{"id":1166864,"date":"2026-07-14T21:04:27","date_gmt":"2026-07-14T21:04:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1166864\/"},"modified":"2026-07-14T21:04:27","modified_gmt":"2026-07-14T21:04:27","slug":"ein-neues-festival-fuer-berlin-zehn-tage-jazz-in-allen-facetten-rolling-stone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1166864\/","title":{"rendered":"Ein neues Festival f\u00fcr Berlin \u2013 zehn Tage Jazz in allen Facetten \u2014 Rolling Stone"},"content":{"rendered":"<p>Ein neues Jazz-Festival \u2013 und eines, wie es noch keines gab. Stars wie <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/till-broenner-im-interview-ueber-italia-es-ist-die-leichtigkeit-3055631\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Till Br\u00f6nner<\/a> und Al Di Meola treten ebenso auf wie weniger bekannte, aber bei Jazzkennern hoch angesehene Musiker und Musikerinnen wie Brad Mehldau, Gonzalo Rubalcaba, Stacey Kent oder Ida Nielsen. Zehn Tage lang, vom 20. bis 30. Juli, finden an jedem Abend tolle Konzerte im Gasometer Berlin statt.<\/p>\n<p>Darunter auch die von ROLLING STONE pr\u00e4sentierte \u201ePrince Experience\u201c am 24. Juli mit den beiden fr\u00fcheren Prince-Bassist:innen Ida Nielsen und MonoNeon.<\/p>\n<p>Veranstalter des ZigZag Jazz Festivals ist der Chef des gleichnamigen Clubs in der Sch\u00f6neberger Hauptstra\u00dfe, Dimitris Christides. ROLLING STONE sprach mit ihm \u00fcber das neue Highlight des Berliner Festival-Sommers.<\/p>\n<p><strong>Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm zusammengestellt, was war die Idee hinter dem neuen Jazz-Festival?<\/strong><\/p>\n<p>Ich buche eigentlich keine Musikrichtungen, ich buche Menschen. Wenn man im Laufe der Jahre Tausende von Konzerten produziert hat, entwickelt man ein Gesp\u00fcr f\u00fcr K\u00fcnstler, die etwas Authentisches zu sagen haben. Technisches K\u00f6nnen ist wichtig, aber die Pers\u00f6nlichkeit ist viel wichtiger. Ich m\u00f6chte K\u00fcnstler, die auf die B\u00fchne treten und sofort eine Verbindung zum Publikum herstellen.<\/p>\n<p>Die Idee hinter dem Festival war nie, ein weiteres Jazz-Festival zu schaffen. Europa hat bereits viele gro\u00dfartige Festivals. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem das Publikum das gesamte Spektrum dessen erleben kann, was Jazz heute ausmacht. Legend\u00e4re K\u00fcnstler, j\u00fcngere Stimmen, verschiedene Kulturen, verschiedene Generationen. Berlin verdient ein Festival, das die Stadt selbst widerspiegelt.<\/p>\n<p>\u201eIch wollte einen Ort schaffen, an dem man das ganze Spektrum des Jazz erleben kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>Welche Rolle spielt der Begriff \u201eJazz\u201c heute \u00fcberhaupt noch? Ist er f\u00fcr Sie noch vornehmlich ein musikalisches Genre oder eher eine Stimmung oder eine Haltung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, dass wir manchmal zu viel Zeit damit verbringen, Jazz definieren zu wollen. F\u00fcr mich ging es immer um Neugier. Die Bereitschaft, zuzuh\u00f6ren, Risiken einzugehen und Raum f\u00fcr \u00dcberraschungen zu lassen.<\/p>\n<p>Wenn man sich die Musiker in unserem Programm ansieht, klingen sie alle v\u00f6llig unterschiedlich. Niemand w\u00fcrde Gonzalo Rubalcaba mit Ute Lemper oder Al Di Meola mit Ivan Lins verwechseln. Und doch geh\u00f6ren sie alle hierher. Das zeigt mir, dass Jazz viel mehr ist als ein Genre. Es ist eine Denkweise.<\/p>\n<p><strong>Sie bringen Musiker verschiedener Generationen und unterschiedlichster musikalischer Biografien zusammen. Ist das eine bewusste Dramaturgie?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall. Ich mochte noch nie Festivals, bei denen jedes Konzert wie das vorherige klingt. Ich m\u00f6chte, dass jemand an einem Abend kommt und Dee Dee Bridgewater h\u00f6rt, dann am n\u00e4chsten Abend wegen Brad Mehldau wiederkommt und eine v\u00f6llig andere Erfahrung macht. Dieser Kontrast ist spannend. Er h\u00e4lt das Publikum neugierig. So hat sich Jazz schon immer weiterentwickelt. Jede Generation lernt von der vorherigen und findet dann ihre eigene Stimme.<\/p>\n<p><strong>Mit Gonzalo Rubalcaba steht der afro-kubanische Jazz auf dem Programm, Antonio Fara\u00f2 repr\u00e4sentiert eine europ\u00e4ische Pianotradition, Ivan Lins die brasilianische Popularmusik, Al Di Meola verbindet seit Jahrzehnten Jazz mit mediterranen und lateinamerikanischen Einfl\u00fcssen. War es euch wichtig zu zeigen, dass Jazz heute weniger eine Stilrichtung als eine gemeinsame Sprache verschiedener Musikkulturen ist?<\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Wenn ich mir dieses Programm anschaue, sehe ich eigentlich keine Nationalit\u00e4ten, ich sehe Dialoge. Ein kubanischer Pianist, ein brasilianischer Songwriter, ein italienischer Pianist, ein amerikanischer Saxofonist. Sie alle kommen mit unterschiedlichen Hintergr\u00fcnden, aber sobald sie zu spielen beginnen, verstehen sie sich sofort. Das ist eines der Dinge, die ich am Jazz am meisten liebe. Er hebt Grenzen auf, ohne die Identit\u00e4t auszul\u00f6schen.<\/p>\n<p><strong>Welche Bedeutung haben diese kulturellen Grenz\u00fcberschreitungen heute f\u00fcr den Jazz? Ist gerade diese Offenheit vielleicht sein gr\u00f6\u00dfter Trumpf?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, Offenheit war schon immer die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke des Jazz. Jazz hat \u00fcberlebt, weil er nie Angst vor Ver\u00e4nderungen hatte. Jede Generation hat etwas Neues eingebracht. Verschiedene Rhythmen, verschiedene Kulturen, verschiedene Instrumente, verschiedene Einfl\u00fcsse. Wenn der Jazz jemals aufh\u00f6ren w\u00fcrde, sich weiterzuentwickeln, w\u00e4re er kein Jazz mehr.<\/p>\n<p>\u201eOffenheit war schon immer die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke des Jazz.\u201c<\/p>\n<p><strong>Viele Festivals werben mit gro\u00dfen Namen. Das Quartett von Gonzalo Rubalcaba mit Chris Potter, Larry Grenadier und Eric Harland wirkt dagegen wie eine Besetzung, bei der vor allem andere Musiker ins Schw\u00e4rmen geraten. Ist das vielleicht das musikalisch anspruchsvollste Konzert Ihres Programms?<\/strong><\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte durchaus sein. Es ist kein Konzert, das auf Prominenz setzt. Es setzt auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Musikalit\u00e4t. Jeder auf dieser B\u00fchne ist in der Lage, die Richtung der Musik im Bruchteil einer Sekunde zu \u00e4ndern, und die anderen sind sofort dabei. Das sind die Konzerte, die mir am besten gefallen, weil niemand \u2013 auch die Musiker selbst nicht \u2013 genau wei\u00df, was passieren wird.<\/p>\n<p><strong>Ist dieses Konzert eher etwas f\u00fcr Jazzkenner oder kann man sich auch ohne gro\u00dfes Vorwissen einfach darauf einlassen?<\/strong><\/p>\n<p>Oft wird angenommen, Jazz sei schwierig. Das denke ich nicht. Man muss weder Harmonie noch Improvisation verstehen, um Emotionen zu sp\u00fcren. Ich habe schon erlebt, wie Konzertbesucher, die zum ersten Mal dabei waren, v\u00f6llig \u00fcberw\u00e4ltigt den Saal verlie\u00dfen, weil sie etwas Ehrliches und Spontanes erlebt hatten. Musik wirkt, noch bevor man sie erkl\u00e4ren kann.<\/p>\n<p><strong>Kurt Rosenwinkel und Brad Mehldau gelten f\u00fcr viele Musiker als pr\u00e4gende Figuren des modernen Jazz. Was macht ihre Zusammenarbeit so au\u00dfergew\u00f6hnlich?<\/strong><\/p>\n<p>Beide haben die Sprache ihrer Instrumente ver\u00e4ndert. Aber was mich am meisten beeindruckt, ist, dass keiner von beiden spielt, um die Leute zu beeindrucken. Alles, was sie tun, dient der Musik. Wenn solche K\u00fcnstler gemeinsam auftreten, h\u00f6rt man kein Ego. Man h\u00f6rt Vertrauen.<\/p>\n<p><strong>Beide verbinden enorme harmonische Komplexit\u00e4t mit einer fast popmusikalischen Melodik. Ist das vielleicht das Geheimnis ihrer Ausnahmestellung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, gro\u00dfe K\u00fcnstler lassen Komplexit\u00e4t immer nat\u00fcrlich wirken. Brad und Kurt k\u00f6nnen unglaublich anspruchsvolle Musik spielen, aber irgendwie wirkt das nie intellektuell. Man erinnert sich an Melodien. Man erinnert sich an Emotionen. Das ist viel schwieriger, als einfach nur schwierige Musik zu spielen.<\/p>\n<p><strong>Dee Dee Bridgewater erfindet sich seit Jahrzehnten immer wieder neu. Was macht sie heute noch zu einer so au\u00dfergew\u00f6hnlichen Live-K\u00fcnstlerin?<\/strong><\/p>\n<p>Sie betritt die B\u00fchne nach wie vor mit vollem Engagement. Es gibt keine Routine. Sie gibt jedem Publikum alles. Das ist nach einer so langen Karriere unglaublich selten. Man schaut Dee Dee Bridgewater nicht zu, weil sie ber\u00fchmt ist. Man schaut ihr zu, weil sie bei jedem Auftritt lebendig ist.<\/p>\n<p>\u201eFr\u00fcher bewunderte ich Al Di Meolas Geschwindigkeit, heute seine Ruhe.\u201c<\/p>\n<p><strong>Al Di Meola war in den Siebzigerjahren fast ein Rockstar des Jazz. Was fasziniert Sie heute an ihm?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich j\u00fcnger war, bewunderte ich seine Geschwindigkeit. Heute bewundere ich seine Ruhe. Er muss nichts mehr beweisen. In seinem Spiel steckt eine Selbstsicherheit, die nur mit Erfahrung kommt, und ich finde das viel interessanter als reine Virtuosit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Ute Lemper ist vielleicht die \u00fcberraschendste K\u00fcnstlerin im Programm. Verk\u00f6rpert sie mit Brecht, Weill und dem Chanson auch eine europ\u00e4ische Tradition des Jazz und passt sie deshalb besonders gut nach Berlin?<\/strong><\/p>\n<p>Genau. In Berlin dreht sich nicht alles nur um Jazzclubs. Es geht auch um Theater, Literatur, Kabarett und k\u00fcnstlerische Freiheit. Ute bringt diese gesamte Kulturgeschichte mit. Sie erinnert uns daran, dass Jazz schon immer im Dialog mit anderen Kunstformen stand, und es gibt nur sehr wenige St\u00e4dte, in denen sich das nat\u00fcrlicher anf\u00fchlt als in Berlin.<\/p>\n<p><strong>Es gibt einen Abend, der sich als Hommage an Prince versteht, und zwei L\u00e4nderabende \u2013 Italien und Brasilien. Wie ist diese Idee entstanden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe es schon immer geliebt, Erlebnisse zu schaffen, anstatt einfach nur Konzerte zu pr\u00e4sentieren. Italien und Brasilien haben der Musik so viel gegeben, dass sie es verdienen, als eigenst\u00e4ndige Welten gefeiert zu werden. F\u00fcr einen Abend kann das Publikum in eine andere Kultur eintauchen, andere Rhythmen, andere Geschichten und andere Emotionen erleben. Ich glaube, an solche Abende erinnert man sich.<\/p>\n<p><strong>Das Festival findet in einer Stadt mit einer der lebendigsten Jazzszenen Europas statt. Verfolgen Sie die Berliner Szene regelm\u00e4\u00dfig? Gibt es Musiker oder Entwicklungen, die Sie besonders spannend finden?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, nat\u00fcrlich. Einer der Gr\u00fcnde, warum ich in Berlin geblieben bin, ist, dass die Stadt Musiker aus aller Welt anzieht. Man h\u00f6rt amerikanischen Jazz, europ\u00e4ischen Jazz, Einfl\u00fcsse aus dem Nahen Osten, lateinamerikanische Musik, elektronische Musik und klassische Musiker, die sich alle gegenseitig inspirieren. Genau das hat Zig Zag schon immer sein wollen: kein Club mit einer einzigen Identit\u00e4t, sondern ein Treffpunkt, an dem Unerwartetes passieren kann. Ich hoffe, dass dieses Festival eine Erweiterung dieser Idee wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zigzag-jazzfestival.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">zigzag-jazzfestival.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein neues Jazz-Festival \u2013 und eines, wie es noch keines gab. 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