{"id":1155397,"date":"2026-07-09T23:49:14","date_gmt":"2026-07-09T23:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1155397\/"},"modified":"2026-07-09T23:49:14","modified_gmt":"2026-07-09T23:49:14","slug":"krank-tatsaechlich-was-gegen-die-hohen-fehlzeiten-in-deutschland-helfen-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1155397\/","title":{"rendered":"Krank? Tats\u00e4chlich? Was gegen die hohen Fehlzeiten in Deutschland helfen k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fchle ich mich heute gesund genug, um zu arbeiten? Die sogenannte Bettkantenentscheidung f\u00e4llt in Deutschland immer h\u00e4ufiger pro kurzfristige Krankmeldung aus. Laut einer Erhebung des Pinktum Institute gaben 34 Prozent der Befragten an, sich schneller als fr\u00fcher krankschreiben zu lassen. Gar 39 Prozent finden Blaumachen v\u00f6llig okay. Das ist fatal.<\/p>\n<p>Auch deswegen ist die Zahl der Fehltage in Deutschland hoch. Durchschnittlich 23,3 Tage waren es etwa im vergangenen Jahr bei jedem Mitglied der AOK, der gr\u00f6\u00dften Krankenkasse. Die volkswirtschaftlichen Kosten der Produktionsausf\u00e4lle sch\u00e4tzt die Bundesanstalt f\u00fcr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf mehr als 130 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Zahlen m\u00fcssen das der Staat, die Krankenkassen \u2013 und die Arbeitgeber: Fast drei Viertel aller F\u00e4lle sind n\u00e4mlich Erkrankungen bis zu sieben Tagen. Und es gibt ab dem ersten Tag 100 Prozent Lohnfortzahlung, erst nach sechs Wochen springt die Kasse ein. Eine gro\u00dfz\u00fcgige Regelung, die es \u00e4hnlich nur in wenigen anderen L\u00e4ndern gibt. Und so verwundert es nicht, dass sich Deutschland laut einer Umfrage der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei den Fehlzeiten im oberen Mittelfeld Europas wiederfindet.<\/p>\n<p>\u00c4rzteverb\u00e4nde protestieren scharf<\/p>\n<p>Die Bundesregierung will das Krankfeiern nun <a href=\"https:\/\/www.bayerische-staatszeitung.de\/staatszeitung\/politik\/detailansicht-politik\/artikel\/kritik-aus-den-eigenen-reihen.html#topPosition\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mit Versch\u00e4rfungen<\/a> eind\u00e4mmen: Die telefonische Krankschreibung soll wieder abgeschafft werden, au\u00dferdem soll es eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag geben. Doch damit wird man wenig erreichen. Die telefonischen Krankschreibungen machen etwa ein Prozent aller Atteste aus. Und ein Attest ab Tag eins kann auch noch im Nachhinein ausgestellt werden. Die einzige Konsequenz sind vollere Arztpraxen \u2013 weswegen \u00c4rzteverb\u00e4nde scharf protestieren.<\/p>\n<p>Eine Alternative w\u00e4re die Einf\u00fchrung eines Karenztags wie beispielsweise in Schweden gewesen. Das hatte die Union gefordert. So h\u00e4tte es erst eine Lohnfortzahlung ab dem zweiten Krankheitstag gegeben. F\u00fcr Blaumacher definitiv ein Anreiz, doch arbeiten zu gehen statt krankzufeiern. Doch f\u00fcr die SPD war das keine Option. \u201eDie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist eine soziale Errungenschaft\u201c, sagt die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar. Die schaffe man nicht einfach wieder ab.<\/p>\n<p>Wird h\u00e4ufig missbraucht<\/p>\n<p>Der Kemptener Allgemeinarzt Dominik Spitzer, der auch FDP-Politiker ist, pl\u00e4diert daf\u00fcr, zumindest dar\u00fcber nachzudenken. \u201eDas ist ein hohes Gut. Wir wissen aber, dass es h\u00e4ufig missbraucht wird.\u201c Doch es w\u00fcrden darunter auch alle wirklich Kranken leiden.<\/p>\n<p>Arbeitsmarktforscher Enzo Weber von der Universit\u00e4t Regensburg hat ein paar andere Ideen, wie man schwarzen Schafen beikommen k\u00f6nnte: mit Versicherungs\u00e4rzten wie in \u00d6sterreich, die gerade Langzeiterkrankte unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen, und flexibleren Werkzeugen f\u00fcr die Arbeitgeber bei Kurzzeiterkrankten. So k\u00f6nnten Firmen nur bei Verdachtsf\u00e4llen eine Attestpflicht ab dem ersten Tag verlangen, und zwar nicht-telefonisch.<\/p>\n<p>Denkbar w\u00e4ren auch positive Anreize. Das Maschinenbauunternehmen Intertec Hess aus Neustadt an der Donau (Niederbayern) hat mit dem Betriebsrat ein Bonussystem vereinbart: Die Besch\u00e4ftigten erhalten einen Bonus in Form von Gutscheinen. Jeder Krankheitstag reduziert den Bonus. Laut Produktionsleiter Erwin Vikete waren so rund 30 Prozent der Besch\u00e4ftigten 2025 an keinem Tag krank.<\/p>\n<p>Interessant klingt auch der Plan der Teilzeitkrankschreibung. Das bereits in Schweden erprobte Modell erlaubt es \u00c4rzten, Arbeitnehmer nur zu einem gewissen Prozentsatz krankzuschreiben. So sollen l\u00e4ngere komplette Arbeitsausf\u00e4lle verhindert werden. Hinter dieser Ma\u00dfnahme w\u00fcrde auch Mediziner Spitzer stehen \u2013 anders als bei der Attestversch\u00e4rfung: \u201eDas w\u00e4re zwar auch ein Mehraufwand. Aber den w\u00fcrde ich pers\u00f6nlich nicht scheuen.\u201c (Thorsten Stark)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch den BSZ-Kommentar: <a href=\"https:\/\/www.bayerische-staatszeitung.de\/staatszeitung\/wirtschaft\/detailansicht-wirtschaft\/artikel\/krankschreibung-ab-dem-ersten-tag-voellig-an-der-realitaet-vorbei.html#topPosition\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">&#8222;V\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbei&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fchle ich mich heute gesund genug, um zu arbeiten? 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