{"id":1172293,"date":"2026-07-17T01:52:53","date_gmt":"2026-07-17T01:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1172293\/"},"modified":"2026-07-17T01:52:53","modified_gmt":"2026-07-17T01:52:53","slug":"wasserstoff-speichern-in-oel-forscher-entwerfen-die-naechste-lohc-generation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1172293\/","title":{"rendered":"Wasserstoff speichern in \u00d6l: Forscher entwerfen die n\u00e4chste LOHC-Generation"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsche LOHC-Branche wartet noch auf ihren Durchbruch. Nun holen sich Forschende aus Aachen und Erlangen Inspiration bei einem unerwarteten Vorbild aus der Natur. Er\u00f6ffnet das der Technik neue Perspektiven?<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/219086195-scaled-e1784203538698-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Zwei Fl\u00e4schchen mit blauem Deckel und Fl\u00fcssigkeiten\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Flaschen mit LOHC bei einer Pressekonferenz im Jahr 2020. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: picture alliance\/dpa | Timm Schamberger<\/p>\n<p>In jedem Kuhmagen, in jedem Sumpf setzen Bakterien Wasserstoff um; ganz ohne Hitze, K\u00e4lte oder Hochdruck. Die chemische Industrie dagegen braucht f\u00fcr dasselbe Prinzip \u00d6fen, Druckbeh\u00e4lter und seltene Edelmetalle. Diese Kluft wollen Forschende aus Aachen und Erlangen nun verkleinern.<\/p>\n<p>Denn Wasserstoff ist zwar ein Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr Industrie und Verkehr, doch als leichtestes Element im Periodensystem schwer zu transportieren. Als Alternative zu Hochdruck- und Fl\u00fcssigtransport gelten seit einigen Jahren <strong>Liquid Organic Hydrogen Carriers<\/strong> (LOHC). Die \u00f6lartigen Fl\u00fcssigkeiten k\u00f6nnen Wasserstoff binden und bei Bedarf wieder abgeben. Doch die Industrialisierung l\u00e4uft schleppend; eine kommerzielle Gro\u00dfanlage ist bis heute nicht in Betrieb. Im Februar musste der 2013 gegr\u00fcndete deutsche Marktf\u00fchrer Hydrogenious LOHC aus Erlangen rund die H\u00e4lfte seiner Belegschaft entlassen.<\/p>\n<p>Eine aktuelle Studie der RWTH Aachen und des Helmholtz-Instituts Erlangen-N\u00fcrnberg (HI-ERN) skizziert, wie die n\u00e4chste Generation des Tr\u00e4gerstoffs aussehen k\u00f6nnte. Dabei schauen sich die Forscher genau an, wie Wasserstoff in der Natur umgesetzt wird. <\/p>\n<p>Wie LOHC funktioniert<\/p>\n<p>Die klassische Metapher f\u00fcr LOHC ist die Pfandflasche. Denn bei dem Prozess wird ein Tr\u00e4ger\u00f6l bef\u00fcllt, geleert und wieder bef\u00fcllt, und das theoretisch Hunderte Male. <\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bei der Beladung, der <strong>Hydrierung<\/strong>, bindet ein Katalysator den Wasserstoff chemisch an das Tr\u00e4germolek\u00fcl. Als Faustregel gilt, dass ein Liter LOHC dabei rund 660 l Wasserstoff fasst. <\/li>\n<li>Der beladene Stoff l\u00e4sst sich \u00e4hnlich wie Diesel bei Umgebungsbedingungen lagern und transportieren. <\/li>\n<li>Am Ziel wird der Wasserstoff durch <strong>Dehydrierung <\/strong>wieder freigesetzt, das \u00d6l bleibt erhalten und kann von Neuem beladen werden. <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/wirtschaft\/unternehmen\/wasserstoff-sicher-transportieren-und-lagern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Diese Grundidee verfolgt Hydrogenious seit \u00fcber zehn Jahren. <\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Woran es noch hakt <\/p>\n<p>F\u00fcr die Freisetzung\/Dehydrierung sind hohe Temperaturen n\u00f6tig, im Fall des gut untersuchten LOHC-Systems N-Ethylcarbazol etwa zwischen 150 und 250 \u00b0C. Das dient auch der Sicherheit \u2013 bleibt die W\u00e4rme aus, stoppt die Freisetzung \u2013, treibt aber die Prozesskosten in die H\u00f6he. <\/p>\n<p>Denn das Verfahren braucht auch Katalysatoren aus knappen Edelmetallen wie Platin, Palladium oder Ruthenium. Weil der W\u00e4rmebedarf so hoch ausf\u00e4llt, \u00fcbersteigen die laufenden Betriebskosten (OPEX) einer Dehydrieranlage laut Studie typischerweise sogar deren Investitionskosten (CAPEX)<\/p>\n<p>Was die Natur besser kann<\/p>\n<p>Mikroorganismen setzen Wasserstoff mithilfe von Enzymen um, den <strong>Hydrogenasen<\/strong>, und zwar bei Umgebungstemperatur und mit h\u00e4ufigen Metallen wie Eisen und Nickel statt mit teurem Platin. \u201eBiologische Katalysatoren zeigen uns, wie Wasserstoff unter milden Bedingungen hochselektiv umgewandelt werden kann\u201c, so Lars Lauterbach vom Institut f\u00fcr Angewandte Mikrobiologie der RWTH Aachen. Solche Designprinzipien k\u00f6nnten aus seiner Sicht den Weg f\u00fcr eine neue Generation von LOHC-Systemen ebnen.<\/p>\n<p>Zusammengef\u00fchrt werden beide Welten im <a href=\"https:\/\/www.rwth-aachen.de\/cms\/root\/forschung\/angebote-fuer-forschende\/forschungsfoerderung\/ers-angebote\/~bpwirw\/prepfund-kohleausstieg\/?lidx=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">WSS Research Centre catalaix<\/a>: auf der einen Seite Lauterbachs Expertise in biologischen Wasserstoff-Katalysatoren, auf der anderen das Team um Peter Wasserscheid am HI-ERN, das die LOHC-Technologie einst miterfand. Wasserscheid ist \u00fcbrigens zugleich Mitgr\u00fcnder von Hydrogenious.<\/p>\n<p>Vier Prinzipien aus der Zellbiologie<\/p>\n<p>Die Studie, ein \u00dcbersichtsartikel in der Fachzeitschrift Renewable and Sustainable Energy Reviews, stellt noch kein fertiges Molek\u00fcl vor, sondern einen konzeptionellen Rahmen. Als Modell diente das intensiv erforschte LOHC-Molek\u00fcl <strong>N-Ethylcarbazol<\/strong>, dessen Stickstoffatom den biologischen Vorbildern strukturell \u00e4hnelt. Anders als die industriell genutzten Tr\u00e4ger\u00f6le ist der wasserstoffarme Stoff bei Raumtemperatur allerdings fest \u2013 und damit selbst kein idealer Tr\u00e4ger f\u00fcr den kommerziellen Gebrauch.<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ma\u00dfgeschneiderte Mikroumgebung:<\/strong> In Enzymen schirmt eine Proteintasche das reaktive Zentrum ab und unterdr\u00fcckt Nebenreaktionen. \u00dcber Ligandenh\u00fcllen oder por\u00f6se Tr\u00e4ger nachgebaut, lie\u00dfen sich unerw\u00fcnschte Ablagerungen am Katalysator vermeiden.<\/li>\n<li><strong>Redox-Vermittler:<\/strong> Eisen-Schwefel-Cluster reichen in der Zelle Elektronen mit minimalem Energieverlust weiter. \u00c4hnliche Zwischenstationen k\u00f6nnten die n\u00f6tige Reaktionstemperatur senken.<\/li>\n<li><strong>Protonengekoppelter Elektronentransfer (PCET):<\/strong> Enzyme koppeln den Transport von Protonen und Elektronen eng aneinander und k\u00f6nnen so energetisch ung\u00fcnstige Zwischenzust\u00e4nde vermeiden. Dasselbe Prinzip k\u00f6nnte die Freisetzung auch bei milderen Bedingungen steuern.<\/li>\n<li><strong>Gekoppelte Reaktionen:<\/strong> In Zellen wird ein energieliefernder mit einem energiezehrenden Schritt verkn\u00fcpft, um Verluste kleinzuhalten. Analog lie\u00dfe sich die Dehydrierung mit einem internen Kreislauf koppeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konkurrenz aus Salz und Ammoniak<\/p>\n<p>Ob diese Ans\u00e4tze je in einer realen Anlage landen, ist offen. Es handelt sich um Grundlagenforschung, deren Umsetzung Jahre dauern d\u00fcrfte. Und selbst dann muss sich LOHC gegen andere Tr\u00e4gerstoffe behaupten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Seetransport \u00fcber weite Strecken f\u00fchrt bislang kaum ein Weg an <strong>Ammoniak <\/strong>vorbei. Rund 20 Mio. t werden laut dem Chemieanlagenbauer thyssenkrupp Uhde j\u00e4hrlich verschifft, etwa 130 H\u00e4fen sind darauf eingerichtet. <strong>Methanol <\/strong>gilt ebenfalls als Kandidat, ist aber umstritten, weil beim R\u00fcckgewinnen des Wasserstoffs erneut CO2 anf\u00e4llt. Und in Rostock bindet das Start-up<strong> Akros Energy <\/strong>Wasserstoff an <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/energie\/wasserstoff-im-backpulver-was-eine-rostocker-pilotanlage-demonstrieren-will\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein Pendant zu Backpulver<\/a>. Auch dieses Verfahren nutzt einen Ruthenium-Katalysator.<\/p>\n<p>Der Vorteil von LOHC liegt ohnehin eher auf k\u00fcrzeren bis mittellangen Strecken, etwa vom Hafen ins Hinterland. Doch auch dort muss man LOHC-Projekte heute noch mit der Lupe suchen. Sollten die in Aachen und Erlangen untersuchten Prinzipien der Biologie die LOHC-Katalyse tats\u00e4chlich g\u00fcnstiger machen, w\u00e4re das ein Argument f\u00fcr den Wasserstoff-Transport im \u00d6l gegen\u00fcber anderen Tr\u00e4gerstoffen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1364032126005150?via%3Dihub\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Die vollst\u00e4ndige Studie lesen Sie hier. <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche LOHC-Branche wartet noch auf ihren Durchbruch. 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