{"id":1137775,"date":"2026-07-02T15:40:22","date_gmt":"2026-07-02T15:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1137775\/"},"modified":"2026-07-02T15:40:22","modified_gmt":"2026-07-02T15:40:22","slug":"deutschlands-staatsverschuldung-investitionen-oder-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1137775\/","title":{"rendered":"Deutschlands Staatsverschuldung: Investitionen oder Belastung?"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Eine Hand h\u00e4lt eine B\u00fcndel Euro-Banknoten vor einem hellen Hintergrund zwischen Daumen und den \u00fcbrigen Fingern.\" alt=\"Eine Hand h\u00e4lt eine B\u00fcndel Euro-Banknoten vor einem hellen Hintergrund zwischen Daumen und den \u00fcbrigen Fingern.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/staatsverschuldung-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Aktuell leiht sich die Bundesregierung Geld, um Deutschland \u201everteidigungsf\u00e4hig\u201d zu machen (picture alliance \/ CHROMORANGE \/ Claudia Nass)<\/p>\n<p>Deutschland hat aktuell mehr als 2,7 Billionen Euro Schulden. Deutschlands Schuldenquote liegt damit bei 63 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zuletzt erh\u00f6hten sich die Schulden aufgrund der Sonderschulden f\u00fcr Infrastruktur und Klimaneutralit\u00e4t sowie der zus\u00e4tzlichen Ausgaben f\u00fcr die Bundeswehr. <\/p>\n<p>Vielen Deutschen bereitet das Sorgen. Doch \u00d6konomen sehen das differenzierter. Entscheidend ist nicht nur die H\u00f6he der Schulden, sondern auch, wof\u00fcr das Geld ausgegeben wird. Die zentrale Frage lautet daher: Wann schaffen Schulden zuk\u00fcnftigen Wohlstand \u2013 und wann werden sie zur Belastung? <\/p>\n<p>Staatsschulden sind dann sinnvoll, wenn damit Dinge finanziert werden, von denen die Menschen in Zukunft profitieren. Dazu z\u00e4hlen Infrastrukturprojekte, der Erhalt und Ausbau von Schienennetz und Autobahnen, die Instandhaltung maroder Schulen sowie Investitionen in erneuerbare Energien. <\/p>\n<p>Ausgerechnet in Niedrigzinsphasen keine Schulden aufzunehmen, bewertet die \u00d6konomin Isabella Weber als verpasste Chance. Denn niedrige Zinsen, wie es sie in der Regierungszeit von Angela Merkel gab, h\u00e4tten Investitionen in die Infrastruktur mit g\u00fcnstig geliehenem Geld erm\u00f6glicht. Stattdessen sei \u201edie Substanz des Landes kaputtgespart\u201c worden, kritisiert sie. \u00a0<\/p>\n<p>Dass es auch anders geht, hat die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland gezeigt. Im Zuge dessen nahm die Bundesregierung Schulden auf und beauftragte private Unternehmen, Stra\u00dfen, Br\u00fccken und \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude zu bauen oder zu sanieren. Zwar verloren viele Menschen im Osten zun\u00e4chst ihre Arbeit und verdienen bis heute im Schnitt 20 Prozent weniger als die Menschen im Westen. <\/p>\n<p>Der \u00d6konom Marcel Fratzscher ist dennoch \u00fcberzeugt, dass sich die Investitionen gelohnt haben: \u201eEs gibt Berechnungen, die sagen, ungef\u00e4hr 1.000 Milliarden Euro sind damals an staatlichen Geldern, an Schulden im Prinzip, nach Ostdeutschland geflossen f\u00fcr Infrastruktur, f\u00fcr \u00f6ffentliche Einrichtungen. Davon ist ein Vielfaches an Wirtschaftsleistung entstanden.\u201c <\/p>\n<p>Aktuell leiht sich die Bundesregierung Geld, um Deutschland \u201everteidigungsf\u00e4hig\u201d zu machen und die Bundeswehr aufzur\u00fcsten. Solche Investitionen in Sicherheit k\u00f6nnen einen \u00f6konomischen Mehrwert bringen. Das setzt allerdings voraus, dass die deutsche R\u00fcstungsindustrie gef\u00f6rdert wird und hierzulande neue Technologien vorangetrieben werden. <\/p>\n<p>Die \u00d6konomin Isabella Weber ist jedoch skeptisch. Sie bezeichnet die Aufr\u00fcstungsbestrebungen als \u201eeine Art von staatlichem Konsum\u201d, der eben nicht zu einer unmittelbaren Verbesserung der Produktionsf\u00e4higkeit, der Wirtschaft und der Infrastruktur f\u00fchre.\u00a0 <\/p>\n<p>Zu hohe Schulden k\u00f6nnen zu einem Staatsbankrott f\u00fchren. Das kam in der Wirtschaftsgeschichte immer mal wieder vor. Knapp dem Staatsbankrott entkommen ist Griechenland, das 2010 in eine Finanzkrise st\u00fcrzte. Zur Krise trugen neben schwachen Steuereinnahmen und strukturellen Problemen der Wirtschaft auch eine hohe Staatsverschuldung bei. So finanzierte das Land unter anderem Staatsangestellte sowie Sozial- und Verteidigungsausgaben durch Schulden. <\/p>\n<p>Die EU schn\u00fcrte Rettungspakete und verpflichtete Griechenland zum Sparen. Nach der Euro-Schuldenkrise hat die EU strengere Regeln eingef\u00fchrt, um solche Szenarien k\u00fcnftig zu verhindern. <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Die Grafik zeigt den Schuldenstand der EU-Staaten in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Ende 2025. Deutschland Staatsverschuldung betrug Ende 2025 63,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.\" alt=\"Die Grafik zeigt den Schuldenstand der EU-Staaten in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Ende 2025. Deutschland Staatsverschuldung betrug Ende 2025 63,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/staatsverschuldung-102-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Im Vergleich zur Schuldenlast in den \u00fcbrigen EU-Staaten bewegt sich Deutschland im Mittelfeld (dpa-infografik GmbH \/ dpa-infografik GmbH)<\/p>\n<p>Dass Deutschland sich in eine \u00e4hnliche Rolle man\u00f6vrieren k\u00f6nnte, ist unwahrscheinlich. Deutschland gilt als \u201eTop-Schuldner\u201c, sagt der \u00d6konom Lars Feld. In anderen Worten: Deutschland genie\u00dft hohes Vertrauen in der globalen Finanzwelt. Niemand erwartet von Deutschland, dass das Land in absehbarer Zeit zahlungsunf\u00e4hig wird. <\/p>\n<p>Allerdings bringen Schulden ein anderes Problem mit sich: Die Zinsen, die f\u00fcr die Schulden f\u00e4llig werden, steigen enorm. Lagen sie im Jahr 2021 bei vier Milliarden Euro, liegen sie ab 2027 bei sch\u00e4tzungsweise knapp 80 Milliarden Euro. Das Problem versch\u00e4rft sich, wenn die Wirtschaft in Deutschland nicht wieder st\u00e4rker w\u00e4chst. <\/p>\n<p>Denn wenn die Kosten f\u00fcr die Zinsen schneller wachsen als die Wirtschaft, muss ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil des vorhandenen Geldes f\u00fcr Zinsen verwendet werden. Das w\u00fcrde den politischen Handlungsspielraum einschr\u00e4nken und k\u00f6nnte von Seiten der globalen Finanzm\u00e4rkte doch noch zu einem Vertrauensverlust f\u00fchren. \u00a0<\/p>\n<p>Staatsschulden sind also nicht per se gut oder schlecht, sondern ein Werkzeug zur Finanzierung politischer Vorhaben. Ob neue Schulden zum Problem werden, h\u00e4ngt weniger von ihrer absoluten H\u00f6he ab als davon, ob die finanzierten Ausgaben langfristig Wachstum, Produktivit\u00e4t und Steuereinnahmen st\u00e4rken. Gute Schulden k\u00f6nnen k\u00fcnftigen Wohlstand schaffen. Schlechte Schulden erschweren ihn.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Autorin des H\u00f6rfunkbeitrags: Columba Krieg <br \/>Online-Text: Kristina Reymann-Schneider\u00a0 <br \/>Quellen: Deutschlandfunk, AFP <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aktuell leiht sich die Bundesregierung Geld, um Deutschland \u201everteidigungsf\u00e4hig\u201d zu machen (picture alliance \/ CHROMORANGE \/ Claudia Nass)&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1137776,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,3364,29,30,13,14,3923,15,3921,12,1620,1954,16153],"class_list":["post-1137775","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-deutschland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","tag-aktuelle-news","tag-aktuelle-news-aus-deutschland","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-nachrichten-aus-deutschland","tag-news","tag-news-aus-deutschland","tag-schlagzeilen","tag-schulden","tag-sondervermoegen","tag-staatsverschuldung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116851144069175662","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1137775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1137775"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1137775\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1137776"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1137775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1137775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1137775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}