{"id":1146747,"date":"2026-07-06T10:52:16","date_gmt":"2026-07-06T10:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1146747\/"},"modified":"2026-07-06T10:52:16","modified_gmt":"2026-07-06T10:52:16","slug":"thema-depression-die-einfuehlsame-und-irgendwie-leichtfuessige-inszenierung-der-sohn-am-staatstheater-augsburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1146747\/","title":{"rendered":"Thema Depression: Die einf\u00fchlsame und irgendwie leichtf\u00fc\u00dfige Inszenierung \u201eDer Sohn\u201c am Staatstheater Augsburg"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    F\u00fcr die Elternschaft gibt es keinen F\u00fchrerschein, auch keine Garantie auf Gelingen.<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/guenzburg\/bedrohung-in-offingen-familienvater-erhaelt-bewaehrungsstrafe-nach-drohung-114644427\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\"> Manchmal sind die Beziehungen und dann auch die Kinder so verknotet<\/a>, dass niemand mehr herausfindet. Ein geschlossenes System, dessen Druck vor allem die Kinder zu Gefangenen ihres eigenen Karussells aus Gedanken und Gef\u00fchlen macht. Dies auf die B\u00fchne zu bringen, und Techno, Spa\u00df, Tanz und heitere Momente einzubauen, verlangt Offenheit beim Publikum, von den Darstellern Klimmz\u00fcge und vom Regisseur Fingerspitzengef\u00fchl.\n  <\/p>\n<p>            Die Inszenierung \u201eDer Sohn\u201c im Ofenhaus: Alles ist grau in grau<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    All das passiert bei \u201eDer Sohn\u201c im Ofenhaus. Schon der Moment des Betretens, des Vorbeidefilierens der Zuschauer an der B\u00fchne, an den Stuhlreihen bis zum eigenen Platz ist Einstimmung aufs St\u00fcck. Vorbei geht es an einem aufgebauten Rigips-Kubus, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/jugendbuch-martin-schaeubles-alle-farben-grau-wenn-jugendliche-keinen-ausweg-mehr-sehen-id68496096.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Grau in Grau an W\u00e4nden und am Boden<\/a>. In gut zwei Meter H\u00f6he ist ein Umlauf platziert, eine zweite B\u00fchne. Auf deren Kante sitzen ein junger und ein \u00e4lterer Mann. Grinsend schaukeln sie mit den F\u00fc\u00dfen, beobachten die Zuschauer. Ein gummizellenartiges Setting.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die beiden M\u00e4nner sind Vater Pierre (Thomas Prazak) und Sohn Nicolas (Jonathan Walz). Nicolas hat in Berlin einen Roman geschrieben, der im Sommer erscheint und den er seinem Vater gewidmet hat. \u201eOhne dich h\u00e4tte ich es nicht geschafft\u201c, sagt er, springt geschmeidig in die Tiefe, auf die untere B\u00fchne, der Vater folgt. Berlin gef\u00e4llt Nicolas, die Eltern sind getrennt, er wohnt bei seiner Mutter. Pierre besucht er ab und zu in Paris. Nach au\u00dfen eine gut gestellte, wenn auch geschiedene Familie.\n  <\/p>\n<p>            Die Mutter hat den Kontakt zu Nicolas verloren<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Doch Mutter Anne (Elif Esmen) ist am Ende. W\u00e4hrend der Sohn im unteren Viereck auf dem R\u00fccken liegt, sich verloren hin und her rollt, durch seine Finger L\u00f6cher in die Luft starrt, ruft sie: \u201eIch schaffe es nicht mehr.\u201c Der Direktor des Gymnasiums hat angerufen, der Sohn sei seit drei Monaten nicht mehr aufgetaucht und jetzt der Schule verwiesen. Sie hat es nicht bemerkt. Wie sie \u00fcberhaupt den Kontakt zu ihm verloren hat. Pierre, der eine neue Familie mit Sofia (Sofie Gross) gegr\u00fcndet hat, soll ihn aufnehmen. \u201eLass ihn nicht im Stich.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Pierre mit seinem t\u00fcrkis schimmernden Gesch\u00e4ftsanzug samt Hemd ein rundum erfolgreicher Mann, f\u00e4hrt seinen Sohn an. \u201eWarum?!\u201c Der liegt zusammengerollt in Embryohaltung auf dem grauen Boden der unteren B\u00fchne. \u201eWegen nichts, schei\u00df egal alles.\u201c In Zeitlupe dreht er sich auf den R\u00fccken, streicht mit den F\u00fc\u00dfen die Wand auf und ab. Als die Fragen zu viel werden, explodiert er, schmei\u00dft mit einem Ball um sich, dem einzigen Requisit in diesem leeren Setting.\n  <\/p>\n<p>            Das St\u00fcck \u201eDer Sohn\u201c thematisiert die Depression eines Scheidungskindes<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/gesundheit\/therapiestunden-ohne-ende-kann-eine-ki-bei-psychischen-problemen-helfen-114516576\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Kern seiner langen Depression<\/a> scheint die Trennung der Eltern zu sein. Die Narben vom Ritzen werden entdeckt. Er zieht zu seinem Vater, schw\u00e4nzt jedoch auch die neue Schule. Suizidversuch, Einweisung. Hier, im gelben, fahlen Licht, erkl\u00e4rt der Psychiater (Gerald Fiedler): Der Junge hat eine Depression, er muss in die Isolation, vor allem von den Eltern muss er ferngehalten werden, wenn es Heilung geben soll. Doch Nicolas schreit, verweigert sich, er werde bei all den Verr\u00fcckten hier noch verr\u00fcckt. Der Mann in Wei\u00df: \u201eEr braucht eine Therapie, Sie k\u00f6nnen ihm nicht helfen.\u201c Doch Pierre und Anne nehmen ihn mit. Nicolas verspricht \u00fcberschw\u00e4nglich Besserung. Zu Hause wacht er auf dem nackten Boden der unteren B\u00fchne auf, stemmt sich m\u00fchelos die zwei Meter zur oberen hinauf und schafft es, seine Eltern, die dort auf der Kante sitzen, zu einem gemeinsamen Kinobesuch zu \u00fcberreden. Alles wird gut. Doch dann erstarrt die Welt in einem Knall.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    David Ortmann hat dieses St\u00fcck des franz\u00f6sischen Autors Florian Zeller in eine graue Box gepackt. Gerade vor diesem Hintergrund kommt die Wucht der Darstellerinnen und Darsteller zur Geltung. Fast schon fiebrig ist die Energie, mit der sie sich gegenseitig anschreien, ersch\u00f6pft in sich zusammensinken, zur manischen Phase mit Techno-Musik und Disko-Geflacker wild tanzen. Zur dramaturgisch exzellent eingepassten Doppelstruktur der B\u00fchnen, deren H\u00f6henunterschied von Vater und Sohn im Wechsel per Klimmzug \u00fcberwunden wird, gesellt sich eine dritte Ebene. Kurze Szenen werden gleichzeitig als Videoprojektion in Schwarz-Wei\u00df an die Wand gespiegelt, unterstreichen den Abstand und die Einsamkeit, die zwischen den Familien-Figuren herrschen. Die emotionale Dichte, mit der das Ensemble dieses gesellschaftlich harte Thema tr\u00e4gt, macht die Inszenierung zu einem ber\u00fchrenden, politischen, trotz allem irgendwie auch leichtf\u00fc\u00dfigen Abend.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcr die Elternschaft gibt es keinen F\u00fchrerschein, auch keine Garantie auf Gelingen. 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