{"id":1172563,"date":"2026-07-17T04:40:30","date_gmt":"2026-07-17T04:40:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1172563\/"},"modified":"2026-07-17T04:40:30","modified_gmt":"2026-07-17T04:40:30","slug":"entscheidung-am-europaeischen-gerichtshof-spielerberater-reglement-der-fifa-ein-fall-fuer-die-justiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1172563\/","title":{"rendered":"Entscheidung am Europ\u00e4ischen Gerichtshof: Spielerberater-Reglement der FIFA &#8211; ein Fall f\u00fcr die Justiz"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/infantino-wittmann-100.jpg\" alt=\"Gianni Infantino (l.), Spielerberater Roger Wittmann\" title=\"Gianni Infantino (l.), Spielerberater Roger Wittmann | IMAGO\/Dahmen und IMAGO\/Newscom World\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 16.07.2026 \u2022 18:04 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Der Streit um das Spielerberater-Reglement der FIFA geht in die n\u00e4chste Runde. Auch der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat keine abschlie\u00dfende Entscheidung dar\u00fcber getroffen, ob die FIFA die T\u00e4tigkeit der Berater einschr\u00e4nken und ihnen zum Beispiel Provisions-Obergrenzen vorschreiben darf.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/sendung\/reporter\/christian-mixa,autor-christian-mixa-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Christian Mixa\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/christian-mixa-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) hat sich am Donnerstag (16.07.2026) in einer sogenannten Vorab-Entscheidung mit dem Spielerberater-Reglement der FIFA befasst. Der Fu\u00dfball-Weltverband m\u00f6chte mit einem umfassenden Vorschriftenkatalog die T\u00e4tigkeit von Spielervermittlern regulieren &#8211; und verst\u00f6\u00dft damit wom\u00f6glich gegen das europaweit geltende Kartellrecht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Richter am EuGH beanstandeten zwar einzelne Punkte der Beratervorschriften, gaben aber eher allgemeine Vorgaben f\u00fcr das Landgericht Mainz, die in Deutschland mit dem Fall betraute h\u00f6chste Instanz. Dort muss nun abschlie\u00dfend die Entscheidung getroffen werden, ob das Berater-Reglement mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist und umgesetzt werden darf. Mit einem Urteil ist fr\u00fchestens zum Ende des Jahres zu rechnen. Der Streit um das Spielerberater-Reglement der FIFA geht damit in die n\u00e4chste Runde.<\/p>\n<p>    FIFA-Regularien f\u00fcr Spielervermittler &#8211; worum geht es?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Fu\u00dfball-Weltverband hatte im Jahr 2023 die &#8222;FIFA Football Agent Regulations&#8220; (FFAR) eingef\u00fchrt. Ein weltweit g\u00fcltiges Regelwerk, das Spielervermittlern umfassende Beschr\u00e4nkungen auferlegt: Neben einer Pflicht zur Lizenzierung sollten Berater ihre Verg\u00fctungen offenlegen. Zudem sollten alle Zahlungen, zum Beispiel im Rahmen von Transfers, k\u00fcnftig \u00fcber eine zentrale Stelle bei der FIFA abgewickelt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein wesentlicher Bestandteil des FIFA-Regelwerks ist eine Obergrenze f\u00fcr die Provisionen, die Berater f\u00fcr ihre Dienstleistungen erhalten: maximal sechs Prozent des Jahresgehalts eines Spielers oder bei einem Transfer bis zu zehn Prozent der Abl\u00f6sesumme.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein Fall f\u00fcr den EuGH: Das Spielerberater-Reglement von FIFA-Boss Gianni Infantino\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach einer Reihe von Klagen aus der Vermittler-Branche hatte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf im M\u00e4rz 2024 die Anwendung des FIFA-Reglements per einstweiliger Verf\u00fcgung gestoppt, die Richter sahen einen Versto\u00df gegen europ\u00e4isches Wettbewerbsrecht. Dem Weltverband und dem Deutschen Fu\u00dfball-Bund (DFB), der die Vorschriften als nationaler Verband umsetzen sollte, wurden bei Zuwiderhandlung Bu\u00dfgelder angedroht. Die FIFA wies die Verb\u00e4nde daraufhin an, das umstrittene FFAR vorerst nicht anzuwenden, bis zu einer gerichtlichen Kl\u00e4rung.<\/p>\n<p>    Warum sind FIFA-Vorschriften f\u00fcr Spielervermittler ein Fall f\u00fcr den Europ\u00e4ischen Gerichtshof?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Europ\u00e4ische Gerichtshof wacht \u00fcber die Einhaltung des freien Wettbewerbs auf dem EU-Binnenmarkt und hat sich schon in der Vergangenheit mehrfach mit F\u00e4llen aus dem internationalen Sport und den gro\u00dfen Verb\u00e4nden besch\u00e4ftigt. Organisationen wie die FIFA oder das IOC sind Wirtschaftsunternehmen mit Milliardenums\u00e4tzen, mit einer Besonderheit: In den M\u00e4rkten, auf denen sie t\u00e4tig sind, besitzen sie eine Quasi-Monopolstellung. Dies gilt auch f\u00fcr die FIFA im Fu\u00dfball &#8211; es gibt nur eine Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft, die alle vier Jahre stattfindet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sportverb\u00e4nde stehen, aufgrund ihrer wirtschaftlichen und administrativen Machtf\u00fclle, damit generell unter dem Verdacht, ein verbotenes Kartell zu bilden. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat die Hoheitsmacht der Sportverb\u00e4nde im sogenannten &#8222;Meca-Medina-Urteil&#8220; grunds\u00e4tzlich anerkannt, dabei aber Grenzen gesetzt: Vom gesetzlichen Kartellverbot ausgenommen sein sollen vor allem Regelungen, die der Organisation des sportlichen Betriebs und der Integrit\u00e4t des Wettbewerbs dienen, etwa Anti-Doping-Bestimmungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Spielerberater-Reglement im Fu\u00dfball jedoch k\u00f6nnte nach Ansicht von Juristen in Bereiche hineinwirken, die mit dem rein sportlichen Geschehen auf dem Rasen nichts zu tun haben. Die FIFA k\u00f6nnte mit ihren Beschr\u00e4nkungen direkt in die wirtschaftliche T\u00e4tigkeit der Berater eingreifen und dabei ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen &#8211; dies w\u00e4re ein unzul\u00e4ssiger Versto\u00df gegen die Grunds\u00e4tze des freien Wettbewerbs und m\u00fcsste nun vom Landgericht Mainz gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>    Warum will die FIFA Spielervermittler reglementieren?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Interesse der FIFA und ihres Vorsitzenden Gianni Infantino an den Geldfl\u00fcssen im milliardenschweren Fu\u00dfballgesch\u00e4ft ist ausreichend dokumentiert. Hohe Summen werden auch auf dem Spielermarkt umgesetzt, auch f\u00fcr Zahlungen an Berater: Nach einem FIFA-Bericht \u00fcberwiesen die Klubs im Jahr 2025 alleine bei internationalen Transfers im M\u00e4nnerfu\u00dfball insgesamt 1,2 Milliarden Euro an Spielervermittler. In der Bundesliga summierten sich die Zahlungen an Berater laut dem Wirtschaftsreport f\u00fcr die Saison 2024\/25 auf mehr als 140 Millionen Euro.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Lamine Yamal mit Berater Mendes: Die Spielerberater-Branche setzt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr um\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass es der FIFA bei ihrem Berater-Reglement auch darum gehen k\u00f6nnte, die Kontrolle \u00fcber den immens lukrativen Transfermarkt zu erlangen, daf\u00fcr sprechen zwei Passagen in den FFAR-Regularien: Zum einen ist es vorgesehen, dass sich Spielerberater bei ihrer T\u00e4tigkeit k\u00fcnftig der Sanktionsgewalt der FIFA unterwerfen sollen, und damit auch unter die von der FIFA kontrollierte Verbandsgerichtsbarkeit. Dass die hauseigenen Juristen und Disziplinarkommissionen im Verdacht stehen, dabei auch Infantinos Gesch\u00e4ftsinteressen im Blick zu haben, dies hat bei der WM der <a href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/fussball\/fifa-wm-2026\/beschwerde-gegen-infantino-beim-ioc,wm-infantino-ioc-ethik-kommission-100.html\" title=\"Fall Balogun: Beschwerde gegen Infantino beim IOC\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Skandal um die ausgesetzte Sperre von US-Nationalspieler Folarin Balogun<\/a> gezeigt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Artikel 13 der FFAR-Vorschriften steckt ein weiterer verd\u00e4chtiger Passus: Dort ist es vorgesehen, dass die Provisionen, die bei Vertragsabschl\u00fcssen mit Spielern in der Regel von den Klubs an die Berater gezahlt werden, k\u00fcnftig \u00fcber ein bei der FIFA angesiedeltes &#8222;Clearing House&#8220; abgewickelt werden. FIFA-Patron Infantino w\u00e4re dann so etwas wie der oberste Kassenwart im weltweiten Transfergesch\u00e4ft &#8211; und h\u00e4tte damit einen Hebel in der Hand, &#8222;die Finanzstr\u00f6me auf dem globalen Transfermarkt kontrollieren zu k\u00f6nnen&#8220;, so die Bef\u00fcrchtung, die ein Vertreter der Deutschen Fu\u00dfballspieler-Vermittler Vereinigung gegen\u00fcber der Sportschau \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Deutschland hatte der DFB sein altes Regelwerk f\u00fcr Spielerberater, das ebenfalls vor den h\u00f6chsten Gerichten angefochten wurde, bereits angepasst. Aus den FIFA-Regularien wurden dabei nach DFB-Angaben zun\u00e4chst nur die Vorgaben f\u00fcr die Lizenzierung \u00fcbernommen. Dar\u00fcber hinaus wollte sich der DFB gegen\u00fcber der Sportschau nicht dazu \u00e4u\u00dfern, ob er auch die \u00fcbrigen FIFA-Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Berater umsetzen werde, und verwies auf das noch laufende Verfahren. DFB-Pr\u00e4sident Bernd Neuendorf ist selbst Mitglied im FIFA-Rat, der DFB hatte zuletzt die teils umstrittene Politik von Infantino stets mitgetragen.<\/p>\n<p>    Was sagen die Spielerberater zu den Regularien?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Deutschland hatte einer der bekanntesten Berater gegen die Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Spielervermittler geklagt: Roger Wittmann, der mit seiner Agentur Rogon seit Jahren bei vielen Fans als Reizfigur gilt und dem immer wieder Einflussnahme auf die Klubpolitik vorgeworfen wurde. In der vergangenen Saison <a href=\"https:\/\/www.sportschau.de\/regional\/swr\/swr-fanproteste-gegen-hopp-freund-wittmann-spielerberater-stellt-anzeige-100.html\" title=\"Fu\u00dfball | Bundesliga: Fanproteste gegen Hopp-Freund Wittmann - Spielerberater stellt Anzeige\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kam es bei der TSG Hoffenheim rund um Wittmanns Beziehung zu Klub-Patron Dietmar Hopp zu Fan-Protesten und internen Querelen<\/a>.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Fan-Protest in Hoffenheim gegen Beraterfirma Rogon\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber auch in anderen L\u00e4ndern gehen Spielerberater und Lobbyvereinigungen wie die &#8222;European Football Agents&#8216; Association&#8220; gegen die FFAR-Regeln vor. Die Beraterbranche wehrt sich gegen Beschr\u00e4nkungen ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit. Vor allem die gro\u00dfen Agenturen sehen sich als Full-Service-Dienstleister, die ihre Spieler ganzj\u00e4hrig beraten und ihre Interessen gegen\u00fcber den Vereinen vertreten, nicht nur bei Vertragsverhandlungen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der gr\u00f6\u00dfte Eingriff in den Augen der Berater ist dabei wohl die von der FIFA vorgegebene Obergrenze f\u00fcr Verg\u00fctungen und Honorare, die auch juristisch kritisch gesehen wird: F\u00fcr den Kartellrechtsexperten Mark Orth ist eine Deckelung von Provisionen durch die FIFA eine verbotene, sogenannte horizontale Preisbeschr\u00e4nkung: &#8222;Etwas Schlimmeres gibt es kaum im Kartellrecht. Daf\u00fcr kann es auch keine Rechtfertigung geben, etwa durch andere legitime Interessen, die der Sport f\u00fcr sich geltend macht.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr die Richter am OLG D\u00fcsseldorf, die das FFAR per einstweiliger Verf\u00fcgung ausgesetzt hatten, sind die Provisionsobergrenzen zudem ungeeignet und wom\u00f6glich sogar kontraproduktiv, um die ungesunde Dynamik und Preistreiberei am Transfermarkt einzud\u00e4mmen. Daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden auch die Berater, die, so der Vorwurf, ihre Spieler zu h\u00e4ufigen Vereinswechseln dr\u00e4ngen, mit der dann f\u00e4lligen Provision als Belohnung. Sollten die Beraterhonorare k\u00fcnftig aber tats\u00e4chlich gedeckelt werden, dann, so hie\u00df es in der Urteilsbegr\u00fcndung vom OLG, k\u00f6nnte f\u00fcr Spielervermittler &#8222;ein noch gr\u00f6\u00dferer Anreiz bestehen, m\u00f6glichst viele Transfers durchzuf\u00fchren&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 16.07.2026 \u2022 18:04 Uhr Der Streit um das Spielerberater-Reglement der FIFA geht in die n\u00e4chste Runde. 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