{"id":11660,"date":"2025-04-06T23:45:23","date_gmt":"2025-04-06T23:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/11660\/"},"modified":"2025-04-06T23:45:23","modified_gmt":"2025-04-06T23:45:23","slug":"reality-show-schickt-briten-auf-migrationsrouten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/11660\/","title":{"rendered":"Reality-Show schickt Briten auf Migrationsrouten"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 22.03.2025 11:04 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Eine britische Reality-Show schickt die Teilnehmer auf Migrationsrouten ins Vereinigte K\u00f6nigreich. Das soll ihnen die Augen \u00f6ffnen, meint der Sender. Doch wie wirken die Erfahrungen auf die Teilnehmer &#8211; und die Zuschauer?\u00a0<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/franziska-hoppen-106.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Franziska Hoppen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/franziska-hoppen-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich w\u00fcrde Landminen legen und jedes mit Migranten gef\u00fcllte Boot, das sich diesem Strand n\u00e4hert, in die Luft jagen.&#8220; So stellt sich Dave zu Beginn der Reality-Show &#8222;Go back to where you came from&#8220; des \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Channel Four als Teilnehmer vor. Migranten seien wie Ungeziefer, f\u00fcgt er hinzu.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Konzept der vierteiligen Serie ist simpel &#8211; zu simpel, sagen manche Kritiker.\u00a0Insgesamt sechs Briten, darunter vier Migrationsgegner, werden in zwei Gruppen geteilt. Eine Gruppe reist nach Somalia, die andere nach Syrien. \u00dcber den Libanon und Kenia m\u00fcssen sich die Teams nach Lampedusa durchschlagen, von dort nach Frankreich und zur\u00fcck \u00fcber den \u00c4rmelkanal.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Realit\u00e4t von Migranten unterwegs nach Gro\u00dfbritannien ist ungleich h\u00e4rter &#8211; bis zur \u00dcberfahrt \u00fcber den \u00c4rmelkanal riskieren sie ihr Leben.\n                    <\/p>\n<p>    Wie der Sender das Konzept verkauft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wird diese augen\u00f6ffnende Reise die Herzen und Meinungen der Teilnehmer bewegen k\u00f6nnen?&#8220;, fragt Channel Four.\u00a0Zun\u00e4chst scheint es nicht so. In Mogadischu m\u00fcsse mal jemand aufr\u00e4umen, meint Teilnehmer Nathan. Und die Syrer sollten lieber Rakka wieder aufbauen statt\u00a0in Gro\u00dfbritannien Sozialgelder abzusahnen,\u00a0findet Chloe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAlles halb so wild in diesen vom Krieg gezeichneten und bettelarmen L\u00e4ndern, so klingt es. Die Migranten seien selbst schuld an ihrer Lage. Eine Stimme vor Ort, die das mit Fakten zurechtr\u00fcckt, gibt es nicht. \u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMedienwissenschaftler Anamik Saha von der Universit\u00e4t Leeds kritisiert das: &#8222;Es fehlt an Geschichte, Kontext, schlicht an Fakten.&#8220; Stattdessen konzentriere sich die Show auf menschliche Schicksale.<\/p>\n<p>    Selten geh\u00f6rte Stimmen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuf ihrer Reise treffen die Briten Menschen, die im Krieg alles verloren haben, in Ruinen leben oder in Zelten in Fl\u00fcchtlingslagern. Menschen, die mit den britischen G\u00e4sten trotzdem ihr Essen teilen und ihnen Schutz bieten.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass diese echten Fl\u00fcchtlinge wiederum im britischen Fernsehen zu Wort kommen, selbst ihre Geschichten erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, lobt Saha: &#8222;Denn diese Stimmen h\u00f6ren wir sonst nicht in den Medien. Zu Migration \u00e4u\u00dfern sich normalerweise nur Politiker und die britische \u00d6ffentlichkeit.&#8220; Und das meistens negativ konnotiert, meint der Medienwissenschaftler.\u00a0<\/p>\n<p>    Kritik von NGOs<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDennoch haben sich gerade Fl\u00fcchtlingsorganisationen ver\u00e4rgert \u00fcber die Reality-Show ge\u00e4u\u00dfert. Mitarbeiter der NGO Imix etwa, die sich f\u00fcr mehr Repr\u00e4sentation von Gefl\u00fcchteten in britischen Medien einsetzt, schauten die Serie gemeinsam mit Asylbewerbern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Alle waren sich einig, dass es zwar richtig war, die Show zu produzieren&#8220;, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Jenni Regan. &#8222;Aber der Fokus lag zu sehr auf den Briten. Eine echte Flucht zu sehen, h\u00e4tte mehr gebracht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDenn nat\u00fcrlich haben die Teilnehmer Sicherheitsleute dabei, tragen schusssichere Westen, reisen in Autos mit Chauffeuren und Panzerglas. Regan findet es paradox, dass ausgerechnet eine k\u00fcnstliche Flucht das Ph\u00e4nomen f\u00fcr Zuschauer erst begreifbar macht: &#8222;Die Erfahrung wurde f\u00fcr viele wohl erst echt, als sie Menschen wie sich selbst auf der Flucht gesehen haben.&#8220;<\/p>\n<p>    Unerwartete Erfahrungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZu den gr\u00f6\u00dften Problemen der Teilnehmer geh\u00f6rt, dass sie auf dem Schlauchboot seekrank werden oder sich vor behelfsm\u00e4\u00dfigen Toiletten ekeln. Doch je weiter sie reisen, desto mehr Empathie empfinden sie auch &#8211; und desto radikaler \u00e4ndern sie ihre Einstellungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nPl\u00f6tzlich kommt es ihnen absurd vor, dass die franz\u00f6sische Polizei bei einer n\u00e4chtlichen Razzia die Schlauchboote der Fl\u00fcchtlinge zersticht. Oder dass James aus dem Kongo, der mit seiner Familie in einem Wald an der franz\u00f6sischen K\u00fcste haust und so gerne englische B\u00fccher liest, einfach nicht die \u00dcberquerung schafft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich sch\u00e4me mich so dar\u00fcber, wie ich gedacht habe&#8220;, sagt Teilnehmerin Jess zu James. &#8222;Du h\u00e4ttest meine Chancen im Leben haben sollen. Wenn ich k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich dich nach Gro\u00dfbritannien schmuggeln.&#8220; Am Ende muss Fl\u00fcchtling James die Waliserin tr\u00f6sten: &#8222;So ist das Leben.&#8220;<\/p>\n<p>    Ein Sender mit Problemen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nChannel Four ist bekannt f\u00fcr umstrittene Reality-Shows. Das Konzept f\u00fcr &#8222;Go back to where you came from&#8220; hat der Sender aus Australien \u00fcbernommen. Dort kam die Sendung gut an.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch Channel Four, der zwar \u00f6ffentlich-rechtlich ist, sich aber privatwirtschaftlich finanzieren muss, stecke in der Krise, sagt Saha. Er m\u00fcsse einerseits komplexe Themen abdecken, andererseits Zuschauer bei der Stange halten, vor allem das junge, urbane Publikum.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Sender konkurriere also mit sozialen Netzwerken, YouTube und Streaming-Diensten. &#8222;Deshalb wird die Serie so sensationsl\u00fcstern pr\u00e4sentiert. Es ist ein verzweifelter Versuch, Aufmerksamkeit zu bekommen&#8220;, meint Saha.\u00a0<\/p>\n<p>    Ern\u00fcchternde Einschaltquoten?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Boulevardzeitung The Sun berichtet jedoch von ern\u00fcchternden Zuschauerzahlen. Die erste Folge h\u00e4tten noch fast eine Million verfolgt, bei der letzten Folge mehr als ein Drittel weniger. Eine zweite Staffel werde es nicht geben.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSaha f\u00fcrchtet, dass es vor allem der effekthaschende Titel und die provokanten Momente seien, die Zuschauern in Erinnerung bleiben, nicht die Schicksale der echten Fl\u00fcchtlinge. Die NGO Imix vermutet, dass die Serie gerade mit ihrer Schonungslosigkeit Zuschauer erreicht hat, die sich sonst nur bedingt mit dem Thema Flucht auseinandersetzen w\u00fcrden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZumindest die Teilnehmer hat ihre Reise \u00fcberzeugt. Dave, der anfangs noch Fl\u00fcchtlingsboote in die Luft sprengen wollte, gelobt am Ende, Migranten in den Pub einzuladen, auf ein Pint Bier, Fish und Chips. Wenn es nach ihm gehe, seien sie in Gro\u00dfbritannien willkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 22.03.2025 11:04 Uhr Eine britische Reality-Show schickt die Teilnehmer auf Migrationsrouten ins Vereinigte K\u00f6nigreich. 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