{"id":1155869,"date":"2026-07-10T04:38:35","date_gmt":"2026-07-10T04:38:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1155869\/"},"modified":"2026-07-10T04:38:35","modified_gmt":"2026-07-10T04:38:35","slug":"schiffseisenbahn-im-leipziger-neuseenland-naturschutzverbaende-bisher-nicht-beteiligt-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1155869\/","title":{"rendered":"Schiffseisenbahn im Leipziger Neuseenland: Naturschutzverb\u00e4nde bisher nicht beteiligt \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/politics\/hotspot\/2026\/07\/ship-railway-in-leipzigs-neuseenland-nature-conservation-organisations-not-yet-involved-663685\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Die Diskussion um eine Schiffseisenbahn zwischen Cospudener und Zwenkauer See bekommt eine weitere Facette: W\u00e4hrend der Gr\u00fcne Ring Leipzig das rund 93 Millionen Euro teure Vorhaben als m\u00f6glichen Baustein der touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlands weiterverfolgt, erkl\u00e4ren alle ma\u00dfgeblichen Naturschutzverb\u00e4nde der Region \u00fcbereinstimmend, dass sie an den bisherigen Planungen nicht beteiligt waren.<\/p>\n<p>Dabei geht es keineswegs nur um Infrastruktur. Die Machbarkeitsstudie rechnet mit rund 400.000 zus\u00e4tzlichen Besuchern j\u00e4hrlich. Und hier f\u00fchren neben den infrastrukturellen Erfordernissen eben auch die Besucherstr\u00f6me selbst zu Belastungen in den Naturr\u00e4umen \u2013 die Studie rechnet an Spitzentagen mit bis zu 10.000 Besuchern.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verschiebt die Machbarkeitsstudie wesentliche Fragen des Arten- und Naturschutzes ausdr\u00fccklich in sp\u00e4tere Genehmigungsverfahren. Gerade im Bereich der naturschutzrechtlich sensiblen S\u00fcdspitze des Cospudener Sees werden Konflikte bereits heute erwartet. Die Leipziger Zeitung fragte deshalb bei NABU, BUND, \u00d6kol\u00f6we und Gr\u00fcner Liga nach, ob sie das Projekt bereits fachlich begleiten oder in die Planungen eingebunden wurden.<\/p>\n<p>BUND, Gr\u00fcne Liga und NuKLA: keine Beteiligung und aktuell noch andere Priorit\u00e4ten<\/p>\n<p>Beim BUND fiel die Einsch\u00e4tzung knapp, aber eindeutig aus: \u201eWir w\u00fcrden mit dem Geld und dort ganz andere Dinge tun\u201c, schrieb Heiko Rudolf, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Auwald &amp; Wasser. Auch im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch ergab sich kein Hinweis auf eine Beteiligung an den bisherigen Planungen der Schiffseisenbahn. Er und der BUND arbeiten seit Jahren an Konzepten zur Revitalisierung des Leipziger Auwalds. Derzeit besch\u00e4ftige man sich intensiv mit den geplanten Eingriffen, insbesondere den umstrittenen Rodungspl\u00e4nen f\u00fcr ein zentrales Verbindungsst\u00fcck zwischen dem n\u00f6rdlichen und s\u00fcdlichen Leipziger Auwald.<\/p>\n<p>Auch Wolfgang Stoiber, Vorstand der Gr\u00fcnen Liga und des NuKLA e.V. erkl\u00e4rte, weder in Planungen eingebunden gewesen zu sein, noch Stellungnahmen abgegeben zu haben. Vielmehr verweist er auf die seit Jahren \u00f6ffentlich dokumentierte Kritik an der touristischen Erschlie\u00dfung des Leipziger Neuseenlands und auf mehrere Positionspapiere gegen die Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK). Zu den aktuellen Schwerpunkten des NuKLA geh\u00f6ren ebenfalls Sch\u00e4den im Leipziger Auwald. Diese entstehen nach Auffassung des Vereins auch durch forstwirtschaftliche Arbeiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-662615 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/schiff.jpg\" alt=\"So soll die Vorzugsvariante der Schiffseisenbah zwischen Zwenkauer und Cospudener See aussehen. Visualisierung: ICL Ingenieur Consult GmbH\" width=\"2250\" height=\"1148\"  \/><\/a>So soll die Vorzugsvariante der Schiffseisenbahn zwischen Zwenkauer und Cospudener See aussehen. Visualisierung: ICL Ingenieur Consult GmbH<br \/>\n\u00d6kol\u00f6we: \u201eWenn es laufende Diskussionen gibt, dann nicht mit uns\u201c<\/p>\n<p>Ebenfalls eindeutig antwortet die Leipziger Umweltorganisation. Auf die Frage, ob der Verein konkret mit dem Gr\u00fcnen Ring zur Schiffseisenbahn in Kontakt stehe, antwortete Sprecherin Bozena Nawka: \u201eWenn es \u201alaufende Diskussionen\u2018 gibt, dann nicht mit uns \u00d6kol\u00f6wen. Eine Gelegenheit, fachlichen Input zu geben, bestand ebenfalls noch nicht.\u201c<\/p>\n<p>Auch dort gab man zu verstehen, dass die Umweltverb\u00e4nde gerade mit einer Vielzahl komplexer Vorhaben konfrontiert seien. Umso wichtiger sei es, sich die Aufgaben gut aufzuteilen und die verf\u00fcgbaren Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Zivilgesellschaftliches Engagement sei sehr wichtig und willkommen. Die \u00dcberlegungen zur Schiffseisenbahn habe man weiterhin im Blick.<\/p>\n<p>NABU: \u201eDer NABU war in die Planungen bzw. die Machbarkeitsstudie nicht eingebunden.\u201c<\/p>\n<p>Am deutlichsten formuliert es der Vorsitzende des NABU-Regionalverbandes Leipzig, Dirk Sievert: \u201eDer NABU war in die Planungen bzw. die Machbarkeitsstudie nicht eingebunden. Uns waren die Pl\u00e4ne bis zu Ihrer Anfrage nicht bekannt, deshalb haben wir uns dazu auch noch nicht fachlich ge\u00e4u\u00dfert.\u201c<\/p>\n<p>Sollte ein regul\u00e4res Genehmigungsverfahren beginnen, werde sich der Verband selbstverst\u00e4ndlich beteiligen. Gro\u00dfe Hoffnungen verbindet der NABU damit allerdings nicht. \u201eBedauerlicherweise sind naturschutzrechtliche Konflikte i. d. R. kein Grund, dass ein Planvorhaben nicht trotzdem realisiert werden kann. Wir erleben das permanent. Fl\u00e4chennutzungs- und Raumordnungspl\u00e4ne lassen sich \u00e4ndern \u2013 i. d. R. wird das zum Nachteil des Naturschutzes auch praktiziert. Entscheidend ist der politische Wille, entweder zum Erhalt intakter Natur oder eben nicht.\u201c<\/p>\n<p>Noch grunds\u00e4tzlicher f\u00e4llt die Kritik an der touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlands aus: \u201eBesorgniserregend sind in der Tat vor allem immer neue Tourismuspl\u00e4ne f\u00fcr das Neuseenland. [\u2026] Im Neuseenland darf es nach unserer Auffassung nur um naturvertr\u00e4gliche Naherholung gehen, nicht um Tourismus. Versprochen war die Renaturierung der Bergbaufolgelandschaft, nicht eine kommerzielle Umnutzung der Landschaft.\u201c<\/p>\n<p>Der NABU best\u00e4tigt zwar den regelm\u00e4\u00dfigen Austausch mit dem Gr\u00fcnen Ring, grenzt diesen aber deutlich vom konkreten Projekt ab. \u201eFreilich haben wir Kontakte zum Gr\u00fcnen Ring und tats\u00e4chlich laufen in diesem Sinne auch Diskussionen, aber es ging bisher nicht konkret um das Projekt einer Schiffseisenbahn.\u201c<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Ring verweist auf interne Diskussionen<\/p>\n<p>Mit den \u00fcbereinstimmenden R\u00fcckmeldungen der Naturschutzverb\u00e4nde konfrontiert, fragte die Leipziger Zeitung beim Gr\u00fcnen Ring nach, mit welchen Verb\u00e4nden sich die im ersten Austausch erw\u00e4hnten \u201elaufenden Diskussionen\u201c konkret auf die Schiffseisenbahn bez\u00f6gen.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsstelle pr\u00e4zisierte daraufhin: \u201eMit der Aussage \u201aDa laufen nat\u00fcrlich Diskussionen.\u2018 war gemeint, dass das Thema Naturschutz und Umweltvertr\u00e4glichkeit intern in den Planungen bereits diskutiert wurde und wird.\u201c<\/p>\n<p>Zu Gespr\u00e4chen mit Naturschutzverb\u00e4nden machte die Gesch\u00e4ftsstelle zun\u00e4chst keine weiteren Angaben. Die Anfrage werde an das Amt f\u00fcr Stadtgr\u00fcn und Gew\u00e4sser der Stadt Leipzig weitergeleitet, dort begleite man das Projekt von Anbeginn.<\/p>\n<p>Ein alter Konflikt<\/p>\n<p>Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. Bereits 2019 verlie\u00dfen NABU, BUND, \u00d6kol\u00f6we und weitere Akteure den Runden Tisch zur Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK). Zuvor war bereits die Gr\u00fcne Liga ausgestiegen. Die Umweltverb\u00e4nde begr\u00fcndeten ihren R\u00fcckzug damals mit grundlegenden Differenzen \u00fcber die Ausrichtung der Entwicklung im Leipziger Neuseenland. Aus ihrer Sicht dominierten touristische Ausbauinteressen, w\u00e4hrend \u00f6kologische Belange zunehmend in den Hintergrund gerieten.<\/p>\n<p>Die aktuellen R\u00fcckmeldungen kn\u00fcpfen an die bereits 2019 formulierte Kritik der Umweltverb\u00e4nde an.<\/p>\n<p>Gerade dieser Punkt wirft Fragen auf. Denn die Machbarkeitsstudie der Schiffseisenbahn benennt selbst zahlreiche naturschutzfachliche Unsicherheiten. Aussagen zu Artenschutz, FFH-Vertr\u00e4glichkeit oder konkreten Ausgleichsma\u00dfnahmen werden weitgehend in sp\u00e4tere Genehmigungsverfahren verschoben.<\/p>\n<p>Die Reihenfolge ist dabei bemerkenswert: Zun\u00e4chst wurde die Machbarkeit eines touristischen Gro\u00dfprojekts untersucht. Die naturschutzfachliche Bewertung soll dagegen erst im weiteren Genehmigungsverfahren erfolgen. Gleichzeitig erkl\u00e4ren die ma\u00dfgeblichen Naturschutzverb\u00e4nde der Region \u00fcbereinstimmend, an der Machbarkeitsstudie nicht beteiligt gewesen zu sein und von dem Projekt teilweise erst durch die Recherche der Leipziger Zeitung erfahren zu haben.<\/p>\n<p>Wie daraus am Ende tats\u00e4chlich ein genehmigungsf\u00e4higes und weithin akzeptiertes Projekt werden soll, erscheint zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt unklar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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