{"id":1171961,"date":"2026-07-16T22:34:23","date_gmt":"2026-07-16T22:34:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1171961\/"},"modified":"2026-07-16T22:34:23","modified_gmt":"2026-07-16T22:34:23","slug":"befreiungsschlag-oder-eskapismus-feministischer-buchclub-diskutiert-miranda-julys-auf-allen-vieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1171961\/","title":{"rendered":"Befreiungsschlag oder Eskapismus? Feministischer Buchclub diskutiert Miranda Julys \u201eAuf allen vieren&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\t<a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/befreiungsschlag-oder-eskapismus-feministischer-buchclub-diskutiert-miranda-julys-auf-allen-vieren\/?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121297_528_pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/befreiungsschlag-oder-eskapismus-feministischer-buchclub-diskutiert-miranda-julys-auf-allen-vieren\/?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121298_782_print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\"\/><\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-71269\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/se-FeministischerBuchclub6-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\"  \/>Lea Braun, Initiatorin und Moderatorin des \u201eFeministischen Buchclubs\u201c (Mitte oben im Bild) hat sich einem Gespr\u00e4chskreis angeschlossen.<\/p>\n<p id=\"message\">Im Garten der Kart\u00e4userkirche sitzen viele Frauen und ein Mann unter der sinkenden Sonne auf Liegest\u00fchlen mit einem Gl\u00e4schen Sekt. Manche haben ein Buch neben dem Stuhl liegen: \u201eAuf allen vieren\u201c von Miranda July. Um den Roman drehen sich die Gespr\u00e4che an diesem Abend. Denn heute findet die \u201eSommeredition\u201c des \u201eFeministischen Buchclubs\u201c statt, eine Veranstaltung des \u201eAnderen Buchladens\u201c und des \u201eJungen Campus\u201c. Die Bildungsplattform beruht auf einer Kooperation zwischen der Evangelischen Familienbildungsst\u00e4tte, dem Evangelischen Jugendreferat und der Melanchthon-Akademie und richtet sich strenggenommen an junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren. Beim \u201eFeministischen Buchclub\u201c sind auch einige \u00e4ltere Frauen dabei. Frauenrechte kennen keine Altersgrenze. Die Moderatorin und Studienleiterin der Melanchthon-Akademie Lea Braun hat ihn ins Leben gerufen, und der Andere Buchladen steuert den passenden Lesestoff bei. Seit neun Monaten l\u00e4uft der Buchclub \u2013 eigentlich im Buchladen. Doch im Sommer bietet der Kirchengarten einen besonders sch\u00f6nen Veranstaltungsort mit viel Platz: Braun hat drei Gespr\u00e4chskreise gebildet, damit alle zu Wort kommen k\u00f6nnen. Daher moderiert sie auch ausnahmsweise nicht, sondern \u00fcberl\u00e4sst den Besucherinnen selbst das Gespr\u00e4ch \u2013 und einen Zettel mit Fragen als Inspiration. Die ist gar nicht n\u00f6tig, denn die vergleichsweise schr\u00e4ge Lekt\u00fcre heizt gleich die Diskussion an: Es handelt sich um einen \u201eRoadtrip\u201c, der unplanm\u00e4\u00dfig keiner wird \u2013 eher eine skurrile Reise ins Innenleben der Protagonistin, einer mittelm\u00e4\u00dfig bekannten K\u00fcnstlerin. Sie schenkt sich selbst zum 45. Geburtstag einen Trip mit dem Auto von der Westk\u00fcste der USA nach New York. Doch wenige Kilometer von ihrem Vorstadthaus entfernt verliebt sie sich vermeintlich in Davey, der ihre Autoscheibe an der Tankstelle saubermacht, mietet sich in einem billigen Motel ein und l\u00e4sst sich von Daveys Frau das Motelzimmer f\u00fcr 20.000 Dollar umgestalten \u2013 w\u00e4hrend sie mit ihm eine eher seltsame Aff\u00e4re hat.<\/p>\n<p>\nMenopause, Identit\u00e4t und absurde Wendungen: Was der Roman aufw\u00fchlt\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-71270\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/se-FeministischerBuchclub7-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\"  \/>Am Fu\u00df manches Liegestuhles liegt das Buch \u201eAuf allen Vieren\u201c bereit.<\/p>\n<p id=\"message\">Das Buch war als Lekt\u00fcre f\u00fcr den Sommerleseclub vorgegeben. Selbst h\u00e4tte sie es sich vermutlich nicht ausgesucht, sagt eine Besucherin. Das Thema Menopause habe sie nicht angesprochen. Aber dann habe die facettenreiche Pers\u00f6nlichkeit der Protagonistin sie gefesselt \u2013 und die Frage, welche absurden Geschehnisse sich eine Autorin ausdenken kann, oder ob sie vielleicht gar nicht ausgedacht sind. Kann Frau tats\u00e4chlich so unterwegs sein? F\u00fcr viele sind ihre Handlungen schwer nachvollziehbar: \u201eIch hatte wirklich Schwierigkeiten, mich mit der Hauptperson zu identifizieren\u201c, sagt eine Frau. Eine andere fand es \u201ecool, in das Gehirn einer Person zu gucken, wenn sie \u2013 vielleicht \u2013 eine manische Phase hat.\u201c Mancher war das zu viel: \u201eIch bin ausgestiegen, als sie das Hotelzimmer umgestaltet hat\u201c, meint eine. \u00dcber die Szene ist auch Lea Braun gestolpert. \u201eDas ist ein Moment der Selbstbestimmung, aber eben gar nicht nachhaltig\u201c, findet sie. Friederike Dobisch vom Anderen Buchladen sieht das anders: \u201eIst es nicht gut, im Leben einmal etwas Absurdes zu tun, einmal mit allen Regeln zu brechen?\u201c Die Sitznachbarin hat einen Grund daf\u00fcr ausgemacht: \u201eVielleicht ist es eine Vermeidungsstrategie, um sich von sich selbst abzulenken.\u201c<\/p>\n<p>\nPatriarchale Pr\u00e4gungen und das Schweigen \u00fcber Leid\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-71266\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/se-FeministischerBuchclub2-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\"  \/>Die Gespr\u00e4che beim \u201eFeministischen Buchclub\u201c im Garten der Kart\u00e4userkirche finden in kleineren Kreisen statt.<\/p>\n<p id=\"message\">Auch das Gespr\u00e4ch in der Nachbarrunde ist mittlerweile in tiefere Gefilde eingetaucht: Man k\u00e4mpfe beim Lesen mit den patriarchalischen Vorstellungen von Sex, von denen alle gepr\u00e4gt sind, sagt eine Frau. Sie habe bei sich selbst bei der Lekt\u00fcre Widerstand dagegen entdeckt \u2013 gegen das Aussteigen aus den Konventionen. Eine Gespr\u00e4chspartnerin hat Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr: \u201eDie Frau ist in ihrer Ehe unzufrieden, muss ihrem Mann Sex geben, sonst ist er nicht gl\u00fccklich. Er k\u00fcmmert sich um das Kind und wird daf\u00fcr gelobt, aber sie wird nicht gesehen.\u201c Eine Aussage des Romans sei: \u201eSchau einmal, wie wenig reicht, um zu sagen, dass ein Mann ein guter ist.\u201c Im Nachbarkreis erinnert der Mann an die im Buch erw\u00e4hnte schwierige Geburt der Protagonistin, bei der ihr Kind fast gestorben w\u00e4re. Man ist sich einig: Sie und ihr Mann seien sp\u00fcrbar traumatisiert, w\u00fcrden dar\u00fcber aber nicht reden. Es w\u00fcrde viel verheimlicht \u2013 Leid, Bed\u00fcrfnisse. Daf\u00fcr w\u00fcrden spezielle R\u00e4ume geschaffen: das Hotelzimmer f\u00fcr den Sex mit dem Fremden und heimliche Junkfood-Orgien mit den Freundinnen.<\/p>\n<p>\nDas Fazit: Individueller Aufbruch oder feministischer Befreiungsschlag?\n<\/p>\n<p id=\"message\">Das Fazit des Abends lautet: Der Roman beschreibt einen Befreiungsschlag. Aber ist es ein individueller oder ein feministischer? W\u00e4hrend der Diskussion macht eine Frau eine Entdeckung: \u201eSagt mal, ist euch eigentlich aufgefallen, dass man an keiner Stelle im Roman erf\u00e4hrt, wie die Hauptfigur eigentlich hei\u00dft?\u201c Das hatte keine Leserin bemerkt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/befreiungsschlag-oder-eskapismus-feministischer-buchclub-diskutiert-miranda-julys-auf-allen-vieren\/?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121297_528_pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/befreiungsschlag-oder-eskapismus-feministischer-buchclub-diskutiert-miranda-julys-auf-allen-vieren\/?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121298_782_print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\"\/><\/a><\/p>\n<p>Text: Susanne Esch<br \/>Foto(s): Susanne Esch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a0 Lea Braun, Initiatorin und Moderatorin des \u201eFeministischen Buchclubs\u201c (Mitte oben im Bild) hat sich einem Gespr\u00e4chskreis angeschlossen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1171962,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1828],"tags":[245482,245483,29,58022,87752,245484,245485,30,241567,50785,1420,10489,30590,1209],"class_list":["post-1171961","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-koeln","tag-anderer-buchladen","tag-auf-allen-vieren","tag-deutschland","tag-evangelische-familienbildungsstaette","tag-feministische-literatur","tag-feministischer-buchclub","tag-feministischer-buchclub-koeln","tag-germany","tag-junger-campus","tag-kartaeuserkirche-koeln","tag-koeln","tag-melanchthon-akademie","tag-miranda-july","tag-nordrhein-westfalen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116932043060771422","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1171961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1171961"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1171961\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1171962"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1171961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1171961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1171961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}