{"id":114698,"date":"2025-05-16T08:40:16","date_gmt":"2025-05-16T08:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/114698\/"},"modified":"2025-05-16T08:40:16","modified_gmt":"2025-05-16T08:40:16","slug":"warum-gerade-jetzt-faszination-dokumentarfilm-ein-interview-mit-daniel-sponsel-und-adele-kohout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/114698\/","title":{"rendered":"Warum gerade jetzt? Faszination Dokumentarfilm \u2013\u00a0ein Interview mit Daniel Sponsel und Adele Kohout"},"content":{"rendered":"<p><strong>MUCBOOK: Gerade langweilt man sich ja oft bei Hollywood-Filmen oder deutschen Serien, weil sie alle nach dem gleichen Muster aufgebaut und daher so vorhersehbar sind.<\/strong><\/p>\n<p><b>Daniel Sponsel:<\/b> Die gesamte Medienlandschaft ist in Sachen abendf\u00fcllende narrative Formate ein hart umk\u00e4mpfter Markt, mit zahlreichen Playern, die um unsere Aufmerksamkeit werben. Es gibt einfach sehr viel mehr, als wir sehen k\u00f6nnen, neben allen anderen Angeboten der Kultur, die ja auch interessant sind. Das f\u00fchrt dazu, dass die Themen, die Storys und die Besetzung f\u00fcr die Verschlagwortung in den Algorithmen funktionieren m\u00fcssen. Ich denke, das ist der Grund f\u00fcr die Entwicklung von Mustern, die sich verstetigen, so lange sie erfolgreich sind.\u00a0<\/p>\n<p>Ich setze mich gerne ins Kino oder auch vor den gro\u00dfen Fernseher und will in Interaktion mit dem, was da l\u00e4uft, treten. Interaktion hei\u00dft f\u00fcr mich, dass ich gefordert bin, eine Beziehung aufzubauen und nicht einfach nur etwas serviert bekomme. Ich bin nicht der Typ, der sich einfach nur gerne unterhalten l\u00e4sst. Genau das ist das Problem: Etliche Filme laufen eher nach Schema F ab, die Figuren sind vorhersehbar, die Dramaturgie ist absehbar \u2013 und das nimmt mir als Zuschauer die Spannung und das Interesse. Da fehlt f\u00fcr mich oft die Herausforderung, das \u00dcberraschungsmoment und die Vielschichtigkeit.<\/p>\n<p><strong>MUCBOOK: Stimmt, eigentlich muss der Spielfilm, damit er glaubw\u00fcrdig ist, viel vorhersehbarer sein.<\/strong><\/p>\n<p><b>Daniel Sponsel:<\/b> Das kann im Spielfilm aber auch gelingen. Ich habe vor zwei Wochen eine Veranstaltung moderiert, im Kino Europa. Da lief ein ungarischer Film, \u201eEine Erkl\u00e4rung f\u00fcr alles\u201c, der im letzten Sommer auf dem Filmfest M\u00fcnchen zu sehen war. Der war so genial gecastet und geschrieben, dass er fast dokumentarisch wirkte. Das ist auch ein Stil, das kann ich ja herstellen. Die Kamera immer auf der Hand, nah dran, so bewegt, dass es dokumentarisch wirkt, obwohl es nat\u00fcrlich alles inszeniert ist. Wenn das gelingt, dass die Figurenzeichnung so fragil ist, dann kann ein Spielfilm sogar mehr leisten, weil du Szenen bekommst, die du im Dokumentarfilm nicht bekommst. Du bekommst im Dokumentarfilm ja keine authentische Liebesszene. Wie soll die aussehen? Dass du da um ein turtelndes Paar rumturnst mit der Kamera und sagst, seid mal m\u00f6glichst authentisch, wenn ihr euch jetzt verliebt \u2013 das k\u00f6nnen die nicht, das ist schwierig, weil die Kamera dann st\u00f6rt.<\/p>\n<p><b>Adele Kohout: <\/b>F\u00fcr mich ist eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken des Dokumentarfilms, dass ich in Lebenswelten eintauchen kann, die mir nicht zug\u00e4nglich sind, die mir nicht nah sind \u2013 ob jetzt gleich nebenan oder in der weiten Welt \u2013, die bieten sich mir durch einen Dokumentarfilm an. Ich kann entscheiden, ob ich eintrete oder nicht, aber dieses Eintreten passiert eigentlich immer, wenn mich ein Film emotional ber\u00fchrt und erreicht. Es ist dieses unmittelbare Gef\u00fchl, f\u00fcr eine gewisse Zeit Teil einer anderen Realit\u00e4t zu werden, mit anderen Menschen, anderen Perspektiven, anderen Herausforderungen. Das ist f\u00fcr mich jedes Mal aufs Neue faszinierend und bereichernd. Und immer wieder sind diese Realit\u00e4ten, in die man eintaucht, extrem \u00fcberraschend. Es gibt immer wieder Einreichungen und Geschichten, wo wir selber sagen, das w\u00fcrde im Spielfilm niemand glauben. Da w\u00fcrde jeder sofort sagen, das entspricht nicht der Realit\u00e4t. Also, einen derartigen \u00dcberraschungsmoment gibt es so beim Spielfilm nicht.\u00a0<\/p>\n<p><strong>MUCBOOK: Dieses Jahr wurden f\u00fcr das DOK.fest 1.400 Filme eingereicht \u2013 so viel wie nie zuvor. Wie schafft ihr es, bei dieser Masse noch Spa\u00df am Dokumentarfilm zu haben?<\/strong><\/p>\n<p><b>Adele Kohout:<\/b> Wir sind ja zum Gl\u00fcck mehr Leute als nur wir zwei. Aber im Kern bleibt: starke oder pr\u00e4gende Filme erreichen dich trotzdem, sie erz\u00e4hlen dir von Ereignissen, Menschen, Themen, die dich emotional einbinden und gefangen nehmen. Das ist die St\u00e4rke.<\/p>\n<p><b>Daniel Sponsel:<\/b> Nat\u00fcrlich passiert das nicht bei jedem Film. Man merkt schnell, wenn jemand eine didaktische Absicht hat \u2013 das ist dann wie ein weniger unterhaltsames Sachbuch. Aber es gibt immer wieder Entdeckungen, bei denen man h\u00e4ngen bleibt und die einen komplett mitrei\u00dfen. Ich habe das beim diesj\u00e4hrigen Er\u00f6ffnungsfilm \u201eFriendly Fire\u201c erlebt: Ich wollte vor dem Schlafen nur kurz reinschauen, bin dann aber bis ein Uhr nachts komplett h\u00e4ngen geblieben, weil mich der Film so gepackt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"MUCBOOK: Gerade langweilt man sich ja oft bei Hollywood-Filmen oder deutschen Serien, weil sie alle nach dem gleichen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":114699,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,44449,44450,92,30,1268],"class_list":{"0":"post-114698","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-dok-fest","11":"tag-dok-fest-muenchen","12":"tag-film","13":"tag-germany","14":"tag-muenchen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114516618583123413","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114698","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=114698"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/114698\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/114699"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=114698"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=114698"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=114698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}