{"id":1144484,"date":"2026-07-05T11:26:35","date_gmt":"2026-07-05T11:26:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1144484\/"},"modified":"2026-07-05T11:26:35","modified_gmt":"2026-07-05T11:26:35","slug":"der-stadtrat-tagte-ohne-fachgutachten-kann-der-stadtrat-ueberhaupt-nicht-zum-capa-waeldchen-entscheiden-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1144484\/","title":{"rendered":"Der Stadtrat tagte: Ohne Fachgutachten kann der Stadtrat \u00fcberhaupt nicht zum Capa-W\u00e4ldchen entscheiden \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Wer hat eigentlich die Stadt in eine derartige Zwickm\u00fchle operiert, dass auf einmal nicht nur in der \u00d6ffentlichkeit heftig dar\u00fcber debattiert wird, ob das in den letzten 30 Jahren an der Capastra\u00dfe gewachsene W\u00e4ldchen gerodet werden darf, damit RB Leipzig neue Trainingsfl\u00e4chen bekommt? Eine Frage, die v\u00f6llig offen ist. Genauso wie die Frage, ob das W\u00e4ldchen \u00fcberhaupt gerodet werden darf. In der Ratsversammlung am 1. Juli gab es gleich drei Einwohneranfragen zu diesem Vorgang.<\/p>\n<p>Sie kamen haupts\u00e4chlich aus den Leipziger Naturschutzverb\u00e4nden, <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/06\/bedrohtes-capa-waeldchen-ueber-2-000-demonstrierten-am-donnerstagabend-gegen-den-verkauf-an-rb-leipzig-662004\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die ja am 25. Juni schon zu einem erfolgreichen Protest am Kleinmessegel\u00e4nde aufgerufen hatten<\/a>. Aber endg\u00fcltige Klarheiten brachten auch die Antworten aus dem Wirtschaftsdezernat nicht, zu dem das Liegenschaftsamt geh\u00f6rt, das ja den Grundsatzbeschluss zum m\u00f6glichen Verkauf des Capa-W\u00e4ldchens an RB Leipzig formuliert hatte.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/8ee28353ec3240039ab6d9faae4065c3.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/07\/1\"\/><\/p>\n<p>Ein Grundsatzbeschluss, den der Stadtrat \u00fcberhaupt noch nicht fassen kann. Das war schon in diversen Ausschusssitzungen des Stadtrats Thema, weshalb OBM Burkhard Jung die Vorlage von der Tagesordnung des Stadtrates am 1. Juli genommen hat. Jetzt wird sie m\u00f6glicherweise erst in der September- oder Oktobersitzung zum Aufruf kommen. Denn eins war nach der heftigen Kritik deutlich: Ohne Gutachten zu Artenschutz, L\u00e4rmschutz, Klimawirkung, Kompensationsm\u00f6glichkeiten usw. kann der Stadtrat \u00fcberhaupt keine Entscheidung treffen, was den Verzicht auf das W\u00e4ldchen betrifft.<\/p>\n<p>27 Standorte f\u00fcr die Kleinmesse wurden gepr\u00fcft<\/p>\n<p>Dass die Vorlage so flott ins Verfahren kam, hat einen Grund in der vom Liegenschaftsamt erfolgten Pr\u00fcfung f\u00fcr einen alternativen Kleinmesse-Standort im Stadtgebiet. 27 Standorte wurden gepr\u00fcft, zwei kamen in die engere Auswahl, weil sie verf\u00fcgbar sind und gro\u00df genug. In beiden F\u00e4llen aber sorgte ein L\u00e4rmschutzgutachten daf\u00fcr, dass die Stadt auch diese beiden Alternativen aus dem Rennen nahm, wie Wirtschaftsb\u00fcrgermeister Clemens Sch\u00fclke am 1. Juli erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Die komplette Liste mit den Pr\u00fcfkriterien soll den Ratsmitgliedern vorliegen. Ob damit wirklich alle Alternativstandorte vom Tisch sind, ist offen. Die SPD-Fraktion h\u00e4lt eine Kleinmesse auf dem Alten Messegel\u00e4nde sehr wohl f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-663007\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Stadtrat-Beigeordneter-Heiko_Rosenthal-Linke-00007537.jpg\" alt=\"\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/>Heiko Rosenthal (Die Linke), Beigeordneter f\u00fcr Umwelt, Ordnung, Sport und Klima, im Leipziger Stadtrat am 01.07.2026. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Aus Sicht des Wirtschaftsdezernats steht jetzt aber der Verkauf des Capa-W\u00e4ldchens auf der Tagesordnung. Nur: Das verst\u00f6\u00dft so massiv gegen Artenschutz und Gr\u00fcnerhalt in der Stadt, dass f\u00fcr die Naturschutzverb\u00e4nde am 1. Juli J\u00fcrgen Kasek und Elke Thiess etwas genauer nachfragten. Auch wenn die Antworten von Umweltb\u00fcrgermeister Heiko Rosenthal und Clemens Sch\u00fclke weiterhin ausweichend waren. Dass die Vorlage zum Verkauf tats\u00e4chlich mehr ist als nur eine Interessensbekundung, das best\u00e4tigte hingegen OBM Burkhard Jung: Es sei eine grunds\u00e4tzliche Richtungsentscheidung, sagte er. Was nun einmal hei\u00dft: Die Stadt will den Stadtrat dazu bringen, zu beschlie\u00dfen, dass die Fl\u00e4che mit dem W\u00e4ldchen an RB Leipzig verkauft wird.<\/p>\n<p>Fehlende Gutachten<\/p>\n<p>Und das, ohne dass auch nur ein einziges Gutachten zum Wert des W\u00e4ldchens vorliegt. Das \u201ePech\u201c des W\u00e4ldchens ist: Es liegt au\u00dferhalb des Landschaftsschutzgebietes. Die Stadt hat hier also \u2013 so sieht es Heiko Rosenthal \u2013 zumindest Spielraum, einen Antrag auf Waldumwandlung zu stellen. Ein Euphemismus f\u00fcr die Rodung des W\u00e4ldchens. Aber die Entscheidung, ob das W\u00e4ldchen \u201eumgewandelt\u201c werden darf, liegt bei der oberen s\u00e4chsischen Waldbeh\u00f6rde, dem Sachsenforst.<\/p>\n<p>In <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2030965&amp;refresh=false\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einer der Antworten auf die Einwohneranfragen<\/a> klingt das so: \u201eDie Kompensation der Waldumwandlung kann dabei aufgrund fehlender Fl\u00e4chenpotentiale nicht unmittelbar am Ort des Eingriffsgeschehens erfolgen, sondern muss auf Potentialfl\u00e4chen im Stadtgebiet gelenkt werden. Ferner entscheidet die Obere Forstbeh\u00f6rde beim Staatsbetrieb Sachsenforst \u00fcber Art, Umfang und zul\u00e4ssige r\u00e4umliche Distanz des Waldausgleiches zur verlustigen Waldfl\u00e4che. Ausgleichsfl\u00e4chen f\u00fcr die K\u00fchl- und \u00d6kosystemleistungen des Waldes w\u00fcrden vorrangig in Leipzig gesucht.\u201c<\/p>\n<p>Nur kann auch Sachsenforst nichts entscheiden, wenn Leipzig nicht einmal die n\u00f6tigen Gutachten in Auftrag gegeben hat. Das sollte erst im Bauleitverfahren passieren, nachdem der Stadtrat \u00fcber den Verkauf entschieden hat. Ein Unding. Das hat selbst OBM Burkhard Jung eingesehen.<\/p>\n<p>Die Gutachten d\u00fcrften es in sich haben. Denn das Wirtschaftsdezernat stellt selber fest: \u201eArtenschutzrechtliche Probleme k\u00f6nnen bereits im Bauleitplanverfahren vermieden werden. Daf\u00fcr m\u00fcssen fr\u00fchzeitig ausreichende Ausgleichsma\u00dfnahmen festgelegt werden. Diese Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen vor Beginn des Eingriffs umgesetzt sein und dauerhaft wirken. Ziel ist, dass die \u00f6kologische Funktion der betroffenen Lebensst\u00e4tten erhalten bleibt. Das bedeutet: Tiere oder Pflanzen d\u00fcrfen durch die Planung ihre notwendigen Lebensr\u00e4ume nicht verlieren, ohne dass rechtzeitig geeigneter Ersatz geschaffen wird.\u201c<\/p>\n<p>Ausgleich in der N\u00e4he gar nicht m\u00f6glich<\/p>\n<p>Aber gleichzeitig stellt die Stadt fest, dass es gerade in r\u00e4umlicher N\u00e4he keine Ausgleichsfl\u00e4chen gibt. Und auch anderswo im Stadtgebiet wird man schwerlich den Platz f\u00fcr ein auch nur \u00e4hnlich gro\u00dfes W\u00e4ldchen finden. Und eigentlich muss sogar viel mehr kompensiert werden, wie man in einer der Antworten liest: \u201eSollte \u2013 wie im vorliegenden Fall \u2013 eine bereits hergestellte Kompensationsfl\u00e4che in eine andere Nutzung \u00fcberf\u00fchrt werden, ist die Kompensationsleistung an anderer Stelle wieder zu erbringen \u2013 zus\u00e4tzlich zu dem weiterhin anfallenden Ausgleichserfordernis. Grunds\u00e4tzlich ist eine (bauliche oder andersartige) Inanspruchnahme von umgesetzten Kompensationsfl\u00e4chen zu vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Dabei scheut die Verwaltung nicht einmal davor zur\u00fcck, dem Stadtrat den Schwarzen Peter zuzuschieben, wie man\u00a0<a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2031023&amp;refresh=false\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der dritten Antwort auf eine Einwohneranfrage<\/a> entnehmen kann: \u201eDie in der Frage benannten Sachverhalte stehen in einem Zielkonflikt zueinander. Auch die Sportstadt Leipzig und der Erhalt der Kleinmesse sind Forderungen, die der Stadtrat politisch gesetzt hat. Da der Stadtrat diese Ziele definiert hat, kann auch nur er sie aufl\u00f6sen. Die Verwaltung kann Handlungsoptionen aufzeigen, immer verbunden mit dem Bewusstsein, dass nicht alle Ziele vollst\u00e4ndig gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen, jedenfalls nicht am selben Standort. Sollte der Stadtrat signalisieren, in Verhandlungen \u00fcberhaupt einzutreten, wird die Stadtverwaltung sich darum bem\u00fchen, die kommunalen Ziel soweit als m\u00f6glich zu erreichen, etwa durch Kompensation von Eingriffen in den Wald, die Versiegelung, den Artenschutz. Wesentliche dieser Kompensationselemente sind ohnehin gesetzlich vorgegeben und unterliegen nicht der Gestaltungsmacht der Kommune (Waldausgleich, Artenschutz).\u201c<\/p>\n<p>Schwarzer Peter f\u00fcr den Stadtrat<\/p>\n<p>Dass der Stadtrat im Grunde vor eine unl\u00f6sbare Entscheidung gestellt wird, wird noch deutlicher, wenn das Wirtschaftsdezernat schreibt: \u201eErst im Rahmen zeit-, kosten- und personalintensiver Pr\u00fcfungen wird sich im Rahmen eines Bauleitverfahrens herausstellen, ob der Standort tats\u00e4chlich wie geplant genutzt werden kann. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen noch Vertragsinhalte mit RB verhandelt werden (s. Punkt 8 der Vorlage). Somit wird der Stadtrat noch mindestens drei Mal mit diesem Thema befasst sein.<\/p>\n<p>Die Vorlage leitet diesen Pr\u00fcfungsprozess ein, entscheidet ihn aber nicht abschlie\u00dfend. Dies ist schon aus Rechtsgr\u00fcnden ausgeschlossen. Die Beantwortung der Fragen nach Ort und Umfang von Ausgleichs- und Kompensationsma\u00dfnahmen sind wesentlicher Bestandteil anstehender Pr\u00fcfungen.<\/p>\n<p>Der Vorschlag ist auch nicht alternativlos. Aber auch eine Ablehnung hat Folgen: in diesem Fall h\u00f6chstwahrscheinlich die Einstellung oder starken Begrenzung der Kleinmesse. Das ist eine politische Grundsatzentscheidung, die der gew\u00e4hlte Stadtrat treffen kann und muss.\u201c<\/p>\n<p>Das klingt dann schon nach: \u201eWenn der Stadtrat dem Verkauf nicht zustimmt, ist die Kleinmesse Geschichte.\u201c<\/p>\n<p>Zumindest der Vorsitzende der Gr\u00fcnen-Fraktion Tobias Peter hat da wohl die berechtigte Ahnung, dass diese Diskussion im Stadtrat noch heftig wird. Das Gepl\u00e4nkel am 1. Juli war nur ein Vorgeschmack.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer hat eigentlich die Stadt in eine derartige Zwickm\u00fchle operiert, dass auf einmal nicht nur in der \u00d6ffentlichkeit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1144485,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[168150,109880,3364,29,30,20969,71,1655,859,1108],"class_list":["post-1144484","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-biotopverbund","tag-capastrasse","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-kleinmesse","tag-leipzig","tag-rb-leipzig","tag-sachsen","tag-stadtrat"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116867130433426511","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1144484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1144484"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1144484\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1144485"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1144484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1144484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1144484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}