{"id":1165470,"date":"2026-07-14T07:30:19","date_gmt":"2026-07-14T07:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1165470\/"},"modified":"2026-07-14T07:30:19","modified_gmt":"2026-07-14T07:30:19","slug":"so-blicken-die-anwohner-des-wuppertaler-ortsteils-kohlfurth-auf-die-flut-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1165470\/","title":{"rendered":"So blicken die Anwohner des Wuppertaler Ortsteils Kohlfurth auf die Flut zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWir k\u00f6nnen jetzt zwar \u00fcber die App fr\u00fchzeitig sehen, wann das Wasser kommt, aber es kommt trotzdem. Wir h\u00e4tten dann die M\u00f6glichkeit, Sachen wegzur\u00e4umen, aber sicher sind wir dadurch nicht.\u201c Wolfgang Wandel, Anwohner des Wuppertaler Ortsteils Kohlfurth an der Grenze zu Solingen, ist entt\u00e4uscht. F\u00fcnf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe, die Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz heimsuchte, haben sich Bewohner der Kohlfurth getroffen. Sie sprachen mit unserer Zeitung \u00fcber das Ereignis \u2013 und was sich seitdem getan hat \u2013 und vor allem, was noch dringend notwendig ist, um eine solche Katastrophe kein zweites Mal erleben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Hans-J\u00fcrgen Gr\u00f6ll erinnert sich noch genau an die ersten Minuten des 14. Juli 2021. \u201eAls ich gesehen habe, wie das Wasser aus dem Gully schoss, dachte ich nur: Oh, oh, oh! Da war mir klar, was passieren w\u00fcrde. Das ging ruckzuck. Und wir hatten ja keine Handhabe, weil uns vorher niemand gewarnt hat. Ich habe mich erst einmal in die K\u00fcche gesetzt, mir stand das Wasser bis zu den Knien.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wenn er von der Schicksalsnacht berichtet, rei\u00dfen seine Augen furchtsam auf, als w\u00e4re es gestern gewesen. Es ist alles immer noch sehr pr\u00e4sent. \u201eK\u00fcche, Wohnzimmer, Esszimmer, W\u00e4nde, Heizung, alles war hin\u00fcber. Ich hatte nur noch das Schlafzimmer im Obergeschoss. Aber ich habe dann bei meiner Tochter gewohnt, die wohnt am Berg.\u201c Ein halbes Jahr habe es gedauert, bis das Haus wieder bewohnbar war. \u201eAber es hat bis heute gedauert, bis alles fertig ist. Also inklusive Au\u00dfenanlagen\u201c, sagt Gr\u00f6ll und macht deutlich: \u201eH\u00e4tte ich die Kinder nicht gehabt, h\u00e4tte ich das nicht geschafft.\u201c Seit 73 Jahren wohnt Hans-J\u00fcrgen Gr\u00f6ll in der Kohlfurth. \u201eDie Wupper ist nie \u00fcber die Ufer getreten.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das hatte auch Sabine Geisler gehofft, die ein paar Meter weiter mit ihrer Frau in ein Fachwerkhaus gezogen war. \u201eWir fanden das sehr idyllisch.\u201c Das Haus sei gerade erst vom Dach bis zum Keller kernsaniert worden. \u201eWir hatten zu dem Zeitpunkt drei Wochen darin gewohnt.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als die Flut kam, seien die Gedanken nur so umhergeschwirrt: \u201eIch habe zu meiner Frau gesagt: Raphaela, fahr das Auto auf den Berg! Sie meinte: Warum? Ich sag: Tu\u2019s einfach! Dann habe ich alle Sicherungen rausgemacht. Wir haben Kleinm\u00f6bel nach oben getragen. Zwei Tage sa\u00dfen wir in der ersten Etage ohne Strom. Die Notdurft haben wir auf dem Balkon verrichtet, sp\u00e4ter den Keller ausgepumpt.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine gro\u00dfe Hilfe sei die evangelische Kirchengemeinde gewesen, betont Wolfgang Wandel. \u201e\u00dcber die Gemeinde und Pfarrer Hoppe lief eine Hilfsaktion an mit einer Liste von Freiwilligen.\u201c Und wo anfangen? Hauptsache loslegen. Der Garten des Strandcaf\u00e9s war nur noch Schlamm. Die Autowerkstatt stand unter Wasser. Ein Gastank von der Tankstelle hatte sich gel\u00f6st und floss den Kaltenbach herunter. Die Feuerwehr war hinterher.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass viele Anwohner und Helfer nur noch funktionierten, war unvermeidlich. \u201eNur in der Ecke sitzen und heulen, geht ja nicht\u201c, sagt Sabine Geisler und verweist auf ihren Schaden. \u201eWir waren zwar versichert, aber wir mussten zehn Prozent Eigenbeteiligung leisten. Wir hatten f\u00fcr die Kernsanierung des Hauses schon 100\u2005000 Euro investiert, jetzt kamen noch mal 30\u2005000 Euro dazu.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und seitdem? \u201eSinnvoll sind R\u00fcckschlagventile f\u00fcr die Toilette\u201c, sagt Hans-J\u00fcrgen Gr\u00f6ll. \u201eDa gibt es eine Klappe, die sich nur nach au\u00dfen \u00f6ffnet, also das Abwasser durchl\u00e4sst, aber nichts aus der Kanalisation hineinflie\u00dft.\u201c Oder Flutfenster, die extremem Wasserdruck standhalten. \u201eDie Anwohner am Kaltenbachweg haben sich so etwas einbauen lassen\u201c, wei\u00df Sabine Geisler. Aber bei unserem Fachwerk ergibt das keinen Sinn, da kommt das Wasser durch die W\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aber das sind nur \u2013 so hohl die Phrase sein mag \u2013 Tropfen auf den hei\u00dfen Stein. Verantwortlich ist der Wupperverband, der Ma\u00dfnahmen erarbeitet und Konsequenzen getroffen hat. Doch der Hochwasserschutz ist eine langfristige Aufgabe. Die Kurve des Flusses soll aufgeweitet werden, hei\u00dft es. Vor dem Kl\u00e4rwerk in der Kohlfurth macht sie einen scharfen Bogen. \u201eDann w\u00fcrde sie schneller abflie\u00dfen\u201c, zitiert Geisler die Argumente. \u201eAber getan hat sich noch nichts.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf Nachfrage der WZ beim Wupperverband erkl\u00e4rt Sprecherin Susanne Fischer: \u201eEs handelt sich um den Wupperknick, der parallel zur Stra\u00dfe Unterkohlfurth n\u00f6rdlich der Br\u00fccke der L74 verl\u00e4uft. Die Stelle wirkte bei h\u00f6heren Abfl\u00fcssen teils wie ein Flaschenhals. Hier flie\u00dft die Wupper fast in einem 90-Grad-Winkel um die Kurve.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Engpass werde beseitigt, der Bereich k\u00fcnftig doppelt so breit sein. \u201eZurzeit l\u00e4uft die Ausschreibung; wenn ein passender Dienstleister gefunden wird, kann die Ma\u00dfnahme noch diesen Sommer umgesetzt werden.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zudem soll der Wasserspiegel in den Talsperren zu bestimmten Jahreszeiten gesenkt werden, um ein \u00dcberlaufen bei Starkregen zu vermeiden. \u201eDie Talsperren waren damals bis zur Kante gef\u00fcllt, sonst w\u00e4re das nicht so heftig geworden\u201c, mutma\u00dft Hans-J\u00fcrgen Gr\u00f6ll immer noch.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Susanne Fischer vom Wupperverband: \u201eIm Winterhalbjahr wurde schon immer Freiraum etwa in der Wupper-Talsperre als Hochwasserschutzraum freigehalten. Nach dem Hochwasser halten wir auch im Sommerhalbjahr Raum als Puffer f\u00fcr gro\u00dfe Regenmengen frei, um die Sicherheit f\u00fcr solche Ereignisse zu verbessern.\u201c Wenn die Talsperren, so wie aktuell in der Trockenphase, einen niedrigeren Stauinhalt haben, so Fischer weiter, \u201esteht ein noch gr\u00f6\u00dferes R\u00fcckhaltevolumen zur Verf\u00fcgung\u201c. Ende Juni waren nach Angaben des Wupperverbands \u201eallein in der Wupper-Talsperre rund 13 Millionen Kubikmeter Stauraum frei.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">An diesem Tag flie\u00dft die Wupper ganz ruhig. Es ist ein fast wolkenloser Himmel, der Pegel an der Kohlfurther Br\u00fccke ist unkritisch. Die Wupper konnte ja nichts daf\u00fcr\u201c, sagt Sabine Geisler. \u201eEs verbleibt immer ein Risiko, an einem Fluss zu wohnen. Aber wir leben weiterhin gerne hier.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eWir k\u00f6nnen jetzt zwar \u00fcber die App fr\u00fchzeitig sehen, wann das Wasser kommt, aber es kommt trotzdem. 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