{"id":1146670,"date":"2026-07-06T10:09:34","date_gmt":"2026-07-06T10:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1146670\/"},"modified":"2026-07-06T10:09:34","modified_gmt":"2026-07-06T10:09:34","slug":"der-stadtrat-tagte-ein-letzter-appell-aus-leipzig-fuer-die-tunnelloesung-im-agra-park-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1146670\/","title":{"rendered":"Der Stadtrat tagte: Ein letzter Appell aus Leipzig f\u00fcr die Tunnell\u00f6sung im Agra-Park \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Sind alle Messen gesungen? Oder kann die Entscheidung der Landesregierung noch einmal umgesto\u00dfen werden, statt f\u00fcr die Agra-Br\u00fccke der B2 einen Ersatzneubau in den 100 Jahre alten Park zu stellen, einen Tunnel oder Trog zu bauen? Das war am 1. Juli in der Ratsversammlung Thema eines BSW-Antrags. Denn eine Anh\u00f6rung im Landtag scheint jetzt die L\u00f6sung f\u00fcr alle Probleme auf den Tisch gebracht zu haben: eine halbe Trogl\u00f6sung. Fast genauso billig wie der Br\u00fcckenneubau. Doch BSW-Stadtrat Eric Recke scheint da etwas v\u00f6llig anderes geh\u00f6rt zu haben als CDU-Stadtrat Andreas Nowak.<\/p>\n<p>Beide sind auch Landtagsabgeordnete. Und welche Variante eines Neubaus im Agra-Park umgesetzt wird, das entscheidet am Ende die Staatsregierung allein. Die sich in den letzten Monaten schon eine Menge Kritik gefallen lassen musste, weil sie ganz eindeutig viele Jahre vertr\u00f6delt hat, eine durchgeplante L\u00f6sung f\u00fcr die Agra-Querung vorzulegen. Denn hier geht es um Jahre. Die Debatte um die Frage Br\u00fccke, Trog oder Tunnel, ist nicht neu. Sie besch\u00e4ftigte auch schon 2010 den Leipziger Stadtrat, der sich damals f\u00fcr eine Tunnell\u00f6sung starkmachte. SPD-Stadtrat Marius Wittwer hat extra einen Beschluss von damals aus dem Archiv gekramt.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/4d1469c3429e4c2798013e182a0bfd1c.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/brennpunkt\/2026\/07\/1\"\/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-662776\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Stadtrat-Marius_Wittwer-SPD-00006994.jpg\" alt=\"\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/>Marius Wittwer (SPD) im Leipziger Stadtrat am 01.07.2026. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Denn dass die B2-Br\u00fccke dringend neu gebaut werden musste, war seit 2000 klar, als zum ersten Mal Spannungsriss-Korrosion an dem 1976 errichteten Bauwerk festgestellt wurde. Jener Tatbestand, der nun 2025 zur Entscheidung der Landesregierung f\u00fchrte, den schnellstm\u00f6glichen Abriss und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lasuv.sachsen.de\/agra-9134.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ersatzneubau der Br\u00fccke<\/a> zu planen. F\u00fcr Trog ode Br\u00fccke w\u00e4re nun keine Zeit mehr. Und auch kein Geld vorhanden.<\/p>\n<p>Was nat\u00fcrlich in der Debatte in der Ratsversammlung am 1. Juli die Frage akut machte, warum dann nicht in Zeiten geplant und gebaut wurde, als die Kommunen und der Freistaat noch Geld hatten? Warum ist da nichts passiert? Eine Frage, die auch OBM Burkhard Jung stellte, der die Debatte sehr pers\u00f6nlich nahm. Denn aus Leipzig lag seit damals die Forderung vor, dass statt einer Br\u00fccke, die das Landschaftsbild zerschneidet, ein Tunnel gebaut werden sollte. Adresse: Bund und Land. Denn Baulasttr\u00e4ger ist der Bund, weil \u00fcber die Br\u00fccke nun einmal eine Bundesstra\u00dfe f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bund im Tr\u00f6delmodus<\/p>\n<p>Und damals war zumindest klar, dass es der Bund und damit die diversen Bundesverkehrsminister waren, die eine solche Planung und Finanzierung f\u00fcr einen B2-Tunnel nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufnahmen. Verst\u00e4ndlich. Die Herren stammten allesamt aus der CSU, die dann doch lieber Bauprojekte in Bayern bevorzugte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-662783\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Stadtrat-OBM-Burkhard_Jung-SPD-00006917.jpg\" alt=\"\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/>Oberb\u00fcrgermeister Burkhard Jung (SPD) im Leipziger Stadtrat am 01.07.2026. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Aber Sachsen hat das Thema nicht wirklich ausgesessen, wie FDP-Stadtrat Sven Morlok in die Debatte warf, der von 2009 bis 2014 immerhin f\u00fcr die FDP s\u00e4chsischer Verkehrsminister war. Man habe damals auch die Trogvariante gepr\u00fcft. Das Hauptproblem, das sich damals schon heraussch\u00e4lte, so Morlok, war der Grundwasserstrom, in den sowohl der Tunnel als auch der Trog hineingebaut werden m\u00fcsste. Und das Problem ist auch aktuell nicht gel\u00f6st.<\/p>\n<p>In der j\u00fcngsten Landtagsanh\u00f6rung, die sowohl Eric Recke als auch Andreas Nowak miterlebten, konnte schlichtweg keiner der eingeladenen Experten wirklich beziffern, welche Mehrkosten entstehen, wenn man in den Grundwasserstrom hineinbaut. Und zwar langfristig, weil dann dauerhaft ein Wasserableitungssystem betrieben werden muss.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-662793\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Stadtrat-Sven_Morlok-Freie_Fraktion-FDP-00006748.jpg\" alt=\"\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/>Sven Morlok (Freie Fraktion\/ FDP) im Leipziger Stadtrat am 01.07.2026. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ingenieurtechnisch alles l\u00f6sbare Probleme. Nur tickt jetzt die Uhr. Denn die Korrosionssch\u00e4den an der Br\u00fccke sind inzwischen so umfangreich, dass eine schnelle L\u00f6sung gebaut werden muss. Und das ist nun einmal aus Sicht des Freistaats ein Ersatzneubau der Br\u00fccke, f\u00fcr den es keinen neuen Planungsprozess und keine Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung braucht.<\/p>\n<p>Was bei einer Trogl\u00f6sung, wie sie Eric Recke vorschlug, schon anders w\u00e4re, auch wenn Eric Recke meinte, das ergebe bestenfalls ein halbes Jahr Verzug. Nein, zwei Jahre, konterte Sven Morlok, der als ehemaliger Verkehrsminister durchaus wei\u00df, wie lange eine daf\u00fcr notwendige Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung tats\u00e4chlich dauert. Dazu kommt dann die deutlich l\u00e4ngere Bauzeit.<\/p>\n<p>Zusagen seit 2013<\/p>\n<p>Aber auch Burkhard Jung hat recht. Denn seit 2013 gibt es einen schriftlich festgehaltenen Deal zwischen Leipzig und dem Freistaat, dass f\u00fcr die B2 im Agra-Park eine Tunnell\u00f6sung geplant wird. Nicht gepr\u00fcft, sondern geplant. Und die Gelder daf\u00fcr sollten aus dem Verzicht auf die Planung einer Autobahn 72 kommen, die die damaligen Bundesverkehrsminister unbedingt bis ins Leipziger Stadtgebiet planen wollten. Und Leipzig habe sogar, so Jung, einen finanziellen Beitrag f\u00fcr den Tunnel in Aussicht gestellt. Damals hatte auch Leipzig noch finanzielle Spielr\u00e4ume.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-662813\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Stadtrat-Andreas_Nowak-CDU-00007287.jpg\" alt=\"\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/>Andreas Nowak (CDU) im Leipziger Stadtrat am 01.07.2026. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Das Dumme ist nur: Es passierte nichts. Die wertvollen Jahre, in denen der Tunnel h\u00e4tte geplant und gebaut werden k\u00f6nnen, vergingen. Und die Alarmmeldung aus dem Landesamt f\u00fcr Stra\u00dfenbau und Verkehr platzte mitten hinein in eine Zeit, in der der Freistaat nur noch mit Sparhaushalten \u00fcber die Runden kommt und Leipzig sogar tief in der Schuldenspirale steckt. 2025 musste auf einmal schnell gehandelt werden. Und m\u00f6glichst billig. Da war der Ersatzneubau im Grunde die einzig noch m\u00f6gliche L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Dass in der Landtagsanh\u00f6rung eine Art nicht so tief gelegter Trog auf einmal wie die Rettung erschien, ist nur zu verst\u00e4ndlich. Das Problem dabei brachte aber auch Sven Morlok auf den Punkt. Denn auch der Trog ragt ins Grundwasser. Es ist also fraglich, ob er so preiswert wie die Br\u00fccke wird. Und dazu kommt, was gerade Eric Recke so nicht sehen wollte: Der Trog zerschneidet den Park erst recht. Denn anders als bei der Br\u00fccke k\u00f6nnen ihn weder Menschen noch Tiere ebenerdig queren. Es br\u00e4uchte also mindestens noch eine Wildbr\u00fccke. Und gleichzeitig w\u00fcrde der Trog so weit aus der Erde ragen, dass er rechts und links den Blick in die Landschaft verhindert. Man h\u00e4tte also fast dieselben Effekte wie bei einer 1976 urspr\u00fcnglich geplanten vierspurigen ebenerdigen Autobahn. Vielleicht eine leichte L\u00e4rmd\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich br\u00e4uchte man auch noch Spazierg\u00e4ngerbr\u00fccken \u00fcber den Trog. Da streikt dann die Phantasie.<\/p>\n<p>Ein Signal f\u00fcr den Landtag<\/p>\n<p>Und so war die Zustimmung zum <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2029466&amp;refresh=false&amp;TOLFDNR=2202455\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Antrag der BSW-Fraktion<\/a>, wie auch Gr\u00fcnen-Stadtr\u00e4tin Kristina Weyh feststellte, vor allem ein Signal aus dem Leipziger Stadtrat, dass man mit der Br\u00fcckenl\u00f6sung nicht einverstanden ist. Der Antrag hatte es auch entsprechend als Appell formuliert: \u201eDer Leipziger Stadtrat appelliert an die S\u00e4chsische Staatsregierung, zeitnah eine teil\u00fcberdeckelte Trogl\u00f6sung sowie weitere Alternativen zum Neubau f\u00fcr die agra-Br\u00fccke zu pr\u00fcfen und sich bei der Bundesregierung f\u00fcr die Finanzierung einzusetzen. Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit der Wiederer\u00f6ffnung der Verkehrsverbindung durch den agra-Park m\u00fcssen im Vordergrund stehen, aber eine langfristig nachhaltige und in die Umwelt besser eingepasste L\u00f6sung schafft deutlich weniger Folgeprobleme.\u201c<\/p>\n<p>Der <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2030142&amp;refresh=false\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verwaltungsstandpunkt<\/a> listete dann \u00fcbrigens alle Daten auf, zu denen der Stadtrat Beschl\u00fcsse zur Tunnell\u00f6sung fasste und die Ministerien in Berlin und Dresden Zustimmung signalisierten. Und die letzte Erkl\u00e4rung dazu ist noch gar nicht so lange her: \u201e2021 bekr\u00e4ftigten Bund und Land \u00fcber eine gemeinsame Absichtserkl\u00e4rung, dass eine Tunnelvariante als Br\u00fcckenersatz w\u00fcnschenswert w\u00e4re. Allerdings erkl\u00e4rte der Bund bereits damals, dass entsprechende Mehrkosten gg\u00fc. der Br\u00fcckenvariante vom Freistaat Sachsen zu tragen w\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>Aber der Freistaat verfiel dann in Schweigen. Und im Jahr 2026 ist nun tats\u00e4chlich die Lage eine v\u00f6llig andere, wie der Verwaltungsstandpunkt feststellt: \u201eDaher muss im Gesamtzusammenhang auch zur Kenntnis genommen werden, dass die Finanzsituation des Freistaates Sachsen und der Stadt Leipzig sehr angespannt ist. Vor diesem Hintergrund sch\u00e4tzt die Stadtverwaltung es als unwahrscheinlich ein, dass der Freistaat Sachsen die von der Bundesseite nicht finanzierten Mehrkosten einer Trogl\u00f6sung im Weiteren \u00fcbernimmt.\u201c<\/p>\n<p>Aber eins jedenfalls hat die Debatte deutlich gemacht: Wie die durchaus gangbare Variante einer Tunnell\u00f6sung vor allem durch das Aussitzen in Berlin und Dresden letztlich verhindert wurde und so lange vertr\u00f6delt, bis die finanziellen Spielr\u00e4ume nicht mehr existierten.<\/p>\n<p>Aber einen Appell war das Thema schon wert, befand die Ratsmehrheit am 1. Juli und stimmte dem BSW-Antrag mit 30:25 Stimmen bei 6 Enthaltungen zu. Der Landtag will sich am 4. September noch einmal mit der B2-Br\u00fccke besch\u00e4ftigen. Ob es dann belastbare Bem\u00fchungen f\u00fcr jede Variante geben wird, ist v\u00f6llig offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sind alle Messen gesungen? 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