{"id":1161366,"date":"2026-07-12T13:48:23","date_gmt":"2026-07-12T13:48:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1161366\/"},"modified":"2026-07-12T13:48:23","modified_gmt":"2026-07-12T13:48:23","slug":"abschied-von-intendant-wilfried-schulz-im-schauspielhaus-duesseldorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1161366\/","title":{"rendered":"Abschied von Intendant Wilfried Schulz im Schauspielhaus D\u00fcsseldorf"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der rote Vorhang \u00f6ffnet sich. Im Gro\u00dfen Haus funkeln Sterne. Die B\u00fchne ist gef\u00fcllt mit dem gesamten Ensemble, einige stehen, andere sitzen. Keiner bewegt sich. Ein Bild wie ein Gem\u00e4lde \u2013 und ein magischer Moment gleich zu Beginn des allerletzten Abends der \u00c4ra Schulz. \u201eAlways Under Construction\u201c ist das musikalische Abschiedsgeschenk des Theaters nach zehn erfolgreichen Jahren an das Publikum. Die meisten der Schauspieler und Schauspielerinnen wird man hier nicht mehr sehen, sie ziehen weiter. Deshalb schwingt Wehmut mit bei diesem Anblick.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Applaus ist derart st\u00fcrmisch, dass Rosa Enskat sich lange gedulden muss, bis zu ihrem Einsatz. Dann singt sie \u201eEverything Must Change\u201c von Quincy Jones und ber\u00fchrt damit die Herzen. Schon dabei werden viele Kehlen eng. Am Ende, nach dem mitrei\u00dfenden \u201eLove the One You\u2019re With\u201c des ganzen Ensembles, flie\u00dfen dann auch Tr\u00e4nen, auf der B\u00fchne wie im Zuschauersaal.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gut zweieinhalb Stunden dauert das fabelhaft konzipierte Programm von Andr\u00e9 Kaczmarczyk und dem Pianisten und Komponisten Matts Johan Leenders. Ein hochemotionaler R\u00fcckblick auf Rollen und Geschichten aus zehn Jahren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und voller Staunen: Wie gro\u00dfartig die alle singen k\u00f6nnen! Das hat man in dieser F\u00fclle noch nie erlebt. Manche aus dem Ensemble treten solo auf, andere zu zweit oder zu dritt. Bewegend, wenn Rainer Philippi \u201eWei\u00dft du, wie es war\u201c von Hermann van Veen singt, Manuela Alphons danach \u201eWilfried\u201c ruft, zu einem Abschiedsl\u00e4ndler ansetzt, und Claudia H\u00fcbbecker mit \u201eEin Schmetterling werd ich einst sein\u201c die Szene beendet.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Man erinnert sich mit Hanna Werth und \u201eAlone\u201c an \u201eThe Queen\u2019s Men\u201c, mit Tabea Bettins \u201eArie der Lucy\u201c an die \u201eDreigroschenoper\u201c, mit Kaczmarczyks \u201eEin Mensch zu sein\u201c an den Liederabend \u201eHeart of Gold\u201c. Man schwelgt mit Rosa Enskat und Thomas Wittmann bei \u201eHeirat\u201c aus \u201eCabaret\u201c und beklatscht den fulminanten Auftritt von Lou Strenger mit Songs aus demselben Musical. Christian Friedels Medley aus \u201eDer Sandmann\u201c, \u201eHamlet\u201c und \u201eDorian\u201c ist einer der H\u00f6hepunkte, Burghart Klau\u00dfner mit \u201eRock Around the Clock\u201c eine \u00dcberraschung.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zwischen die Songs sind Wortbeitr\u00e4ge eingestreut. Minna W\u00fcndrich rezitiert \u201eEine Theatervorstellung\u201c von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/martin-walser\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martin Walser<\/a>, Florian Lange den Prolog aus \u201eArbeit und Struktur\u201c von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wolfgang-herrndorf\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wolfgang Herrndorf<\/a>. Christian Erdmann bringt alle zum Lachen bei \u201eIch und der gro\u00dfe Text\u2026\u201c, toll geschrieben von Chefdramaturg Robert Koall.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Urkomisch gibt Markus Danzeisen den sprachakrobatischen Nonsens-Monolog \u201eUrsonate\u201c von Kurt Schwitters. Und wie lustig h\u00f6rt es sich an, wenn Helge Schneiders \u201eHeute hab ich gute Laune\u201c von f\u00fcnf K\u00f6nnern dargeboten wird, die mit dem hinrei\u00dfenden WhatsApp-Chor von Milena Michalek aus \u201eAmphitryon\u201c noch eins draufsetzen. Alle Beteiligten sind hier leider nicht zu nennen. Ein Geschenk, wie wahr. Niemand, der diesen Abend miterlebte, wird ihn vergessen.<\/p>\n<p>Reden von Ina Brandes und Miriam Koch      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Begonnen hatte er im Foyer mit Reden zur Intendanz von Wilfried Schulz. \u201eWir h\u00e4tten ihn gern noch behalten\u201c, sagte NRW-Kulturstaatsministerin <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ina-brandes\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ina Brandes<\/a>. Sie beleuchtete den erschwerten Start 2016 und unterteilte die Dekade in drei Phasen: \u201eDie erste ohne Haus, die zweite mit Corona, die dritte als Ernte harter Arbeit.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schulz habe es zur Kunstform erkoren, aus der Not eine Tugend zu machen, er habe das Theater in die Stadt und die Menschen ins Theater gebracht. Das Besondere an ihm? \u201eDie Mischung aus hoher Seriosit\u00e4t mit einem Funken Wahnsinn, der gro\u00dfes Theater erm\u00f6glichte.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">D\u00fcsseldorfs Kulturdezernentin <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/miriam-koch\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Miriam Koch<\/a> sprach von Vertrauen, Verbundenheit, vielleicht sogar einem St\u00fcck Heimat, das Schulz geschaffen habe. Ihm sei es immer darum gegangen, Menschen einzuladen. \u201eWegen dieser Haltung wird diese Intendanz immer in Erinnerung bleiben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eD\u00fcsseldorf braucht es\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Schlusswort hatte der Intendant. Er bedankte sich beim Ensemble, den Regisseuren und Regisseurinnen, den freien K\u00fcnstlern, den Partnern aus der Politik, den B\u00fcrgern der Stadt. \u201eDieses Haus geh\u00f6rt niemandem, dieses Haus geh\u00f6rt allen. D\u00fcsseldorf braucht es.\u201c Sein Abschiedswunsch: \u201eEin Bewusstsein f\u00fcr die Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit des Theaters.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Was er jetzt mache, werde er oft gefragt. Seine Antwort: \u201eKeine Ahnung. Ich freue mich auf das weite Feld vor mir.\u201c Es rauschte der Beifall, es regnete goldenen Flitter. Ein Abschied. Und doch auch ein Neubeginn. Das Theater bleibt in Bewegung, eine ewige Baustelle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der rote Vorhang \u00f6ffnet sich. Im Gro\u00dfen Haus funkeln Sterne. 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