{"id":1135019,"date":"2026-07-01T10:46:14","date_gmt":"2026-07-01T10:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1135019\/"},"modified":"2026-07-01T10:46:14","modified_gmt":"2026-07-01T10:46:14","slug":"zehn-jahre-ueberzeugungsarbeit-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1135019\/","title":{"rendered":"Zehn Jahre \u00dcberzeugungsarbeit \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Raus aus den Schubladen!\u2039 haben wir unsere Veranstaltung genannt, weil so viele Spuren queerer Geschichte Ostdeutschlands noch nicht geborgen sind. Wenn die Menschen auf Material wie Flyer oder Briefe sto\u00dfen, bitten wir sie, mit uns ihre Erinnerungen zu teilen.\u00ab Monaliesa-Mitarbeiterin Barbara Schnalzger empf\u00e4ngt den kreuzer-Besuch im Haus der Demokratie. Dort im vierten Stock hat die feministische Bibliothek mit Archiv ihren Sitz. Zugeschaltet per Videodienst ist Sonja Lindhauer. Beide arbeiten daran, dass sich die versch\u00fcttete Spurenlage \u00e4ndert. Dazu stellen sie ihr Archivprojekt im Alten Rathaus mit einem Gespr\u00e4ch vor, das auch Zeitzeuginnen aus dem Publikum Raum l\u00e4sst.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist die Kasse des Sonntagsclubs\u00ab, sagt Schnalzger und h\u00e4lt ein mit Stoff verkleidetes K\u00e4stchen in der Hand. Dieses ist Teil des Sonntagsclub-Archivs, das die Monaliesa digitalisieren und der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stellen darf. \u00bbDarf\u00ab ist hier angebracht, denn es brauchte zehn Jahre \u00dcberzeugungsarbeit, bevor das m\u00f6glich wurde.<\/p>\n<p>Der 1987 gegr\u00fcndete Berliner Sonntagsclub war der erste Treffpunkt f\u00fcr Homosexuelle in der DDR jenseits kirchlicher R\u00e4ume. Mitgr\u00fcnderin Ursula Sillge leitete ihn zeitweilig in ihrer Wohnung. Selbst Kulturwissenschaftlerin, sammelte Sillge Clubunterlagen als Teil ihres sogenannten Lila Archivs, in dem sie Material zur Lesben- und Frauenbewegung in der DDR zusammentrug. Irgendwann zog das Archiv nach S\u00fcdth\u00fcringen, wo Sillge 1946 geboren wurde.<\/p>\n<p>Dorthin fuhren Schnalzger und andere bereits vor zehn Jahren, um f\u00fcr eine Archiv\u00f6ffnung zu werben \u2013 ohne Erfolg. So sehr der Wissenschaftlerin Sillge auch an einer Auswertung der Quellen lag, sie wollte das selbst machen. Man blieb aber in Kontakt. \u00bbEs f\u00e4llt ihr einfach schwer, das Material, mit dem auch Biografien verbunden sind, aus der Hand zu geben\u00ab, sagt Barbara Schnalzger.<\/p>\n<p>Nun hat die mittlerweile 80-J\u00e4hrige eingelenkt und zumindest den Sonntagsclub-Teil freigegeben. \u00bbMehrere LKW-Ladungen\u00ab (Schnalzger) lagern noch in Th\u00fcringen, in Sillges Wohnhaus und in einer Art Garagenlager, das aufgrund klimatischer Schwankungen daf\u00fcr eigentlich ungeeignet sei, erz\u00e4hlen die beiden Monaliesa-Mitarbeiterinnen.<\/p>\n<p>Sie haben das ungeordnete Material gesichtet, sortiert, katalogisiert und dann digitalisieren lassen. \u00d6ffnet man eine der mehreren blauen Archivkisten, kann man erahnen, wie viel Arbeit darin steckt. Auf hauchd\u00fcnnen Schreibmaschinenseiten etwa wurden die Clubsitzungen protokolliert. Sie tragen wie Briefe, Flyer und eine Spendendose individuelle Katalognummern, um auffindbar zu sein.<\/p>\n<p>Bis Jahresende soll die Digitalisierung abgeschlossen sein, dann gehen die Originale zur\u00fcck nach Th\u00fcringen. Die zug\u00e4nglich gemachten Quellen werden von einordnenden Texten begleitet. Sie reichen \u00fcber die queere ostdeutsche Bewegung hinaus, gerade zur Wende enthalten sie auch allgemeinpolitische Informationen.<\/p>\n<p>\u00bbMich hat ein Briefwechsel mit Rosa von Praunheim \u00fcberrascht\u00ab, sagt Schnalzger, \u00bbin dem man \u00fcber gegenseitige Besuche nachdenkt.\u00ab Lindhauer war vor allem begeistert, die collagenhaften Originale von Plakaten und Flyern zu sehen. Zu Zeiten ohne Designprogramme entstand alles noch h\u00e4ndisch.<\/p>\n<p> \u00bbDie Veranstaltung im Alten Rathaus soll verdeutlichen, dass Archivarbeit nichts Abstraktes ist\u00ab, erkl\u00e4rt Sonja Lindhauer. Daher werden nicht nur Podiumsg\u00e4ste zu Wort kommen. Auch Personen aus dem Publikum sollen ihre Geschichten erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, so die Monaliesa-Mitarbeiterin. \u00bbWenn sie \u00fcber dazugeh\u00f6riges Material verf\u00fcgen, d\u00fcrfen sie es sehr gern herumzeigen.\u00ab Sie k\u00f6nnen es auch gern der Bibliothek \u00fcbergeben, damit sie es archiviert. Dort sind auch B\u00fccherspenden und -patenschaften sehr gern gesehen. Denn die Monaliesa wird zwar st\u00e4dtisch gef\u00f6rdert, allerdings f\u00fcr Veranstaltungen und nicht den Bucherwerb.    <\/p>\n<p>&gt; Gespr\u00e4ch \u00bbRaus aus den Schubladen! Vom Erinnern queerer Geschichte in Leipzig und Ostdeutschland vor und nach 1989\/90\u00ab: 2.7., 18 Uhr, Altes Rathaus, Gr\u00fcner Salon \u2013Eintritt frei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Raus aus den Schubladen!\u2039 haben wir unsere Veranstaltung genannt, weil so viele Spuren queerer Geschichte Ostdeutschlands noch nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1135020,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[129,238902,3364,29,30,71,21469,224621,14037,859],"class_list":["post-1135019","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-ddr","tag-ddrpunk","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-leipzig","tag-queer","tag-queeres","tag-queerness","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1135019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1135019\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1135020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1135019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1135019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1135019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}