{"id":1167854,"date":"2026-07-15T06:58:15","date_gmt":"2026-07-15T06:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1167854\/"},"modified":"2026-07-15T06:58:15","modified_gmt":"2026-07-15T06:58:15","slug":"leipzig-braucht-konsequenten-hitzeschutz-ein-aufruf-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1167854\/","title":{"rendered":"Leipzig braucht konsequenten Hitzeschutz: Ein Aufruf! \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Die Hitzewellen der vergangenen Jahre waren auch bei uns in Leipzig nicht ganz ohne, trotzdem hat sich zum Jahre 2026 etwas verschoben. Wie es scheint, sind wir vom klimatischen Zustand der einzelnen Wetterextreme in eine Phase \u00fcbergegangen, in der das Wetter relativ konstant an den Extremen kratzt. Deshalb durften wir vielerorts von einer \u201eneuen Normalit\u00e4t\u201c lesen, doch diese \u201eneue Normalit\u00e4t\u201c wird sich nicht auf dem Level von 41\u00b0C im Juni in Leipzig einpegeln \u2013 und damit eben keine \u201eNormalit\u00e4t\u201c werden.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die erschreckenden Ereignisse in diesem Jahr nur Zwischenschritte auf dem Weg in eine Welt, die sich kaum jemand vorstellen kann.<\/p>\n<p>Deutlich wurde die aktuelle Phase der Klimakrise durch die historische Hitzewelle im Juni 2026. Westfrankreich hatte mehrere Tage mit Temperaturen teils \u00fcber 44\u00b0C erlebt (Anfang Juli brach schon die dritte diesj\u00e4hrige Hitzewelle \u00fcber Frankreich herein), es wurden hunderte von Allzeitrekorden aufgestellt \u2013 wohlgemerkt einen Monat vor der klimatologisch hei\u00dfesten Zeit \u2013 die nicht lange halten werden.<\/p>\n<p>Denn in der gleichen Hochdruck-Wetterlage einen Monat sp\u00e4ter w\u00e4ren punktuell bis zu 47\u00b0C denkbar gewesen. Konkret hei\u00dft das, dass Menschen schneller sterben, vom S\u00e4ugling bis zum Rentner, dass die \u00c4cker ver\u00f6den und manche Menschen den Nachmittag im Keller verbringen.<\/p>\n<p>Fragw\u00fcrdige Rekorde<\/p>\n<p>Deutschland r\u00fcckte relativ sp\u00e4t ins Zentrum der Juni-Hitzewelle, dennoch wurden zahlreiche neue Rekorde aufgestellt. Im Rheintal wurde beispielsweise die t\u00f6dliche Hitzewelle vom August 2003 mit 12 Tagen \u00fcber 35\u00b0C in Folge \u00fcberboten (damals waren es 11 Tage). Etliche Stationsrekorde mit Werten deutlich \u00fcber 40\u00b0C wurden aufgestellt, inklusive einer ganzen Serie neuer deutscher Allzeitrekorde. Rekorde, die eben eigentlich erst Ende Juli, Anfang August zu erwarten sind. Nicht zu vergessen, dass Temperaturen jenseits der 40\u00b0C selbst in der hei\u00dfesten Phase des Jahres bis vor wenigen Dekaden schlicht nicht vorkamen.<\/p>\n<p>Da die diesj\u00e4hrige Juni-Hitze langsam von Westen nach Osten wanderte, lag Leipzig lange Zeit etwas abseits vom Geschehen, hat aber nicht nur <a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/umweltindikatoren\/indikator-heisse-tage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">10 Tage<\/a> um die 30\u00b0C in Folge erlebt, sondern mit Samstag, dem 27. Juni 2026, auch ungekannte Temperaturrekorde verzeichnet. Von 41\u00b0C am meteorologischen Institut \u00fcber 40\u00b0C an der DWD-Station Holzhausen, wurde die magische Grenze von 40\u00b0C mehrfach geknackt. Die N\u00e4chte waren ebenfalls rekordwarm, und gerade in der N\u00e4he aufgeheizter Betonfl\u00e4chen, die unsere Stadt auch nachts als Hitzespeicher maltr\u00e4tierten, wurde die urbane Hitzeglocke teils unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Wer sich nicht im Keller verkriechen oder mit der Klimaanlage (besser: <a href=\"http:\/\/utopia.de\/ratgeber\/alternative-zur-klimaanlage-viele-warmepumpen-konnen-kuhlen-v2_548830\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">W\u00e4rmepumpe im R\u00fcckw\u00e4rts-Modus<\/a>) die eigenen vier W\u00e4nde k\u00fchlen konnte, hat gelitten und wird zunehmend leiden. Drau\u00dfen ganz besonders, denn das Fahrradfahren war aufgrund fehlender Stra\u00dfenb\u00e4ume eine Tortur sondergleichen. Das Passieren \u00fcberdimensionierter Kreuzungen als Fu\u00dfg\u00e4nger war nicht minder schwei\u00dftreibend und ersch\u00f6pfend, gerade vulnerable Menschen kamen schnell an ihre Grenzen.<\/p>\n<p>Am Samstag, dem H\u00f6hepunkt der Hitzewelle, hatten schlie\u00dflich die Bitumenfugen der Stra\u00dfenbahngleise Hitze und Sonne nichts mehr entgegenzusetzen, bis hin zum mehrt\u00e4gigen Totalausfall.<\/p>\n<p>Leipzig ist nicht gegen Hitze gewappnet<\/p>\n<p>Diese Hitzewelle zeigte auf, was f\u00fcr infrastrukturelle Defizite sowohl in Deutschland als auch in Leipzig herrschen. Nach vorl\u00e4ufigen Zahlen der \u00dcbersterblichkeit, sind zwischen 22. und 28. Juni mindestens 7.000 Menschen durch Hitze zus\u00e4tzlich ums Leben gekommen. Viele davon ganz sicher auch in Leipzig.<\/p>\n<p>Somit ist dieses Ereignis auch ein Fingerzeig, wohin die klimatische Reise noch gehen wird \u2013 und wor\u00fcber hinaus! Machen wir uns ehrlich, dann sehen wir, dass Wasserspender hier und da keine ausreichende Klimaanpassung sind. Es m\u00fcssen die gro\u00dfen R\u00e4der gedreht werden. Es braucht sowohl ein professionelles Hitze-Notfallmanagement \u2013 vom Oberb\u00fcrgermeister bis zur Verwaltung muss vor und w\u00e4hrend einer Hitzewelle wiederholt und prominent gewarnt und informiert werden \u2013 als auch andererseits effektive Anpassungsma\u00dfnahmen. Sie sind kein nice to have, sie retten Leben!<\/p>\n<p>B\u00e4ume statt Asphalt sind entscheidend f\u00fcr eine menschengerechte und klimaresiliente Stadt, insofern diese Ver\u00e4nderungen im Stadtbild nicht nur punktuell, sondern m\u00f6glichst fl\u00e4chig umgesetzt werden. Einen anderen Weg gibt es nicht, wenn wir nicht weiter riskieren wollen, dass vulnerable Menschen den Sommer potenziell nicht \u00fcberleben, dass Menschen f\u00fcr Tage bis Wochen aufgrund der Hitze kaum arbeitsf\u00e4hig sind oder Kinder in \u00fcberhitzte Schulen m\u00fcssen, wo ihre Lernf\u00e4higkeit schon aus physiologischen Gr\u00fcnden ins Bodenlose sinkt.<\/p>\n<p>Unsere Kollegen, unsere Nachbarn, unsere Kinder sind die Betroffenen. Und wenn wir weiter in die Zukunft blicken, dann werden wir auch in Leipzig Temperaturen erleben, bei denen Vulnerabilit\u00e4t kein Ma\u00dfstab mehr ist \u2013 denn 47\u00b0C raffen auch gesunde K\u00f6rper schnell dahin.<\/p>\n<p>Fehlende Finanzmittel <a href=\"http:\/\/www.vhs-leipzig.de\/p\/495-C-F130M01K\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">d\u00fcrfen nicht als Ausrede<\/a> herhalten, die zwingend notwendige Umgestaltung des \u00f6ffentlichen Raumes aus den Augen zu verlieren. Die Reduktion von Asphalt muss im Mittelpunkt der Anpassungsma\u00dfnahmen stehen, Diskussionen um Parkpl\u00e4tze m\u00fcssen die Unversehrtheit der Stadtbev\u00f6lkerung mitdenken, einschlie\u00dflich des Erhalts und der Renaturierung vorhandener Waldfl\u00e4chen, die eine extrem kritische Rolle f\u00fcr die urbane Biodiversit\u00e4t spielen, als R\u00fcckzugsort bei unertr\u00e4glicher Hitze und in ihrer Funktion in einer Schwammstadt. Es braucht daher mutig, schnell und verantwortungsvoll handelnde Akteure auf allen kommunalen Ebenen.<\/p>\n<p>Der Aufruf<\/p>\n<p>Enden soll dieser Text mit den unver\u00e4nderten Worten aus jenem Aufruf, auf dem er beruht, sowie den Namen derer, die sich in dieser Sache f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unserer Stadt engagiert haben \u2013 und sich weiter engagieren:<\/p>\n<p>\u201eAls Vertreter:innen der Leipziger B\u00fcrgerschaft und verschiedener Initiativen, fordern wir Politik und Verwaltung dazu auf, die aktuelle Hitzewelle zum Anlass zu nehmen, noch einmal kritisch den Status Quo sowohl der Hitze-Notfallpl\u00e4ne als auch der Klimaanpassungsma\u00dfnahmen zu erfassen und die Dringlichkeit zu erh\u00f6hen. Insbesondere sollte die weitere Umsetzung des beschlossenen Klimasofortprogramms forciert und dabei die Erkenntnisse zu blau-gr\u00fcner Infrastruktur internalisiert werden.\u201c<\/p>\n<p>u. a.<br \/>\u00b7 Karsten Haustein, Klimaforscher und Meteorologe, Uni Leipzig<br \/>\u00b7 Luisa Milazzo, Anw\u00e4ltin, Redakteurin, Dozentin, Parents for Future, stellv. Mitglied Klimaschutzbeirat<br \/>\u00b7 Joachim Eckstein, Energiegenossenschaft Leipzig EGL eG<br \/>\u00b7 Tony Kremser, stellv. Mitglied des Klimaschutzbeirats der Stadt Leipzig; Vorstandsmitglied, NABU Leipzig<br \/>\u00b7 Lisa Falkowski, Biologin und Toxikologin, Greenpeace Leipzig<br \/>\u00b7 Dr. Heike Wex, Leibniz-Institut f\u00fcr Troposph\u00e4renforschung, Leipzig<br \/>\u00b7 Anna-Lisa M\u00f6bius, Stadtr\u00e4tin, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen<br \/>\u00b7 Timothy Atkins, Stadtbezirksbeirat Alt-West, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen<\/p>\n<p>(Dieser Text ist die freie Bearbeitung eines Aufrufs, der w\u00e4hrend der Juni-Hitzewelle an Politik und Stadtverwaltung gerichtet wurde.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Hitzewellen der vergangenen Jahre waren auch bei uns in Leipzig nicht ganz ohne, trotzdem hat sich zum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1167855,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,11607,61772,33452,25539,952,22173,71,859],"class_list":["post-1167854","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-hitze","tag-hitzebelastung","tag-hitzeschutz","tag-klimaanpassung","tag-klimawandel","tag-kommunale-klimaanpassung","tag-leipzig","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1167854"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167854\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1167855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1167854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1167854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1167854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}