{"id":1135673,"date":"2026-07-01T16:44:13","date_gmt":"2026-07-01T16:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1135673\/"},"modified":"2026-07-01T16:44:13","modified_gmt":"2026-07-01T16:44:13","slug":"nord-stream-prozess-die-grosse-frage-ist-wer-hat-ihm-den-auftrag-erteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1135673\/","title":{"rendered":"Nord-Stream-Prozess: Die gro\u00dfe Frage ist: Wer hat ihm den Auftrag erteilt?"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/bundesanwaltschaft\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundesanwaltschaft<\/a> hat im Fall des Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines Anklage gegen einen 50-j\u00e4hrigen Ukrainer erhoben. Die Ermittler werfen Serhij K. vor, eine siebenk\u00f6pfige Crew angef\u00fchrt zu haben, die im September 2022 die Leitungen am Grund der Ostsee gesprengt haben soll. Er habe zivile Energieinfrastruktur angegriffen \u2013 nach dem V\u00f6lkerstrafrecht ein Kriegsverbrechen. Au\u00dferdem habe er sich dem Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion und der Zerst\u00f6rung von Bauwerken  schuldig gemacht.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zum ersten Mal muss sich damit ein mutma\u00dflich Beteiligter der Nord-Stream-Anschl\u00e4ge vor Gericht verantworten, des spektakul\u00e4rsten Sabotagefalls seit Ende des Kalten Krieges. Auf Nachfrage der ZEIT zu den Vorw\u00fcrfen antworteten weder K. noch seine Anw\u00e4lte. Er sitzt seit November vergangenen Jahres in Deutschland in Untersuchungshaft.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Serhij K. soll laut Anklageschrift in f\u00fchrender Funktion an der Geheimoperation beteiligt gewesen sein. Bis vor etwa elf Jahren soll er f\u00fcr den ukrainischen Geheimdienst SBU gearbeitet haben. Zum Zeitpunkt der Anschl\u00e4ge war er Soldat der ukrainischen Armee, wie sein Milit\u00e4rausweis zeigt, den die ZEIT einsehen konnte.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Sp\u00e4tsommer 2022 soll er mit einem Team aus vier Spezialtauchern, einem Sprengstoffexperten und einem Skipper mit einer gemieteten Segeljacht vom Typ Bavaria Cruiser 50, der Andromeda, zu den Nord-Stream-Pipelines gefahren sein. Dort, in etwa 80 Metern Tiefe, brachten die Taucher laut Anklage mehrere Sprengs\u00e4tze aus einem hochexplosiven Gemisch aus Hexogen und Oktogen an. Am 26. September barsten drei Str\u00e4nge der Pipeline. Die Bilder einer blubbernden Ostsee gingen um die Welt.\n<\/p>\n<p>                            Die blubbernde Ostsee am 27. September 2022, dem Tag nach dem Anschlag            \u00a9\u00a0Danish Defence Command\/\u200bHandout Reuters<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nach den Anschl\u00e4gen glaubten viele Politiker und Experten, der Fall w\u00fcrde wohl nie aufgekl\u00e4rt werden. Zwischenzeitlich spekulierten einige Medien \u00fcber eine m\u00f6gliche T\u00e4terschaft russischer staatlicher Akteure, teilweise wurde auch die CIA beschuldigt. Die Pipelines sollten Deutschland mit russischem Gas versorgen, das Gesch\u00e4ft stoppte nach Russlands \u00dcberfall auf die Ukraine.\n<\/p>\n<p>            Auf der \u00bbAndromeda\u00ab stellten die Ermittler Fingerabdr\u00fccke und Haare sicher            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die forensischen Spuren wiesen jedoch bald Richtung Ukraine, wie die ZEIT, das ARD-Magazin Kontraste und das ARD-Hauptstadtb\u00fcro im M\u00e4rz 2023 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2023-03\/nordstream-2-ukraine-anschlag\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">enth\u00fcllten<\/a>. Bei ihrer Suche nach dem Boot, das die Saboteure an den Tatort gebracht haben k\u00f6nnte, waren die Ermittler auf die Segeljacht Andromeda gesto\u00dfen, sie geh\u00f6rte einem deutschen Charterunternehmen. Im Winterlager der Jacht auf R\u00fcgen stellten sie unter anderem Fingerabdr\u00fccke sicher, ein schwarzes T-Shirt, an dem noch Haare hingen, ein Basecap sowie eine Thermoskanne und mehrere benutzte Kaffeetassen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Dazu kamen Fragmente der milit\u00e4rischen Sprengstoffe Oktogen und Hexogen. Letztere passten zu Proben, die an den zerst\u00f6rten Nord-Stream-Pipelines genommen wurden. Ein Blitzerfoto einer Verkehrskamera auf der Insel R\u00fcgen von Anfang September 2022 brachte die Ermittler schlie\u00dflich auf die Tarnidentit\u00e4t eines mutma\u00dflichen ukrainischen Crewmitglieds; sp\u00e4ter gelang die Enttarnung des gesamten Kommandos durch minuti\u00f6se Ermittlungsarbeit. Insgesamt sieben Ukrainer stehen laut Bundesanwaltschaft unter Verdacht, der Gruppe angeh\u00f6rt zu haben, wobei einer von ihnen nach Recherchen von ARD, ZEIT und S\u00fcddeutscher Zeitung mittlerweile im Krieg gegen Russland <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/37\/anschlag-nord-stream-pipelines-aufklaerung-festnahme-ukraine\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">verstorben sein soll<\/a>. Gegen alle Verd\u00e4chtigen hat die Bundesanwaltschaft Haftbefehle erwirkt, darunter gegen Wolodymyr Z., einen Tauchlehrer aus Kyjiw.\n<\/p>\n<p>                            Der Taucher Wolodymyr Z. (Mitte) wurde in Polen festgenommen, weil er zur Crew der \u00bbAndromeda\u00ab geh\u00f6rt haben soll. Wenig sp\u00e4ter entlie\u00df ihn ein Ermittlungsrichter wieder.            \u00a9\u00a0Rafal Guz\/\u200bEPA<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Eigentlich sollte Z. im August 2024 in Polen festgenommen werden, er konnte allerdings im Auto eines ukrainischen Diplomaten in die Ukraine fliehen. Deutsche Ermittler vermuten, dass er von polnischen Beh\u00f6rden gewarnt worden war. Als er ein Jahr sp\u00e4ter doch in Polen gefasst wurde, ordnete ein Gericht umgehend seine Freilassung an: Sollte Z. an der Nord-Stream-Sabotage beteiligt gewesen sein, argumentierte der Richter, dann sei er Teil eines \u00bbgerechten Krieges\u00ab gewesen und h\u00e4tte damit \u00bbkeine Straftat begangen\u00ab, so hei\u00dft es in dem Urteil, das der ZEIT vorliegt. Die Pipelines und die mit ihnen einhergehende bef\u00fcrchtete russische Einflussnahme sind in Polen verhasst. Z. soll seitdem unbehelligt in Polen leben. Auf eine Bitte per Brief um ein Gespr\u00e4ch antwortete er nicht.\u00a0\n<\/p>\n<p>                                    Bei seiner Verhaftung zeigte er ein patriotisches Zeichen der Ukraine            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der nun angeklagte Serhij K. dagegen wurde im August 2025 w\u00e4hrend eines Familienurlaubs in einem italienischen Ferienresort festgenommen. Bei seiner Verhaftung formte er mit drei Fingern den \u00bbTrysub\u00ab, ein ukrainisches patriotisches Zeichen. Nach monatelangem juristischen Tauziehen \u00fcberstellten die italienischen Beh\u00f6rden ihn Ende November schlie\u00dflich den deutschen Ermittlern. Seine Haftbeschwerde lehnte der Bundesgerichtshof (BGH) im Dezember ab. Der Anschlag, hei\u00dft es in der Entscheidung der Richter, sei h\u00f6chstwahrscheinlich in \u00bbfremdstaatlichem Auftrag\u00ab ausgef\u00fchrt worden, also im Rahmen einer milit\u00e4risch-nachrichtendienstlichen Operation der Ukraine. Recherchen mehrerer Medien zufolge soll der ukrainische Geheimdienstoffizier Roman Tscherwinskyj den Anschlag koordiniert haben. Er hat sich bislang \u00f6ffentlich nicht eindeutig dazu ge\u00e4u\u00dfert. Der damalige ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj soll den Anschlag abgesegnet haben, er hat die Vorw\u00fcrfe \u00f6ffentlich bestritten. Auf eine E-Mail der ZEIT mit einer erneuten Bitte um Stellungnahme antwortete er bislang nicht.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. 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Sollte der Anschlag tats\u00e4chlich vom damaligen ukrainischen Armeechef autorisiert worden sein, d\u00fcrfte das die Debatte um das Ausma\u00df der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine bef\u00f6rdern. Bislang hat sich die schwarz-rote Bundesregierung nicht zur Anklage ge\u00e4u\u00dfert. Ein genauer Termin, ab wann sich Serhij K. vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht verantworten muss, steht noch nicht fest.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mitarbeit: Viktar Vasileuski<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Bundesanwaltschaft hat im Fall des Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines Anklage gegen einen 50-j\u00e4hrigen Ukrainer erhoben. 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