{"id":1146088,"date":"2026-07-06T04:34:23","date_gmt":"2026-07-06T04:34:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1146088\/"},"modified":"2026-07-06T04:34:23","modified_gmt":"2026-07-06T04:34:23","slug":"erster-weltweiter-wasserstoffhaendler-was-von-der-gefeierten-hintco-ansiedlung-in-leipzig-geblieben-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1146088\/","title":{"rendered":"Erster weltweiter Wasserstoffh\u00e4ndler: Was von der gefeierten Hintco-Ansiedlung in Leipzig geblieben ist"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/gruener-wasserstoff-126.webp\" alt=\"&quot;H2 Gas&quot; steht auf einem Aufkleber an der Front eines LKW der mit Wasserstoff angetrieben wird. \" title=\"&quot;H2 Gas&quot; steht auf einem Aufkleber an der Front eines LKW der mit Wasserstoff angetrieben wird.  | picture alliance\/dpa | Julian Rettig\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Was wurde aus der Ansiedlung des Wasserstoffh\u00e4ndlers Hintco in Leipzig? (3 Min)<\/p>\n<p class=\"topline\">Erster weltweiter Wasserstoffh\u00e4ndler<\/p>\n<p>\n                Stand: 06.07.2026 05:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Als Sachsen 2021 die Ansiedlung von Hintco bekanntgab, war die Begeisterung gro\u00df: Der erste weltweite Wasserstoffh\u00e4ndler sollte nach Leipzig kommen. Die Wirtschaftsf\u00f6rderung des Freistaats sprach von einem &#8222;Ritterschlag f\u00fcr Sachsen&#8220;. Viel zu merken ist davon bisher allerdings nicht.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Ilka Wild, MDR AKTUELL<\/p>\n<p class=\"\"><a name=\"Leipzig\">Leipzig<\/a> sollte Sitz des weltweit ersten Wasserstoffh\u00e4ndlers werden. Die Hoffnung: neue Wertsch\u00f6pfung, neue Netzwerke und ein wichtiger Baustein f\u00fcr den Aufbau einer mitteldeutschen Wasserstoffwirtschaft. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter f\u00e4llt die Bilanz deutlich n\u00fcchterner aus: Hintco ist niemals in Leipzig angekommen.<\/p>\n<p>    Bislang keine Mitarbeiter in Leipzig<\/p>\n<p class=\"\">Unsere Recherche beginnt am Leipziger Markt. Dort soll sich der offizielle Firmensitz befinden \u2013 jedenfalls liest man das auf der Internetseite von Hintco. An der Adresse ist weder ein Firmenschild noch ein Briefkasten zu finden. Existiert die Firma vielleicht gar nicht? Auf der Webseite gibt es nur ein Kontaktformular.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Im Moment haben wir keine Mitarbeiter in Leipzig.<\/p>\n<p>                Timo Bollerhey, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Hintco<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Dank Internetsuche mit KI finden wir eine Telefonnummer in Hamburg. Die Frau, die sich dort meldet, ist einigerma\u00dfen \u00fcberrascht, als wir nach einem Ansprechpartner in Leipzig fragen. Sie verweist uns an den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Timo Bollerhey in Hamburg.<\/p>\n<p class=\"\">Als wir nach dem B\u00fcro und Mitarbeitern in Leipzig fragen, ist auch er erstaunt: &#8222;Im Moment haben wir keine Mitarbeiter in Leipzig, sondern wir haben die Ressourcen gerade noch hier in Hamburg konzentriert. Wir sind ja bei der Invest Region Leipzig, die uns in der Zwischenzeit unterst\u00fctzt, bis wir irgendwann, wenn die nachfrageseitigen Auktionen anfangen, gegebenenfalls auch eine Pr\u00e4senz in Leipzig haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Laut Webseite besch\u00e4ftigt Hintco derzeit zw\u00f6lf bis 13 Mitarbeiter. Sie arbeiten fast alle in Hamburg. Dort sitzt auch die H2Global-Stiftung, die die Eignerin von Hintco ist und mit finanzieller Unterst\u00fctzung vom Bund existiert. Hier gibt es F\u00f6rdermittel von etwa 3,5 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>    Ministerium: F\u00fcnf bis zehn Jahre bis zum Handel<\/p>\n<p class=\"\">Dass Leipzig bislang keine Arbeitspl\u00e4tze erhalten hat, ist aus Sicht von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bollerhey kein Bruch fr\u00fcherer Zusagen. &#8222;Es war nie angedacht oder avisiert, dass wir gro\u00dfartig Personal und Arbeitspl\u00e4tze schaffen werden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Damit entsteht jedoch ein bemerkenswerter Gegensatz zur \u00f6ffentlichen Darstellung der Ansiedlung im Jahr 2021. Damals war von einem wichtigen Baustein f\u00fcr den Wasserstoffstandort Sachsen die Rede. Heute zeigt sich: Die eigentliche Arbeit findet au\u00dferhalb Sachsens statt.<\/p>\n<p>    Ziel: Wasserstoffmarkt mit vorhander Kompetenz verkn\u00fcpfen<\/p>\n<p class=\"\">Warum wollte Sachsen Hintco \u00fcberhaupt unbedingt nach Leipzig holen? Aus dem s\u00e4chsischen Wirtschaftsministerium hei\u00dft es schriftlich, man habe gehofft, den Aufbau eines k\u00fcnftigen Wasserstoffmarktes eng mit vorhandener Handelskompetenz in Leipzig zu verkn\u00fcpfen. Gemeint ist die r\u00e4umliche N\u00e4he zur Leipziger Energieb\u00f6rse EEX.<\/p>\n<p class=\"\">Weiter schreibt das Ministerium: &#8222;Als die Bundesregierung im Jahr 2021 die F\u00f6rderung des H2Global-Konzepts ank\u00fcndigte, setzte sich der Freistaat daf\u00fcr ein, den damals noch zu gr\u00fcndenden Intermedi\u00e4r \u2013 Hintco \u2013 m\u00f6glichst nah an die Energieb\u00f6rse anzubinden. Wohl wissend, dass von der Ansiedlungsentscheidung bis zur Vertragsunterzeichnung mit potenziellen Lieferanten und dem Handel mit Wasserstoff und seinen Derivaten f\u00fcnf bis zehn Jahre ben\u00f6tigt werden. Nach aktuellen Angaben ist fr\u00fchestens 2027 mit der Belieferung der ersten Wasserstoffderivate zu rechnen. Die jeweiligen Auktionen von Hintco in Zusammenarbeit mit der EEX werden zeitlich angepasst starten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Zur Tatsache, dass Hintco bis heute weder ein B\u00fcro noch Arbeitskr\u00e4fte in Leipzig hat, will sich das Wirtschaftsmininisterium nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>    Experte: Erfolg erst bei Verankerung in der Region<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr den Leipziger Wirtschaftswissenschaftler R\u00fcdiger Wink von der Hochschule f\u00fcr Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) ist der <a name=\"Erfolg\">Erfolg<\/a> einer Ansiedlung aber davon abh\u00e4ngig, ob tats\u00e4chlich regionale Effekte entstehen.<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Von einer gegl\u00fcckten Ansiedlung spricht man eigentlich erst dann, wenn eine Verankerung in der Region gelingt und Verkn\u00fcpfungen mit Netzwerkpartnern entstehen&#8220;, sagt Wink. Dazu geh\u00f6rten Kooperationen mit Unternehmen, Hochschulen oder Zulieferern. Erst dadurch entstehe ein Mehrwert f\u00fcr die Region.<\/p>\n<p class=\"\">Ansonsten, so Wink, habe man schnell &#8222;Kathedralen in der W\u00fcste&#8220; \u2013 also Firmen, deren Mitarbeiter aus Zentralen geschickt werden, die pendeln und dann kaum ihren Lebensmittelpunkt in die Region verlegen. Oder eben Firmen, bei denen alles virtuell und remote abl\u00e4uft \u2013 all das erzeugt kaum oder \u00fcberhaupt keine Verankerung mit der Zielregion. Genau diese Verankerung ist bei Hintco nicht erkennbar.<\/p>\n<p>    Virtuelles Gesch\u00e4ft \u2013 kaum Auswirkungen f\u00fcr die Region<\/p>\n<p class=\"\">Wink kennt andere Beispiele, so etwa die Bundesagentur f\u00fcr Sprunginnovationen &#8222;Sprind&#8220;. Hier g\u00e4be es etwa einen Austausch mit Studierenden der HTWK. Sprind ist mit rund 20 Mitarbeitern in Leipzig vor Ort, obwohl die Agentur international arbeitet und auch da viele Mitarbeiter pendeln.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/gruener-wasserstoff-128.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/gruener-wasserstoff-128.webp\" alt=\"An der Energiezentrale \u201eEnerport\u201c im Duisburg Gateway Terminal ist eine Wasserstoffleitung gekennzeichnet. \" title=\"Wasserstoffhandel als virtuelles Gesch\u00e4ft | picture alliance\/dpa | Oliver Berg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Wasserstoffhandel als virtuelles Gesch\u00e4ft<\/p>\n<p class=\"\">Aus regional\u00f6konomischer Sicht sei der Wasserstoffhandel zun\u00e4chst ein weitgehend virtuelles Gesch\u00e4ft, erkl\u00e4rt Wink. Der Standort spiele daf\u00fcr nur eine untergeordnete Rolle. Deshalb k\u00f6nne daraus zun\u00e4chst auch kaum ein unmittelbarer Effekt f\u00fcr die Region entstehen.<\/p>\n<p>    Ansiedlung als Signal an Investoren<\/p>\n<p class=\"\">Warum also die gro\u00dfe politische Aufmerksamkeit f\u00fcr die Ansiedlung? Wirtschaftswissenschaftler Wink vermutet vor allem \u00d6ffentlichkeitswirksamkeit. Die Ansiedlung eines Wasserstoffh\u00e4ndlers sende ein Signal an potenzielle Investoren. Sie solle zeigen, dass sich in Mitteldeutschland etwas bewege und die Region beim Thema Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen wolle. &#8222;Das dient in erster Linie als Marketinginstrument&#8220;, sagt Wink.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Das dient in erster Linie als Marketing-Instrument.<\/p>\n<p>                R\u00fcdiger Wink, Wirtschaftswissenschaftler HTWK Leipzig<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\"><a name=\"Sachsen\">Sachsen<\/a> f\u00f6rderte die Ansiedlung. Zwar erhielt Hintco nach eigenen Angaben keine direkten Zusch\u00fcsse des Landes. Allerdings profitierte das Unternehmen von F\u00f6rderinstrumenten des Freistaats. Dazu geh\u00f6rten eine stille Beteiligung der Mittelst\u00e4ndischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen sowie B\u00fcrgschaften \u00fcber die B\u00fcrgschaftsbank Sachsen. Direkte Kosten entstehen dem Land daraus zun\u00e4chst nicht. Allerdings tr\u00e4gt Sachsen einen Teil des Risikos, falls die B\u00fcrgschaften in Anspruch genommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>    &#8222;Eine Adresse schafft noch keine Ansiedlung&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Ob die Ansiedlung f\u00fcr Sachsen den erhofften Nutzen gebracht hat, bleibt offen. Besonders bemerkenswert ist dabei eine Aussage der Wirtschaftsf\u00f6rderung Sachsen. Auf Anfrage von MDR AKTUELL erkl\u00e4rt sie, ihre Aufgabe sei mit der erfolgreichen Ansiedlung im Jahr 2021 im Wesentlichen abgeschlossen gewesen. Ob Unternehmen anschlie\u00dfend tats\u00e4chlich in der Region wachsen, Arbeitspl\u00e4tze schaffen oder sich dauerhaft verankern, werde nicht systematisch \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr Wirtschaftswissenschaftler Wink ist genau das der entscheidende Punkt: Nicht der Firmensitz allein sei ausschlaggebend, sondern die tats\u00e4chliche Wirkung vor Ort. Oder anders gesagt: Eine Adresse schafft noch keine Ansiedlung. Und schon gar nicht, wenn diese nicht mal genutzt werde. Das sei, so Wink, nicht mal eine &#8222;Kathedrale in der W\u00fcste&#8220;, sondern: &#8222;Gespensteransiedlungen oder sowas, weil das dann im Grunde rein virtuelle Erscheinungen sind.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">Von der einst gefeierten Ansiedlung des weltweit ersten Wasserstoffh\u00e4ndlers ist deshalb bislang vor allem eines geblieben: ein Eintrag im Handelsregister \u2013 und die Hoffnung, dass aus der symbolischen Pr\u00e4senz irgendwann doch noch ein realer Standort wird.<\/p>\n<p>                    So funktioniert der Wasserstoff-Handel<\/p>\n<p>Die Hintco GmbH ist Teil des F\u00f6rderprogramms H2Global, mit dem Deutschland den Markt f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff aufbauen will. Daf\u00fcr stehen rund 3,5 Milliarden Euro zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Hintco kauft gr\u00fcnen Wasserstoff oder Wasserstoffprodukte und verkauft sie in Europa weiter. Die Auktionen laufen \u00fcber elektronische Handelsplattformen, perspektivisch in Zusammenarbeit mit der Leipziger Energieb\u00f6rse EEX. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis \u00fcbernimmt zun\u00e4chst der Staat.<\/p>\n<p>Der gr\u00fcne Wasserstoff soll unter anderem aus L\u00e4ndern kommen, wo Wind- und Solarstrom besonders g\u00fcnstig sind. Per Schiff wird dann meist nicht reiner Wasserstoff, sondern Derivate wie gr\u00fcnes Ammoniak oder Methanol nach Europa transportiert und hier weiterverarbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Was wurde aus der Ansiedlung des Wasserstoffh\u00e4ndlers Hintco in Leipzig? 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