{"id":1148248,"date":"2026-07-07T01:43:18","date_gmt":"2026-07-07T01:43:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1148248\/"},"modified":"2026-07-07T01:43:18","modified_gmt":"2026-07-07T01:43:18","slug":"deutschland-kuerzt-entwicklungsetat-um-600-millionen-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1148248\/","title":{"rendered":"Deutschland k\u00fcrzt Entwicklungsetat um 600 Millionen Euro"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bundesregierung will den Etat des Entwicklungsministeriums 2027 erneut senken. Nach dem vom Kabinett gebilligten Haushaltsentwurf soll das Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 9,469 Milliarden Euro ausgeben d\u00fcrfen. Das sind knapp 600 Millionen Euro weniger als im laufenden Jahr.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einschnitt erfolgt in einem Bundeshaushalt, der insgesamt deutlich w\u00e4chst. Der Entwurf sieht f\u00fcr 2027 Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro im Kernhaushalt vor. Das w\u00e4ren 30,9 Milliarden Euro mehr als 2026. Der Verteidigungshaushalt soll auf 109,7 Milliarden Euro steigen. Die Nettokreditaufnahme im Kernhaushalt wird mit 118,7 Milliarden Euro veranschlagt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bundesfinanzminister Lars Klingbeil <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Video\/2026\/2026-04-29-Bundeshaushalt-2027\/2026-04-29-eckwerte-haushaltsentwurf-2027.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">begr\u00fcndete<\/a> die K\u00fcrzungen am Montag in Berlin mit notwendigen Einsparungen. Es habe \u201eharte Entscheidungen\u201c gebraucht, um L\u00fccken im Haushalt zu schlie\u00dfen. Zugleich betonte er, Deutschland bleibe nach dem R\u00fcckzug der USA aus Teilen der internationalen Entwicklungsfinanzierung ein glaubw\u00fcrdiger Partner und wichtiger Unterst\u00fctzer der Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>Alabali Radovan verteidigt Priorisierung<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan sprach von \u201eschwierigen K\u00fcrzungen\u201c, stellte den Entwurf aber als Grundlage f\u00fcr eine st\u00e4rker fokussierte Entwicklungspolitik dar. Die Mittel sollten dort eingesetzt werden, \u201ewo sie den gr\u00f6\u00dften Unterschied machen\u201c, erkl\u00e4rte die SPD-Politikerin. Entwicklungszusammenarbeit sei zugleich eine Investition in Deutschlands Sicherheit, Wohlstand und Zukunft.<\/p>\n<p><img data-od-replaced- data-od-unknown-tag=\"\" data-od-xpath=\"\/HTML\/BODY\/DIV[@id='page']\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::MAIN]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[2][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[7][self::DIV]\/*[1][self::FIGURE]\/*[1][self::IMG]\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"713\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/5013208-1024x713-jpg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-25084 size-full\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ministerin verwies dabei auf globale Krisen, Konflikte und die Folgen des Klimawandels. Diese tr\u00e4fen Menschen im Globalen S\u00fcden oft zuerst, machten aber nicht an Grenzen halt. Als Beispiel nannte sie die Lage in der Stra\u00dfe von Hormus, die zeige, wie unmittelbar internationale Konflikte auch Deutschland betreffen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Deutschland verfehlt erneut das ODA-Ziel<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem niedrigeren BMZ-Etat setzt sich auch der Druck auf Deutschlands internationale Entwicklungsfinanzierung fort. <a href=\"https:\/\/fokus-afrika.de\/berlin-haelt-an-entwicklungszielen-fest-laesst-finanzierung-aber-offen\/\" type=\"post\" id=\"27301\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die deutsche ODA-Quote lag 2025 nach vorl\u00e4ufigen OECD-Berechnungen bei 0,56 Prozent des Bruttonationaleinkommens. <\/a>Damit verfehlte Deutschland erneut das international vereinbarte Ziel von 0,7 Prozent. Ohne Kosten f\u00fcr die Versorgung und Unterbringung von Gefl\u00fcchteten im Inland h\u00e4tte die Quote nach BMZ-Angaben nur 0,46 Prozent betragen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung ist Teil eines breiteren internationalen R\u00fcckgangs. Die OECD stellte im Juni fest, dass die \u00f6ffentliche Entwicklungsfinanzierung 2025 real um 23,3 Prozent sank. F\u00fcr 2026 erwartet sie einen weiteren R\u00fcckgang um 6,9 Prozent. Besonders betroffen seien die \u00e4rmsten L\u00e4nder und Subsahara-Afrika.<\/p>\n<p>Kritik aus Wissenschaft und Opposition <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Entwicklungs\u00f6konom Rainer Thiele vom Kiel Institut f\u00fcr Weltwirtschaft kritisierte die erneute K\u00fcrzung scharf. Deutschland spare damit nicht nur am Existenzminimum von Menschen in Partnerl\u00e4ndern, sondern auch an der eigenen Handlungsf\u00e4higkeit und Soft Power. Internationale Partnerschaften w\u00fcrden untergraben, w\u00e4hrend die Auswirkungen globaler Krisen auf Deutschland untersch\u00e4tzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch aus der Opposition kam deutliche Kritik. Die Linken-Abgeordnete Charlotte Neuh\u00e4user verwies auf Modellrechnungen, wonach internationale K\u00fcrzungen bei Entwicklung und humanit\u00e4rer Hilfe bis 2030 Millionen zus\u00e4tzliche Todesf\u00e4lle verursachen k\u00f6nnten. Eine in \u201eThe Lancet Global Health\u201c diskutierte Projektion nennt bei einem moderaten R\u00fcckgang der Hilfe 9,4 Millionen zus\u00e4tzliche Todesf\u00e4lle bis 2030, bei einem schweren K\u00fcrzungsszenario 22,6 Millionen.<\/p>\n<p>Weniger Mittel, h\u00f6here Erwartungen<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haushaltsentwurf versch\u00e4rft damit einen Zielkonflikt der deutschen Entwicklungspolitik. Die Bundesregierung will Entwicklungszusammenarbeit st\u00e4rker an strategischen Interessen ausrichten, Krisenpr\u00e4vention, Ern\u00e4hrungssicherheit, Klimaresilienz und wirtschaftliche Perspektiven f\u00f6rdern. Gleichzeitig sinken die verf\u00fcgbaren Mittel.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Afrika ist diese Entwicklung besonders relevant. Die OECD erwartet, dass bilaterale Hilfe f\u00fcr Subsahara-Afrika 2026 weiter zur\u00fcckgeht. Damit trifft der Sparkurs eine Region, in der Deutschland zugleich Stabilit\u00e4t, Energiepartnerschaften, Migrationskooperation, Gesundheitsvorsorge und wirtschaftliche Zusammenarbeit st\u00e4rken will. Der Entwurf f\u00fcr 2027 zeigt deshalb nicht nur eine haushaltspolitische Entscheidung, sondern auch eine au\u00dfenpolitische Priorit\u00e4tensetzung.<\/p>\n<p><img data-od-unknown-tag=\"\" data-od-xpath=\"\/HTML\/BODY\/DIV[@id='page']\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::MAIN]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[2][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[17][self::IMG]\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/d7ca3dc033384408adc578d60ad2bb32.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Bundesregierung will den Etat des Entwicklungsministeriums 2027 erneut senken. 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