{"id":1147809,"date":"2026-07-06T21:14:16","date_gmt":"2026-07-06T21:14:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1147809\/"},"modified":"2026-07-06T21:14:16","modified_gmt":"2026-07-06T21:14:16","slug":"neuer-bericht-laesst-sich-die-eu-kommission-von-chemiekonzernen-beeinflussen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1147809\/","title":{"rendered":"Neuer Bericht: L\u00e4sst sich die EU-Kommission von Chemiekonzernen beeinflussen?"},"content":{"rendered":"<p>Die neue Allianz f\u00fcr kritische Chemikalien (Critical Chemicals Alliance, CCA) der Europ\u00e4ischen Union gilt offiziell als strategische Antwort auf Sorgen um die industrielle Widerstandsf\u00e4higkeit und Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas. Nach einem am Montag ver\u00f6ffentlichten Bericht einer Watchdog-Organisation hat sie sich jedoch zu einer Plattform f\u00fcr Unternehmen entwickelt, die weniger Regulierung und lockerere Umweltauflagen durchsetzen wollen.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die CCA startete im Januar 2026 mit R\u00fcckendeckung der Europ\u00e4ischen Kommission. Zu ihr geh\u00f6ren <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/04\/19\/eu-chemiekonzerne-china-deal-grossbritannien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chemieriesen<\/a> wie BASF, TotalEnergies und Avantium. Offiziell soll das B\u00fcndnis chemische Stoffe und Produktionsstandorte benennen, die f\u00fcr Europas Wirtschaft als &#8222;kritisch&#8220; gelten. Diese Einstufung k\u00f6nnte k\u00fcnftig Milliarden an \u00f6ffentlicher F\u00f6rderung und staatlichen Beihilfen erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Neue Recherchen des Corporate Europe Observatory (CEO) und des European Environmental Bureau (EEB) kommen zu dem Schluss, dass die Erz\u00e4hlung der EU \u00fcber Wettbewerbsf\u00e4higkeit in der Chemiebranche ma\u00dfgeblich von eben jener Industrie gepr\u00e4gt wird, die sie eigentlich kontrollieren soll.<\/p>\n<p>&#8222;Seit dem Start der Allianz ist klar, dass der Branchenverband European Chemical Industry Council (CEFIC) die Initiative steuert. Die Industrieabteilung der Kommission zeigt sich dabei unbeeindruckt von der Gefahr, dass der Prozess \u00fcberm\u00e4\u00dfig von Unternehmensinteressen gepr\u00e4gt wird\u201c, hei\u00dft es in dem CEO-EEB-Bericht.<\/p>\n<p>Zu den &#8222;kritischen Molek\u00fclen\u201c, die die CCA f\u00fcr \u00f6ffentliche Investitionen vorgemerkt hat, z\u00e4hlen das bekannte Karzinogen Benzol, das gef\u00e4hrliche Chlor, petrochemische Grundstoffe wie Ethylen und Propylen sowie Flusss\u00e4ure, die mit &#8222;Ewigkeitschemikalien\u201c wie<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/search?query=PFAS\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> PFAS<\/a> in Verbindung steht.<\/p>\n<p>Die neue 30-seitige Studie stellt die wiederkehrende Behauptung der Branche infrage, Europas Chemie sei wegen hoher Energiekosten und Konkurrenz aus China in einer existenziellen Krise. Die Autoren verweisen darauf, dass gro\u00dfe Chemiekonzerne in den vergangenen zehn Jahren Hunderte Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet haben. Ein gro\u00dfer Teil floss an Aktion\u00e4re, statt in die Modernisierung der Produktion.<\/p>\n<p>Hinzu kommen gro\u00dfz\u00fcgige kostenlose Zertifikate im EU-Emissionshandelssystem. Sie haben der Chemieindustrie bereits erhebliche \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung verschafft, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>Chemiekonzerne dominieren EU-Chemie-Allianz?<\/p>\n<p>Die Autoren erinnern daran, dass CEFIC eine Schl\u00fcsselrolle bei der Organisation der Antwerpener Erkl\u00e4rung im Februar spielte. Dort forderten Spitzenvertreter der Industrie in einem Appell &#8222;dringende und mutige&#8220; Ma\u00dfnahmen, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit energieintensiver Branchen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Unternehmen, die an der CCA teilnehmen, produzieren entweder Chemikalien, die als &#8222;kritisch&#8220; eingestuft werden, oder betreiben Standorte, die sp\u00e4ter Anspruch auf \u00f6ffentliche Finanzhilfen haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der Bericht hebt hervor, dass CEFIC-Vertreter den stellvertretenden Vorsitz in der Gruppe innehaben, die \u00fcber kritische Molek\u00fcle und Produktionsst\u00e4tten entscheidet. Zudem leiten sie die Arbeitsgruppe zu Handelsfragen.<\/p>\n<p>Insgesamt sprechen die Watchdog-Organisationen von einer &#8222;strukturellen Vereinnahmung durch Unternehmen&#8220; und nicht von normaler Lobbyarbeit. \u00d6ffentliche Gelder sollten nach ihrer Ansicht nur flie\u00dfen, wenn deutlich strengere Auflagen gelten und Interessenkonflikte gekl\u00e4rt sind.<\/p>\n<p>&#8222;Mein Eindruck \u2013 basierend auf der Art, wie CEFIC die Dinge pr\u00e4sentierte, und auf der Struktur des Lenkungsausschusses und der Arbeitsgruppen \u2013 war, dass es umfangreiche Vorarbeiten hinter den Kulissen gegeben haben muss, an denen sowohl die Generaldirektion GROW, also die Industrieabteilung der Kommission, als auch CEFIC beteiligt waren\u201c, sagte Tatiana Santos, Leiterin der Chemikalienpolitik beim EEB.<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr mich schien CEFIC das gesamte Verfahren zu steuern.\u201c<\/p>\n<p>CEFIC reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage von Euronews.<\/p>\n<p>Umweltbedenken bleiben au\u00dfen vor<\/p>\n<p>Die Kommission f\u00fchrt die CCA zwar offiziell an. Laut Bericht hat sie jedoch gro\u00dfe Teile der Agenda, der Governance und der fachlichen Arbeit faktisch an die Industrie delegiert. Deren Vertreter besetzen zentrale F\u00fchrungspositionen in Lenkungsgremien und Arbeitsgruppen, Umweltorganisationen bleiben bei den Entscheidungen weitgehend au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Nach Ansicht der Autoren fehlen deshalb zentrale Umweltpriorit\u00e4ten in der CCA. Statt \u00fcber den Abbau gef\u00e4hrlicher Chemikalien, weniger Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Rohstoffen und eine Reduzierung der Produktion von Petrochemikalien und Kunststoffen zu sprechen, drehen sich die Debatten vor allem darum, bestehende Kapazit\u00e4ten zu sichern, Investitionen zu f\u00f6rdern und Vorschriften aufzuweichen.<\/p>\n<p>Der Bericht warnt zudem, dass im Rahmen der CCA propagierte Klimama\u00dfnahmen wie bestimmte biobasierte L\u00f6sungen die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Energietr\u00e4gern verl\u00e4ngern k\u00f6nnten, statt eine echte Dekarbonisierung zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Politiker sollten nach Ansicht der Autoren nicht vorrangig danach fragen, welche Chemikalien \u00f6konomisch &#8222;kritisch&#8220; sind. Wichtiger sei, welche Stoffe gesellschaftlich unverzichtbar sind, also f\u00fcr Gesundheit, Sicherheit und zentrale \u00f6ffentliche Aufgaben sowie f\u00fcr direkte \u00f6ffentliche Investitionen.<\/p>\n<p>&#8222;Das Konzept der &#8218;Essentialit\u00e4t\u2018, der gesellschaftliche Wert von Chemikalien und die Verkn\u00fcpfung \u00f6ffentlicher Mittel mit der Entgiftung der Produktion stehen bei der Kommission nicht einmal auf dem Radar, geschweige denn im Mittelpunkt des CCA-Prozesses\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht.<\/p>\n<p>Die Kommission reagierte zun\u00e4chst nicht auf eine Nachfrage von Euronews.<\/p>\n<p>Das europ\u00e4isches Parlament und der Rat haben erst k\u00fcrzlich f\u00fcr eine Vereinfachung der Chemikalienvorschriften gestimmt. Umweltverb\u00e4nde kritisieren, dass damit notwendige Schutzma\u00dfnahmen geschw\u00e4cht werden und die neuen Regeln einseitig den W\u00fcnschen der Industrie und wirtschaftlichen Interessen entgegenkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die neue Allianz f\u00fcr kritische Chemikalien (Critical Chemicals Alliance, CCA) der Europ\u00e4ischen Union gilt offiziell als strategische Antwort&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1147810,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,14195,548,9864,663,9865,158,3934,3935,13,54,14,15,12,6470,41344],"class_list":["post-1147809","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-chemikalien","tag-eu","tag-eu-politik","tag-europa","tag-europaeische-kommission","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-headlines","tag-industrie","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-umweltverschmutzung","tag-wettbewerbsfaehigkeit"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116875104888647432","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1147809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1147809"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1147809\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1147810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1147809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1147809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1147809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}