{"id":1149827,"date":"2026-07-07T17:18:17","date_gmt":"2026-07-07T17:18:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1149827\/"},"modified":"2026-07-07T17:18:17","modified_gmt":"2026-07-07T17:18:17","slug":"manifesta-16-im-ruhrgebiet-unter-dem-motto-this-is-not-a-church","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1149827\/","title":{"rendered":"Manifesta 16 im Ruhrgebiet unter dem Motto \u201eThis is not a church\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Dass hier bis vor einigen Jahren noch Gottesdienste gehalten wurden, tritt unter einer riesigen M\u00fcllsack-blauen Plastikplane in den Hintergrund. Die spanisch-brasilianische K\u00fcnstlergruppe Penique Productions hat den Innenraum der St. Josef Kirche in Gelsenkirchen mit einer gro\u00dfen aufblasbaren Membran ausgekleidet. Wie eine zweite Haut legt sie sich \u00fcber den Altar, die W\u00e4nde und zwischen die S\u00e4ulen. Die Kirchenfenster schimmern noch durch.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Kirchenschiff, das die K\u00fcnstler nun Luftschiff nennen, hat der Designer Curro Claret ausrangierte Kirchenb\u00e4nke zu Picknicktischen umfunktioniert und zu einer Trib\u00fcne aufget\u00fcrmt. Tonnenweise Sand ist auf dem Boden verteilt. St. Josef in Gelsenkirchen, entweiht 2023, geh\u00f6rt zu insgesamt zw\u00f6lf ehemaligen Gottesh\u00e4usern, die einen Sommer lang eines nicht mehr sein sollen: Kirche.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eThis is not a church\u201c lautet das Leitmotto der gro\u00dfen internationalen Wanderausstellung Manifesta, die in diesem Jahr im Ruhrgebiet Station macht. In <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/duisburg\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Duisburg<\/a>, Essen, Gelsenkirchen und <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/bochum\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bochum<\/a> bespielt die Kunstbiennale zw\u00f6lf \u00fcberwiegend entweihte und sich im Wandel befindliche Kirchen \u2013 allesamt Bauten aus der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>Internationale K\u00fcnstler und lokale Initiativen      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Insgesamt 100 K\u00fcnstler, Kreative und Kollektive \u2013 darunter auch international gefragte Kunstschaffende wie Katharina Fritsch, Luc Tuymans oder Miros\u0142aw Ba\u0142ka &#8211; beteiligen sich. Rund die H\u00e4lfte der gezeigten Werke ist eigens f\u00fcr den Standort geschaffen worden. Viele erkunden daher ausdr\u00fccklich, wie aus den leerstehenden, einst heiligen Hallen wieder Orte f\u00fcr die Nachbarschaft und Begegnung entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch die Anwohner selbst, Gruppen, Gemeinden und Initiativen waren aufgerufen, sich einzubringen: Einstige Kirchenr\u00e4ume werden so zu einer Bar, zum Basketballplatz oder Schauplatz f\u00fcr gemeinsame Kochabende.<\/p>\n<p>\u201ePantoffelkirchen\u201c pr\u00e4gen die Ruhrgebietsquartiere      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In der Nachkriegszeit seien im Ruhrgebiet viele Kirchen als sogenannte \u201ePantoffelkirchen\u201c konzipiert worden, erkl\u00e4rt der Architekt Josep Bohigas, der das Konzept der Ausstellung ma\u00dfgeblich erarbeitet hat. Sie entstanden mitten in den Nachbarschaften, so nah, dass sie f\u00fcr die Gemeinde buchst\u00e4blich in Hausschuhen erreichbar waren. L\u00e4ngst stehen viele von ihnen leer. Dabei sei der Bedarf nach Orten f\u00fcr Gemeinschaft gro\u00df.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Anstatt diese Geb\u00e4ude ausschlie\u00dflich als architektonisches Erbe zu betrachten, untersuche die Biennale, wie die bestehenden R\u00e4ume wieder mehr N\u00e4he und Zusammenhalt in den Nachbarschaften erzeugen k\u00f6nnen, erkl\u00e4ren die Macher. \u201eDie Menschen wollen nicht, dass die Kirchen nur erhalten werden. Sie wollen, dass sie aktiviert werden\u201c, sagt Hedwig Fijen, Gr\u00fcnderin der Manifesta.<\/p>\n<p>Kunst aus ausrangiertem Kirchenmobiliar und ein Plagiatsvorwurf      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sicherlich ein ehrgeiziges Ziel, r\u00e4umt Bohigas ein. \u201eDie Manifesta kann nicht all die Probleme l\u00f6sen, die es im Ruhrgebiet gibt\u201c, sagt er. Jahrzehnte des wirtschaftlichen Wandels und der sozialen Zersplitterung lie\u00dfen sich nicht einfach zur\u00fcckdrehen. Aber das Festival k\u00f6nne Dinge sichtbar machen, R\u00e4ume f\u00fcr Ideen und M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wie das konkret aussieht, kann noch bis zum 4. Oktober erkundet werden: Viele der teilnehmenden K\u00fcnstler spielen mit kirchlichem Mobiliar, gestalten den kirchlichen Raum um, machen Wandel und Neubeginn auf diese Weise sichtbar. In Essen hat die t\u00fcrkische K\u00fcnstlerin Ay\u015fe Erkmen einen Beichtstuhl mit Bildschirm und Chatprogramm ausgestattet. Nasan Tur hat f\u00fcr sein Kunstwerk \u201eElevation\u201c Gedanken und Erinnerungen von Menschen im Ruhrgebiet gesammelt und sie in Kirchenb\u00e4nke geritzt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Kunstwerk von Tur sorgt allerdings bereits f\u00fcr einigen Wirbel: Die Tatsache, dass die B\u00e4nke senkrecht im Raum aufgestellt wurden, hat dem K\u00fcnstler den Vorwurf des Plagiats eingebracht. Die Bochumer K\u00fcnstlerin Dorothee Bielfeld hatte vor 16 Jahren eine \u00e4hnliche Kunstinstallation mit dem Titel \u201eAufrichten\u201c gezeigt \u2013 und wirft Nasan Tur nun vor, sie kopiert zu haben. Bielfeld verlangt, dass Turs Arbeit nicht mehr gezeigt wird. Ob es sich wirklich um ein Plagiat handelt, ist schwer nachzuweisen. Der K\u00fcnstler selbst sagt, er habe die Arbeit von Dorothee Bielfeld nicht gekannt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Manifesta-Leitung hat die Vorw\u00fcrfe inzwischen in einer Stellungnahme zun\u00e4chst zur\u00fcckgewiesen. \u201eWir haben die ge\u00e4u\u00dferten Bedenken hinsichtlich m\u00f6glicher \u00c4hnlichkeiten zwischen Dorothee Bielfelds Aufrichten (2010) und Nasan Turs Elevation (2026) sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft\u201c, hei\u00dft es darin. \u201eAuch wenn gewisse visuelle \u00c4hnlichkeiten bestehen, zeigt eine n\u00e4here Betrachtung beider Arbeiten, dass sie aus unterschiedlichen k\u00fcnstlerischen Fragestellungen hervorgehen und sich in ihrer Methodik, ihrem Entstehungsprozess sowie ihrer beabsichtigten Wirkung unterscheiden.\u201c Au\u00dferdem sei die Idee, B\u00e4nke vertikal statt horizontal anzuordnen, \u201eurheberrechtlich nicht schutzf\u00e4hig.\u201c Die Pr\u00fcfung werde aber fortgesetzt.<\/p>\n<p>H\u00fcpfburg und Teegarten \u2013 Mitmachen erw\u00fcnscht      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Unproblematisch ist im Vergleich das Kunstwerk von Abbas Zahedi. Der K\u00fcnstler hat in der Liebfrauenkirche in Duisburg eine begehbare Orgel geschaffen: Die Betrachter k\u00f6nnen zwischen die Orgelpfeifen treten und den Klang damit am eigenen Leib sp\u00fcren. Die Teile seines Instruments hat der K\u00fcnstler aus ganz Europa zusammengetragen; Orgelwaisen, nennt er die teilweise zerdellten, aber noch nutzbaren Pfeifen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Bochum l\u00e4dt eine H\u00fcpfburg der aus Belarus stammenden Berliner K\u00fcnstlerin Marina Naprushkina in Form einer Glocke im Garten einer Kirche zum ausgelassenen Auf und Ab ein. In Gelsenkirchen baut das K\u00fcnstlerkollektiv Bureau Baubotanik im Kirchengarten Teekr\u00e4uter an. Besucher und Besucherinnen sind eingeladen, die Kr\u00e4uter zu ernten, zu probieren und Tee zu verkosten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dass hier bis vor einigen Jahren noch Gottesdienste gehalten wurden, tritt unter einer riesigen M\u00fcllsack-blauen Plastikplane in den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1149828,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1839],"tags":[3274,85221,28031,7507,3364,29,598,3658,30,241483,21858,7011,241485,241486,20322,241488,241490,241491,187159,28209,2075,180244,27917,3910,62794,4819,53225,212301,50721,14117,241492,234037,170751,1209,241487,3856,241489,185924,241484],"class_list":["post-1149827","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bochum","tag-kirche","tag-baenke","tag-biennale","tag-bochum","tag-de","tag-deutschland","tag-garten","tag-gelsenkirchen","tag-germany","tag-gotteshaeusern","tag-josef","tag-kirchen","tag-kirchenbaenke","tag-kirchenbaenken","tag-kirchenfenster","tag-kirchengarten","tag-kirchenmobiliar","tag-kirchenraeume","tag-kirchenschiff","tag-kraeuter","tag-kunst","tag-kunstbiennale","tag-kunstinstallation","tag-kuenstler","tag-kuenstlergruppe","tag-kuenstlerin","tag-kuenstlerischen","tag-kuenstlerkollektiv","tag-kunstschaffende","tag-kunstwerk","tag-liebfrauenkirche","tag-manifesta","tag-mobiliar","tag-nordrhein-westfalen","tag-pantoffelkirchen","tag-ruhrgebiet","tag-ruhrgebietsquartiere","tag-teegarten","tag-teekraeuter"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1149827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1149827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1149827\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1149828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1149827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1149827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1149827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}