{"id":1138992,"date":"2026-07-03T03:48:16","date_gmt":"2026-07-03T03:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1138992\/"},"modified":"2026-07-03T03:48:16","modified_gmt":"2026-07-03T03:48:16","slug":"berlin-people-pleaser-wenn-das-staendige-ja-zur-erschoepfung-fuehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1138992\/","title":{"rendered":"Berlin | People Pleaser: Wenn das st\u00e4ndige Ja zur Ersch\u00f6pfung f\u00fchrt"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Die To-do-Liste ist \u00fcbervoll, die absolute Ersch\u00f6pfung steht kurz bevor, doch trotzdem wird die n\u00e4chste Aufgabe ohne zu z\u00f6gern angenommen. Hinter so einem Verhaltensmuster k\u00f6nnte sich ein People Pleaser verstecken: Ein Mensch, der es allen recht machen will.<\/p>\n<p>\u00abPeople Pleaser sind Menschen, f\u00fcr die es eine gro\u00dfe Herausforderung darstellt, im Job Nein zu sagen. Sie sind h\u00e4ufig sehr kollegial, hilfsbereit und verbreiten gute Stimmung\u00bb, sagt Eva Elisa Schneider, Psychologin und Beraterin f\u00fcr mentale Gesundheit am Arbeitsplatz.<\/p>\n<p><strong>Wann Hilfsbereitschaft zum Problem wird<\/strong><\/p>\n<p>Zwar werden hilfsbereite und engagierte Mitarbeitende im Job grunds\u00e4tzlich gesch\u00e4tzt. Es gibt aber eine Grenze zwischen Hilfsbereitschaft und People Pleasing. \u00abDas Schlagwort lautet hier gef\u00fchlte Wahlfreiheit: Hilfsbereite Menschen treffen eine freie Entscheidung, ob sie jemanden unterst\u00fctzen m\u00f6chten. Sie sind gefestigt und gehen davon aus, dass es die Beziehung zur Kollegin oder zum Kollegen aush\u00e4lt, wenn man mal Nein sagt\u00bb, erkl\u00e4rt Schneider.<\/p>\n<p>People Pleaser hingegen versp\u00fcren einen inneren Druck, st\u00e4ndig Ja zu sagen oder haben sogar Angst, ein Nein zu \u00e4u\u00dfern. Sie denken, sie h\u00e4tten keine Wahl und f\u00fchlen sich schuldig, wenn sie doch eine Bitte ablehnen.<\/p>\n<p>Genau das kann im Arbeitsalltag zum Problem werden. H\u00e4ufig wollen People Pleaser permanent verf\u00fcgbar sein, mit Folgen f\u00fcr das eigene Wohlbefinden. \u00abAuf der st\u00e4ndigen Suche nach Anerkennung und Lob arbeiten sie bis zur Ersch\u00f6pfung und dar\u00fcber hinaus\u00bb, so Schneider.<\/p>\n<p>Das endet oft mit Selbst\u00fcberforderung. \u00abKurzfristig entlastet das schnelle Ja\u00bb, sagt die Psychologin und Psychotherapeutin Nora Dietrich. \u00abWir wirken zuverl\u00e4ssig, hilfsbereit und engagiert. Langfristig laufen die Reserven leer, der Frust w\u00e4chst, und im Zweifel leidet die Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit.\u00bb<\/p>\n<p>Ein Problem sind dabei h\u00e4ufig gef\u00fchlte Erwartungen: \u00abOft unterstellen wir anderen Erwartungen, die sie so nie ge\u00e4u\u00dfert haben. Gerade als People Pleaser versuchen wir, das Bild zu kontrollieren, das andere von uns haben, statt nachzufragen, was wirklich gebraucht wird\u00bb, so Dietrich.<\/p>\n<p><strong>Wie Betroffene lernen, Grenzen zu setzen<\/strong><\/p>\n<p>Wer solche Muster bei sich erkennt, kann lernen, anders damit umzugehen. Entscheidend ist, Grenzen fr\u00fcher wahrzunehmen und Aufgaben nicht reflexhaft anzunehmen. Gerade, wenn diese eigentlich nicht im Zust\u00e4ndigkeitsbereich oder sogar \u00fcber der eigenen Gehaltsklasse liegen.<\/p>\n<p>Das kann durchaus herausfordernd sein. \u00abDie Angst ist hier nicht nur, jemanden zu entt\u00e4uschen, sondern die eigene Karriere zu gef\u00e4hrden. Der wichtigste Schritt ist deshalb, `Nein zur Aufgabe` von `Nein zur Karriere zu trennen`\u00bb, sagt Dietrich.\u00a0<\/p>\n<p>Hilfreich ist dabei, nicht nur in den Kategorien Zusage oder Ablehnung zu denken. Zwischen Ja und Nein liegt der Psychologin zufolge meist ein Verhandlungsraum, der oft nicht sofort sichtbar ist. \u00abZeit, Umfang und Verantwortung lassen sich verhandeln, ohne sofort eine harte Grenze ziehen zu m\u00fcssen\u00bb, sagt sie. \u00abWenn eine harte Grenze n\u00f6tig ist und das Gegen\u00fcber sie trotzdem nicht respektiert, hilft die `gebrochene Schallplatte`: das Nein ruhig wiederholen, ohne in Rechtfertigungen oder Entschuldigungen zu rutschen.\u00bb<\/p>\n<p>Welche Formulierungen helfen, besser Nein zu sagen<\/p>\n<p>Wie das konkret klingen kann, zeigt Dietrich mit mehreren Strategien und Formulierungsbeispielen:<\/p>\n<ul class=\"list-normal\">\n<li>Bedenkzeit verschaffen: \u00abIch muss schauen, ob ich das schaffe. Ich melde mich morgen dazu.\u00bb\u00a0<\/li>\n<li>Erwartungen und Aufwand kl\u00e4ren: \u00abBis wann brauchst du es? K\u00f6nntest du den Aufwand definieren, den du f\u00fcr dieses Projekt siehst?\u00bb\u00a0<\/li>\n<li>Folgen f\u00fcr Priorit\u00e4ten sichtbar machen: \u00abWo soll ich das auf meiner Priorit\u00e4tenliste einordnen? Wenn ich das mache, verschiebt sich Projekt X um zwei Tage. Passt das f\u00fcr dich?\u00bb\u00a0<\/li>\n<li>Rolle und Verantwortung ansprechen: \u00abDas liegt aktuell au\u00dferhalb meines Verantwortungsbereichs. Wie k\u00f6nnen wir das einordnen?\u00bb Oder: \u00abDas mache ich gerne, lass uns daf\u00fcr auch \u00fcber Rolle und Verantwortung sprechen.\u00bb\u00a0<\/li>\n<li>Freundlich, aber klar abgrenzen: \u00abIch w\u00fcrde dir sehr gerne helfen, aber mein Fokus liegt heute auf dem Abschlussbericht.\u00bb Oder: \u00abDanke f\u00fcr das Angebot, ich wei\u00df es zu sch\u00e4tzen. Leider ist es derzeit nicht machbar.\u00bb<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wichtig ist dabei nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wie. \u00abEin Gespr\u00e4ch unter vier Augen funktioniert fast immer besser als eine Ansage vor Publikum\u00bb, sagt Dietrich. Ihr zufolge lohnt es sich au\u00dferdem, bei der Beobachtung zu bleiben, anstatt die eigene Interpretation anzubringen. So kommt etwa der Satz \u00abDas ist normalerweise eine Aufgabe auf X-Level\u00bb neutraler an als die Aussage \u00abDu erwartest zu viel von mir.\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Wann das Gespr\u00e4ch mit Vorgesetzten sinnvoll ist<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Besch\u00e4ftigte merken, dass sie dauerhaft Aufgaben \u00fcbernehmen, die au\u00dferhalb ihres Verantwortungsbereichs liegen, regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen gehen und gleichzeitig Schwierigkeiten oder Angst haben, das anzusprechen, lohnt sich Eva Elisa Schneider zufolge ein Gespr\u00e4ch mit Vorgesetzten.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abWarten Sie in diesen F\u00e4llen nicht, bis Sie v\u00f6llig ersch\u00f6pft sind\u00bb, sagt Schneider. Sie r\u00e4t stattdessen, im Gespr\u00e4ch konkrete Situationen zu schildern, wie etwa: \u00abIn den letzten vier Wochen habe ich dreimal Aufgaben \u00fcbernommen, die urspr\u00fcnglich nicht meine waren.\u00bb Genau diese pr\u00e4zisen Angaben geben dem Gespr\u00e4ch eine sachliche Grundlage und nehmen dem Betroffenen den Druck, sich rechtfertigen zu m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa\/tmn) &#8211; Die To-do-Liste ist \u00fcbervoll, die absolute Ersch\u00f6pfung steht kurz bevor, doch trotzdem wird die n\u00e4chste&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1138993,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,1140,17021,296,1937,630,2632,4941,29,30,1710,3930,1940,239656,1938,13353,6069,20900,170113],"class_list":["post-1138992","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","tag-aktuelle-news-aus-berlin","tag-arbeit","tag-aufgaben","tag-berlin","tag-berlin-news","tag-beruf","tag-brcmj","tag-cjab","tag-deutschland","tag-germany","tag-karriere","tag-kommunikation","tag-nachrichten-aus-berlin","tag-nein-sagen","tag-news-aus-berlin","tag-psychologie","tag-stress","tag-tmn0305","tag-ueberforderung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116854004534908861","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1138992","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1138992"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1138992\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1138993"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1138992"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1138992"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1138992"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}