{"id":1144692,"date":"2026-07-05T13:24:20","date_gmt":"2026-07-05T13:24:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1144692\/"},"modified":"2026-07-05T13:24:20","modified_gmt":"2026-07-05T13:24:20","slug":"statt-auf-oel-setzt-brasilien-auf-alkohol-im-strassenverkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1144692\/","title":{"rendered":"Statt auf \u00d6l setzt Brasilien auf Alkohol im Stra\u00dfenverkehr"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/tankstelle-brasilien-100.jpg\" alt=\"Eine Tankstelle in Sao Paolo, Brasilien.\" title=\"Eine Tankstelle in Sao Paolo, Brasilien. | AP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 05.07.2026 \u2022 14:05 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Wer in Brasilien tankt, bekommt inzwischen mehr als 30 Prozent Bioethanol im Benzin. Das macht Land unabh\u00e4ngiger von Preisschocks auf dem \u00d6lmarkt. Doch es gibt auch Kritik.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/anne-herrberg-109.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Anne Herrberg\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/anne-herrberg-110.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">C\u00e9lio Riffel steht neben den hochgewachsenen Maispflanzen und sch\u00e4lt zur Probe einen Kolben, das Korn leuchtet sonnengelb. &#8222;Vor etwa 20 Jahren war Maisanbau wenig rentabel&#8220;, sagt der deutschst\u00e4mmige Sojabauer, der hier, in Mato Grosso im Nordwesten Brasiliens, 900 Hektar Land bewirtschaftet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als er vor und 40 Jahren aus S\u00fcdbrasilien hierherzog, pflanzte er Mais nur als Zwischenernte auf den Sojaplantagen. Doch das tropische Klima, D\u00fcnger und die lange Regenzeit machen inzwischen mindestens zwei ernten im Jahr m\u00f6glich. Und die Kolben sind der Star auf seinen Plantagen. Hier w\u00e4chst die Zukunft Brasiliens, sagt Riffel. &#8222;Seit hier die ersten Ethanol-Fabriken gebaut wurde, hat sich unsere Realit\u00e4t komplett ge\u00e4ndert.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn hier wird Treibstoff geerntet. 100 Prozent von Riffels Maisernte geht inzwischen in die Produktion von Bioethanol. Und das mache Brasilien weniger anf\u00e4llig f\u00fcr geopolitische Spannungen und Preisschocks: &#8222;Ohne Ethanol w\u00e4re der Preisanstieg in Folge des Nahost-Krieges viel schlimmer gewesen&#8220;, sagt der Gro\u00df-Farmer und zeigt auf sein Feld. &#8222;Das hier ist eine gro\u00dfe Revolution: weniger Schadstoffemissionen und auch weniger Produktionskosten.&#8220;<\/p>\n<p>    Immer mehr Mais wird angebaut<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei der Verkehrswende setzt Brasilien zwar auch auf E-Mobilit\u00e4t, vor allem aber auf Alkohol. Das Ethanol-Programm wurde vom Milit\u00e4rregime nach dem \u00d6lschock in den 1970er-Jahren ins Leben gerufen. Das Ziel: die Abh\u00e4ngigkeit vom Import leichter Kraftstoffe zu reduzieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wurde Ethanol fr\u00fcher vor allem aus Zuckerrohr gewonnen, f\u00e4hrt Brasilien in den letzten Jahren die Produktion aus Mais hoch &#8211; auch, weil das Land zum drittgr\u00f6\u00dften Produzenten von Mais weltweit aufgestiegen ist. Damit nimmt die Ethanol-Produktion des Landes rasant zu.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute fahren alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mit einem Benzin-Ethanol-Gemisch. Der Anteil wurde kontinuierlich hochgeschraubt und liegt inzwischen bei mehr als 30 Prozent pro Liter. Sogenannte Flex-Autos k\u00f6nnen auch komplett auf Ethanol umstellen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dadurch m\u00fcsse Brasilien weniger Sprit importieren, sagt Bruno Maier, Nachhaltigkeitsdirektor der Inpasa-Gruppe, die in der Stadt Sinop die gr\u00f6\u00dfte Maisraffinerie der Welt betreibt: &#8222;Brasilien wird das Land mit dem h\u00f6chsten Ethanol-Anteil im Benzin sein und dadurch weniger abh\u00e4ngig von Treibstoff-Importen.&#8220; Angesichts der aktuellen Energieunsicherheit und Kriege sichere das Brasilien Unabh\u00e4ngigkeit &#8211; und sch\u00fctze es vor geopolitischen Handelskonflikten.<\/p>\n<p>    Ethanol auch im Diesel-Kraftstoff<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mais-Ethanol habe eine gro\u00dfe Zukunft, glaubt Maier. Nicht nur als Pkw-Kraftstoff &#8211; angestrebt sei es auch, ihn in Sektoren zu nutzen, in denen die Dekarbonisierung an ihre Grenzen sto\u00dfe: beispielsweise in der Luftfahrt, in der die Schifffahrt oder der Chemieindustrie. Auch Riffels Traktoren k\u00f6nnten in Zukunft mit Ethanol betankt werden, hofft Maier. Dazu wird aus &#8220; gewonnener Biodiesel zu 16 Prozent dem Diesel-Treibstoff beigesetzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zudem produziert die Fabrik ein Nebenprodukt bei der Mais-Ethanol-Herstellung: DDGS. Das steht f\u00fcr das sehr eiwei\u00dfreiche Tierfutter &#8222;Distiller\u2019s Dried Grains with Solubles&#8220;, das bisher in erster Linie von den USA exportiert wird. Brasilien hat nun erste Exporte nach China verschifft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kurz: Brasilien will seine Klimaziele mit Hilfe der einflussreichen Agrarwirtschaft erreichen. Das CTC, das weltweit gr\u00f6\u00dfte private Forschungszentrum f\u00fcr Zuckerrohr, behauptet sogar, dass ein mit reinem Ethanol betriebenes Auto &#8211; im Vergleich zu einem mit Benzin betankten &#8211; nur etwa die H\u00e4lfte an CO2 pro Kilometer aussto\u00dfe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Maier sagt: Es gebe einfach auch Regionen in einem so gro\u00dfen Land wie Brasilien, in dem der Ausbau einer funktionierenden Infrastruktur f\u00fcr E-Mobilit\u00e4t einfach unrealistisch sei.<\/p>\n<p>    Wird f\u00fcr Monokulturen noch mehr abgeholzt?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den Wissenschaftler und Ex-Sojabauer Antonio Andrioli von Brasiliens staatlicher Universit\u00e4t da Fronteira Sul, der sich heute mit nachhaltiger Landwirtschaft besch\u00e4ftigt, geht die Rechnung nicht auf. Wo Kraftstoff w\u00e4chst, wachsen keine Lebensmittel. Er vermeide daher bewusst die Verwendung der Begriffe &#8222;Bioethanol&#8220; oder &#8222;Bio-Diesel&#8220;. &#8222;Das impliziert einen biologischen Ursprung, das ist aber irref\u00fchrend&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zum einen bestehe das Risiko, dass f\u00fcr Monokultur noch mehr abgeholzt werde; zum anderen verdr\u00e4ngten Monokulturen die kleinb\u00e4uerliche Produktion, die am meisten Lebensmittel produziert. Das verst\u00e4rkte die ohnehin extreme Konzentration von Land auf wenige Gro\u00dfgrundbesitzer.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das ist ein Trugschluss&#8220;, sagt dagegen Riffel. &#8222;Der Gro\u00dfteil der Produktion findet auf Brachland oder fr\u00fcheren Weidefl\u00e4chen statt, also Fl\u00e4chen, die schon lange offen liegen.&#8220; Die Riffels kamen einst aus Brasiliens S\u00fcden nach Matto Grosso, damals stand hier \u00fcberall noch Urwald, sagt der Landwirt auf Hunsr\u00fcck-Deutsch. Seine Vorfahren sind vor 100 Jahren aus dem gleichnamigen Mittelgebirge nach Brasilien auswandert. Neben seinen 900 Hektar h\u00e4lt er eine gesetzliche vorgeschriebene Waldreserve.<\/p>\n<p>    Vom Landwirt zum Kraftstoff-Produzenten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich sei der Ruf Brasiliens dabei teils schlechter als die Realit\u00e4t, sagt auch Paulo Guedes, Energieexperte bei Instituto E + Transi\u00e7\u00e3o Energ\u00e9tica, einem Thinktank, der zur Energiewende forscht. &#8222;Brasilien hat das Potenzial, Biokraftstoffe nachhaltiger zu produzieren und so tats\u00e4chlich zur Emissionsminderung beizutragen.&#8220; Die Aufgabe sei, die Lieferkette transparenter und wirksamer zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Riffel hat derweil noch andere Pl\u00e4ne: selbst mitmischen statt nur die Rohstoffe liefern. Gemeinsam mit 36 weiteren Agrarunternehmern hat er in der N\u00e4he der Stadt Sinope nun in eine eigene Ethanol-Fabrik investiert &#8211; Zusch\u00fcsse gab es auch von Brasiliens Entwicklungsbank BNDES. Ab Juli startet die Produktion. In zehn Jahren, so hofft der Farmer, habe er die Investition von umgerechnet drei Millionen Euro wieder raus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 05.07.2026 \u2022 14:05 Uhr Wer in Brasilien tankt, bekommt inzwischen mehr als 30 Prozent Bioethanol im Benzin.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1144693,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[5697,134174,13,67050,4615,14,15,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":["post-1144692","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-brasilien","tag-ethanol","tag-headlines","tag-kraftstoff","tag-landwirtschaft","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-welt","tag-world"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116867595572669107","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1144692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1144692"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1144692\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1144693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1144692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1144692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1144692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}