{"id":1136926,"date":"2026-07-02T07:32:22","date_gmt":"2026-07-02T07:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1136926\/"},"modified":"2026-07-02T07:32:22","modified_gmt":"2026-07-02T07:32:22","slug":"93-millionen-euro-teuer-der-gruene-ring-traeumt-von-einer-schiffseisenbahn-zwischen-cospudener-und-zwenkauer-see-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1136926\/","title":{"rendered":"93 Millionen Euro teuer: Der Gr\u00fcne Ring tr\u00e4umt von einer Schiffseisenbahn zwischen Cospudener und Zwenkauer See \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/politics\/hotspot\/2026\/07\/costing-93-million-euros-the-green-ring-is-dreaming-of-a-ship-railway-between-lake-cospuden-and-lake-zwenkau-662664\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Mit der geplanten Bootspassage zwischen Cospudener und Zwenkauer See k\u00f6nnte dem Leipziger Neuseenland die n\u00e4chste gro\u00dfe Naturschutzdebatte bevorstehen. Die Pl\u00e4ne zum Harth-Kanal wurden aus Kostengr\u00fcnden verlassen, jetzt favorisiert eine Machbarkeitsstudie eine Schiffseisenbahn. Ja, sie haben richtig gelesen: Eine Bahn soll Boote k\u00fcnftig \u00fcber Land zwischen beiden Seen transportieren. Mit Investitionskosten von derzeit rund 93 Millionen Euro geh\u00f6rt das Vorhaben zu den gr\u00f6\u00dften derzeit diskutierten Infrastrukturprojekten im Leipziger Neuseenland.<\/p>\n<p>Doch zentrale naturschutzrechtliche Fragen bleiben sp\u00e4teren Genehmigungsverfahren vorbehalten \u2013 selbst die Projekttr\u00e4ger rechnen mit Konflikten.<\/p>\n<p>Noch im Dezember 2025 erkl\u00e4rte die Landesdirektion Sachsen die S\u00fcdspitze des Cospudener Sees ausdr\u00fccklich zu einem dauerhaft gesch\u00fctzten Gew\u00e4sserbereich. Sie bleibe \u201eaus Gr\u00fcnden des Natur- und Artenschutzes\u201c auch k\u00fcnftig von der Schifffahrt ausgenommen. LDS-Pr\u00e4sident B\u00e9la B\u00e9lafi sprach von \u201epr\u00e4zise definierten Schutzr\u00e4umen\u201c, die Natur- und Gew\u00e4sserschutz st\u00e4rken sollten. Nahezu gleichzeitig kommt<a href=\"http:\/\/gruenerring-leipzig.de\/projekte\/machbarkeitsstudie-bootspassage\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> die Machbarkeitsstudie zur Bootspassage<\/a> zu dem Ergebnis, dass ausgerechnet dieser Bereich f\u00fcr eine Gew\u00e4sserverbindung zwischen Cospudener und Zwenkauer See durchfahren werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Schiffseisenbahn gegen Naturschutz<\/p>\n<p>Die Machbarkeitsstudie benennt den Zielkonflikt selbst: Die Befahrung der S\u00fcdspitze sei derzeit aus Naturschutzgr\u00fcnden nicht m\u00f6glich, f\u00fcr eine Gew\u00e4sserverbindung jedoch zwingende Voraussetzung. Die eigentlichen Umwelt-, Arten- und Genehmigungspr\u00fcfungen sollen erst im n\u00e4chsten Planungsschritt erfolgen.<\/p>\n<p>Der Leiter der Gesch\u00e4ftsstelle des Gr\u00fcnen Rings Leipzig sieht diesen Konflikt durchaus. Auf die Frage, wie die aktuellen Regelungen mit den Pl\u00e4nen f\u00fcr eine Schiffeisenbahn vereinbar w\u00e4ren, sagt Christian Dietz: \u201eIm Moment sind wir noch im Bereich der Machbarkeitsstudie, die weiteren Genehmigungsverfahren laufen erst noch an, da sind wir noch gar nicht soweit.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Nachfrage, ob die Planungen mit den Umweltverb\u00e4nden bereits abgestimmt seien, antwortet er: \u201eDa laufen nat\u00fcrlich Diskussionen.\u201c Und auf die Frage, ob dadurch nicht ein erheblicher Konflikt ausgel\u00f6st werde: \u201eDas ist durchaus richtig.\u201c<\/p>\n<p>Auf den Hinweis, dass die Aussagen der Landesdirektion \u00fcber dauerhaft definierte Schutzr\u00e4ume dadurch m\u00f6glicherweise relativiert w\u00fcrden, wollte er sich nicht festlegen: \u201eDas kann ich so nicht beurteilen.\u201c<\/p>\n<p>Die besondere Bedeutung der S\u00fcdspitze liegt in den weitgehend ungest\u00f6rten Bereichen mit R\u00f6hrichten und Verlandungszonen, sie dient Wasserv\u00f6geln als R\u00fcckzugs-, Rast- und Nahrungsraum und geh\u00f6rt zu den \u00f6kologisch sensibelsten Bereichen des Cospudener Sees. Gerade solche st\u00f6rungsarmen Uferabschnitte sind am sonst intensiv genutzten Cospudener See selten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-662615\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiff.jpg\" alt=\"So soll die Vorzugsvariante der Schiffseisenbah zwischen Zwenkauer und Cospudener See aussehen. Visualisierung: ICL Ingenieur Consult GmbH\" width=\"2250\" height=\"1148\"  \/>So soll die Vorzugsvariante der Schiffseisenbah zwischen Zwenkauer und Cospudener See aussehen. Visualisierung: ICL Ingenieur Consult GmbH<br \/>\n400.000 zus\u00e4tzliche Besucher<\/p>\n<p>Der eigentliche Eingriff d\u00fcrfte dabei weniger von der Schiffseisenbahn selbst ausgehen als von dem touristischen Umfeld, das nach den Annahmen der Machbarkeitsstudie entstehen soll. Das Gutachten rechnet mit rund 400.000 zus\u00e4tzlichen Besuchern pro Jahr. Zwischen April und Oktober entspr\u00e4che dies durchschnittlich etwa 2.700 Besuchern t\u00e4glich, an Spitzentagen sogar mindestens 10.000 Tagesg\u00e4sten. Vorgesehen sind hierf\u00fcr unter anderem Molen, Wartebereiche, Gastronomie, ein Informations- und Ausstellungsgeb\u00e4ude, Parkpl\u00e4tze sowie weitere touristische Infrastruktur.<\/p>\n<p>Nach der Machbarkeitsstudie w\u00e4ren daf\u00fcr in Spitzenzeiten rund 1.500 Stellpl\u00e4tze erforderlich. Der Fl\u00e4chenbedarf wird mit etwa 30.000 Quadratmetern angegeben \u2013 allein f\u00fcr Kfz-Parkfl\u00e4chen. Das entspricht mehr als vier Fu\u00dfballfeldern.<\/p>\n<p>Umweltverb\u00e4nde wieder nicht gefragt?<\/p>\n<p>Ob und in welchem Umfang dies mit den bestehenden Naturschutz- und Artenschutzanforderungen vereinbar ist, sollen erst die anstehenden Genehmigungsverfahren zeigen. Dort d\u00fcrften die Naturschutzbeh\u00f6rden und Umweltverb\u00e4nde eine zentrale Rolle spielen. Eine Stellungnahme von NABU, BUND und Gr\u00fcner Liga war aktuell trotz Anfrage nicht zu erhalten.<\/p>\n<p>Die vorliegende Machbarkeitsstudie hat bereits 250.000 \u20ac gekostet. F\u00fcr die n\u00e4chsten Schritte der Vorplanung (LP 1 und LP 2 HOAI) hat der Zweckverband Neue Harth bereits 1,3 Millionen \u20ac eingeplant. Das Gesamtprojekt ist mit aktuell 93 Millionen \u20ac veranschlagt.<\/p>\n<p>Eine unabh\u00e4ngige fachliche Einordnung, welche die Annahmen der Machbarkeitsstudie verifiziert, sucht man vergeblich. Ebenso eine B\u00fcrgerbeteiligung, welche die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung abfragt. Doch das sind inhaltlich andere Konfliktpunkte dieses Mega-Projektes, die es zus\u00e4tzlich zu diskutieren gilt.<\/p>\n<p>Angesichts zahlreicher aktueller Konflikte im Leipziger Neuseenland, von Motorbootregelungen \u00fcber neue touristische Entwicklungen bis hin zu RB\u2013Bed\u00fcrfnissen, stehen die Naturschutzbeh\u00f6rden und Umweltverb\u00e4nde derzeit vor einer au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen Zahl komplexer Verfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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