{"id":115191,"date":"2025-05-16T13:13:08","date_gmt":"2025-05-16T13:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/115191\/"},"modified":"2025-05-16T13:13:08","modified_gmt":"2025-05-16T13:13:08","slug":"a3kultur-position-mein-eigenes-objekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/115191\/","title":{"rendered":"a3kultur Position | \u00bbMein eigenes Objekt\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Seit April ist im H1 die Schau \u00bbSo What!\u00ab mit den fesselnden Arbeiten von Susanne Junker zu sehen. Die im Landkreis Augsburg geborene K\u00fcnstlerin lebt heute in Paris. Ein Interview<\/p>\n<p><strong>a3kultur: Susanne Junker, Sie sind Konzeptk\u00fcnstlerin und Fotografin und haben als junge Frau Karriere als Model gemacht. War Kunstmachen f\u00fcr Sie ein Ventil, um mit dem Job vor der Kamera klarzukommen?<\/strong><\/p>\n<p>Susanne Junker: Ich empfinde, dass diese Modelzeit von 1989 bis 2001 eigentlich die absolute Basis meiner Arbeit ist. Und das Lustige ist, dass ich das lange Zeit verschwiegen habe. Ich bin keine studierte K\u00fcnstlerin. Ich war nie auf der Kunsthochschule. Ich habe nicht diesen klassischen Weg eingeschlagen. Warum ich die Arbeiten heute mache, basiert eben auf meiner Zeit als Model. W\u00e4hrend dieser Zeit selbst kreativ t\u00e4tig gewesen zu sein, f\u00fchlte sich richtig und wichtig an, es war ein Ausgleich zum Modelalltag.<\/p>\n<p><strong>Sie bedauern es also nicht, mit 16 Jahren auf dem Laufsteg gelandet zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>Ich war sehr jung, und das war toll. Ein Traum ging in Erf\u00fcllung. Aber es gab dann diesen einen Punkt, wo ich wusste, jetzt hat sich der Blick umgedreht. Nun bin ich mein eigenes Objekt und die Autorin meiner Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Das sind sehr intime Arbeiten, die Sie hier zeigen. Die Besucher*innen im H1 nehmen sich Zeit f\u00fcr Ihre Texte. Viele dieser Eintr\u00e4ge sind sehr pers\u00f6nlich, sehr offen und sehr brutal in ihrer Massivit\u00e4t. Sie handeln zum Beispiel von Bel\u00e4stigungen am Arbeitsplatz. Aber eben nicht nur durch M\u00e4nner, Sie berichten auch von \u00fcbergriffigen Frauen. Sind Sie damals etwas naiv an den Job herangegangen?<\/strong><\/p>\n<p>V\u00f6llig naiv. Ich war Realsch\u00fclerin in Schwabm\u00fcnchen und begeisterte Modezeitschriftenleserin. Mein ganzes Taschengeld ging daf\u00fcr drauf. Und dann ist mir das absolut Verr\u00fcckte passiert: 1989 wurde ich Dritte in einem Modelwettbewerb der Zeitschrift \u00bbMiss Vogue\u00ab. Das war ein paar Monate vor der Realschulabschlusspr\u00fcfung. Ich war damals bereits f\u00fcr die Fachoberschule eingeschrieben.<\/p>\n<p><strong>Welcher Zweig? Kunst?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich. Meine Eltern haben mir dann tats\u00e4chlich erlaubt, das Modeln mal f\u00fcr ein Jahr zu probieren. Schlie\u00dflich sind zw\u00f6lf Jahre daraus geworden. Mit 16 ist man noch nicht erwachsen, ich kam vom Land, ich konnte kaum Englisch. Es brach alles auf mich ein, als w\u00e4re ich in einer Fernsehserie und w\u00fcrde mir selbst zuschauen. Ich empfand es aber als sch\u00f6n, vor der Kamera zu stehen, nur alles andere war schwierig. Mit dem Fotografen ein sch\u00f6nes Bild zu kreieren, das war eben genau der Moment, f\u00fcr den sich alles gelohnt hat.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie auch Kontakt zu Kolleg*innen aus der gegenw\u00e4rtigen Modelszene?<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Ja, einige der Zitate, die hier zu finden sind, stammen nicht aus den 1990er-Jahren, sondern von Modelkol-leginnen von heute. Seit drei Jahren besch\u00e4ftige ich mich mit dieser Art von Texten, die eigentlich auch ohne Fotos funktionieren. Speziell f\u00fcr diese Ausstellung habe ich Fotos mit solchen Textfetzen, wie ich das nenne, best\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Sie verwenden daf\u00fcr in Teilen eigene Tagebucheintragungen, greifen aber auch auf Erinnerungen Dritter zur\u00fcck. Wollten Sie sich damit des selbst Erlebten vergewissern?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich mit fr\u00fcheren Kolleginnen getroffen und sie gefragt, wie diese Zeit f\u00fcr sie war. Alle best\u00e4tigten, dass Bel\u00e4stigungen stattfanden, ohne dass man sich gr\u00f6\u00dfere Gedanken dar\u00fcber gemacht h\u00e4tte. \u00bbEs war halt so\u00ab, h\u00f6rte ich immer wieder, und ich kann das nur best\u00e4tigen.<\/p>\n<p><strong>Die Texte lassen an Deutlichkeit kaum zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, nicht zuletzt die von Ihnen verwendeten Posts. Waren das an Sie pers\u00f6nlich adressierte Nachrichten?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Sie entstammen einer Recherche, die zu Teilen pers\u00f6nliche Bez\u00fcge hat, aber auch Erfahrungen von anderen Frauen einbezog. Wenn ich recherchiere, dann begebe ich mich oft ziemlich tief in Abgr\u00fcnde hinein. \u00a0<\/p>\n<p><strong>Bekommen Sie eigentlich auch freundliche Post?<\/strong><\/p>\n<p>Jede Kritik hat etwas f\u00fcr sich. Oft liest man: Sie sind aber mutig, sich so blo\u00dfzustellen. Dabei bin ich von mir lediglich distanziert. Aber trotzdem ist es wichtig, dass ich das bin, die in den Arbeiten zu sehen ist. Obwohl es nicht um mich geht, sondern ich meinen K\u00f6rper lediglich als Projektionsfl\u00e4che nutze. Deswegen h\u00e4ngt in dieser Ausstellung auch ziemlich viel Text, der einen guten Zugang zu den Arbeiten erm\u00f6glicht. Es war mir extrem wichtig, sie f\u00fcr das Publikum nahbar zu machen, das habe ich kuratorisch ganz oben angesetzt und verteidigt.<\/p>\n<p><strong>Publizieren Sie denn auch l\u00e4ngere Texte?<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser Ausstellung war ich ziemlich besch\u00e4ftigt. Dadurch wurde ich tats\u00e4chlich aus der Arbeit an einem Manuskript herausgerissen, das jetzt auf meinem Schreibtisch liegt und auf mich wartet: ein Manuskript, das auch ohne Fotos funktioniert. Ich glaube, dass die Fotografie f\u00fcr mich ein gro\u00dfer Vorwand daf\u00fcr war, erst einmal nicht zu schreiben, ich habe wahnsinnigen Respekt vor Texten. Dann passierte aber so viel Text, dass ich mich jetzt auch von der Fotoarbeit distanzieren kann.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4sst ein Foto nicht mehr Spielraum f\u00fcr Interpretationen als ein Text?<\/strong><\/p>\n<p>Das kann man so nicht sagen. Sexualisierte Sprache zum Beispiel kann entweder von allen Beteiligten so gewollt oder reine Bel\u00e4stigung sein. Das l\u00e4sst sich eben nicht eindeutig festlegen.<\/p>\n<p><strong>Es ist zuweilen schwer, in die Kommunikation zu gehen. Dennoch bietet uns die Kunst M\u00f6glichkeiten, Positionen zu vertreten und damit eine Verbindung herzustellen und Zug\u00e4nge zu schaffen. Dazu kommt, dass das Vertrauen in Museen in unserer Gesellschaft extrem hoch ist.<\/strong><\/p>\n<p>Und so wird dann Gesellschaftskritisches samt dieser \u00bbBubble-Vermischung\u00ab in einem Museum gezeigt. Wow, was f\u00fcr eine Verantwortung habe ich mir da selbst auferlegt.<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit April ist im H1 die Schau \u00bbSo What!\u00ab mit den fesselnden Arbeiten von Susanne Junker zu sehen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":115192,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,34749,12],"class_list":{"0":"post-115191","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-position","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114517691871221293","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115191"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115191\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/115192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=115191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}