{"id":1139249,"date":"2026-07-03T06:20:18","date_gmt":"2026-07-03T06:20:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1139249\/"},"modified":"2026-07-03T06:20:18","modified_gmt":"2026-07-03T06:20:18","slug":"wenn-windraeder-sichtbar-werden-warum-sinkt-dann-oft-die-unterstuetzung-der-bevoelkerung-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1139249\/","title":{"rendered":"Wenn Windr\u00e4der sichtbar werden: Warum sinkt dann oft die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung? \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/research\/2026\/07\/when-wind-turbines-become-visible-why-does-public-support-often-wane-662884\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein zentraler Baustein der Klimapolitik. Obwohl Windenergie grunds\u00e4tzlich breite Zustimmung genie\u00dft, erleben Menschen in der N\u00e4he von Windenergieanlagen die Folgen der Energiewende unmittelbar. Eine neue Studie von Forschenden der Universit\u00e4t Leipzig zeigt nun, dass die Sichtbarkeit von Windr\u00e4dern unter bestimmten Umst\u00e4nden die Unterst\u00fctzung f\u00fcr erneuerbare Energien verringern kann.<\/p>\n<p>Wie man das herausbekommt? Die im \u201eJournal of Environmental Economics and Management\u201c ver\u00f6ffentlichte Studie untersucht, wie sich sichtbare Windr\u00e4der zwischen 1998 und 2021 auf das Wahlverhalten in Deutschland auswirkten.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/afc0a44bf4c441d99a5b6e80caa1fe1a.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2026\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/forschung\/2026\/07\/1\"\/><\/p>\n<p>Daf\u00fcr kombinierten die Forschenden Daten zu mehr als 28.000 Windr\u00e4dern mit hochaufl\u00f6senden Geodaten, digitalen Oberfl\u00e4chenmodellen, satellitenbasierten Siedlungskarten und kommunalen Wahlergebnissen. Auf dieser Grundlage berechneten sie, ob Windr\u00e4der von Wohngebieten aus sichtbar waren, und verfolgten, wie sich die politische Unterst\u00fctzung ver\u00e4nderte, nachdem Gemeinden erstmals visuell exponiert waren.<\/p>\n<p>Ist es der Anblick oder die versch\u00e4rfte Debatte?<\/p>\n<p>\u201eUnsere Ergebnisse legen nahe, dass die visuelle Wahrnehmung von Windenergieanlagen die Einstellungen zur Energiewende beeinflussen kann\u201c, sagt Vincent F. Stegmaier, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Leipzig, der die Analyse durchgef\u00fchrt hat. \u201eDabei zeigt sich insbesondere, dass dieser Zusammenhang im Zeitverlauf st\u00e4rker geworden ist \u2013 parallel zu einer zunehmenden Polarisierung der \u00f6ffentlichen Debatten \u00fcber Windenergie und einer wachsenden Bedeutung von Landschaftsbild und Naturr\u00e4umen.\u201c<\/p>\n<p>Ein besonderes Merkmal der Studie ist, dass sie Gemeinden untersucht, die Windr\u00e4der in benachbarten Gemeinden sehen k\u00f6nnen, und diese mit geografisch nahe gelegenen Kontrollgemeinden vergleicht. Dadurch k\u00f6nnen die Forschenden den Effekt der Sichtbarkeit von anderen Faktoren trennen, die mit dem Betrieb von Windenergieanlagen verbunden sind, etwa zus\u00e4tzlichen Steuereinnahmen, Beteiligungsm\u00f6glichkeiten im Planungsprozess oder wirtschaftlichen Vorteilen vor Ort.<\/p>\n<p>Effekte in l\u00e4ndlichen Regionen und bei organisiertem Widerstand besonders ausgepr\u00e4gt<\/p>\n<p>Die Analyse zeigt, dass sichtbare Windenergieanlagen in den fr\u00fchen Phasen der deutschen Energiewende nicht zu einem messbaren R\u00fcckgang der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Parteien f\u00fchrten, die den Ausbau erneuerbarer Energien bef\u00fcrworten. In den j\u00fcngeren Untersuchungszeitr\u00e4umen gingen die Stimmenanteile solcher Parteien jedoch deutlich zur\u00fcck, wenn Windenergieanlagen erstmals in Gemeinden sichtbar sind.<\/p>\n<p>Besonders ausgepr\u00e4gt waren diese Effekte in l\u00e4ndlichen Regionen sowie in Gebieten mit organisiertem Widerstand gegen Windenergieprojekte. Gleichzeitig fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass finanzielle Beteiligungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr B\u00fcrger\/-innen sowie wirtschaftliche Vorteile vor Ort negative Reaktionen zumindest teilweise abmildern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Menschen erneuerbare Energien grunds\u00e4tzlich ablehnen\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Melanie Krause, die die Studie gemeinsam mit Stegmaier verfasst hat. \u201eVielmehr unterstreichen sie die Bedeutung von Fairnesswahrnehmungen. Menschen reagieren eher negativ, wenn sie die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf das Landschaftsbild erleben, ohne gleichzeitig von den damit verbundenen Vorteilen zu profitieren oder Einfluss auf Standortentscheidungen zu haben.\u201c<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Forschenden verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Gestaltung der Energiewende nicht nur nationale Klimaziele ber\u00fccksichtigen sollte, sondern auch lokale Wahrnehmungen und die Verteilung von Kosten und Nutzen.<\/p>\n<p>\u201eDer Erfolg der Energiewende h\u00e4ngt davon ab, dass die gesellschaftliche Unterst\u00fctzung erhalten bleibt\u201c, sagt Stegmaier. \u201eMa\u00dfnahmen, die die lokale Beteiligung st\u00e4rken und die Vorteile der Windenergie breiter verteilen, k\u00f6nnen dazu beitragen, ambitionierte Klimaziele mit den Sorgen vieler Menschen um Ver\u00e4nderungen ihres Landschaftsbildes in Einklang zu bringen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Originaltitel<\/strong> der Publikation im Journal of Environmental Economics and Management:<br \/><a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0095069626001063?via%3Dihub\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eHeadwind in sight? Wind turbine visibility spillovers and support for renewable energy policy<\/a>\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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