{"id":1163498,"date":"2026-07-13T12:20:16","date_gmt":"2026-07-13T12:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1163498\/"},"modified":"2026-07-13T12:20:16","modified_gmt":"2026-07-13T12:20:16","slug":"leserbriefe-zu-yad-vashem-reines-gedenken-ihre-sz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1163498\/","title":{"rendered":"Leserbriefe zu Yad Vashem: Reines Gedenken? &#8211; Ihre SZ"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Streitgespr\u00e4ch <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/yad-vashem-aussenstellen-muenchen-leipzig-volker-beck-meron-mendel-erinnerungskultur-israel-li.3492827\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201e\u201aDer Kampf um die Erinnerung ist ja ein Kampf um die Gegenwart&#8217;\u201c<\/a> vom 10. Juni:<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung der Siedlungspolitik<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ist jetzt die richtige Zeit f\u00fcr eine Yad-Vashem-Gedenkst\u00e4tte in M\u00fcnchen? Wir m\u00fcssen die Erinnerung an den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Holocaust\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Holocaust<\/a> bewahren, gerade jetzt, da die Zeitzeugen immer weniger werden und antisemitische Stimmen zunehmen. Aber M\u00fcnchen braucht in der jetzigen Situation kein Dokumentationszentrum, das von einem Unterst\u00fctzer der israelischen Siedlungspolitik gebaut wird. Bei Dani Dayan, dem Direktor von Yad Vashem, darf man Person und Tat nicht trennen. Die israelische Siedlungspolitik verhindert seit Jahrzehnten den Friedensprozess im Nahen Osten, sie war einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern der Osloer Vertr\u00e4ge.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Israel bricht mit seiner nachvollziehbar v\u00f6lkerrechtswidrigen Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten seit Jahrzehnten das V\u00f6lkerrecht. Die Siedlungen in den besetzten Gebieten sind oft sogar nach israelischem Recht illegal. Israel enth\u00e4lt den Pal\u00e4stinensern B\u00fcrger- und Menschenrechte vor, dies ist immer wieder von verschiedenen, auch israelischen, Menschenrechtsorganisationen dokumentiert worden: Gefangennahme und Bestrafung von Verd\u00e4chtigen ohne Gerichtsverfahren. Kollektive Bestrafung von pal\u00e4stinensischen M\u00e4nnern, Frauen und Kindern f\u00fcr Delikte und Verbrechen Einzelner. Israel errichtet ein weitl\u00e4ufiges Stra\u00dfennetz auf konfisziertem, pal\u00e4stinensischem Land, das aber nur j\u00fcdische Siedler und die israelischen Besatzungstruppen benutzen d\u00fcrfen. Dieses Stra\u00dfennetz durchschneidet die Wohngebiete der einheimischen arabischen Bev\u00f6lkerung, die an den unz\u00e4hligen israelischen Kontrollpunkten schikaniert und in ihrem t\u00e4glichen Leben behindert wird. Mit Siedlungsau\u00dfenposten eignen sich israelische Siedler immer wieder neues Land an und vertreiben die Besitzer. All dies geschieht offensichtlich mit R\u00fcckendeckung der israelischen Regierung und des israelischen Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nat\u00fcrlich sind Holocaust und Siedlungspolitik nicht vergleichbar, aber die Verletzungen der Menschenrechte in den besetzten Gebieten sind so schwerwiegend, dass gerade wir Deutschen vor dem Hintergrund der historischen Schuld im Dritten Reich diese Situation nicht ignorieren d\u00fcrfen. Eine Yad-Vashem-Gedenkst\u00e4tte sollte erst dann in Deutschland errichtet werden, wenn auch den Pal\u00e4stinensern in den besetzten Gebieten die fundamentalen Menschen- und B\u00fcrgerrechte gew\u00e4hrt werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dr. Christa und Markus Bachmeier, Oberhaching<\/p>\n<p>Keine unabh\u00e4ngige Institution<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Jubel ist gro\u00df. Dabei w\u00e4ren einige nachdenkliche \u00dcberlegungen angebracht, wie sie auch von Meron Mendel und Jens-Christian Wagner vorgetragen worden sind. Im Gegensatz etwa zum NS-Dokumentationszentrum untersteht Yad Vashem der israelischen Regierung, die auch den Leiter ernennt. Premierminister Netanjahu, der Chef einer rechtsradikalen Regierung, hat den umstrittenen Dani Dayan ernannt, umstritten unter anderem deshalb, weil er Sekret\u00e4r und Pr\u00e4sident des Yesha-Rats war, der wichtigsten Vertretung der Siedler im Westjordanland. Daher ist Yad Vashem keineswegs eine unabh\u00e4ngige Forschungs- und Gedenkeinrichtung. Mit entscheidend f\u00fcr die Standortentscheidung M\u00fcnchen und Karolinenplatz war wohl auch die gro\u00dfz\u00fcgige Finanzierung durch Bayern; man spricht von 200 Millionen Euro f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre. Angesichts der sich zuspitzenden Wirtschaftslage, die auch kulturelle Einrichtungen in Mitleidenschaft ziehen d\u00fcrfte, muss die Frage erlaubt sein, ob man diese Summe nicht besser in existierende Gedenkst\u00e4tten investieren sollte, damit diese ihre wichtige Arbeit in vollem Umfang fortsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dr. Wolfgang Kort,\u00a0Unterhaching<\/p>\n<p>Trojanisches Pferd<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Soll man nicht die dramatische Warnung von Meron Mendel am besten einfach bagatellisieren? Er \u00fcbertreibt doch gewaltig, wenn er behauptet, dass die Regierung von Netanjahu angeblich mit allen Tricks das trojanische Pferd der israelischen Propaganda in Deutschland unter dem Deckmantel der Au\u00dfenstelle von Yad Vashem versucht zu installieren. Volker Beck macht sich im Gegenteil keine Sorgen. Er sieht darin \u00fcberhaupt keinen Grund zur Beunruhigung und glaubt unersch\u00fctterlich an die Werte der westlichen Demokratie und an die Perfektion der parlamentarischen Kontrollmechanismen. Die werden uns bestimmt tapfer sch\u00fctzen. Es w\u00e4re aber bl\u00f6d, wenn die Rechtsradikalen gewinnen sollten. Da h\u00e4tte \u00fcberraschend Meron Mendel recht gehabt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Jerzy Jurczyk, M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Problem f\u00fcr Akzeptanz des Gedenkens<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als Babyboomer habe ich die endlich breite Aufarbeitung des Holocaust miterlebt. Seither interessiere ich mich sehr f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und Kultur. Daher begr\u00fc\u00dfe ich die Erneuerung des j\u00fcdischen Lebens in Deutschland mit auch deutlicher Pr\u00e4senz, wie zum Beispiel der neuen Synagoge am M\u00fcnchener Jakobsplatz. Antisemitismus halte ich f\u00fcr eine gro\u00dfe gesellschaftliche Verirrung, wie \u00fcberhaupt jeden Rassismus, und kann es oft nicht glauben, dass Menschen sich so verirren oder verirren lassen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Von daher halte ich die deutsche Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur f\u00fcr wichtig, aber international auch f\u00fcr beispiellos. Mithilfe von Gedenkst\u00e4tten, Mahnmalen, Stolpersteinen, Dokumentationszentren und Zeitzeugenberichten kann man sich \u00fcber alle Aspekte des Holocaust informieren und ber\u00fchren lassen und sich emp\u00f6ren. Der Unterricht an allen allgemeinbildenden Schulen thematisiert ihn eindeutig als unvorstellbares Unrecht, und auch die meisten Medien tun desgleichen. Der Besuch Yad Vashems in Jerusalem durch deutsche Politiker setzt ein weiteres Zeichen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auf Seiten der Deutschen f\u00fchrt dies neben einem kritischen Bewusstsein aber auch zu Scham und einen Komplex mit der eigenen nationalen Identit\u00e4t. Es herrscht das Gef\u00fchl vor, genug getan zu haben, um das Vergessen zu vermeiden und die Erz\u00e4hlung fortzuf\u00fchren. Dass es in bestimmten Landstrichen und Milieus nicht so gelingt, ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ich halte daher die Er\u00f6ffnung zweier Filialen von Yad Vashem in Deutschland f\u00fcr einen Fehler, eben gerade auch an repr\u00e4sentativen Orten wie dem Karolinenplatz in M\u00fcnchen. Deutschland hat mit dem Mahnmal an einem zentralen Ort in Berlin gezeigt, dass es stark genug ist f\u00fcr diese Auseinandersetzung mit der eigenen dunklen Geschichte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zudem ist Yad Vashem eben dem Gedenken des Holocaust auf Art des Staates Israel vorbehalten. Auch wenn die Sicherheit Israels laut f\u00fchrender deutscher Politiker Staatsr\u00e4son ist, ist der Staat Israel weltpolitisch umstritten und hat in der Erinnerungskultur der Deutschen keinen der Sache dienlichen eindeutigen Platz. Ich f\u00fcrchte daher um die Akzeptanz des Gedenkens an den Holocaust.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Uwe Lehmann, Bamberg<\/p>\n<p>Erst mal Stolpersteine<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mal abgesehen davon, dass ich unserem Ministerpr\u00e4sidenten misstraue, dass er es als Ehre empfindet, in M\u00fcnchen von Yad Vashem ein Bildungszentrum eingerichtet zu bekommen, betr\u00fcbt es mich nachhaltig und immer wieder, dass es ausgerechnet in der \u201eHauptstadt der Bewegung\u201c keine Stolpersteine gibt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ich bem\u00fche mich immer wieder, das subjektive Empfinden zu respektieren, dass niemals und von niemandem j\u00fcdische, aus politischen Interessen diskriminierte Namen mit F\u00fc\u00dfen getreten werden d\u00fcrfen. Aber ich erlebe in jeder Stadt, dass man inneh\u00e4lt vor diesen goldenen Steinen, verharrt, liest, nachdenkt\u00a0\u2013 und sich quasi verbeugt vor den Opfern dieser unglaublichen Rohheit eines menschenzerst\u00f6renden Systems. Ich finde, die Steine geh\u00f6ren auch nach M\u00fcnchen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gerlinde Gropper,\u00a0Aschau<\/p>\n<p>Hinweis<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Leserbriefe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leserbriefe<\/a> sind in keinem Fall Meinungs\u00e4u\u00dferungen der Redaktion, sie d\u00fcrfen gek\u00fcrzt und in allen Ausgaben und Kan\u00e4len der S\u00fcddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, ver\u00f6ffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und des Wohnorts. 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