{"id":1149578,"date":"2026-07-07T15:02:18","date_gmt":"2026-07-07T15:02:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1149578\/"},"modified":"2026-07-07T15:02:18","modified_gmt":"2026-07-07T15:02:18","slug":"ihre-geschichte-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1149578\/","title":{"rendered":"Ihre Geschichte \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Geschm\u00fcckt mit Lorbeerkr\u00e4nzen und in historischer Kleidung laufen neben einem Festwagen einige Frauen. Sie tun dies in der sogenannten historischen Abteilung des Aufzugs anl\u00e4sslich des 500. Gr\u00fcndungsjubil\u00e4ums der Leipziger Universit\u00e4t im Jahr 1909. Auf dem Wagen verk\u00f6rpern Schauspielerinnen die Musen und Athena \u2013 die Schutzpatronin der Wissenschaft. \u2013 Zu sehen ist die Fotografie in der aktuellen Ausstellung \u00bbAthena und ihre T\u00f6chter. Frauen in der Kunstsammlung der Universit\u00e4t Leipzig\u00ab. Interessant ist dabei, warum die lorbeerbekranzten Frauen \u2013 Studierende an der Universit\u00e4t, die seit 1906 offiziell Frauen zulie\u00df, nachdem diese seit 1873 Gasth\u00f6rerinnen bei Lehrveranstaltungen sein durften, wenn der jeweilige Dozent es erlaubte \u2013 damals in der \u00bbGeschichtsabteilung\u00ab aufliefen und nicht etwa f\u00fcr die Gegenwart, geschweige denn f\u00fcr die Zukunft standen.<\/p>\n<p>Dass der damals neu offiziell gew\u00e4hrleistete Hochschulzugang f\u00fcr Frauen keine Ver\u00e4nderung im Geschlechterverh\u00e4ltnis unter den Studierenden oder Lehrenden in den n\u00e4chsten Jahrzehnten zur Folge hatte, zeigt die Ausstellung sehr deutlich. Sie thematisiert die Rolle von Frauen an der Universit\u00e4t allerdings auf unterschiedlichen Ebenen.<\/p>\n<p>In sechs Kapiteln sind hier Frauen auf Leinw\u00e4nden \u2013 etwa als Sportlerinnen oder als Studierende, K\u00fcnstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Stifterinnen aus vergangenen Jahrhunderten wie auch gelehrte Frauen aus dem 17. Jahrhundert \u2013 und von Frauen produzierte Objekte, Frauen als Projektionsfl\u00e4che und schm\u00fcckendes Beiwerk an Geb\u00e4uden zu sehen. <\/p>\n<p>Insbesondere das Kapitel zu den Stifterinnen wie Rahel Amalia Auguste Trier (1731\u20131806), die ihren Garten und Geb\u00e4ude der Universit\u00e4t zur Einrichtung einer Hebammenschule schenkte, zeigt die Wirkungen bis in die Gegenwart \u2013 innerhalb der Universit\u00e4tsfrauenklinik existiert bis heute das Triersche Institut als Name. Die ausgestellten Objekte stammen aus der universit\u00e4ren Kunstsammlung, die mehr als 10.000 Objekte, darunter aber Werke von nur ungef\u00e4hr hundert K\u00fcnstlerinnen umfasst \u2013 wie von Philippine Wolf-Arndt (1849\u20131940) das \u00bbBildnis des Sinologen Prof. Dr. August Conrady\u00ab aus dem Jahr 1916 oder der gro\u00dfe und farbenfrohe Gobelin von Ursula Mattheuer-Neust\u00e4dt (1926\u20132021): \u00bbHommage \u00e0 Johannes R. Becher (Schritt der Jahrhundertmitte)\u00ab (1972\/73) entstand als Auftragsarbeit f\u00fcr den Neubau der Karl-Marx-Universit\u00e4t Leipzig. Die Gobelinweberin Hedwig Petzold ben\u00f6tigte in den Halleschen Werkst\u00e4tten f\u00fcr Webereierzeugnisse mehr als 2.500 Arbeitsstunden f\u00fcr dessen Herstellung. Mattheuer-Neust\u00e4dt selbst steht darauf fast zentral mit einem Pinsel in der Hand an einer Staffelei. Der K\u00fcnstlerin, die am 10. Juli vor hundert Jahren in Plauen geboren wurde, widmet \u2013 dies sei am Rande bemerkt, weil das Museum der bildenden K\u00fcnste im n\u00e4chsten Jahr lediglich ihrem Mann Wolfgang Mattheuer zum 100. Geburtstag eine Einzelschau zugesteht \u2013 das Deutsche Buch- und Schriftmuseum eine virtuelle Ausstellung, die ihre Biografie und Werke vorstellt, sowie die Stadtbibliothek ab dem 10. Juli die Ausstellung \u00bbEntdeckungen \u2013 Ursula Mattheuer-Neust\u00e4dt zum 100. Geburtstag\u00ab. Interessant im Ausstellungskontext w\u00e4re sicher auch gewesen, wo das Werk auf dem Campusgel\u00e4nde vor 1989 zu sehen war.<\/p>\n<p>Die H\u00e4ngung der Arbeiten von Elisabeth Voigt (1893\u20131977) und Lea Grundig (1906\u20131977) verweisen auf das gro\u00dfe Potenzial der Ausstellung f\u00fcr weitere und umfassendere Ausstellungen. Grundig fl\u00fcchtete als J\u00fcdin und Kommunistin aus Deutschland nach Pal\u00e4stina und kehrte 1948 zur\u00fcck. Voigt, die bis 1933 als Meistersch\u00fclerin bei K\u00e4the Kollwitz studierte, arbeitete danach freischaffend in Berlin, ehe sie 1945 in ihre Heimatstadt Leipzig zur\u00fcckkehrte und hier an der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst sowie an der Universit\u00e4t lehrte.<\/p>\n<p>Von Lea Grundig sind zwei Bl\u00e4tter aus dem Kaltnadelradierungs-Zyklus \u00bbDeutscher Bauernkrieg\u00ab (1956\/57) zu sehen. Daneben h\u00e4ngt das Gem\u00e4lde \u00bbFlakstellung bei Sta\u00dffurt\u00ab aus dem Jahr 1941 von Elisabeth Voigt, eine Auftragsarbeit f\u00fcrs Luftfahrtministerium, das \u00fcber eine nicht n\u00e4her datierte Schenkung in die Universit\u00e4tssammlung gelangte. Im Ausstellungstext steht zudem, dass die im Vordergrund zu sehende B\u00e4uerin mit Sense wahrscheinlich erst sp\u00e4ter einen vormals dort stehenden Wehrmachtssoldaten ersetzte. Aber nicht nur diese Konstellation zeigt, dass es noch vieles zur Universit\u00e4tsgeschichte und zur Kustodie zu entdecken gilt. Interessant w\u00e4re zum Beispiel, wann die Kunstwerke Eingang in die Sammlung fanden, wo sie wann und wie hingen.<\/p>\n<p>Aus einer Grafikmappe zu Leipziger Kunsthistorikern aus dem Jahr 1981 ist zum Beispiel Annette Peuker-Krispers Portr\u00e4t von Anneliese H\u00fcbscher (1932\u20132018) zu sehen, die an der HGB Kunstwissenschaften lehrte \u2013 wie auch Ulrich Hachullas Portr\u00e4t von Renate Hartleb (1939\u20132022), die am MdbK arbeitete, und Walter Libudas Portr\u00e4t von Ina Gille (*1946), die als freie Kunstwissenschaftlerin unter anderem die Galerie Nord leitete. Auch wenn Renate Hartleb als Mappenherausgeberin agierte, stellte diese mehrheitlich M\u00e4nner dar. Dieses Ungleichgewicht zeigt auch die Ausstellungsgeschichte der Kustodie in der aktuellen Schau am Beispiel der Galerie im H\u00f6rsaalbau: Dort wurde zwischen 1979 und 1989 genau eine Einzelausstellung einer K\u00fcnstlerin pr\u00e4sentiert: 1982 von Gabriele Meyer-Dennewitz (1922\u20132011), die von 1969 bis 1982 das Institut f\u00fcr Kunsterziehung leitete. Sie ist in der jetzigen \u00bbAthena\u00ab-Ausstellung mit dem Gem\u00e4lde \u00bbKarl Marx und seine Tochter Jenny\u00ab vertreten. Es handelt sich dabei um eine Auftragsarbeit der Universit\u00e4t f\u00fcr das Wohnheim Jenny Marx, das 1963 bis 1965 in der Goethestra\u00dfe nach den Pl\u00e4nen von Horst Krantz (1927\u20132020) entstand und heute unter anderem das Studentenwerk beheimatet.<\/p>\n<p>Eine Wand in der Galerie zeigt die Darstellung von Sportlerinnen, die vor 1989 im Zusammenhang mit der Etablierung der Wissenschaftsdisziplin Sport\u00e4sthetik Eingang in die Kunstsammlung der Deutschen Hochschule f\u00fcr K\u00f6rperkultur und nach deren Aufl\u00f6sung in die Sammlung der Kustodie fanden. Zu sehen ist dort auch Katharina Witt, gemalt vom Leipziger K\u00fcnstler Heinz Wagner (1925\u20132003). Interessant an diesem Portr\u00e4t aus dem Jahr 1986 in der f\u00fcr Wagner typischen Darstellungsweise zwischen realistisch und abstrakt ist der eher grau-stumpfe Farbeindruck von Witt in Alltagskleidung, ohne auch nur einen Verweis auf ihre sportlichen Erfolge im Eiskunstlaufen zu geben.<\/p>\n<p>&gt; \u00bbAthena und ihre T\u00f6chter. Frauen in der Kunstsammlung der Universit\u00e4t Leipzig\u00ab: bis 11.7., Di\u2013Fr 14\u201318, Sa 11\u201314 Uhr, Galerie im Neuen Augusteum \u2013 F\u00fchrung: 11.7., 11 Uhr<br \/>&gt; Ausstellung \u00bbEntdeckungen \u2013 Ursula Mattheuer-Neust\u00e4dt zum 100. Geburtstag\u00ab: 10.7.\u20132.10., Stadtbibliothek<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Geschm\u00fcckt mit Lorbeerkr\u00e4nzen und in historischer Kleidung laufen neben einem Festwagen einige Frauen. 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