Songs anh\u00f6re, denke ich oft: Das h\u00e4tte ich besser machen k\u00f6nnen. Erst in den letzten zwei oder drei Jahren hatte ich das Gef\u00fchl: Jetzt wei\u00df ich wirklich, wie man spielt. Ich kann endlich das Tempo halten, ich verstehe die Dynamik besser. Dinge, die fr\u00fcher schwierig f\u00fcr mich waren, hab ich jetzt raus. <\/p>\n<p><strong><br \/>Macht es dadurch auch mehr Spa\u00df? <\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Und ich glaube, es macht auch die Show besser. Wenn die Rhythmusgruppe pr\u00e4zise ist, k\u00f6nnen Joey (Santiago, Gitarrist, Anm. d. Red.) und Charles (Thompson aka Black Francis, S\u00e4nger, Anm. d. Red.) vorne machen, was sie wollen. Solange das Fundament stimmt, funktioniert alles.\u00a0 <\/p>\n<p><strong><br \/>Wie f\u00fchlt es sich an, 40 Jahre Pixies zu feiern? <\/strong><\/p>\n<p>Das ist schon ein bisschen surreal. Als wir uns 2004 wiedervereint haben, dachten wir nur daran, ein paar Shows zu spielen \u2013 mehr nicht. Es gab keinen gro\u00dfen Plan, keine langfristige Vision. Die Leute wollten uns sehen, also haben wir gesagt: Okay, wir machen ein paar Konzerte. Damals haben wir nur das alte Material gespielt. 2011 haben wir dann mit \u00bbIndie Cindy\u00ab wieder neue Musik ver\u00f6ffentlicht. Wir hatten das Gef\u00fchl, dass wir immer noch eine funktionierende, kreative Band sind \u2013 dass wir aufnehmen k\u00f6nnen und noch etwas zu sagen haben. Seitdem ging es weiter, Album f\u00fcr Album und Tour f\u00fcr Tour. Und das Sch\u00f6ne ist: Je \u00e4lter wir werden, desto mehr Spa\u00df haben wir als Band. Wir sind keine Kids mehr, keine dysfunktionale Gruppe, die sich gegenseitig das Leben schwer macht. Wir wissen zu sch\u00e4tzen, was wir tun, und wir haben viel Spa\u00df daran.\u00a0 <\/p>\n<p><strong><br \/>Die internen Band-Konflikte sind also weniger geworden? <\/strong><\/p>\n<p>Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, je \u00e4lter man wird, desto leichter wird es. Vor allem lernt man, andere Pers\u00f6nlichkeiten zu akzeptieren, man lernt zu akzeptieren, dass Menschen einfach unterschiedlich sind. Das ist wahrscheinlich der Kern des Ganzen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Nach dem Ausstieg von Kim Deal 2012 hat die Bass-Position \u00f6fter gewechselt. Ist es schwierig, ad\u00e4quaten Ersatz f\u00fcr Deal zu finden? <\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden in den letzten Jahren verschiedene Bassistinnen. Mit Emma (Richardson, seit 2024 in der Band, Anm. d. Red.) sind wir sehr gl\u00fccklich. Sie hat eine gro\u00dfartige Stimme und eine tolle Pers\u00f6nlichkeit. Es funktioniert wunderbar. Nat\u00fcrlich wird es immer Zweifler geben und Leute, die sagen: \u00bbNo Kim, no Deal\u00ab. Aber wir machen weiter \u2013 und wir sind sehr zufrieden damit. <\/p>\n<p><strong><br \/>Die seit 2011 erschienenen neuen Alben sind nie ganz an den kommerziellen und kritischen Erfolg des Pixies-Fr\u00fchwerks herangekommen. Hat die Band manchmal das Gef\u00fchl, mit ihrem eigenen Verm\u00e4chtnis zu konkurrieren? <\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es dieses Verm\u00e4chtnis. Die fr\u00fchen Alben haben uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. Aber wir sehen uns immer noch als aktive Band, die sich weiterentwickelt. Wir versuchen nicht, etwas Altes zu kopieren oder aufzuw\u00e4rmen. Nat\u00fcrlich gibt es Gedanken wie: Hoffentlich machen wir etwas Gutes, hoffentlich bleiben wir relevant. Aber wir konkurrieren nicht mit unserer Vergangenheit. Wir machen einfach das, was wir jetzt machen, und hoffentlich werden wir besser darin. <\/p>\n<p><strong><br \/>In Europa \u2013 besonders in Gro\u00dfbritannien \u2013 waren Sie oft erfolgreicher als in den USA. Warum eigentlich? <\/strong><\/p>\n<p>Ich sage immer: Die Europ\u00e4er haben einfach einen besseren Geschmack (lacht). Aber im Ernst: Es hat in den USA einfach lange gedauert. Fr\u00fcher f\u00fchlte sich Amerika f\u00fcr uns fast fremd an. Mittlerweile hat sich das aber ge\u00e4ndert. Amerika hat aufgeholt, auch wenn es 40 Jahre gedauert hat. Unser Publikum ist inzwischen auch sehr jung \u2013 viele sind 16, 17, 18 Jahre alt. Und die kennen dann nicht nur die Klassiker wie \u00bbCome on Pilgrim\u00ab oder \u00bbSurfer Rosa\u00ab, sondern auch das neue Material \u2013 und sie k\u00f6nnen die Texte mitsingen. Ich glaube, Social Media spielt da eine gro\u00dfe Rolle. Und Serien wie \u00bbStranger Things\u00ab haben bestimmt auch dazu beigetragen, dass eine j\u00fcngere Generation unsere Musik entdeckt. <\/p>\n<p><strong><br \/>Verfolgen Sie, was in der Musiklandschaft heute so passiert? <\/strong><\/p>\n<p>Mein Zugang dazu ist vor allem \u00fcber Festivals. Da begegnen wir all diesen neuen Bands. Oder \u00fcber die Vorbands, die uns auf Tour begleiten. Das ist meine direkteste Erfahrung mit neuer Musik. Das ist einfach Teil meines Jobs, offen zu bleiben f\u00fcr das, was in unserem musikalischen Umfeld passiert. Ansonsten bekomme ich vieles eher nebenbei mit \u2013 etwa im Auto \u00fcbers Radio. Ich h\u00f6re verschiedene Alternative-Sender. Das ist im Grunde mein Fenster zur aktuellen Szene. Ich w\u00fcrde gern sagen, dass ich aktiv nach neuer Musik suche \u2013 aber ehrlich gesagt passiert es eher nebenbei. <\/p>\n<p><strong><br \/>Denken Sie manchmal an den Ruhestand? <\/strong><\/p>\n<p>N\u00e4chstes Jahr bin ich offiziell im Rentenalter. (lacht) Aber ich liebe, was ich tue, und ich bin noch in der Lage, das ohne gro\u00dfe Einschr\u00e4nkungen zu tun. Solange das so ist, will ich weitermachen.\u00a0 <\/p>\n<p>&gt; Pixies: 1.7., 19.30 Uhr, Parkb\u00fchne <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tja, was soll man zu den Pixies noch gro\u00df sagen? 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