{"id":1155185,"date":"2026-07-09T21:43:17","date_gmt":"2026-07-09T21:43:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1155185\/"},"modified":"2026-07-09T21:43:17","modified_gmt":"2026-07-09T21:43:17","slug":"the-rolling-stones-foreign-tongues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1155185\/","title":{"rendered":"The Rolling Stones &#8211; Foreign Tongues"},"content":{"rendered":"<p><strong>1972.<\/strong> Nur etwas mehr als einen Monat, nachdem <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/deep-purple\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Deep Purple<\/strong><\/a> mit<strong> \u201e<\/strong><strong>Machine Head\u201c<\/strong><strong> <\/strong>und einem gewissen <strong>\u201e<\/strong><strong>Smoke On The Water\u201c<\/strong><strong> <\/strong>Rockgeschichte geschrieben hatten, ver\u00f6ffentlichten die <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/the-rolling-stones\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Rolling Stones<\/strong><\/a><strong> \u201e<\/strong><strong>Exile On Main St.\u201c<\/strong>. Zwei Alben, die heute in jeder halbwegs ernst gemeinten Liste der gr\u00f6\u00dften Rockplatten aller Zeiten auftauchen.<\/p>\n<p><strong>54 Jahre sp\u00e4ter.<\/strong><\/p>\n<p>Wieder ver\u00f6ffentlichen <strong>Deep Purple<\/strong> und die <strong>Rolling Stones<\/strong> innerhalb weniger Wochen neue Alben. <strong>\u201e<\/strong><a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/release\/deep-purple\/splat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>SPLAT!<\/strong><\/a><strong>\u201c<\/strong><strong> <\/strong>hier (<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/review\/deep-purple\/splat-deep-purple\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zu unserer Review<\/a>), <strong>\u201e<\/strong><strong>Foreign Tongues\u201c<\/strong> da.<\/p>\n<p>Und das eigentlich Verr\u00fcckte daran ist nicht, dass beide Bands \u00fcberhaupt noch existieren.<\/p>\n<p>Sondern wie verdammt gut sie immer noch sind.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte die Geschichte der <strong>Rolling Stones <\/strong>l\u00e4ngst vorbei sein k\u00f6nnen. <strong>Brian Jones&#8216;<\/strong> Tod 1969. Drogenexzesse. Jahrzehntelange Ger\u00fcchte \u00fcber das schwierige Verh\u00e4ltnis von <strong>Mick Jagger<\/strong> und <strong>Keith Richards<\/strong>. Und zuletzt der Tod von <strong>Charlie Watts<\/strong>.<\/p>\n<p>Als der Schlagzeuger 2021 starb, wirkte das zum ersten Mal nicht wie eine weitere Krise, die diese unzerst\u00f6rbar wirkende Band schon irgendwie \u00fcberstehen w\u00fcrde. Ohne <strong>Watts<\/strong>? Kaum vorstellbar. Schlie\u00dflich hielt der stoische Drummer die <strong>Rolling Stones<\/strong> \u00fcber die Dekaden hinweg musikalisch wie menschlich zusammen.<\/p>\n<p>Umso \u00fcberraschender kam zwei Jahre sp\u00e4ter <strong>\u201e<\/strong><strong>Hackney Diamonds\u201c<\/strong>. Statt einer routinierten Abschiedsplatte ver\u00f6ffentlichten die <strong>Stones<\/strong> eines ihrer st\u00e4rksten Alben seit Jahrzehnten. Mit gro\u00dfer Spielfreude, noch gr\u00f6\u00dferen Hooks und einer Energie, die man von den betagten Briten, die ihre letzte regul\u00e4re Platte 2005 ver\u00f6ffentlicht hatten, so eigentlich nicht mehr erwarten konnte.<\/p>\n<p>H\u00e4tten <strong>Jagger, Richards<\/strong> und <strong>Wood<\/strong> danach gesagt: &#8222;That&#8217;s it. We&#8217;re done.&#8220; Niemand h\u00e4tte es ihnen \u00fcbelnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass sie trotzdem weitermachten, war aber die bessere Entscheidung.<\/p>\n<p>Denn<strong> \u201e<\/strong><strong>Foreign Tongues\u201c<\/strong><strong> <\/strong>kn\u00fcpft nicht einfach an <strong>\u201e<\/strong><strong>Hackney Diamonds\u201c<\/strong> an. Es geht noch einen Schritt weiter.<\/p>\n<p>Mehr Stones als auf \u201eForeign Tongues\u201c geht nicht<\/p>\n<p><strong>\u201eHackney Diamonds\u201c<\/strong> war das gro\u00dfe Comeback. Produzent <strong>Andrew Watt (Ozzy, Lady Gaga) <\/strong>orchestrierte den ersten Longplayer nach <strong>Charlie Watts<\/strong>&#8218; Tod mit jeder Menge Pomp, prominenten G\u00e4sten und stadiontauglichen Refrains. Auf <strong>\u201e<\/strong><strong>Foreign Tongues\u201c<\/strong> schl\u00e4gt das Gespann <strong>Watt\/Stones <\/strong>einen anderen Weg ein. Weniger Event. Weniger Spektakel. Die <strong>Rolling Stones<\/strong> d\u00fcrfen einfach die <strong>Rolling Stones<\/strong> sein.<\/p>\n<p>Die Gitarren r\u00fccken dabei wieder st\u00e4rker in den Mittelpunkt und vieles klingt, als h\u00e4tte die Band tats\u00e4chlich gemeinsam in einem Raum gestanden und einfach drauflos gespielt. Und genau darin liegt eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken der Platte: <strong>\u201e<\/strong><strong>Foreign Tongues\u201c<\/strong> versucht zu keinem Zeitpunkt, den <strong>Stones<\/strong> einen neuen Sound aufzuzwingen. Stattdessen machen <strong>Jagger, Richards<\/strong> und <strong>Wood<\/strong> einen gutgelaunten Streifzug durch ihre eigene Geschichte.<\/p>\n<p>\u2026 welches Jahr haben wir nochmal?<\/p>\n<p><strong>\u201eRough And Twisted\u201c<\/strong> er\u00f6ffnet das Album, als h\u00e4tte es die 54 Jahre zwischen <strong>\u201e<\/strong><strong>Exile On Main St.\u201c<\/strong><strong> <\/strong>und <strong>\u201e<\/strong><strong>Foreign Tongues\u201c<\/strong> nicht gegeben. Schmutzige <strong>Keith-Richards<\/strong>&#8211;<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/glossar\/riff\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Riffs<\/a>, Mundharmonika, Honky-Tonk-Piano und Saxofon \u2013 die <strong>Stones<\/strong> der fr\u00fchen 70er destilliert auf viereinhalb Minuten.<\/p>\n<p>Aber schon <strong>\u201e<\/strong><strong>In The Stars\u201c<\/strong> schl\u00e4gt einen v\u00f6llig anderen Weg ein. Das Riff tr\u00e4gt zun\u00e4chst unverkennbar <strong>Richards<\/strong>&#8218; bluesige Handschrift, dann w\u00e4chst der Song aber schnell zu einer hymnischen Stadion-Nummer heran, wie sie die <strong>Stones<\/strong> Ende der 80er und in den 90ern am f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften B\u00fchnen der Welt schrieben.<\/p>\n<p>Und dann kommt der ganz gro\u00dfe Auftritt von <strong>Mick Jagger<\/strong>.<\/p>\n<p>Mick Jagger: The Sexiest 82-Year-Old On Earth<\/p>\n<p>Wie viel Sexappeal darf ein 82-J\u00e4hriger eigentlich haben? Sp\u00e4testens nach <strong>\u201e<\/strong><strong>Jealous Lover\u201c<\/strong> steht diese Frage offensichtlich im Raum. <strong>Jagger<\/strong> performt die an <strong>\u201e<\/strong><strong>Emotional Rescue\u201c<\/strong><strong> <\/strong>erinnernde Soul-Nummer mit einer L\u00e4ssigkeit und Selbstverst\u00e4ndlichkeit im Falsett, wie nur er es kann. Da bleibt keine Hose trocken.<\/p>\n<p>Das Highlight unter den vier Vorabsingles folgt aber erst mit <strong>\u201e<\/strong><strong>Divine Intervention\u201c<\/strong>. Federleicht t\u00e4nzelt der Song mit Bl\u00e4sern und Piano durch einen beschwingten Boogie-Rhythmus, w\u00e4hrend <strong>Robert Smith (<\/strong><a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/the-cure\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>The Cure<\/strong><\/a><strong>) <\/strong>vorsichtige Gitarrenakzente beisteuert und <strong>Jagger<\/strong> apokalyptische Bilder von Milliard\u00e4ren, Weltuntergang und gesellschaftlichem Zerfall zeichnet.<\/p>\n<p><strong>Spaziergang durch sechs Jahrzehnte<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong><strong>Mr. Charm\u201c<\/strong><strong> <\/strong>springt mit seinem herrlich eing\u00e4ngigen 80s-<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/genre\/pop\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pop<\/a>&#8211;<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/genre\/rock\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rock<\/a> direkt in die bunte MTV-\u00c4ra, irgendwo zwischen <strong>Stones, Huey Lewis And The News<\/strong> und <strong>The B-52&#8217;s<\/strong>. Kurz darauf huldigt die astreine <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/genre\/country\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Country<\/a>-Nummer <strong>\u201e<\/strong><strong>Ringing Hollow\u201c<\/strong><strong> <\/strong>die Americana-Wurzeln der Band und erinnert so zum Beispiel an <strong>\u201e<\/strong><strong>Let It Bleed\u201c<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong><strong>Never Wanna Lose You<\/strong><strong>?\u201c<\/strong> pumpt sich mit einer groovigen Disco-Bassline pulsierend in Richtung <strong>\u201e<\/strong><strong>Miss You\u201c<\/strong><strong> <\/strong>und <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/kiss\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>KISS<\/strong><\/a><strong>&#8218; \u201e<\/strong><strong>Dynasty<\/strong><strong>\u201c<\/strong>.<\/p>\n<p>Dann: Erneuter Richtungswechsel mit <strong>\u201e<\/strong><strong>Hit Me In The Head<\/strong><strong>\u201c<\/strong>. <strong>Jagger<\/strong> hatte den Song im Vorfeld als \u201ereal fast punk rocker\u201c angek\u00fcndigt \u2013 und liefert. Schnell, rifflastig und erstaunlich ruppig beschw\u00f6ren die <strong>Stones<\/strong> noch einmal den Geist der sp\u00e4ten 70er.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bekommt der Titel eine zus\u00e4tzliche emotionale Ebene: Ausgerechnet auf dem aggressivsten Song des Albums sitzt <strong>Charlie Watts<\/strong>, die Ruhe in Person, ein letztes Mal hinter dem Schlagzeug.<\/p>\n<p>Is this how the story will end?<\/p>\n<p>Nach diesem Energieausbruch nehmen die Stones das Tempo bewusst wieder heraus. Das soulige <strong>\u201e<\/strong><strong>You Know I&#8217;m No Good\u201c<\/strong> geh\u00f6rt mit <strong>Jaggers<\/strong> leidenschaftlichem Gesang und der flimmernden Hammond-Orgel zu den sch\u00f6nsten Momenten der Platte. Kurz darauf \u00fcbernimmt <strong>Keith Richards<\/strong> auf <strong>\u201e<\/strong><strong>Some Of Us\u201c<\/strong> selbst das Mikrofon und beschw\u00f6rt vernebelte Bilder von dunklen Kneipen, staubigen Highways und leeren Whiskyflaschen.<\/p>\n<p>Wie auch schon bei <strong>\u201eHackney Diamonds\u201c <\/strong>l\u00e4sst <strong>Paul McCartney<\/strong> sich einen Gastauftritt nicht nehmen. Auf <strong>\u201e<\/strong><strong>Covered In You\u201c<\/strong><strong> <\/strong>greift der Ex-<strong>Beatle<\/strong> zum Bass und veredelt die ohnehin schon erstklassige Midtempo-Nummer, die zudem noch eine der st\u00e4rksten Hooks des Albums mitbringt.<\/p>\n<p>Auch <strong>\u201eSide Effects\u201c<\/strong> h\u00e4lt das hohe Niveau m\u00fchelos, bevor <strong>\u201e<\/strong><strong>Back In Your Life\u201c<\/strong><strong> <\/strong>den perfekten Schlusspunkt setzt. Akustikgitarre, bluesige E-Gitarre und einer der sch\u00f6nsten Refrains der Platte machen den Song zu einer klassischen <strong>Stones<\/strong>-Ballade. Dann ruft <strong>Jagger<\/strong> pl\u00f6tzlich: \u201eCome on, <strong>Ronnie<\/strong>!\u201c Und <strong>Ronnie Wood <\/strong>antwortet mit dem mitrei\u00dfendsten Gitarrensolo des Albums \u2013 inspiriert vom Tod seiner Freunde <strong>Brian Wilson<\/strong> und <strong>Sly Stone<\/strong>.<\/p>\n<p>War das der Schlusspunkt unter die lange Karriere der <strong>Rolling Stones<\/strong>?<\/p>\n<p>Vielleicht.<\/p>\n<p>Vielleicht aber auch nicht.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re definitiv ein gro\u00dfartiger Schlusspunkt. Einfach ein rundes Ding. Aber wenn <strong>Jagger, Richards<\/strong> und <strong>Wood<\/strong> noch Kraft und Lust haben weiterzumachen, gibt es nach dieser Platte eigentlich nur eine vern\u00fcnftige Antwort:<\/p>\n<p>Bitte. Macht. Weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"1972. 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