{"id":1166748,"date":"2026-07-14T19:55:25","date_gmt":"2026-07-14T19:55:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1166748\/"},"modified":"2026-07-14T19:55:25","modified_gmt":"2026-07-14T19:55:25","slug":"zehn-jahre-putschversuch-tuerkei-am-naechsten-morgen-ging-die-hexenjagd-los-und-sie-war-blutig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1166748\/","title":{"rendered":"Zehn Jahre Putschversuch T\u00fcrkei: &#8222;Am n\u00e4chsten Morgen ging die Hexenjagd los, und sie war blutig&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Zehn Jahre Putschversuch T\u00fcrkei&#8220;Am n\u00e4chsten Morgen ging die Hexenjagd los, und sie war blutig&#8220;14.07.2026, 19:43 Uhr <img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autor-fallback.svg\" alt=\"image\"\/>Interview: Anne Renzenbrink<\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(13:29 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/A-tank-moves-into-position-as-Turkish-people-attempt-to-stop-them-in-Ankara-Turkey-early-Saturday-Ju.webp\" alt=\"A-tank-moves-into-position-as-Turkish-people-attempt-to-stop-them-in-Ankara-Turkey-early-Saturday-July-16-2016-Turkey-s-armed-forces-said-it-fully-seized-control-of-the-country-Friday-and-its-president-responded-by-calling-on-Turks-to-take-to-the-streets-in-a-show-of-support-for-the-government-A-loud-explosion-was-heard-in-the-capital-Ankara-fighter-jets-buzzed-overhead-gunfire-erupted-outside-military-headquarters-and-vehicles-blocked-two-major-bridges-in-Istanbul\"\/>In der Nacht des Putschversuchs kommen mehr als 200 Menschen ums Leben, rund 2000 werden verletzt. (Foto: picture alliance \/ AP Photo)TeilenFolgen auf:<a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/channel\/0029Va5cdVJD8SDp5YZgYF01\" title=\"Auf WhatsApp folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/whatsapp.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.google.com\/preferences\/source?q=n-tv.de\" title=\"ntv als bevorzugte Quelle auf Google hinzuf\u00fcgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/google.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Am 15. Juli vor zehn Jahren rollen Panzer auf die Bosporus-Br\u00fccke in Istanbul, Kampfjets fliegen \u00fcber die Stadt: Teile des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs versuchen, die Regierung von Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan zu st\u00fcrzen. Sie scheitern &#8211; doch am n\u00e4chsten Morgen ist die T\u00fcrkei eine andere, sagt der Journalist Can D\u00fcndar, der damals Chefredakteur der Zeitung &#8222;Cumhuriyet&#8220; war. D\u00fcndar sa\u00df von November 2015 bis Februar 2016 in der T\u00fcrkei in Untersuchungshaft und wurde 2020 von einem t\u00fcrkischen Gericht in Abwesenheit <a class=\"inline_link\" href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Journalist-Duendar-erhaelt-hohe-Haftstrafe-article22252891.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">zu mehr als 27 Jahren Haft<\/a> verurteilt. Heute lebt er im deutschen Exil. Im Interview mit ntv.de erz\u00e4hlt D\u00fcndar, welche Folgen der Putschversuch bis heute hat und welche Fragen noch immer ungekl\u00e4rt sind.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">ntv.de: In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 versuchen Teile des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs, Erdogan gewaltsam zu st\u00fcrzen &#8211; und scheitern. Mehr als 200 Menschen kommen ums Leben. Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Sie vom Putschversuch mitbekommen haben?<\/b>\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Can D\u00fcndar: Ende Februar 2016 wurde ich aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Daraufhin bat ich meine Redaktion um eine Auszeit und fuhr nach Barcelona, um ein Buch fertigzuschreiben. Nach zwei Wochen bekam ich einen Anruf von meinen Kollegen: Da passiert etwas auf der Bosporus-Br\u00fccke in Istanbul, und es sieht nach einem Putschversuch aus. Ich wollte sofort zur\u00fcck. Ich rief meine Frau an; sie hatte sich im Haus versteckt, weil drau\u00dfen K\u00e4mpfe tobten. Unser Viertel war einer der Brennpunkte des Putschversuchs. Sie konnte Sch\u00fcsse h\u00f6ren. Ich buchte ein Flugticket in die T\u00fcrkei f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen. Ich war Chefredakteur, also musste ich zur\u00fcck. Aber am n\u00e4chsten Morgen war die T\u00fcrkei eine andere. Das Land hatte sich komplett ver\u00e4ndert. Meine Anw\u00e4lte meinten zu mir: Wenn du zur\u00fcckkommst, landest du im Gef\u00e4ngnis, bleib eine Weile in Europa. Und aus einer Weile wurden inzwischen zehn Jahre.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Can-Dundar-a-Turkish-journalist-is-seen-on-the-stage-of-Volksbuhne-am-Rudolfplatz-in-Cologne-Germany-on-March-12-2024-during-Lit-Cologne-2024-the-international-literature-festival\"\/>&#8222;Der Putschversuch war ein Wendepunkt f\u00fcr die t\u00fcrkische Demokratie&#8220;, sagt der Journalist Can D\u00fcndar. (Foto: picture alliance \/ NurPhoto)<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Was ist in den Tagen und Monaten nach dem Putschversuch passiert?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Nach dem gescheiterten Putsch begann die Verhaftungswelle. Erdogan war fest entschlossen, dass die Putschisten einen hohen Preis zahlen werden. Am n\u00e4chsten Morgen ging die Hexenjagd los, und sie war blutig. Zuerst die Soldaten, dann die Gener\u00e4le und schlie\u00dflich diejenigen, die sie unterst\u00fctzt hatten. Sie wurden verhaftet. Doch damit war es noch nicht vorbei, denn Erdogan hat die Gelegenheit genutzt, um seine Macht auszubauen. Als N\u00e4chstes waren seine Gegner an der Reihe. Jeder, der sich der Regierung widersetzte, wurde als Putschist und Verr\u00e4ter gebrandmarkt. Richter und Staatsanw\u00e4lte wurden entlassen und durch seine Anh\u00e4nger ersetzt. Damit war es vorbei mit der Rechtsstaatlichkeit und der Unabh\u00e4ngigkeit der Justiz. Beamte wurden entlassen, auch Journalisten und Lehrer waren betroffen. Wir sprechen hier von Zehntausenden von Menschen. Und Erdogan rief den Ausnahmezustand aus. Der Putschversuch war ein Wendepunkt f\u00fcr die t\u00fcrkische Demokratie. Tats\u00e4chlich war er einer der wichtigsten Wendepunkte in den vergangenen hundert Jahren t\u00fcrkischer Geschichte. Nach einem Referendum 2017 \u00e4nderte Erdogan zudem das gesamte politische System: Die T\u00fcrkei bekam ein Pr\u00e4sidialsystem.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Die Putschisten wollten also die Regierung st\u00fcrzen, doch das Gegenteil passiert: Erdogan gelingt es, seine Macht zu st\u00e4rken.<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Ja.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Welche Folgen hatte der Putschversuch f\u00fcr Journalisten und konkret Ihre Kollegen bei &#8222;Cumhuriyet&#8220;?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Mehr als 100 Journalisten sa\u00dfen im Gef\u00e4ngnis. Das war eine Methode, die Medien zum Schweigen zu bringen und f\u00fchrte zu Selbstzensur. Auch Kollegen von mir kamen ins Gef\u00e4ngnis, meist wegen angeblicher Unterst\u00fctzung einer Terrororganisation. Denn Erdogan bezeichnete die Putschisten als Terrororganisation. Und jeder, der sie interviewte, konnte leicht als Verr\u00e4ter oder Terrorist gebrandmarkt werden.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Erdogan macht den Prediger Fethullah G\u00fclen f\u00fcr den Putschversuch verantwortlich, der stritt das ab. Er hatte in der T\u00fcrkei und dar\u00fcber hinaus eine einflussreiche Bewegung aufgebaut und lebte in den USA, wo er 2024 starb. Wer war er und wie war die Beziehung mit Erdogan?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">G\u00fclen war ein bekannter Imam in der T\u00fcrkei. Er hatte Millionen von Anh\u00e4ngern. Es war fast wie eine Sekte. Wer von ihm als Partei oder Politiker unterst\u00fctzt wurde, profitierte davon. Als Erdogan die Chance hatte, an die Macht zu kommen, verb\u00fcndete er sich mit ihm. Erdogan bekam seine Unterst\u00fctzung, im Gegenzug vergab er wichtige Posten in der Verwaltung, der Polizei und der Armee. Das war also eine Win-Win-Situation f\u00fcr beide. Aber sie mochten sich nicht. Es war ein Machtkampf. Ab 2013 begannen sie, sich gegenseitig anzugreifen. Uns wurde klar, dass dieses Machtspiel f\u00fcr das Land immer gef\u00e4hrlicher wurde. Dann stand ein entscheidendes Ereignis an: Im August tagt der Milit\u00e4rrat. Dort werden die wichtigsten Gener\u00e4le der Armee ernannt. Eine Theorie besagt, dass Erdogan erkannte, dass die meisten Gener\u00e4le der G\u00fclen-Bewegung angeh\u00f6rten, und daher die wichtigsten Gener\u00e4le austauschen wollte. Laut der Theorie beschlossen die G\u00fclenisten, noch vor der Sitzung im August zu putschen. Denn w\u00e4ren die Gener\u00e4le ausgetauscht worden, h\u00e4tten sie ihre Macht innerhalb der Armee verloren. Doch es gibt nach wie vor Hunderte von Fragezeichen rund um den Putschversuch.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Kann man sicher sagen, wer der Drahtzieher hinter dem Putschversuch war?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Es gibt zwei Theorien. Die eine besagt, dass die G\u00fclen-Bewegung innerhalb der Armee, der Polizei, der akademischen Kreise und der Verwaltung so gro\u00df und m\u00e4chtig war, dass sie die Regierung st\u00fcrzen wollten. Und dass G\u00fclen vorhatte, ins Land zur\u00fcckzukehren. Die andere Theorie besagt, dass Erdogan sie gew\u00e4hren lie\u00df, dass er zulie\u00df, dass sie diesen Putschversuch initiierten. Demnach wusste er, dass G\u00fclen etwas vorbereitete, und ihm wurde klar, dass er dies als Gelegenheit nutzen konnte. \u00dcber diese beiden Theorien gibt es seit zehn Jahren heftige Diskussionen. Die erste Theorie l\u00e4sst die Beteiligung von Erdogan au\u00dfer Acht. Und die zweite Theorie ignoriert die Macht der G\u00fclenisten. Ich vermute also, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Warum?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die G\u00fclenisten waren m\u00e4chtig genug, um all das zu organisieren. Und sie waren auch f\u00fcr mich gef\u00e4hrlich. H\u00e4tten sie Erfolg gehabt, w\u00e4re die T\u00fcrkei kein demokratisches Land gewesen, sondern ein islamisches Regime. Und ich glaube fest daran, dass sie versucht haben, einen Putsch gegen Erdogan zu organisieren. Auf der anderen Seite war Erdogan auch nicht unschuldig. Ein paar Stunden lang hat er nichts unternommen, sondern einfach abgewartet. Er h\u00e4tte einige Anf\u00fchrer des Putschversuchs bereits festnehmen k\u00f6nnen, aber er lie\u00df sie weiter machen. Er rief die Menschen dazu auf, auf die Stra\u00dfe zu gehen. Er nutzte die Menschen, um sich selbst zu sch\u00fctzen, sodass er nach dem Putschversuch als Held dasteht. Ich habe eine Dokumentation \u00fcber den Putschversuch gedreht. Letztendlich komme ich zu dem Schluss, dass keine Seite wirklich unschuldig ist.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Was ist mit der G\u00fclen-Bewegung passiert, nachdem G\u00fclen gestorben ist?\u00a0<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Einige Richter, Staatsanw\u00e4lte, Soldaten und Gener\u00e4le halten sich irgendwo in Europa versteckt. Einige von ihnen haben versucht, die Bewegung wieder zusammenzuf\u00fchren. Aber ohne G\u00fclen war das unm\u00f6glich. Sie haben versucht, etwas Neues auf die Beine zu stellen, und sind gescheitert. Und einige von ihnen schlossen sich mit Erdogan zusammen. Wir k\u00f6nnen heute von keiner starken Bewegung mehr sprechen, au\u00dfer in Deutschland. Denn hier beobachte ich ein Missverst\u00e4ndnis in manchen Kreisen: Wenn sie gegen Erdogan k\u00e4mpfen, m\u00fcssen sie zu den Guten geh\u00f6ren. Einige von ihnen sind wirklich unschuldig. Aber ich bin mir sicher, dass die Anf\u00fchrer sich eigentlich nicht von Erdogan unterschieden.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Werden Menschen in der T\u00fcrkei heute, zehn Jahre sp\u00e4ter, immer noch wegen angeblicher Verbindungen zur G\u00fclen-Bewegung verfolgt?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Ja, es geht immer noch weiter.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Werfen wir einen Blick auf die j\u00fcngsten Entwicklungen in der T\u00fcrkei. Im Mai ordnet ein Gericht die Absetzung des Vorsitzenden der CHP, \u00d6zg\u00fcr \u00d6zel, an. Die CHP ist die gr\u00f6\u00dfte Oppositionspartei. Deren ehemaliger Vorsitzender Kemal K\u0131l\u0131\u00e7daro\u011flu soll die Partei wieder f\u00fchren. Was ist der Hintergrund dieser Entwicklung?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Zum ersten Mal seit Erdogans Amtsantritt hat er eine Wahl verloren: die Kommunalwahlen im Jahr 2024. Da schrillten die Alarmglocken. Ihm wurde klar, dass er bei einer fairen Wahl verlieren w\u00fcrde. Also hatte er zwei Optionen. Die erste: Als Pr\u00e4sident und Parteivorsitzender muss er die Menschen \u00fcberzeugen. Doch viele Menschen haben nach einem Vierteljahrhundert an der Macht genug von Erdogans Regime. Ihm blieb nur noch eine Option: die Opposition auszuschalten. Daf\u00fcr brauchte er jedoch einen Grund und einen Ersatz. K\u0131l\u0131\u00e7daro\u011flu war der ehemalige Parteivorsitzende, der 13 Wahlen gegen Erdogan verloren hatte. Und durch ein Gerichtsurteil wurde der Parteitag der CHP f\u00fcr rechtswidrig erkl\u00e4rt. F\u00fcr Erdogan ist das der perfekte Zeitpunkt f\u00fcr vorgezogene Wahlen. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es ein Leichtes, zu gewinnen. Und das ist dem Putschversuch zu verdanken. Erdogan kann mittels der Justiz die Politik gestalten.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Die Reaktion Europas auf das Vorgehen gegen die Opposition ist eher verhalten.<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Manchmal verurteilen sie das, aber das hat keine Bedeutung. Und Erdogan wei\u00df das. Demokratie hat keine Priorit\u00e4t, Menschenrechte und Pressefreiheit haben keine Priorit\u00e4t. Sicherheitsbed\u00fcrfnisse, eine starke Armee in der Region und die Rolle der T\u00fcrkei als wichtiges Nato-Mitglied sind im Moment wichtiger als alles andere.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Wie steht es heute um Erdogans Macht im Vergleich zu 2016?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">2016 war auch das Jahr der Fl\u00fcchtlingskrise. Das verschaffte ihm in jenem Jahr enormen Einfluss. Viele wollten Erdogan nicht kritisieren, weil das Fl\u00fcchtlingsabkommen f\u00fcr Europa, insbesondere f\u00fcr Deutschland, so wichtig war. Sie wollten sich nicht darauf einlassen. Und das ist nach wie vor der Fall. Angesichts des Krieges in der Ukraine, des Krieges im Iran und der Sicherheitsbed\u00fcrfnisse Europas ist Erdogan f\u00fcr viele Europ\u00e4er nun noch wichtiger.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Wie steht es um seine Macht innerhalb der T\u00fcrkei?\u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Meinungsumfragen von damals zeigten, dass er etwa 60 Prozent der Stimmen erhalten k\u00f6nnte. Heute liegen sie bei 30 Prozent. Vor allem aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden hat er die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung verloren. Auf internationaler Ebene ist er einflussreicher als im eigenen Land.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Was erwarten Sie beispielsweise von der deutschen Regierung?\u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Ich verstehe ihre Sicherheitsbed\u00fcrfnisse. Aber sie k\u00f6nnen Bedingungen stellen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Ist die Demokratie in der T\u00fcrkei verloren?\u00a0\u00a0<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Es stehen immer noch Wahlen an, und wir sind immer noch Menschen, die auf den Wahltag warten. Und alle Meinungsumfragen zeigen, dass Erdogan verlieren w\u00fcrde. Nach Ungarn waren viele Menschen tats\u00e4chlich hoffnungsvoller denn je. Wir haben gesehen, dass selbst ein sehr m\u00e4chtiger Autokrat seinen Einfluss verlieren kann. Das ist wichtig. Und diese Hoffnung ist immer noch da.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\"><b class=\"bold\">Es gibt Angriffe und Drohungen gegen im deutschen Exil lebende Journalisten aus der T\u00fcrkei. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?<\/b><\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Wenn man jemanden wie Erdogan kritisiert, ist man nirgendwo sicher, vor allem aber nicht in Deutschland, wo es eine gro\u00dfe t\u00fcrkische Community gibt, die Erdogan gr\u00f6\u00dftenteils unterst\u00fctzt. Und es gibt Berichte dar\u00fcber, dass der t\u00fcrkische Geheimdienst in Deutschland sehr aktiv ist. Doch die Dinge \u00e4ndern sich. Mittlerweile gibt es viele Neuank\u00f6mmlinge aus der T\u00fcrkei: Wissenschaftler, Journalisten, \u00c4rzte und Anw\u00e4lte fliehen vor dem Regime, ein enormer Braindrain. F\u00fcr die T\u00fcrkei ist das bedauerlich, aber f\u00fcr uns ist es eine Chance. Jetzt leben unterschiedliche Communities in Deutschland. Es gibt die ersten Einwanderer der 60er Jahre und deren dritte und vierte Generation. Und eine neue Generation von Exilanten, die ich &#8222;Erdogan-Exilanten&#8220; nenne. Man sieht neue Buchhandlungen, neue Kulturzentren, neue t\u00fcrkische Restaurants. Das gleicht die Bedrohungen aus, denen wir ausgesetzt sind. Jetzt f\u00fchlen wir uns st\u00e4rker. Das ist wichtig. Und das ist eine weitere Folge des Putschversuchs: eine wachsende Exilgemeinde in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Mit Can D\u00fcndar sprach Anne Renzenbrink<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zehn Jahre Putschversuch T\u00fcrkei&#8220;Am n\u00e4chsten Morgen ging die Hexenjagd los, und sie war blutig&#8220;14.07.2026, 19:43 Uhr Interview: Anne&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1166749,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[146,13,14,15,16,244527,144,12,10,8,9,11,143],"class_list":["post-1166748","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-demokratie","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-politik","tag-putschversuch-in-der-tuerkei","tag-recep-tayyip-erdogan","tag-schlagzeilen","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-tuerkei"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116920093999550629","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1166748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1166748"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1166748\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1166749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1166748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1166748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1166748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}