{"id":113839,"date":"2025-05-16T00:38:10","date_gmt":"2025-05-16T00:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/113839\/"},"modified":"2025-05-16T00:38:10","modified_gmt":"2025-05-16T00:38:10","slug":"simone-young-raritaetenabend-mit-br-symphonikern-in-muenchen-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/113839\/","title":{"rendered":"Simone Young: Rarit\u00e4tenabend mit BR-Symphonikern in M\u00fcnchen &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Viele St\u00fchle auf der B\u00fchne der Isarphilharmonie, St\u00fchle f\u00fcr ein riesiges Orchester. Doch auf ihnen nehmen nur wenige Musiker des BR-Symphonieorchesters Platz, mit oft ungewohnten Instrumenten wie Mandoline, Gitarre, Harmonium oder R\u00f6hrenglocken. Anton Webern hat sie seinen F\u00fcnf Orchesterst\u00fccken op. 10 einkomponiert, obwohl die zusammen gerade mal f\u00fcnf Minuten dauern. F\u00fcllen werden sich die St\u00fchle erst bei Alban Bergs Drei Orchesterst\u00fccken op. 6, inklusive eines monstr\u00f6sen Hammers, ebenso bei Alexander Zemlinskys Lyrischer Symphonie op. 18 nach der Pause, bei der sogar noch eine Orgel dazukommt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Dirigentin Simone Young hat sich diesen Abend aus lauter Rarit\u00e4ten gew\u00fcnscht, ungew\u00f6hnlich f\u00fcr Abonnementprogramme der BR-Symphoniker, wie leider einige leere St\u00fchle auch im Auditorium zeigen. Schlie\u00dflich geh\u00f6ren Werke des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts zum Kern ihres Repertoires, das bei den hochromantischen Schwergewichten beginnt, letztlich bei Wagner, mit Ausfl\u00fcgen immer wieder in Entlegeneres und zu Urauff\u00fchrungen. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/simone-young-rheingold-walkuere-michael-spyres-lux.UQ1bZfwsqUMjmSvSWw87ZW?reduced=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Im vergangenen Jahr hat Young in Bayreuth erstmals den kompletten \u201eRing\u201c<\/a> dirigiert, als erste Frau. Damit war sie oft die erste, was sie selbst erkl\u00e4rterma\u00dfen nie interessierte, und das Publikum eigentlich auch nicht. Die 64-J\u00e4hrige geh\u00f6rte schon immer einfach dazu zu den gro\u00dfen Dirigenten, die gro\u00dfe Orchestermassen bewegen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dabei tupft Young in Weberns Miniaturen die prezi\u00f6sen Klangereignisse noch fast t\u00e4nzerisch in die Luft, mit blo\u00dfen H\u00e4nden. Erst Bergs Orchesterst\u00fccke brauchen den Stab wie volle K\u00f6rperkontrolle. Wobei fasziniert, welche feinen Klangmixturen sie und die BR-Symphoniker weiterhin hervorzaubern. Young interessiert sich weniger f\u00fcr das Katastrophische der Komposition aus dem Kriegsjahr 1914, mehr f\u00fcr das Spiel mit der neuen F\u00fclle klanglicher M\u00f6glichkeiten. Es verbindet die drei Komponisten des Abends, neben Biographischem: Webern wie Berg studierten bei Sch\u00f6nberg, der wiederum beim fast gleichalten Zemlinsky gelernt hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Michael Volle bein einem Konzert mit dem BR 2024 in der Tonhalle M\u00fcnchen.\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/d2369978-30d9-43fa-8563-9b086c420e06.jpeg\"  role=\"button\" tabindex=\"0\" class=\"css-y4bre2\"\/>Michael Volle bein einem Konzert mit dem BR 2024 in der Tonhalle M\u00fcnchen. (Foto: BR\/Astrid Ackermann)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Dass Zemlinsky im Gegensatz zu den dreien durchg\u00e4ngig der Sp\u00e4tromantik verhaftet geblieben sei, ist ein Klischee. Doch seine 1924 uraufgef\u00fchrte Lyrische Symphonie geh\u00f6rt zweifellos zu deren hypertrophesten Gew\u00e4chsen: eine Symphonie in sieben Orchesterliedern f\u00fcr Sopran und Bariton, ein Paar, das sich anscheinend nach dem vierten Lied trennt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">N\u00e4herhin lassen sich die vertonten Verse des bengalischen Mystikers Rabindranath Tagore kaum deuten. Was Michael Volle, den Bariton, nicht davon abh\u00e4lt, ihnen die Klarheit seiner Sprachbehandlung ebenso zu leihen wie das ganze Gewicht einer Wagner-Stimme. Die weiche Sanftmut, die er im letzten Lied dem Abschied gibt, wirkt umso ber\u00fcckender. Auch Maria Bengtsson kommt trotz m\u00e4dchenhaften Timbres gut \u00fcbers Orchester, weil ihr Sopran leuchtet wie die besungenen Rubine.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Doch Simone Young macht es ihnen auch nicht unn\u00f6tig schwer, daf\u00fcr hat sie zu viel Opernerfahrung. Sie teilt die Klangmassen ein, steuert H\u00f6hepunkte klug an und l\u00e4sst sie knapp explodieren. Der Applaus danach explodiert nicht gleich, sondern verstetigt sich eher. Was zeigt, dass Zemlinsky seinen Platz durchaus innerhalb der komplexen Moderne hat. Wer sich bei der Wiederholung an diesem Freitagabend drauf einlassen mag: Es gibt noch Karten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Viele St\u00fchle auf der B\u00fchne der Isarphilharmonie, St\u00fchle f\u00fcr ein riesiges Orchester. 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